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Donnerstag, 30. September 2010

Gott und Mensch

Das wahre Verhältnis von Gott zum Menschen ist nur schwer vorzustellen und alle unsere Versuche dieses zu beschreiben bleiben unvollständig, ganz egal, was wir auch unternehmen wollen. Sicher ist, dass wir uns nur annähern können und eine solche Annäherung wird am besten über Metaphern betrieben. Eine solche Metapher möchte ich hier nur vorschlagen.
Man stelle sich vor die Welt ist ein Drama, ein Theaterstück, das von einem Dramatiker geschrieben wurde. Nehmen wir an es handelt sich um das Stück „Faust“ vom Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Wir Menschen befinden uns nun vorgestellt in der Position der Hauptfigur, des Gelehrten Doktor Faust. Dieser schaut sich in seiner Welt um, macht sich seine Gedanken und zieht seine Schlüsse daraus. Doch wie kann er Gewissheit über irgendeine Sache erlangen? Woher kann er wissen, dass das, was er sich vorstellt, mehr als Schall und Rauch, eine bloße Ansammlung von Ideen ist? Auf sich alleine gestellt, vermag er dies niemals zu wissen, denn alles, was er je wissen könnte beruht auf Annahmen, Annahmen über seine Welt und seine Sinneswahrnehmungen. Ja, es geht noch weiter, denn er hat nicht einmal einen echten Beweis für seine eigene Existenz! So geht es ja auch uns Menschen, denn keiner von uns vermag mit absoluter Sicherheit zu sagen, dass er nicht ein, sagen wir, Schmetterling ist, der davon träumt ein Mensch im 21. Jahrhundert auf einem Planten namens Erde zu sein.
So kann nun „Faust“ sich allerhand Überlegungen machen über seine Existenz, seiner Herkunft, den Sinn seines Daseins und sein Weiterleben bzw. Nichtweiterleben nach seinem Tod. Aber, welche Gedanken ihm dabei auch immer kommen mögen, so wäre er auf sich alleine gestellt doch niemals in der Lage mit Sicherheit sagen zu können, dass er von einem Autor geschaffen wurde. Zwar mag ihm sein Verstand, seine Phantasie und Kreativität auch diese Idee eingeben, doch bliebe diese allerdings eben eine metaphysische Vorstellung, nicht zu unterscheiden von einer bloßen Phantasie. Auch der Mensch befindet sich dergestalt im Universum stehend. Zwar kann er sich Gott vorstellen, doch weiß er aus sich selbst heraus niemals, ob es einen solches wirklich gibt, Gott bleibt Gedanke und wird nicht zur Realität. In diesem Stadium befinden sich alle Religionen, die einen Gott annehmen aber niemals eine tatsächliche Verbindung mit einem solchen hatten.
Und hier kommt das Entscheidende bei den Offenbarungsreligionen dazu. Christentum, Judentum und Islam sind solche Offenbarungsreligionen, denn alle drei nehmen für sich in Anspruch, dass Gott sich ihnen gezeigt habe. Beim Judentum dem Abraham, dem Moses, beim Christentum durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und beim Islam durch das Wort Gottes, das Buch, der Koran, wurde. Tatsächlich ist es so, dass nur durch eine solche Offenbarung der Mensch Gewissheit darüber erlangen kann, dass er von einem Schöpfer, Gott, geschaffen wurde.
Bleiben wir bei unserem Beispiel Faust. Woher weiß Faust nun, dass Goethe ihn geschaffen hat? Wir haben bereits gezeigt, dass er das selbst nicht wissen kann. Es ist überhaupt nur denkbar, wenn ein Kontakt zwischen Goethe und Faust stattfindet. Goethe müsste sich also selbst in sein Stück „hineinschreiben“, um Faust mitzuteilen, dass er dessen Schöpfer ist. Jetzt stellen wir uns vor, Goethe hätte so etwas getan, er hätte Faust ein Buch mit Regeln übergeben, wie die Menschen sich in seinem Stück verhalten sollten, wie sie erschaffen wurden und was die Zukunft des Stückes sein wird. Faust erhält also vom „Schöpfer“ ein solches Buch und zeigt es den anderen Menschen seiner Welt (Mephisto, Margarethe, Kaiser, Kanzler, Hexen etc.). Wie reagieren dies nun auf seine Behauptung, sie seine Dramenfiguren und ein Schöpfer namens Goethe hätte sie allesamt geschaffen? Manche würde wahrscheinlich ohne weiteres Faust glauben (vor allem, wenn sie ihm wohl gesonnen sind), andere wiederum wären strickt dagegen (seine Gegner) und wieder andere wäre stark im Zweifel, könnten sich aber nicht entscheiden (Agnostiker). So sieht heute auch die Situation auf der Erde aus.
Doch das „Buch“, das uns der Schöpfer (Gott) übergeben hat, nämlich die Bibel, beinhaltet, wenn man sie genau liest, Erklärungen für jeden der zweifelt. Auch die Welt selbst ist mit der Vernunft erfassbar und wenn das Herz nicht verstockt ist und man wirklich „seine Hausaufgaben“ macht, dann erkennt man, dass dieser Schöpfer uns tatsächlich mitgeteilt hat, dass wir von ihm geschaffen sind. Um Gott zu erfahren müssen wir jedoch aufhören zu sehr auf die linke Gehirnhälfte (Sitze der Ration) alleine zu vertrauen und uns der ganzheitlich erfassenden rechten Gehirnhälfte ebenso bedienen. Atheisten sind keine Menschen, die wirklich wissen, dass es Gott nicht gibt. Es sind Menschen, die persönliche Gründe haben gegen Gott zu sein, beziehungsweise ein hohes Interesse daran haben, dass es Gott nicht gibt. Denn dem offenen Herzen und auch dem weisen Verstand ist Gott leicht zugänglich. Tatsächlich müssen Atheisten viel mehr glauben, als Menschen, die an Gott glauben. Ein Atheist ist ein Mensch der Lotto spielt mit einem einzigen Tipp und tatsächlich die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen für höher einschätzt, als jene zu verlieren. So verquert kann das Denken sein, wenn man sich der allumfassenden Erkenntnis verschließt!
Gott respektiert den freien Willen des Menschen, deshalb wird Gott sich niemals so zeigen, dass er sich einem aufdrängt, auch dem Verstand nicht, wie etwa 5 + 5 = 10 ist. Die Möglichkeit auch „Nein“ zu Gott zu sagen bleibt immer bestehen. Es ist ein Irrtum anzunehmen der freie Wille würde die Allmacht Gottes einschenken. Das ist eben gerade nicht der Fall. Der freie Wille ist nicht Einschränkung der Allmacht Gottes, sondern Ausdruck der Liebe zu seinen Geschöpfen. Gott möchte keine Sklaven, sondern Kinder, die ihn aus freien Stücken heraus lieben. Deshalb entsteht auch so viel Verwirrung, wenn es um das Leid in der Welt geht, welches nicht von Gott kommt, sondern durch den missbräuchlichen Gebrauch des freien Willens des Menschen entsteht. Egal, was ein Mensch glaubt, ob er nun Gott für wahr hält oder nicht, auch der Atheist hat folgende Kategorien für seine Annahme: Intellektuelle, persönliche und soziale Gründe.
Wer alles bis auf den Grund erforscht, über den Verstand, das Gefühl und den Willen hinausgeht, der kommt zur wahren Erkenntnis und diese besteht darin zu erkennen, dass es eine Gott gibt, der alles erschaffen hat, in dem alles ist und außerhalb dessen nichts existiert. Was dies wirklich bedeutet, frei von Raum und Zeit zu sein, vermag unser Verstand uns nicht zu sagen, denn diese sein eben dessen Grenzen; doch im Vertrauen auf den Allmächtigen können wir in Gewissheit unser Leben leben und wenn wir den Heiland Jesus Christus akzeptieren und anerkennen, dass er für unsere Sünden gestorben ist und am dritten Tag leibhaftig in den Himmel aufgefahren ist, dann werden wir nicht verloren sein, sondern das ewige Leben haben. Das ist es, was ich aufrichtig glaube!

Samstag, 24. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Abschluss – Teil 6/6

Das Buch „Der Mensch im Kosmos“ wurde vor mehr als siebzig Jahren geschrieben und erst nach dem Tod Teilhard de Chardins veröffentlicht. Trotzdem hat sein Weltbild nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Wir wissen heute zwar weitaus mehr über die Welt der „kleinen Teilchen“, haben eine Fülle an prähistorischen Funden gemacht, die TdC noch unbekannt waren. Doch an der grundsätzlichen Richtigkeit seiner Ansichten konnte bislang nicht gerüttelt werden. Wir Menschen operieren immer mit Vorstellungen, die uns die Navigation durch das Universum und unser Leben helfen. Das Weltbild von TdC bietet einen wunderbaren Rahmen, indem der Mensch innerhalb des Gesamten seinen Platz finden kann, der ihm dabei hilft seine Aufgabe in der Welt zu finden, der Sinn und Zweck nicht nur dem individuellen Leben, sondern der ganzen Menschheit zu geben vermag. Und das ganze ohne dogmatische Glaubenssätze, die entweder vollständig angenommen oder völlig verworfen werden müssen. TdC selbst hat mit diesem Werk dazu beigetragen Wissenschaft und Religion, wenn auch noch nicht mit einander versöhnt, so doch einander sehr nahe heran geführt zu haben. Verständigen Personen fällt es leichter beide existieren zu lassen, als das eine für das andere aufgeben zu müssen. Ich möchte nur nebenbei erwähnen, dass der eigentliche Grund dafür warum Menschen mit der Wissenschaft bzw. der Religion Schwierigkeiten haben meist in der eigenen Erziehung liegt. Allzu oft wird blinder Gehorsam gefordert, es gibt kaum ein Kind, das eine glückliche Kindheit hatte. Zwar sind die meisten Menschen davon überzeugt, dass ihre Kindheit schön war, und ihre Seele verlangt danach dies zu sehen, doch, was Psychologen seit längerem wissen, dringt auch allmählich in die Köpfe der Menschen ein: Die Kindheit ist im Grunde die schrecklichste Zeit des Lebens, in der dem Kind aberzogen wird sich selbst zu trauen, selbst zu denken und zu fühlen. Der Mensch ist fast ausschließlich ein Ergebnis von Dressur und Teil dieser Dressur ist die eigene Kindheit als schön zu sehen und die Eltern zu ehren. Die Wahrheit ist das genaue Gegenteil davon! Die Weltbilder, die jemand vertritt, hängen direkt mit der Erziehung (was für ein schreckliches Wort im Grund) zusammen. So erklärt sich auch zum Teil, so viel Abneigung gegen die Vereinigung von Wissenschaft und Religion. Lassen wir uns nicht täuschen! Der Mensch vertritt im Leben seine Position aus seinem Unbewussten heraus. Der Verstand hat dann nur geschickt eine Erklärung zu liefern, um die ganze Sache gerechtfertig aussehen zu lassen. Meist glaubt der Mensch selbst daran „gute Gründe“ für seine Einstellung zu haben. Und die hat er auch, sie liegt aber nicht in seiner verstandesmäßigen Erklärung, sondern in der Liebe des kleinen Kindes und dessen Abhängigkeit von den Eltern, die es dazu bringen nicht die Wahrheit zu sehen, weil es Vater und Mutter so lieber ist. Das war nur ein kleiner Exkurs in den Bereich der Erziehung und die Verderbtheit der Kindheit. Ich werde in den nächsten Tagen eine neue Serie zu diesem Thema beginnen.

Der britische Wissenschaftler Rupert Sheldrake hat vor einigen Jahren bereits erkannt, dass es eine Art „unsichtbares Netz“ geben muss, dass Lebewesen derselben Art miteinander verbindet. Er nannte dieses Netz „morphogenetisches Feld“. So scheinen Informationen innerhalb dieses Netzes ausgetauscht zu werden, zwischen Angehörigen derselben Art, die miteinander nie in körperlichen Kontakt kommen. Eine Finkenart in Neuseeland etwa entwickelte eine neue Fertigkeit beim Netzbau und kurz darauf konnte dieselbe Fertigkeit bei Vögeln in Europa studiert werden, obwohl die Vögel in Neuseeland nie Kontakt zu ihren Artgenossen in Europa hatten. Es spricht vieles dafür, dass es auch eine Art morphogenetisches Netz der Menschen gibt. Unser Bewusstsein ist wahrscheinlich miteinander verbunden und potenziell könnte jeder Mensch mit jedem anderen Menschen, ohne körperlichen Kontakt und technische Hilfsmittel (Video, Internet, Telefon, etc.), Kontakt aufnehmen. Wie sich die Forschung hier weiter entwickelt, wird man sehen, doch die Ansätze sind viel versprechend.

Was nun die Achse der Evolution betrifft, so hat TdC sie in Jesus Christus erkannt. Die tangentiale Energie (Nächstenliebe) intensiviert die radiale Energie (Liebe zu Gott). Wer also dem „Weg Jesu“ folgt, der ist im Einklang mit der Entwicklung des Universums. Aber für jeden Menschen gilt, dass er nach bestem Wissen und Gewissen handelt muss. Doch das Gewissen kann sehr trügerisch sein. Bei den meisten Menschen ist es so stumpf und von der Gesellschaft, den Eltern etc. so korrumpiert, dass es seine Funktion fast vollständig verloren hat. Erst, wenn der Mensch sich befreien kann, dann kann er wieder erkennen, wer er eigentlich ist und sein wahres Gewissen erkennen und dann danach handeln. Hier liegt meines Erachtens nach einer der kritischen Punkte. Das „Gewissen der Welt“ mit dem „wahren Gewissen“ zu verwechseln. Jesus sagt dazu: „Seid in der Welt, nicht von der Welt!“. Wer sein Leben in der Welt lebt, so als ob er von dieser Welt wäre und nicht von Gott, der wird seinem eigentlichen Auftrag nicht gerecht und führt auch kein völlig wertvolles Leben. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

Noch etwas möchte ich erwähnen. Wissenschaft ist oft eine Ablenkung gewesen vom einzigen, was der Mensch wirklich brauch: nämlich sich selbst. Wir erforschten die Gestirne, machten Erfindungen aller Art, haben die Welt technisiert, nur uns selbst sind wir immer noch ein Rätsel. Fortschritt kann der Mensch nur machen, wenn er herausfindet, wer er selbst wirklich ist, darauf haben wir in Zukunft den Schwerpunkt zu setzen. Sonst sind wir wie Kinder, die plötzlich Atomwaffen in den Händen halten. Es ist unbedingt notwendig, dass die Menschheit „erwachsen“ wird, sonst werden wir über kurz oder lang nicht mehr existieren! Der wahre Kampf auf der Welt findet im Geiste statt. Wir haben einen riesigen Fehler gemacht, als wir Gott und den Menschen getrennt haben. So war es ursprünglich nicht gedacht. Der wahre Sündenfall bestand darin, nicht Gott erkannt zu haben, sondern einen Gott im eigenen Geiste geschaffen zu haben und dieses Bild in den „Himmel“ hinauf projiziert zu haben und dann für wahr gehalten zu haben. Die Trennung von Gott und Mensch hat erst den Dualismus geschaffen, hat ein Oben und ein Unten entstehen lassen und damit auch Gut und Böse. Wir müssen erkennen, dass das Böse seinen Ursprung darin hat die (unverdorbene) Natürlichkeit des Menschen zu unterdrücken und irrige Annahmen von Generation zu Generation weiter zu geben. Das Böse ist ein Irrtum, nicht eine Entität im Universum! Wenngleich dahinter jedoch der Verführer steckt. So ist der Weg des Menschen durch die Entwicklung ein einziger Passionsweg. Zwar ist diese Geburt immer mit „Geburtswehen“ verbunden und dem damit einhergehende Leid, doch gerade der Mensch hat den größten Teil seiner Schmerzen selbst verursacht, findet sogar Gefallen daran und ergötzt sich, vor allem, wenn der Schmerz den anderen und nicht einen selbst trifft, daran.

Eine letzte Bemerkung möchte ich noch machen. Das Internet ist ein Chaos, eine großer Misthaufen mit ein paar Perlen darin. Die Struktur ist überfrachtet von Informationen, von denen ein Großteil schädlich oder unsinnig ist. Doch gerade das Internet bietet einen schönen Einblick in die Geisteshaltung des heutigen Menschen. Die Hemmungen, die beim direkten persönlichen Kontakt gegeben sind, verschwinden im Internet in der scheinbaren Anonymität. So glaube ich, dass wir hier ein der Wahrheit eher entsprechendes Bild bekommen über das, was in den Köpfen wirklich vor sich geht, da keine „Höflichkeitsregeln“ eine Zensur vornehmen. Das sollte uns allen zu denken geben. Werden wir es erleben, dass im Internet eine Ordnung einkehrt, dass Menschen sich nicht mehr daran ergötzen andere nieder zu machen, zu verführen, zu manipulieren? Die Entwicklung wird es zeigen. Ich für meinen Teil habe aber trotz allem meinen leisen Optimismus anzumelden. Der Mensch ist im Grund viel besser, als er sich zeigt, er weiß es nur selbst nicht. Man hat ihm etwas Anderes beigebracht.

Donnerstag, 22. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Höheres Leben – Teil 5/6

Die Gefahr des modernen Menschen besteht darin, dass er auf den zunehmenden inneren psychischen Druck, der auf ihm lastet mit Isolation reagiert. Dies ist zwar verständlich, bedeutet aber eine Rückwendung, ein Regression. Tatsächlich ist das die häufigste Reaktion, die wir auf der Welt beobachten können. Die Welle der „Selbstverwirklichung“ ist immer noch nicht völlig abgeebbt und hat gerade in letzter Zeit noch einmal einen Aufschwung erlebt. Aber die wahre Selbstverwirklichung liegt, wie ich bereits im letzten Beitrag angesprochen habe gerade nicht darin sich zu isolieren und sich ausschließlich auf sich selbst zu zentrieren, sondern in der Ausweitung der tangentialen Energie, das heißt die dichtere Verbindung mit der Welt und anderen Menschen.

Auf den Narzissmus des Individuums folgte oft der Narzissmus einer Gruppe. Die nationalistischen und rassistischen Bestrebungen der letzen zweihundert Jahre zeigen dies ganz deutlich. Es sind gerade die am wenigsten individualistischsten Menschen, die sich in der Gruppe am leichtesten wieder finden. Doch in der heutigen Welt, brauchen wir eine größere Identifikation, eine mit der gesamten Welt und mehr noch mit dem ganzen All. So lange der Mensch sich mit Dingen identifiziert, die beschränkt sind, ganz egal, wie weit der Horizont auch sein mag, solange wird er sich „klein“ fühlen. Wenn ich auch die ganze Welt wäre, so wäre ich doch noch immer winzig klein im Gegensatz zum Universum. Die einzige Möglichkeit Sicherheit, endgültige Sicherheit, zu erlangen besteht in der Identifikation mit dem All als Ganzem, mit der Unendlichkeit von Raum und Zeit. Bisher wissen nur die Mystiker, was das wirklich bedeutet. Ich bin aber davon überzeugt, dass diese bisher seltenen Erlebnisse einzelner, in Zukunft zu einem allgemeinen Erleben der Menschen schlechthin werden wird, ja werden muss!

In der Phase der Noogenese geht es darum einen „wahren Geist der Erde“ zu schaffen, das Gesamtergebnis der einzelnen Bewusstseinszentren, die wir im menschlichen Geist finden. Die Evolution ist der Aufstieg es Bewusstseins und der Aufstieg des Bewusstseins ist die Einigungswirkung. Es kommt zu einer Meta-Synthese des Bewusstseins, woraus eine neue Schicht oberhalb der Sphäre des Denkens entsteht. Was es dazu braucht ist ein neues Leitbild, ein erweitertes Bild des Humanismus. Viel wird heute darüber gesprochen zwischen dem Gegensatz von einem humanistischen und einem gotteszentristischen Weltbild. Beide sind im Grunde kein Widerspruch. Gott und Mensch sind nicht voneinander zu trennen. Dieser Irrtum ergibt sich nur dort, wo es heißt man müsse sich entscheiden, ob nun Gott oder der Mensch im Zentrum des Weltbildes stünde. Gott steht zwar außerhalb der Schöpfung, durchdringt sie aber gleichermaßen von Anfang an in jedem noch so kleinen Teilchen. Ein wahres Gotteszentriertes Weltbild ist ein Menschenzentriertes Weltbild und ein wahres humanistisches Weltbild ist auch eines, bei dem Gott im Zentrum steht. Freilich darf der Mensch nicht das Ego in den Mittelpunkt des Weltbildes stellen, wie wir es in der heutigen Zeit erleben, das ist ein unsinniger Humanismus. Was wir brauchen ist den Heiligen Geist, um mit den Worten des Christentums zu sprechen, der göttliche Teil der im einzelnen Wirken kann ins Zentrum des Weltbildes zu stellen. Ein solches Weltbild ist völlig gottes- aber ebenso völlig menschzentriert. Erst wenn wir dies verstehen und die Dichotomie auflösen können, dann werden wir uns zu einem einheitlichen neuen Weltbild durchringen können. Bislang sind wir so weit noch nicht gekommen.

Heute kann der Mensch nur noch durch wechselseitige Durchdringung weiter wachsen. Durch die Abnahme vieler Arbeiten durch Maschinen, konnten immer mehr Menschen ihren Geist im geistigen Bereich nutzen und dies führte allmählich zu einem neuen „Bewusstsein“ auf höherer Ebene. Alles wirklich Große schreitet langsam voran und wird in seinen Anfängen kaum bemerkt. In der Noogenese werden der Raum und die Zeit menschlich. Das Universelle und das Persönliche schließen sich nicht mehr aus, sie streben beide einem gemeinsamen Höhepunkt entgegen. Das Universal-Zukünftige kann nur ein Überpersönliches sein – im Punkt Omega. Omega wirkt bereits jetzt in alles hinein.

Das Universum ist ein „Sammler und Bewahrer“ von Bewusstsein. Das Kollektiv der Menschen ist dabei allmählich eine „Weltseele“ zu bilden. Egoismus ist die Verwechslung von Individualität mit Persönlichkeit. Der Egoist empfindet zwar richtig, aber er unterliegt einem Irrtum. Um wirklich wir selbst zu sein, müssen wir voranschreiten im Sinne einer Konvergenz mit allem Übrigen. Unser endgültiges Wesen, unsere Einzigartigkeit, liegt nicht in der Individualität, sondern in unserer Person. Das wahre Ego wächst umgekehrt proportional zum Egoismus! So wächst ganz von selbst die universelle Energie der Liebe.

Liebe in voller biologischer Realität ist die Anziehung, die ein Wesen auf andere Wesen ausübt. Es ist deshalb gerade die Liebe, welche die künftige „Weltseele“ schafft. Universelle Liebe ist psychisch durchaus möglich und es ist die vollständige und endgültige Art der Liebesfähigkeit. Ein Kollektiv, das den Einzelnen absorbiert, tötet die Liebe und widerstrebt letztendlich der Evolution. Was sind nun die Attribute dieses Endpunkte, des Punktes Omega, von dem schon so viel geschrieben wurde? 1.) Die Liebe (allumfassend und bedingungslos!) Gott ist die Liebe, heißt es in der Bibel, ebenso ist es die Liebe, die die Evolution von Anfang an begleitet und sie vorantreibt und sie wird auch ihr großes Ende sein. 2.) Das Fortleben und 3.) Irreversibilität. Omega ist das letzte Glied einer Reihe aber es steht selbst außerhalb der Evolution.

Eine Erkenntnis ist hier wichtig: Auf dem Stand der Tiere geht die radiale Energie beim Tod wieder auf das Tangentiale zurück, beim Menschen hingegen befreit sich das Radiale vom Tangentialen! Gerade das ist die Einmaligkeit des Menschen. Wenn ein Leib stirbt, lebt der Mensch trotzdem weiter, das Leben nach dem Tod ist keine Illusion, sondern Realität! Irgendwann wird die Wissenschaft wahrscheinlich in der Lage sein dies zu erkennen, bis dahin gibt es zwar einige Hinweise, die jedoch nicht genügen für eine wissenschaftliche „Wahrheit“ und so müssen wir noch eine Weile daran glauben, dass wir nach dem Tod weiterleben werden. Für den Gläubigen ist das Leben nach dem Tod eine Gewissheit und keine Annahme.

Das Ende der Welt ist unvorstellbar. Meist verbindet man damit eine Art riesiger Katastrophe, eine höllische Apokalypse. Je höher die Noogenese steigt, desto gefährlicher wird auch das Handel des Menschen: Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen etc. nehmen eher zu als ab. Das Ende des Einzelwesens führt jedoch nicht zum Ende der Art, das wird leider allzu oft vergessen. Aber an der Menschheit als Ganzes hängt nun die ganze Evolution. Ohne uns gibt es keine Weiterentwicklung, mit uns steht oder fällt alles. Die Natur kann nicht mehr ohne uns existieren. Wir selbst sind die voranschreitende Natur geworden, wir sind identisch mit ihr geworden und mehr noch: Das ganze Universum hängt von uns ab! Scheitern wir, so scheitert die ganze Schöpfung! Aber zwischen dem unendlich Kleinen und dem unendlich Großen scheint es eine Vereinbarung zu geben, das Bewusstsein, das zwischen ihnen entstand zu unterstützen und zu schützen. Gottes Hand bewahrt die Schöpfung davor unterzugehen, und das ist unsere größte Trumpfkarte, die wir haben! Und sie rechtfertigt den Optimismus, den Glauben an die Zukunft und mehr noch den Glauben des Menschen an den Menschen selbst.

Es gibt drei Hauptlinien entlang deren sich die die vermenschlichte Evolution (das Künstliche) bewegt. 1.) Die Wissenschaft, 2.) Konzentration auf das Objekt Mensch und 3.) Verbindung von Wissenschaft und Religion. Von diesen drei Punkten wird es abhängen, wie sich die Noogenese entwickelt. Wir blicken nach außen, aber ebenso nach Innen und erkennen, dass das interessanteste Objekt des Studiums der Mensch selbst ist. Wenn die Wissenschaft über das Stadium der Analyse hinaus geht und sich der Synthese zuwendet und sich mit der Religion verbindet, dann können wir zu einem einheitlichen, echten Erkenntnisakt gelangen, eine Vereinigung von Mystik und Wissenschaft! Um die Person des Menschen aufzunehmen, muss das Universum irreversibel die Persönlichkeit herausbilden.

Für das Ende gibt es nun zwei Szenarien. Entweder konvergiert die Welt im Frieden, der Krieg wird endgültig beseitigt, Armut und Verbrechen verschwinden allmählich vom Erdboden. Das zweite Szenarium wäre eine Zweiteilung der Welt. Während der eine Teil sich weiter im Rahmen der Noogenese entwickelt, Fortschritte in Richtung Omega macht, bleibt ein anderer Teil in Krieg, Terror und Wirren stecken und erreicht Omega nie. Der fortschrittliche Teil würde dann am Ende „in den Himmel kommen“, während der rückständige Teil „in die Hölle fahren“ würde. Dieses Szenario entspricht mehr den klassischen Vorstellungen von der Endzeit. Was auch immer geschehen wird, es ist keine schlechte Entscheidung sein Leben auf Omega auszurichten. Vielleicht sehen wir uns dann alle eines Tages im Himmel wieder! Ich finde, die Sache ist es wert!

Dienstag, 20. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Das Denken– Teil 4/6

Sieht man sich den Menschen an, so scheint er ein Tier höchster Güte zu sein. Doch blickt man genauer hin, dann sieht man, wie sehr man ihm damit überhaupt nicht gerecht wird. Mag die DNS des Menschen auch größtenteils mit der des Schimpansen übereinstimmen, so ist der Unterschied im tatsächlichen Verhalten und Erleben weitaus größer als diese kleine Unterschied von 3-5 Prozent. Nur im Menschen hat sich die Innenseite der Materie so verdichtet, dass eine Ichreflexion entstanden ist. Der Mensch weiß nicht nur, dass er etwas weiß, er weiß auch, dass er weiß, dass er weiß! Damit ist der Mensch nicht einfach das höchst entwickelte Tier auf der Welt, sondern etwas komplett Anderes!

Nur im Menschen hat sich der Sprung zum Bewusstsein vollzogen. Allerdings hat der Mensch noch enorme Probleme in diesem „Ich“ seinen Halt zu finden. Ein Großteil der gesellschaftlichen und individuellen Schwierigkeiten geht darauf zurück, dass der Mensch noch nicht weiß, wie er diesen Halt gewinnen könnte. Es scheint ihm so zu sein, dass er von der Welt getrennt ist. Die Ichreflexion führt dazu, dass der Mensch sich selbst als von allem anderen getrennt wahrnimmt und das verursacht unweigerlich Angst. Es scheint so zu sein, dass er in die Welt „hineingeworfen“ wurde, wie es Heidegger ausgedrückt hatte. Tatsächlich gibt es kein Zurück mehr in ein einfacheres Stadium, außer vielleicht der Flucht in die Geisteskrankheit. Die Persönlichkeit entsteht in Wahrheit durch die Personalisierung aller Dinge. Nicht darin, dass der Mensch sich isoliert und eitel oder ängstlich eine Nabelschau betreibt, sondern indem er sich allen Dingen öffnet und sie zu seinen eigenen Macht. So lange der Mensch sich dem Universum als getrennt gegenüber sieht, kommt er sich unendlich klein und unbedeutend vor. Die Gefahr besteht, dass Illusionen und Ersatzhandlungen diese Angst überdecken. Doch gibt es einen gesunden Weg, um das Problem zu lösen und der besteht darin, sich selbst so weit auszudehnen, dass es das gesamte Universum umfasst. In allen Dingen sich selbst zu erkennen, ist tatsächlich die einzige Weise diesen innerseelischen Konflikt zu lösen. Heute steht der Mensch alleine und einzigartig auf der Erde dar. An seiner Wiege standen noch viele animalische Formen neben ihm.

Durch den Menschen hat sich über die Biosphäre eine ganz neue Schicht gelegt, die zwar nicht sichtbar aber durchaus wahrnehmbar ist: die Schicht des Denkens, die überall auf dem Planeten anzutreffen ist. Um den Menschen zu verstehen genügt die Anatomie nicht mehr, dazu braucht man die Psychologie. Die Naturwissenschaften leisten gute Dienste bis zur Stufe des Denkens, doch ab dieser Stufe muss sich die Betrachtung nach Innen, ins innere des Menschen selbst, verlagern. Aus den Lektionen aus der Phylogenese lernen wir, dass sich das Denken des Menschen nicht zufällig ergeben hat, sondern dass es ein planmäßiges Entstehen war. Die Psychogenese hat den Menschen über eine lange Zeit hinweg geführt, doch nun sehen wir das Entstehen einer weiteren Entwicklungsphase, jene des Bewusstseins selbst und diese geht weit über die Psychologie hinaus, es die dies die Noogenese.

Diese Noogenese legt sich erneut über die Schicht des Denkens und hüllt die Erde in eine neue Lage aus bloßem Bewusstsein ein. Bevor sich der Homo Sapiens, wie wir ihn heute kennen endgültig durchgesetzt hatte, lebte er eine zeitlang zusammen mit anderen Hominiden, die heute alle ausgestorben sind. Der bekannteste davon war der Neandertaler. Auch diese frühen Formen von Hominiden hatten ein Bewusstsein. Wir wissen nicht genau, wie sehr es ausgeprägt war, aber es scheint dem Menschen nicht unähnlich gewesen zu sein und die Stufe hatten sie zum größten Teil überwunden, wie der Cro-Magnon-Mensch, der wir noch heute sind. Es ist wahrscheinlich so, dass die körperliche Evolution beim Menschen aufgehört hat. Von nun an geht alles nur noch über den Geist weiter. Und der Mensch ist selbst die treibende Kraft der Evolution geworden. Es geht, zumindest auf der Erde, kaum mehr eine Evolution am Menschen vorbei. Man kann wohl sagen, dass die Evolution heute ganz einfach das Handeln des Menschen selbst ist und zwar in jeder Form, mitsamt allen Irrungen und Fehlleistungen.

Kulturell ist die Evolution in den letzten Jahrhunderten über Europa und Amerika gelaufen, zumindest seit der Renaissance. Die Anfänge des höheren Lebens des Menschen liegen wohl in der Jungsteinzeit, als die Menschen sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben und begannen größere Gemeinwesen bis hin zum Staat zu bilden. Die Anfänge verlieren sich in der Geschichte. Aber die fruchtbarsten, diejenigen, auf die wir noch heute aufbauen, waren die alten Hochkulturen im vorderen Orient, Mesopotamien und in Ägypten. Zwar gab es auch frühe Hochkulturen in Mittelamerika, China und Indien, doch sie verliefen sich in Sackgassen. Mittelamerika blieb auf einem gewissen Niveau stecken und war veraltet, als die Europäer ankamen. China blieb eine einfache Gesellschaft mit Feudalstrukturen bis ins 20. Jahrhundert hinein. Die Chinesen habe sich immer mehr spezialisiert, bis sie einige Künste bis zur Perfektion beherrschten, doch blieb die gesellschaftliche und größtenteils auch die technische Weiterentwicklung stecken. Indien wiederum mag die Welt mit seiner „geistigen“ Welt erfrischen, doch verrannte sich die Kultur heillos in der Metaphysik. Zwei Überzeugungen verhinderten, dass Indien sich weiter entwickeln konnte und sie sind es noch heute, die Indien am Fortschritt bremsen: 1.) Die Ansicht, dass die Welt im Grunde gar nicht real sein, sondern eine Art reines Geistgebilde, vergleichbar einem Traum (eines Gottes). 2.) Die fatalistische Wirkung des Karma. Alles ist bestimmt durch Ursache und Wirkung, der freie Wille kommt wenig oder gar nicht vor. Das führt zu Trägheit und einer Kultur des „Erduldens“. Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass die Entwicklung über Mesopotamien/Ägypten über den Mittelmeerraum und später über Europa und dann Amerika weiter gegangen ist, bis zum heutigen Tag.

Es ist gerade der Glaube der Menschen daran, das Schicksal in die Hand nehmen zu können, gestalterisch wirken zu können, die den Fortschritt möglich macht. Dabei gibt es notwendigerweise „Geburtswehen“, das ist das Leid auf der Welt mit all seinen Auswirkungen: Krieg, Krankheiten und dergleichen. Diese sind nicht sinnlos, sondern sind unabwendbare Begleiterscheinungen einer sich in Entwicklung befindlichen Welt. Wäre uns das bewusst, dann könnten wir viel mehr ertragen und wir würden nicht so sehr von solchen „Wehen“ getroffen. Die Menschen wachsen nun in der Noogenese immer mehr zusammen. Der Verstand versucht die Illusion der Nähe zu überwinden und gleichzeitig für die nötige „Sicherheit“ zu sorgen, um dabei seelisch gesund zu bleiben. Nun ja, wir haben damit oft nur wenig Erfolg und nicht wenige Menschen fallen in ein abergläubisches, das heißt, primitiveres Stadium, zurück. Der Mensch hat die Tendenz sich zu isolieren, da ihm das Universum zu gewaltig erscheint und das Glück scheinbar gerade darin liegt seine Energien auf sich selbst zu konzentrieren. Tatsächlich entstehen der Menschen Probleme, vor allem in psychischer Natur, durch die Konfrontation mit der Raumzeit. Im Ichbewusstsein liegt die Urform der Angst, aus der sich alle anderen Ängste ableiten. Spürt der Mensch jedoch die Energie, den „Strom“, der ihn trägt, der er ihm Grunde selbst ist, dann sieht er ein, dass seine Weiterentwicklung nicht im Egoismus, im Narzissmus, sondern in der Verbindung mit den anderen und der Sorgen für die anderen und die ganze Schöpfung liegt. Gerade im Dienst an der Schöpfung offenbart sich die ganze Einzigartigkeit des Individuums. Hier liegt die Aufhebung der Dichotomie, die wir so notwendig haben, um psychisch gesund zu sein.

Erich Fromm hat geschrieben, dass die Kranken die eigentlich gesunden seine und die angepassten, die eigentlich Kranken. Beim unangepassten Menschen ist die Individualität noch nicht völlig zugunsten einer Formung durch die Gesellschaft, gewichen. Aber es sind gerade diese Menschen, die die Menschheit vorwärts bringen, die dem Zwang der Konformität widerstehen. Die Gesellschaft mag solche Menschen nicht, da sie ihren Bestand bedrohen. Anscheinend ist es einer Gesellschaft wichtiger so wie sie ist fortzubestehen, als gesund zu werden. Aber mit Ausbreitung und Verdichtung der Noogenese wird diese alte Erfahrung nicht mehr aufrecht zu erhalten sein. Es heißt zwar, dass der Mensch sich nicht ändere, nur die Umstände würden das tun. Doch das stimmt nicht, der Mensch kann sich ändern, das ist unbestritten, wenn man sich die Potenzialitäten des Homo Sapiens ansieht. Die Frage ist nur, was es braucht, damit er sich auch tatsächlich ändert.

Wie kann wieder Ordnung aus dem Chaos entstehen, dass wir überall auf der Welt vorfinden. Dass es so nicht weiter gehen kann wie bisher, das ist inzwischen jedem klar geworden. Doch wo liegt die Lösung? Was kann man tun? Zuerst einmal brauchen wir den Glauben an den Menschen, trotz aller Vergangenheit und aller Fehler, die er gemacht hat. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist eine Notwendigkeit, ohne die weder der einzelne, noch die Gesellschaft, noch die Menschheit als ganzes überleben kann. Einem Menschen die Hoffnung zu nehmen, ist genau so, als ob man ihn tötete. Die letzte Hoffnung ist jene auf den Punkt Omega, auf eine Ziel der Evolution, ein absolutes Ende in und bei Gott. Dies darf jedoch nicht als Weltflucht verstanden werden, wie man es bei Leuten beobachten kann, die das Ende der Welt (Weltuntergang) geradezu herbei sehnen, weil dann die Probleme endgültig gelöst wären und ein „neues Zeitalter“ anbrechen würde. Es ist weniger anzunehmen, dass so etwas geschehen wird. Omega durchzieht bereits die Schöpfung und wenn wir uns auf diesen Punkt einlassen, dann können wir selbst die Änderung vornehmen. Das heißt nicht, dass der Mensch eigenmächtig die Welt verbessern könnte, das kann er nicht. Sondern ich will damit sagen, dass wir Menschen Gott durch uns hindurch arbeiten lassen, viel mehr, als dass wir selbst den Job nur auf uns gestellt erledigen. Wir brauchen einen absoluten Optimismus, einen Optimismus der sich aus reiflicher Überlegung ergibt und alles andere als naiv genannt werden kann. Dann letztendlich geht es nicht einfach nur um das Überleben, sondern um ein Höheres Leben!

Samstag, 17. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Das Leben – Teil 3/6

Der Übergang vom Unbelebten zum Belebten liegt immer noch weitgehend im Dunkeln. Experimentell haben Urey und Miller nachgewiesen, wie die ersten Aminosäuren aus unbelebter Materie entstehen könnten. Aminosäuren sind die Grundlagen des Lebens, der Mensch braucht zwanzig davon für sein Bestehen. Als Teilhard sein Buch „Der Mensch im Kosmos“ 1938 schrieb, wusste er davon noch nichts. Die Grenzen zwischen dem Leben und dem Unbelebten verschwinden im Dunkel der Frühzeit der Erdgeschichte, trotzdem würde kein Wissenschaftler diesen Übergang einfach mit dem Argument verwerfen, er sei zu fantastisch.

Das Leben wäre aber undenkbar, wenn es nicht von Anfang an, und zwar noch in der unbelebten Materie, einen Ansatz von „Psyche“ gegeben hätte. Das Leben trat plötzlich auf dem Planeten auf. Wahrscheinlich war es ein glücklicher Zufall, der sich nur ein einziges Mal und womöglich überhaupt nur auf der Erde und keinem anderen Planeten ereignete. Als die Möglichkeit für Leben sich in einer Sekunde der Evolution zeigte, scheint etwas „zugegriffen“ zu haben, um das Potenzial auch wirklich zu entfalten. Das eigentliche Leben beginnt mit der Zelle, sie ist der natürliche Kern des Lebens. Um die Zelle zu verstehen, muss sie aber auf einer Achse der Zeit zwischen Vergangenheit und Zukunft eingereiht werden. In Absteigender Richtung löst sich die Zelle in den Molekülen auf. Auf einfacher Ebene sind die Zellen beinahe Randgebiete der „Materie“. In ihrer Einfachheit und Symmetrie weisen sie auf ihre Verwandtschaft untereinander hin. Der „Sprung des Psychischen“ ist auf dieser einfachen Stufe schwer zu verstehen. Im Bereich der physikalisch-chemischen Prozesse ist sie nicht festzustellen, auch im Bereich der Biologie, zumindest bei den einfacheren Lebewesen, ist sie noch sehr zweifelhaft. Erst im Bereich dessen, was wir Denken nennen, zeigt sich eine Verinnerlichung, die wir als „Psyche“ bezeichnen. In ihrer vollendetsten Form sehen wir sie beim Menschen.

Interessant ist, dass dort, wo die ersten Zellen entstanden sind, sie sich sogleich auf der ganzen Erde ausgebreitet haben. Zwischen Körpergröße und Zahl der Lebewesen scheint es einen starken Zusammenhang zu geben. Je größer ein Lebewesen ist, desto geringer ist die Anzahl der Individuen. Das trifft zumindest grundsätzlich zu. Je höher ein Lebewesen sich entwickelt hat, desto weniger spielt die Wahrscheinlichkeit eine Rolle. Immer mehr tritt die Spontaneität in den Vordergrund. Auch wenn der moderne Mensch weit davon entfernt ist ein wahrhaft spontanes Leben zu führen, ist doch beim Homo Sapiens der spontane Einfluss stärker zu beobachten, als bei jeder anderen Spezies.

Die Verwandtschaft des Lebens zeigt sich vor allem auf der Ebene der Zellen aber auch bei den allgemeinen Entwicklungsgesetzen: Man beobachte dazu die Onto- und die Phylogenese. Alles weist darauf hin, dass die Entwicklung der Erde durch eine ganze Reihe von Krisen geht, die in neue Gleichgewichte übergeht, um eine Zeit später in die nächste „Wehe“ überzugehen und am Ende in einem Endzustand gipfelt, den TdC als Punkt Omega bezeichnet. Die Evolution ist so gesehen vom Urknall an bis zum Ende der Welt ein einziger großer Geburtsvorgang. Das Leben bildet sich heute nicht mehr aus dem Unbelebten heraus, weshalb wir es in der Natur auch nicht beobachten können. Es war wahrscheinlich wie wir gesehen haben ein einmaliger „Zufall“. Es sind die Kritiker, die diesen Punkt immer wieder aufgreifen. Es scheint einfach zu schwer zu akzeptieren zu sein, dass alles Leben auf der Erde einem großen „Zufall“ zuzuschreiben ist. Aber es ist die beste Erklärung, die wir zurzeit anzubieten haben. Alles andere hieße ein Rückfall in einfache Glaubensdogmen. Dies wäre aber nicht Wissenschaft, sondern Religion. So sehr beide auch ihre Existenzberechtigung haben, darf doch weder die Wissenschaft, noch die Religion ihre jeweiligen Methoden dem anderen aufzwingen.

Bei höheren Lebewesen setzte die sexuelle Vermehrung ein, während Zellen „ewig“ Leben, indem sie sich teilen und so eine identische Tochterzelle bilden. Durch die geschlechtliche Vermehrung wurde die Möglichkeit für ein einziges Wesen geschaffen sich sozusagen in „Myriaden von Keimen“ zu zerstäuben.

Orthogenese heißt planmäßige Komplikationen (zuerst bei den Molekülen bis hin zum Menschen). Sie sorgt für das Forschreiten des Lebens, ohne sie gäbe es keinen Aufstieg, sondern lediglich Ausbreitung des Lebens. Das Leben ginge nur „in die Breite“ aber nicht nach „vorne“ voran. Die Biosphäre legte sich als neue Schicht über den Erdball und verdichtete sich wie ein riesiges Geflecht, das vom All aus betrachtet wie ein großes Ganzes aussieht, mit all ihren Unterschieden. Die Oberfläche des Planeten ist von Leben bedeckt, ja das Leben ist gerade das Kennzeichen unserer Erde! Das „Vorantasten“ des Lebens läuft aber nicht mehr durch bloßen Zufall ab, wie im Bereich der unbelebten Materie, sondern ist viel mehr ein planmäßiger Prozess. Ab einem gewissen „Dichtegrad“ eines einzigen „Strahls“ eines Phylums, tendiert dieser dazu „gesellig“ zu werden uns sich mit anderen zu verbinden. Einer quantitativen Ausbreitung folgt eine „Verinnerlichung“, die zu einer neuen Qualität führt. Die Achse der Evolution, ging mit Ausbreitung des Lebens allmählich von der Geogenese in die Biogenese über. Erst ab dem Menschen wurde auch diese abgelöst durch das Denken. Die körperliche Evolution kann beim Menschen fast vollständig vernachlässig werden, die Weiterentwicklung läuft beinahe ausschließlich nur noch über das Denken und dessen Folge über das Bewusstsein weiter. So mag der Mensch von außen betrachtet zwar immer noch einem anderen Lebewesen nicht völlig unähnlich sein, doch in seinem Geiste ist er es mit Gewissheit.

Typisch für die Biosphäre ist ein „Kampf ums Dasein“, wie nicht erst Darwin feststellte. Doch zeigen neue Forschungen, dass der Mensch über nur schwache Triebe verfügt und kein Lebewesen so formbar ist wie er. Der Mensch ist vor allem durch „Sanftheit“ und „Freundlichkeit“ gekennzeichnet. Er ist eben alles andere als ein „höheres Tier“, sondern ein ganz neues Phylum, das zur Spitze der Entwicklungsachse wurde. So gesehen ist der Mensch, ohne falsche Scham, berechtigt sich als „Krone der Schöpfung“ zu bezeichnen. Der Mensch ist vor allem ein soziales Wesen. Handelt der Mensch „destruktiv“, so geschieht dies nicht, weil er etwas böse wäre, sondern, weil seine Grundbedürfnisse in Gefahr sind oder er dem Irrtum unterliegt, sie seinen es. Wir brauchen unbedingt den Glauben an den Menschen. Optimismus und Zukunftsglauben sind nicht naiv, sondern notwendig und äußerst vernünftig.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Vorstufen des Lebens – Teil 2/6

Schaut man sich die Welt an und untersucht sie bis in ihre kleinsten Teilchen, folgt man einer Linie zurück in die Vergangenheit, dann sieht man, dass sich die Welt vom Einfachen zum Komplexen entwickelt hat. Im unendlich Kleinen verliert sich jeder Stoff in dem, was TdC den „Weltstoff“ genannt hat, dieser ist allem Anschein nach reine Energie. Jedoch haben wir niemals Energie in ihrer Reinform beobachtete, sondern immer nur in bestimmten Erscheinungsformen, wie sie uns entgegen treten. Die Materie hat nun drei Seiten, oder Kennzeichen: 1.) die Vielheit (Geteiltheit), 2.) die Einheitlichkeit und 3.) die Energie. Beobachtet man Teilchen auf einer fundamentalen Ebene, dann fällt einem auf, wie sehr sie sich gleichen, wie sehr sie einen gleichen Aufbau haben. Im Großen hingegen und vor allem so, wie uns die Welt in die Sinne fällt, erscheint sie sehr vielheitlich und von einander getrennt. Die Energie ist die Bindungskraft der Teilchen, aber auch konstituierender Wert. Die Energie ist die Grundform des Weltstoffs.

Eine interessantere Feststellung, die wir machen mussten, war, dass jedes Teilchen und sei es noch so klein auf das gesamte Universum ausstrahlt, auch wenn die Wirkung mit der Entfernung abnimmt, so strahlt doch alles in alle Richtungen bis ins Unendliche hinein aus. Das Volumen jedes Teilchens ist das gesamte Universum selbst. Das Atom ist das infinitesimale Zentrum der Welt selbst.

Es ist auch so, dass es einen Zusammenhalt der Dinge von „unten her“ gibt. Dies veranlasste viele Evolutionsforscher zu der Annahme, die Materie würde sich von selbst organisieren und durch Mutation und Selektion (zumindest im Bereich der Biologie) fortschreiten, eine „höhere Intelligenz“ schien nicht notwendig. Eine vollständige Betrachtung der Entwicklung des Universums zeigt aber, dass die Organisation letztendlich von „oben her“ kommt. Die Physik hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr diesen „Geist“ hinter der Materie in der eine oder anderen Form akzeptiert. Doch die Biologie steht noch dort, wo die Physik etwa vor hundert Jahren stand. Sie braucht Gott noch nicht, doch wenn sie tiefer eindringt, wird auch sie zu einer höheren Reife gelangen müssen. Heisenberg sagte, dass der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft einen atheistisch mache, doch wer bis zum Grunde des Bechers vorgedrungen sei, der erkennt das Göttliche. Das Universum setzt sich von unten her zusammen, doch von oben her bekommt es seine höhere Ordnung.

Die Ordnung des Universums zeigt sich nur in seiner Gesamtheit. Man muss das Universum als „einheitlichen Block“ betrachten, um es, so gut es uns möglich ist, zu erfassen. Auch wenn sich alle Elemente auf einen Urtyp zurückführen lassen, so gibt es aber auch ein Gesetz der „zunehmenden Verflechtung“. Je länger ein Prozess andauert, desto komplexer wird er. Nach TdC zeichnet sich das „Werden“ der Materie durch zwei Charakterzüge aus: 1.) Eine kritische Phase der Granulation, die die konstituierenden Faktoren, vielleicht sogar das Atom selbst entstehen lässt und 2.) Fortsetzung in additiver Form mit wachsender Komplexität, zumindest aber der Stufe der Moleküle. Diese Prozesse finden aber nicht überall im Raum statt, sondern nur auf Sternen und Planeten, sie sind die „Wohnungen“ des Lebens.

Jede Synthese verbraucht Energie. Jeder Fortschritt, jede Komplexität braucht Arbeit und Kraft. Neue Energie kann nicht als Kapital von außen zugeführt werden (in Bezug auf das gesamte Universum gesehen) deshalb kann nach den Gesetzen der Thermodynamik das Universum auch nicht unendlich wachsen und es kann sich auch nicht unendlich „einrollen“, sprich komplexer werden. Es strebt notwendigerweise einem Ende zu. Das ist die Sicht der Welt, wie sie von außen her sich ergibt.

Gibt es aber eine „Innenseite“ der Materie. Spätestens ab der Stufe der Pflanzen zwingt sich einem diese Ansicht auf. Unzweifelhaft aber ist dies beim Phänomen Mensch. Die Komplexität hat einen derart hohen Stand erreicht, dass man beim Menschen von „Bewusstsein“ sprechen kann. Inwieweit dies auch bei niedereren Lebewesen wie Tiere und Pflanzen der Fall ist, hängt wahrscheinlich vor allem davon ab, ab welcher Komplexität man von „Bewusstsein“ sprechen möchte. Diese Innenseite, das Bewusstsein, strahlt aber auch nach außen hin ab. So bleibt es kein rein inneres Phänomen, sondern breitet sich im Raum aus, wie es Wellen tun, etwa elektromagnetische Wellen. Die Spontaneität des Menschen lässt sich ohne ein „Inneres“ nicht erklären.

Unzweifelhaft hat sich über den Planeten, der ursprünglich unbelebt war, durch die Verdichtung zum Leben hin eine neue Schicht über die Geosphäre gelegt. Es ist dies die Schicht der Pflanzen und der Tiere, an deren Spitze noch der Mensch (zumindest in seiner Frühphase) stand, die Biosphäre. Darüber aber hat sich durch das Bewusstsein eine Schicht des Denkens gelegt, deren Träger der Mensch geworden ist. Dieses Denken hat sich so weit weiter entwickelt, dass allmählich eine neue Schicht, eine Schicht des Bewusstseins, entstanden ist, die TdC als „Noosphäre“ bezeichnet. Die „unsichtbare“ Schicht, die sich über der gesamten Erdkugel ausgebreitet hat und dabei ist sich durch uns Menschen ständig weiter zu entwickeln und zu größerer Komplexität zu verdichten, ist die „menschlichste“ aller Schichten, sie ist die Evolution, die ihre Spitze, ihre „Krone“ in uns erreicht hat. (Ich glaube, dass das Internet mit all seinen Inhalten uns ein gutes Beispiel dafür gibt, wie diese Schicht zurzeit aussieht).

Je komplexer ein Lebewesen ist, desto besser ist sein inneres Gerüst (Bewusstsein). Die Evolution wird aller Wahrscheinlichkeit nach von nun an hauptsächlich über den Menschen laufen. Was wir „künstlich“ nennen, ist nichts anderes, als die „Vermenschlichung“ der Natur. So gesehen ist sogar ein Mikrochip in einem Computer etwas Natürliches. Vor allem aber wird die Evolution sich darin äußern, dass es zu einer „Vergeistigung der Welt“ kommen wird. Am Anfang, im Bereich der unbelebten Materie, gehorchen die Teilchen größtenteils den mathematischen Wahrscheinlichkeitsgesetzen, je höher ein Lebewesen jedoch aufsteigt, desto mehr regiert die Spontaneität. Vorsicht ist aber dort geboten, wo im Überschwang schon von einer „neuen Menschheit“ oder dergleichen gesprochen wird, denn wir können uns nicht von der Vergangenheit trennen und wir haben immer noch einen materiellen Körper. Denken ist nicht möglich, wenn man hungert und nichts zu essen hat! Das müssen sich gerade die Phantasten und „New-Age-Leute“ hinter die Ohren schreiben.

Die Annahme von TdC ist nun, dass im Grunde jede Energie psychischer Natur sei. Diese Energie teilt sich in zwei Komponenten: 1.) die tangentiale Energie: Das ist jene Energie, die die Teilchen solidarisch macht, die derselben Ordnung angehören. Die Organisation der Teilchen untereinander und deren „Zusammenarbeit“. 2.) die radiale Energie: Diese Energie sorgt dafür, dass sich die Teilchen in Richtung komplexerer Zustände bewegen. Der Endpunkt dieser Entwicklung sei der Punkt Omega, das Endziel des gesamten Universums. Die tangentiale Energie ist die Liebe, die Anziehung, die Teilchen, zumindest derselben Ordnung, aufeinander ausüben. Die radiale Energie ist die Energie, die einen voranschreiten lässt zum Punkt Omega, zu Gott. Das sind auch die beiden höchsten und wichtigsten Gebote des Christentums! Nach Jesus leitet sich das gesamte Gesetz und die Propheten aus diesen beiden Geboten ab: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Wissenschaftlich verstanden könnte man darunter verstehen, einerseits die Verbindung und fruchtbare Kooperation mit den Mitmenschen (Nächstenliebe) und das Streben nach dem Endpunkt (Gott). Die Achse, entlang der sich die Entwicklung der Evolution vollzieht ist Jesus Christus. Das entspräche auch seiner Aussage: „Ich bin die Wahrheit, der Weg und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Johannes. 14,6). Die radiale Energie ist eine Funktion der tangentialen Energie, im Kern aber sind beide eins. Durch die Liebe zum Nächsten und zur Schöpfung werden die Beziehungen und das Bewusstsein des einzelnen und der Gruppe komplexer und wir kommen dadurch Gott stetig näher. Je näher wir an der Achse (Christus) leben, desto mehr sind wir im Einklang mit der Entwicklung des Universums (manche würden sagen „mit dem Strom schwimmen“).

Damit aber alles einem Endpunkt zustreben kann, muss dieser Endpunkt Omega bereits in der Welt selbst wirksam sein und zwar muss er zumindest im kleinsten Quäntchen von Anfang an in jedem Urteilchen vorhanden gewesen sein. So heißt es auch in der Genesis „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser (der Urflut)“. Ohne ein solches Wirken von Omega in der Welt, wäre es unmöglich eine Gewissheit über die „richtige“ Entwicklung zu haben. Ja wir wüssten nie mit Bestimmtheit, was richtig und falsch und folglich auch nicht was gut und böse ist. In der Relativität findet sich doch die Absolutheit in ihrem Herzen. So spürt auch jeder Mensch in sich, dass es Gut und Böse gibt. Doch was nun Gut und Böse in Bezug auf das Verhalten des Menschen konkret bedeutet, darüber scheiden sich die Geister.

Wir müssen die Vorstellung aufgeben, Gott und Mensch seien voneinander getrennt. Gott wirkt in jedem Teil des Universums, in jedem Lebewesen und am meisten im Menschen selbst. Doch dürfen wir hier nicht in eine primitive Form des Pantheismus verfallen und der Illusion unterliegen die Dinge seine selbst göttlich. Das sind sie nicht. Omega ist der letzte Punkt einer Reihe und liegt doch außerhalb dieser Reihe. Gott ist im Universum selbst und ist doch außerhalb davon. Vom Verstehen dieses Paradox wird auch abhängen, inwiefern die Menschen unserer Zeit Gott in ihre Geistesleben einzubauen vermögen. Je komplexer ein Lebewesen wird, desto mehr bekommt sie auch eine höhere Ordnung. Wir spüren alle den großen Druck, der auf der Welt und insbesondere auf der Menschheit lastet und der uns dazu treibt und mehr zu „verinnerlichen“, komplexere Geistesstrukturen zu schaffen, aber nicht, wie manche fälschlicherweise meinen, durch eine Isolation des Individuums und eigener Nabelschau, sondern durch Konzentration auf die tangentiale Energie, das heißt die Nächstenliebe und damit das Bemühen eine „bessere Welt“ zu schaffen. Ich verwende diesen Begriff hier absichtlich, ganz egal wie abgegriffen er auch sein mag. Ohne eine solche Hoffnung hätten das Leben und die Menschheit letztlich keinen Sinn, wir müssten alle im Sumpf der Untätigkeit ertrinken, die einen schneller, die anderen langsamer.

Montag, 12. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Teil 1/6

Einführung
Ich beginne mit diesem Beitrag eine Serie über eines der Weltbilder, die mich am meisten beeindrucken und welches ich für geeignet halte zu beschreiben was um uns herum vor sich geht und wie sich der Mensch seine Existenz in einem größeren Ganzen erklären kann. Es ist ein Weltbild, das zwischen Glauben und Wissenschaft keinen oder kaum mehr einen Widerspruch bestehen lässt. Ganz im Gegenteil vereint es sogar wesentliche Teile der (christlichen) Religion mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft. Und dies ist das Welterklärungsmodell nach Teilhard de Chardin.

Zuerst aber noch etwas Organisatorisches. Ich beginne heute mit dem ersten Teil der Serie, welcher den Titel „Einführung“ trägt. Hier die Übersicht über die gesamte Serie (der genaue Zeitpunkt des Erscheinens der Beiträge ist noch offen, doch werden sie alle bis spätestens Samstag 31. Juli erschienen sein.). Die Quelle dieser Beiträge ist das Buch „Der Mensch im Kosmos“ von Teilhard de Chardin. Der Einteilung des Buches folge auch ich hier.

1.) Einführung
2.) Die Vorstufen des Lebens
3.) Das Leben
4.) Das Denken
5.) Das höhere Leben
6.) Zusammenfassung und Anhänge


Teilhard de Chardin
Pierre Teilhard de Chardin (von nun an TdC) wurde am 1. Mai 1881 bei Clermont-Ferrand in der Auvergne geboren. Der Vater war Naturforscher (Amateur), seine Mutter streng gläubige Katholikin. Diese beiden scheinbaren Gegensätze versuchte TdC sein Leben lang in sich zu vereinigen. Er trat in den Jesuitenorden ein, studierte Geologie, Physik und Chemie. Er unternahm viele geologische Exkursionen und unterrichtete von 1905 bis 1908 an der Jesuitenschule in Kairo Naturwissenschaften. 1911 erhielt er die Priesterweihe, an welche ein paläontologisches Studium in Paris anschloss. Im Ersten Weltkrieg dient er als Sanitäter. Anfang der 20er Jahre promovierte er in Geologie und erhielt eine Professur am katholischen Institut in Paris. Er unternahm viele Forschungsreisen nach Afrika, Burma, Indien und vor allem China.

TdC war einer der ersten Franzosen, die sich dem Darwinismus zuwandten, denn damals folgten in Frankreich die meisten noch fast ausschließlich den Lehren von Lamarck. Aufgrund seiner allzu „weltlichen“ Ansichten in Bezug auf die Schöpfung, insbesondere die Bejahung der Evolutionstheorie, kam er bald mit der Glaubenskongregation in Konflikt und verlor 1926 seinen Lehrstuhl. 1929 war TdC einer der Entdecker des „Peking-Menschen“ (Sinanthropus).

1940 erschien sein Hauptwerk „Le Phénomène Humain“ (dt. „Der Mensch im Kosmos“). Dieses Werk wurde jedoch nicht mehr zu Lebzeiten TdC veröffentlich, da er die nötige Erlaubnis seiner Ordens und der Kirche nicht erhielt (als freier Autor wolle er das Werk nicht veröffentlichen). Zweimal wurde er von seinem Orden verbannt. Jedes Mal gehorchte er den Anordnungen seines Oberen. 1950 wurde er Mitglied der Französischen Akademie der Wissenschaften. TdC starb am Ostersonntag des Jahres 1955 in New York. Nach seinem Tod wurden seine Werke, vor allem „Der Mensch im Kosmos“, veröffentlicht und entwickelten sich bald zu Bestsellern. In den 60er Jahren erreichte er auch im deutschsprachigen Raum geradezu Kultstatus.


Kurze Übersicht über das Weltbild
Für TdC begann das gesamte Universum mit einem Anfang, wie man sich es heute im Urknall vorstellt, dem Big Bang. Dieser Anfang nennt er Alpha. Das ganze Universum bewegt sich auf einer Achse, die er in Jesus Christus identifizierte, auf einen Endpunkt zu, dem Punkt Omega (die Bezeichnung Alpha und Omega kommen aus der Offenbarung des Johannes, in der Jesus als das A & O bezeichnet wird). TdC geht nach dem Urknall von einer Genese über die Stadien der unbelebten Materie, über das Leben, das Denken bis zu einem höheren Leben aus, das in Omega seinen Höhepunkt und Abschluss findet. Das dem ganzen zugrunde liegende Phänomen ist das Bewusstsein, das bereits im Anfang, zumindest in Ansätzen, vorhanden gewesen sein musste. Also trägt bereits die unbelebte Materie den Keim des Bewusstseins in sich und wird über die Pflanzen und Tiere hinweg immer komplexer. Irgendwann erreichte diese Komplexität einen derart hohen Stand, dass ein Wesen sich zum ersten Mal seiner selbst bewusst wurde. Und das ist in der Gestalt des Menschen geschehen. Der Mensch ist das erste Wesen, dass sich seiner selbst bewusst ist. Der Mensch ist die sich ihrer selbst bewusst gewordene Evolution!

Damit aber ist der Mensch nicht einfach die Weiterentwicklung der Tiere, sondern etwas ganz anderes. Mag der Mensch auch auf der Stufe der DNS 95 oder sogar 98 Prozent mit dem Schimpansen identisch sein, so ist aufgrund der Komplexität des Bewusstseins durch ihn doch ein „neues“ Wesen entstanden. Der Mensch ist kein höheres Tier, sondern ein neues Phylum (Stamm von Lebewesen). TdC nimmt an, dass die Entwicklung vom Stadium des Menschen an nur noch geistig vonstatten geht, da er glaubt im Menschen einen körperlichen Endzustand erkannt zu haben. Und hier beginnt das eigentliche dessen, was in der Gnosis als Noogenese (Entwicklung des Bewusstseins) genannt wird. TdC glaubte, dass wir uns genau an so einem Übergangspunkt befänden und dass der große psychische Druck, den die Menschen in unserer Zeit verspüren eine größere „geistige Verdichtung“ ankündige, bzw. dass ein solche schon im Gange sei, die uns in radialer Richtung weiter gen Omega führen würde. Einen Überblick über die Theorie der Entwicklung des Universums nach TdC gibt die Grafik mit der dieser Artikel begann.

Die Details dazu schildere ich in den Beiträgen der kommenden drei Wochen.