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Freitag, 4. März 2011

Die rechte Art von Humor

Wenn es um den Humor geht, dann können wir davon unter den Menschen recht verschiedene Formen beobachten. Die Art, wie einer lacht und mehr noch, welche Dinge ihn zum Lachen bringen, geben einen profunden Einblick in die Geisteshaltung und die Weltanschauung der entsprechenden Person. Man kann an der Art des Humors auch viel von der psychischen Gesundheit eines Menschen erkennen. Ich habe auf diesem Blog schon oft über den Zustand des „normalen“, angepassten Bürgers geschrieben und meinen Lesern ist dadurch auch bekannt geworden, dass ich diese Personen für „krank“ halte, nicht in dem Sinne, dass sie unbedingt einer Behandlung bedürften, sondern dergestalt, dass sie nicht ihr volles Potenzial entfalten können, da diesem zu viel im Wege steht. Insofern betrachte ich alles als „pathologisch“, was dem entgegensteht, was Abraham Maslow als „Selbstverwirklichung“ bezeichnete.

Viele Menschen, es ist sogar die Mehrheit, lieben es Witze zu hören, die darauf aufbauen, dass ein bestimmter Mensch oder eine ganze Gruppe von Menschen als über- oder unterlegen dargestellt wird. Viele Witze sind feindseliger Natur und beruhen darauf, dass ein anderer verletzt wird. Es ist erstaunlich, wie viele Witze darauf aufbauen, dass jemand sich anderen überlegen fühlen kann (meist der Witzerzähler selbst und seine Zuhörer). Nicht selten wird gerade in Kreisen von Spöttern diese „Überlegenheit“ zelebriert. Dieses Verhalten weist eindeutig auf einen mangelhaften Charakter hin, niemand, der die Würde des Menschen in vollem Umfange achtet, würde einen anderen erniedrigen, selbst dann nicht, wenn dieser sich ungeschickt oder in machen Fällen wahrhaft dumm verhalten hat.

Darüber hinaus stellen viele Witze auch eine Rebellion gegen die Autorität dar. Meist handelt es sich dabei um solche, die ödipaler oder schmutziger Natur sind. Gerade die Sexualität und alles was damit zusammen hängt. Gerade der intimste Bereich es menschlichen Lebens wird oft schamlos ausgebeutet und in den Dreck gezogen. („Herrenwitze“ etc.). Kein Wunder, dass so viele Menschen sich peinlich berührt davon fühlen.

Der wirklich gesunde Mensch hingegen, pflegt mehr den Humor des Philosophen, der sich eher über die Menschheit im allgemeinen oder auch über sich selbst lustig macht, ohne dabei masochistisch zu sein oder die Rolle eines Clowns zu übernehmen. Der Witz eines Gesunden gleicht mehr einer Fabel oder eine Parabel und reicht über das Gewöhnliche des Lebens hinaus, behält sich dabei aber immer eine gewisse Leichtigkeit, die den wirklich großen Philosophen auszeichnet, der selbst über seine eigene, zutiefst vertretene, Weltsicht noch schmunzeln kann (es versteht sich wohl von selbst, dass etwa Nietzsche oder Schoppenhauer nicht zu dieser Art von Philosophen gehörten). Es ist der gesunde Witz einer, der die Menschen eint und nicht entzweit, der ein Gefühl der Verbundenheit herstellt und nicht eine Gruppe oder Individuen gegen einander ausspielt. Witze, die nicht verletzen. Gesunde Menschen werden kaum von Gassenhauern, Treppenwitzen, Witzbüchern oder dem Humor, der schallendes Gelächter auslöst, angezogen werden.

Ich halte persönlich auch den „jüdischen“ Witz für einen sehr gesunden, gerade jener, der sich in Wien gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts herausgebildet hatte. Die jüdische Gemeinde hat sich immer schon dadurch ausgezeichnet, dass sie den Witz als Mittel zur Lebensbewältigung einsetzte und so das schwere Schicksal erträglicher machten und das ganze so, dass niemand wirklich verletzt wurde (abgesehen von besonders reaktiven Personen, die ohnehin nicht die geringste Anspielung auf die eigene Person ertragen können). Dazu ein Beispiel eines jüdischen Witzes: „Was ist der Unterschied zwischen einer jüdischen Mutter und einem Terroristen? – Mit einem Terroristen kann man verhandeln“ oder „Ein armer Jude bettelt am Sonntag vor einer Kirche. Keiner gibt ihm etwas, da er Jude ist und alle dies auch deutlich erkennen können. Dann holt er einen Zettel aus seiner Tasche, hält ihn vor seine Brust und plötzlich geben ihm die Kirchgänger so viel Geld, so dass sein Hut bald prall gefüllt ist. Was stand auf dem Zettel? - `Von Juden nehme ich kein Geld!´“.

Unter Psychologen gibt es die Ansicht, die nicht selten vertreten wird, und ich selbst halte sie bis zu einem gewissen Grad für zutreffen, nämlich dass die Befreiung des Menschen über das Lachen führe. Lachen ist eine hervorragende Art sich von seelischem Druck zu befreien. Wer lachen kann, der ist schon auf dem Weg der Besserung. Es ist sogar erwiesen, dass Lachen dazu beitragen kann nicht nur die subjektive Lebensqualität zu steigern, sondern auch die physische Gesundheit.

Es gibt allerdings auch skurrile Formen des Lachens. So existieren Gruppen, und das war über eine gewisse Zeit hinweg sogar ein Trend, die sich trafen und absichtlich Lachorgien veranstalteten, um sich besser zu fühlen. Manche glauben sogar, sie könnten sich ihre Lebensprobleme, in manchen Fällen sogar schlimme Depressionen, „weglachen“. Aber über derartige Dinge braucht ein vernünftiger Mensch sich nicht den Kopf zu zerbrechen.

Aber Lachen kann auch sehr gefährlich sein, vor allem, wenn man sich am falschen Ort und in der falschen Zeit befindet. Es ist typisch für Diktatoren und alle Menschen, die andere als Objekte gebrauchen oder zu Befriedigung ihrer eigenen Machtgelüste gebrauchen wollen, dass sie kaum etwas so hassen, wie die Witze, die über sie gemacht werden. Macht wird sehr oft durch Humor angegriffen. Schon im alten China verschafften sich die Kaiser dadurch Respekt, dass sie all jene, die über sich lachten, ohne eine Sekunde zu zögern, töten ließen. Sun Tzu, der Autor des berühmen „Die Kunst des Krieges“ lieferte dem Kaiser selbst eine Demonstration, in dem er zeigte, wie man sich unter ungehorsamen Soldaten Respekt verschaffen müsse. Er ließ dazu die Frauen des kaiserlichen Harems in militärischer Manier Aufstellung nehmen und erteilte entsprechende Befehle. Als die Konkubinen, die als Anführerinnen ausgesucht worden waren, zu lachen begannen (es waren die Favoritinnen des Kaisers), anstatt sich wie Soldaten zu benehmen, ließ Sun Tzu sie hinrichten. Von dem Zeitpunkt an hatte keine der Haremsdamen mehr gelacht und sie gehorchten fortan bedingungslos allen Befehlen.
Heutzutage haben wir, im Falle, dass wir uns über die Politik und die Mächtigen lustig machen nicht solche Konsequenzen zu erwarten. Doch die Ressentiments, die dadurch erzeugt werden sind nicht geringer – lassen wir uns nicht täuschen. Deshalb hat Robert Greene in seinem Bestseller „Die 48 Gesetze der Macht“ auch als erstes dieser 48 Gesetze jenes mit dem Titel „Stelle niemals den Meister in den Schatten“ gewählt. Mehr noch, als den Meister in den Schatten zu stellen, ist die Satire, der Witz, den man über ihn reißt ein Fauxpas, der einem kaum verziehen wird, sei es im privaten oder im beruflichen oder politischen Bereich. Auf der anderen Seite gilt aber auch, dass die Menschen zwar über Kabarettisten und Komiker lachen, dass sie jedoch weise genug sind, solche nicht selbst in machtvolle Positionen zu heben. Komiker bleiben ihr Leben lang in gewisser Weise „Verlierer“ (wobei manche auch dadurch "gewinnen" können, indem sie "verliere"), Humor und Autorität sind nicht selten Gegensätze und, wenn einer Macht erlagen will ist Humor nur in homöopathischen Dosen zu verbreiten. In erster Linie hat man dabei ernsthaft und würdevoll zu sein. Würde und Humor sind Gegensatzpaare und beide zu vereinen ist nicht leicht. Am besten konnte wahrscheinlich Abraham Lincoln beide vereinen. Seine Art von Humor war nicht verletzend, der Witz kam nicht aus derunteren Schublade und er ließ vor allem nicht einen anderen den Preis für das Amüsement bezahlen. Solche Menschen sind jedoch sehr selten und vom durchschnittlichen, das heißt, vom „normalen“ Menschen, werden diese Menschen mit „philosophischem“ Humor meist als kalt und nüchtern betrachtet. Dabei liegt ihr Humor tiefen in ihrem Wesen begründet und konzentriert sich nicht auf Oberflächlichkeit, ja meist wird er davon sogar abgestoßen. Der gewöhnliche Mensch hält den gesunden Zeitgenossen meist für wenig humorlos, da er nicht lacht „worüber alle lachen“.

Ich möchte hier noch ein kleines Beispiel für einen Witz geben, den ich für gesund halte: Ein Mann sagt: ´Ich weiß gar nicht, was die Leute immer haben, Chinesisch kann doch gar nicht so schwer sein? In China sprechen es ja schon die kleinen Kinder.“´

Mittwoch, 5. Januar 2011

Aufgaben der Zukunft

Wenn Historiker sich den vergangenen Zeiten zuwenden, um sie für die Gegenwart und die Zukunft möglichst genau und wahrheitsgetreu darzustellen und/oder ihren Kommentar dazu zu verfassen, so stellen sich ihnen gewisse Schwierigkeiten in den Weg. Eine dieser Umstände besteht darin an die nötigen Quellen zu gelangen. Aus vielen Epochen liegen uns nur wenige und bruchstückhafte Quellen vor. Die meisten Dinge, die als Hinweise dienen könnten, sind im Strudel der Zeit für immer verloren gegangen. Viele Sachen sind uns aber auch deshalb nicht zugänglich, weil schriftliche Aufzeichnungen seltener waren und oft die Augenzeugen nicht schreiben konnten oder das Bedürfnis der Nachwelt etwas zu hinterlassen nicht groß genug war. Medien wie Fotographie oder gar Film, sind erst in historisch jüngster Zeit aufgetaucht und unterliegen ebenso einem Verfallsprozess, wie alles Irdische.

Wenn nun aber der Historiker sich mit einem traditionellen Mangel an Quellen konfrontiert sah und sieht, wie wird es für zukünftige Geschichtswissenschaftler sein, die unsere Zeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden zu beschreiben haben? Mangel an Information, an Daten und Quellen werden sie nicht zu beklagen haben. Es sei denn eine globale Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes würde größte Teile der menschlichen Kultur und deren Aufzeichnungen vernichten. Abgesehen von diesem Fall wird der Historiker der Zukunft von Datenmaterial geradezu erdrückt werden. Mehr als die Informationsbeschaffung werden die Sichtung und Auswahl des Materials in den Vordergrund rücken. Wir erleben in unserer Zeit alle, dass die Menge an Daten unübersehbar geworden ist, dass es unmöglich ist sich alle Informationen zu einer bestimmten Sache zu besorgen. Aber wir haben immer noch die alte Mentalität uns möglichst viele Ressourcen zu sichern und sie festzuhalten, da diese traditionell gesehen stets knapp waren. So ist es auch mit der Information. Es wird immer noch versucht, auch wenn wir vernunftsgemäß es besser wissen, so viel als möglich an Material zu akquirieren. Natürlich kann das nicht zum Erfolg führen.

Die Aufgabe, die sich uns allen stellt ist die richtige Selektion der vorhandenen Daten. Wie können wir es schaffen möglichst schnell und unkompliziert genau an die Daten gelangen, die wir brauchen, ohne dabei das ungute Gefühl im Hinterkopf zu tragen, dass wir etwas Entscheidendes übersehen haben, weil wir an einer bestimmten Stelle den Informationsfluss abgebrochen haben, um nicht ewig mit einer Sache beschäftigt zu bleiben? Es ist nämlich zu erwarten, dass Kritik genau an diesem Punkt ansetzen wird. Immer wird es welche geben, die uns vorwerfen werden dieses oder jenes nicht bedacht zu haben, diese oder jene Information stiefmütterlich oder gar nicht behandelt zu haben. Es gibt wohl keine Möglichkeit dem zu entkommen. Und man soll es auch gar nicht versuchen.

Entscheidend ist der richtige Bewertungsmaßstab, der einem als Richtmaß dient, um gute von schlechter, passender von unpassender, wahrer von unwahrer Information zu unterscheiden. Aber nicht nur die Fachperson ist heute vor diese Aufgabe gestellt, nein auch der ganz normale Laie befindet sich in einer Position, Daten zu beurteilen, von denen er keine Ahnung hat, Quellen vor sich zu sehen, die er nicht zu beurteilen weiß. Das Paradebeispiel dafür bietet das Internet. Hier kann jeder seine eigenen Gedanken veröffentlichen und hat potenziell die ganze Welt als Publikum vor sich. Persönliche Meinungen werden in der Regel, bewusst oder unbewusst, als Fakten ausgegeben, nicht überprüfbare Behauptungen werden aufgestellt – natürlich mit dem Anspruch großer Zuverlässigkeit. Es tobt ein Kampf um unsere Gedanken, um unseren Geist! Die Menschen fühlen sich heute entfremdet und überbelastet. Und zu einem großen Teil geht dies auf die Menge an Daten zurück, die wir in das eigene Leben nicht integrieren können. Kinder haben immer mehr Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren und intensiv zu arbeiten, dass so viele Dinge gleichzeitig um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Dass daraus nicht nur bei der Jugend, sondern auch immer mehr in der ganzen Kultur das ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) um sich greift, ist kein Wunder. Die einzelnen Puzzlesteine lassen sich nicht sinnvoll in das Gesamtbild des Lebens einordnen. Es wird so getan, als ob Wahrheit relativ und subjektiv wäre. Das heißt aber die Wahrheit als solche abzuschaffen. Eine relative und persönliche Wahrheit ist gar keine Wahrheit, sondern eine bloße Meinung, eine Idee im Kopf, nicht einmal eine Erfahrung!

Hier liegt eine der großen Aufgaben der Zukunft: Selbsterkenntnis jedes einzelnen; Entwicklung eines unabhängigen Geistes; Abgrenzung gegen die anderen und die Welt (die ständig versucht die eigene Position zu Fall zu bringen); Akzeptanz des grundlegenden Kriegszustandes auf der Welt (vor allem der Krieg des Geistes) und die Fähigkeit messerscharfe Urteile zu fällen und dieses gegen jeden Widerstand erfolgreich zu verteidigen – auch wenn man der einzige Mensch auf der Welt sein sollte, der eine bestimme Ansicht hegt! Individualität ist Pflicht, blinder Konformismus die größte Schande!

Montag, 27. Dezember 2010

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr

Die letzten Tage eines Jahres sind immer von einer ganz besonderen Stimmung geprägt. Die Festlichkeiten zu Weihnachten sind abgeklungen und es stehen Silvester und Neujahr bevor. Es ist eine Zeit, in der die meisten Menschen zur Ruhe kommen, im Kreise der Liebsten verbringen, und das Vergangene Revue passieren lassen. Man erinnert sich vielleicht an die Kindheit, and die Dinge, die man gerne getan hat, was einen überrascht hat, wie Weihnachten gewesen war und welche Geschenke man bekommen hat. Vor allem aber sind die Gedanken auch bei den lieben Menschen, die nicht mehr unter uns weilen. Ein Blick ins Familienalbum lässt Gefühle wieder hochkommen, die das ganze Jahr über schlummerten. Es ist eine Zeit, die sentimentaler ist, als jede andere im Jahr. Und das ist auch gut so.
Man erinnert sich and die guten Vorsätze, die man beim letzten Jahreswechsel gefasst hat und man sieht mit einem kritischen Auge auf Soll und Haben, das, was daraus geworden ist. Dabei bemerkt fast ein jeder, dass nicht alles, was man sich vorgenommen hatte auch in Erfüllung ging. Manches war bloßer Wunschtraum, nicht oder nur wenig durchdacht, anderes konnte sich aufgrund von unerwarteten Wendungen des Schicksals nicht erfüllen und wieder anderes stellte sich als weniger bedeutsam heraus, als man ursprünglich annahm. Aber auch das Positive soll nicht vergessen werden. So sind doch auch einige Glücksfälle eingetreten, manches hat sich weitaus besser entwickelt als vermutet wurde und nicht selten hat der eine oder andere auch eine große freudige Überraschung erleben dürfen.
Dann wieder sind die Gedanken auch bei der Welt und den Menschen, denen es nicht so gut geht wie einem selbst. Man bedauert dann und wünscht sich, dass die Welt eine bessere werde, fühlt sich selbst aber hilflos und vermeint nichts tun zu können. Manches Gebet wird gesprochen, doch glaubt man selbst nicht dran, dass es erhört werden könnte, zumindest hat man das Gefühl, dass in der Vergangenheit nur allzu viele Gebete auf ein offenes Ohr beim Höchsten trafen. Natürlich wissen wir im Grunde es besser, doch vermögen wir nicht zu bemessen, wie sich die großen Dinge im Generalplan Gottes verhalten und deshalb erscheint uns die Welt oft sinnlos und ohne Ziel. Wenn ein Mensch von einem rein naturalistischen Weltbild ausgeht, dann ist das Leben fürwahr absurd, richtig und falsch, Wahrheit und Lüge sind dann völlig relativ und vom weitest möglichen Standpunkt aus, macht im Grunde keine Sache irgendeinen Sinn. Nur allzu oft haben Wissenschaft und Philosophie versucht uns diese traurige Weltsicht schmackhaft zu machen – glücklicherweise ohne Erfolg. Und so mag es auch in Zukunft so bleiben.
Die Zeit bis zum 31. Dezember ist oft auch wie eine leere Periode, in der der einzelne sein eigenes Leben hinterfragt. Zwischen reichhaltigen Mahlzeiten und Besuchen bei Verwandten und Freunden, schleicht sich das Gefühl der Unzufriedenheit ein, die im Alltag aufgrund der großen Hektik kaum merkbar ist, da sie überdeckt wird durch die vermeintlichen Notwendigkeiten des Lebens. In Wahrheit sind diese oft nur eine Flucht vor der Realität. Es gibt eine Art Faulheit des Geistes, die sich in übergroßer Aktivität zeigt. Gerade die Fleißigsten und Aktivsten, sind zuweilen die faulsten Menschen. Was ich damit sagen will? Wer sich die Zeit und Ruhe nimmt, gerade in diesen Tagen, sich zu fragen „Wer bin ich?“, „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“ oder „Was ist der Sinn meines Daseins“, weiß genau, wovon ich hier schreibe.
„Produziere mehr und konsumiere weniger!“, das empfehle ich für das neue Jahr. Wer immer nur konsumiert (wobei wir alle zu diesem Verhalten erzogen worden sind), wird abhängig und hat immer weniger Kontrolle über sein Leben. Gerade der Wohlstand unserer Gesellschaft hat bei vielen Teilen der Bevölkerung (namentlich bei einem Großteil der Jungend) zu Unglück geführt. Es ist paradox, aber gerade aufgrund des Wohlstandes ist vielen von uns das Glück abhanden gekommen. Wahres Glück kommt davon, dass man etwas erreicht, dass man etwas ist und nicht, weil man etwas hat. Die Freiheit liegt zu einem guten Teil darin, nicht wie ein Kind nur zu empfangen, sondern vor allem zu geben. Und das ist es, was ich mit Produzieren meine. Dabei geht es um alle Bereiche des Lebens vom privaten bis zum beruflichen. Etwas herzustellen, etwas für andere zu tun, erfüllt einen nicht nur mit einem Gefühl der Genugtuung und einem Sinn für das eigene Dasein, sondern es verschafft einem auch mehr Freiheit und damit, das sei gar nicht verschwiegen, auch mehr Macht. Allerdings eine Macht, die nicht darauf aufbaut andere zu beherrschen oder mehr zu haben, sondern mehr zu sein und diese Art von Macht macht die Welt zu einem besseren Ort.
Wenn einer schwermütig oder gar depressiv ist, dann gibt es nichts Besseres, als einmal von der eigenen Person abzusehen und etwas für andere zu tun. Konzentration auf sich selbst verstärkt negative Stimmungen nur noch mehr. Das Positive kommt dann nur durch das Kümmern um den anderen, den Mitmensch. Das ist nicht nur die Botschaft, die uns Weihnachten einmal im Jahr gibt, sondern sie sollte in unseren Herzen alle 365 Tage lang präsent sein.
Möge das Jahr 2011 für alle Menschen ein gutes Jahr werden, ein Jahr, indem die Menschen mehr zu sich selbst finden und sich das Gute verwirklicht, zu dem wir alle in der Lage sind!

Dienstag, 13. April 2010

Über die Gefahren des Lesens

Lesen so meint man allgemein, sei eine höchst wünschenswerte Tätigkeit des Menschen. Es wird oft bedauert, dass die Leute heutzutage nicht mehr läsen, dass die sprachliche Ausdrucksfähigkeit nicht mehr das sei, was man früher, auch unter einfacherem Volk, antreffen konnte und dass insbesondere bei der Jugend neuere Medien wie Fernsehen, Internet und Videospiele Vorragen vor dem guten alten Buch genössen. Was soll also gefährlich daran sein zu lesen? Die Gefahren des Lesens sind zweierlei. Einerseits geht es um den Inhalt der Lektüre. Dies ist offensichtlich und historisch auch der Ursprung des Begriffs „Lesesucht“, der zum ersten Mal 1773 im Werk „Briefe über die Erziehung von Frauenzimmern“ von Rudolf Heinrich Zobel, gebraucht wurde. Man hielt lange Zeit vor allem Frauen und Jugendliche als gefährdet der Literatur zu verfallen und deshalb in der Folge ihre Pflichten im Leben zu vernachlässigen. Zudem hielt man viele politische, philosophische und träumerische Bücher für gefährlich, da sie den Geist vergifteten und unerwünschte Gedanken in die Köpfen einimpfen würden. Als dann 1774 Goethes „Leiden des jungen Werther“ erschien und einige Leute in romantische Melancholie (mit anschließendem Selbstmord) versetzte, kam die Diskussion um die Gefahren des Lesens so richtig auf. Im 19. Jahrhundert war es dann insbesondere die erotische Literatur, die als zutiefst verderbt angesehen wurde und kein anständiges Frauenzimmer sollte sich derartigem „Schund“ hingeben.

Wovon hier aber die Rede sein soll ist die zweite Art der Gefahren durch das Lesen, nämlich die allgemeine Gefahr das Leben nur durch Bücher zu erfahren. Dadurch wird das Lesen zu einer Art Hindernis zwischen dem Studierenden und der „wahren“ Welt. Denn allzu oft hat der „Gelehrte“ nichts weiter vorzubringen als darauf zu verweisen, er habe etwas in einem Buch gelesen und der Autor würde schon wissen, was er schriebe. Da gibt es etwa die Prognosen über die Zukunft, etwa welche Erfindungen noch gemacht werden würden, man würde sicher in fünfzig Jahren auf dem Mars Trabantenstädte errichten und dergleichen. Doch wenn der Leser dann erklären soll, wie das genau vonstatten gehen soll, dann weiß er darauf auch nichts anderes zu sagen, als er habe es in einem Buch gelesen und er Autor sei ein anerkannter Zukunftsforscher, deshalb könne man ihm wohl glauben. Der Lesende ist dann oft überrascht oder gar erzürnt, dass die Mitmenschen, denen Lesen nicht so am Herzen liegt wie ihm, ihm keinen Glauben schenken oder sich gar über ihn lustig machen. Da ist es nur ein Schritt, dass man sich selbst als überlegen betrachtet und die anderen als dumme Tölpel ansieht, denen die Bildung völlig abginge. Würde der Leser einmal ernsthaft in den Spiegel schauen, dann käme er schon drauf, dass es mit seinem Wissen auch nicht weit her ist, es ist ja nicht durch sein eigenes Denken entstanden, sondern ist im Grunde nichts anderes als ein papageienhaftes Nachplappern dessen, was ein vermeintlich großer anderer geschrieben hat. Es gilt eben immer noch das alte Sprichwort von der Macht des geschriebenen Wortes. Sagt man einen Unsinn, so lacht die Welt, doch schreibt man ihn nieder, dann glaubt sie, dass es damit wohl etwas mehr mit der Wahrheit auf sich hat. Auf der anderen Seite gibt es ja auch das Sprichwort, dass Papier geduldig sei. Und nie traf dies mehr zu als in unserer Zeit, in der jeder auf Papier, oder noch mehr in elektronischer Form, sein geschriebenes Wort in die Welt hinausposaunen kann, ob es den anderen nun gefällt oder nicht und völlig einerlei von der Qualität des Geschriebenen.

Einen solchen Charakter entdeckte ich im Roman „Sonderlinge“ des Bregenzerwälder Schriftsteller Franz Michael Felder (1839-1869). Der Sohn einen reichen Bauern wird von seinem Vater dazu erzogen zu studieren und sich von der Welt zurückzuziehen und auf die einfachen dummen Bauern zu schimpfen, die ja ohnehin nichts im Kopf hätten, deren Sitten völlig verroht seien und deshalb keinen Umgang für den Junior seinen. Der Sohn wird zum „Sonderling“, der zwar viel weiß, aber eben alles nur aus den Büchern, einer, den „die schwarzen Leute in der Ferne mehr interessieren, als den Nachbarn und dessen Hof“. Die große Wandlung kommt dann, als der freundlose, unglückliche Sohn doch einmal sich entschließt unter die Menschen zu gehen und als „Küher“ (Kuhhirte auf der Alp) einen Sommer lang mit einem Beiknecht und dem Senn selbst die Kühle des Ortes auf der Alp zu hüten und dort zu leben. Der Senn bringt den verwöhnen Stubenhocker in Verbindung mit der Natur und indirekt auch mit den Menschen, und als der September kommt und die Kühe wieder in den Ort hinabgetrieben werden, ist der „Sonderling“ schon ein anderer Mensch geworden, wenn es auch noch eine harte Zeit werden sollte in den folgenden Monaten, da die sozialen Künste nun erst recht auf die Probe gestellt werden.

Diese Geschichte erscheint mir ein Paradebeispiel dafür zu sein, was passieren kann, wenn man Bücher nicht deshalb liest, weil man eine bestimmte Information braucht, sondern um seine Zeit totzuschlagen und einen Wall zwischen sich und der lebendigen Erfahrung zu errichten. Lesen kann zur Sucht werden, wie auch der Alkohol oder die Spiel- und Einkaufssucht. Die schädlichen Folgen werden meist nicht erkannt, eben weil das Lesen in hohem Ansehen steht und allgemein als akzeptable, wenn nicht gar erwünschte Freizeitbeschäftigung gesehen wird. Aber Lesen kann einen sehr einsam machen. Wissen kann durchaus durch Bücher vermittelt werden, wenn eigenes Denken sich der Informationen bedient und das eigene Urteilsvermögen geschärft wird. Doch niemals kann das Lesen die tatsächliche Erfahrung ersetzten und am allerwenigsten kann das Lesen einem Weisheit verleihen, dazu ist nur das Leben selbst in der Lage.