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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Braucht der Mensch die anderen?

„Ich gehe an ein Werk, das kein Vorbild hat und keinen Nachahmer finden wird. Ich will vor meinesgleichen einen Menschen in aller Wahrheit der Natur zeichnen, und dieser Menschen – bin ich“. Mit diesen starken Worten beschreibt der große Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau sein Bestreben, so wie er es in seinen „Confessions“ niedergeschrieben hat.


Rousseau ist eine besondere Gestalt, um nicht zu sagen eine Lichtgestalt unter den Denkern des 18. Jahrhunderts und weit darüber hinaus. Im Ergebnis wirkt er um vieles stärker, als die kühlen Rationalisten und Enzyklopedisten, die durch intellektuellen Hochmut und die Verehrung und Förderung der Kultur glaubten einen Gipfel der Menschheit erreicht zu haben. Gerade das Gegenteil war der Fall und Rousseau hat es schonungslos aufgezeigt. Kultur verdirbt die Seele des Menschen, macht neurotisch und psychotisch. Ohne Kultur hätte die Menschheit keine seelischen Probleme, es der Preis der Kultur, dass der einzelne an der Psyche angegriffen und verdorben wird. Rousseaus „Gefühl“ sein Enthusiasmus und sein unglaubliches Genie brachten ihn zu seinem großartigen Werk. Während Descartes vom „Cogito-Ergo-Sum“ sprach hört sich dies bei Rousseau ganz anders an: „Je suis, je sens“. Welche Kraft liegt doch in den Worten des religiösen Genfers, der zugegeben eine Menge an Widersprüchen in seinem Charakter vereinte – etwas das bei großen Persönlichkeiten immer der Fall ist. Trifft man auf einen stimmigen, abgerundeten Charakter, dann hat man es immer auch mit einer höchst mittelmäßigen Person zu tun. Wer will schon in Ruhe leben? Wer möchte Harmonie wirklich? Harmonie ist wie der Tod, hat man sie, dann lebt man nicht mehr! Das Chaos im Leben ist höchst wünschenswert, es fördert den Menschen und den Fortschritt, ebenso die Unzufriedenheit. Die Unzufriedenheit ist eine Tugend! Wären die Menschen zufrieden, dann müsste man sich ernsthaft Sorgen um sie machen. Wer zu Zufriedenheit rät, der ist ein kleiner Geist!

Zurück zu Rousseau und dem 18. Jahrhundert. Rousseau war ein Individualist, einer, der die Natur des Menschen als gut und die Kultur als Verbrechen sah. Damit sprach er Millionen Menschen an, die es genauso sahen. Bis heute wirken die frischen Worte nach und vermögen die Seele immer noch anzusprechen. Es wäre vermessen wollte man darin einfach nur eine Unzufriedenheit mit der damals herrschenden Kultur verstehen. Vielmehr geht es Rousseau um die Kultur ans sich. Im 19. Jahrhundert drehte sich das Weltbild gewaltig, denn nun sah man die Kultur als gut und den Einzelnen als schlecht. Man ging davon aus, dass die Kultur nun notwendig sei, um die Triebe des einzelnen zu zügeln – das Misstrauen gegenüber dem Menschen blieb ins 20. Jahrhundert hinein aufrecht und wirkt bis heute nach. Wie viel freier ist doch der Mensch bei Rousseau und wie gut in seinem Naturzustand! Erst die Gemeinschaft macht den Menschen schlecht und lebten wir in einer perfekten Welt, dann würden wird den Kontakt mit anderen überhaupt nicht suchen. Wir würden mit anderen Menschen nicht sprechen, wir würden uns nicht um sie kümmern. Nur das Übel der Welt, wie sie sich durch all ihre Gefahren uns darstellt, zwingt die Menschen zu Kooperation. Im Grunde ist das Zusammenwirken der Menschen keine gute Sache, lediglich ein notwendiges Übel. Bräuchten wir die anderen nicht, dann wären wir frei aus uns selbst heraus zu leben, unabhängig (denn was ist Freiheit anderes als das Nicht-Verbundensein?).


Heute ist die Zeit immer noch sehr verblendet und die Ansicht der Mensch sei ein soziales Wesen ist sehr verführerisch – kaum einer widerspricht ihr. Dabei spricht vieles dafür, dass Rousseau und nicht die moderne Ansicht der Wahrheit entspricht. Meine Antwort auf die Frage, die den Titel dieses Beitrags bildet, ist eindeutig Nein! Der Mensch braucht die anderen an sich nicht, lediglich Notwendigkeiten, die sich aus den Lebensumständen heraus ergeben führen zu Zwangskooperation. Für das seelische Wohlbefinden jedoch ist der Mitmensch, den man besser Nebenmensch nennen sollte, mit Sicherheit nachteilig. Mit seinem Geist und seinen Gedanken und Gefühlen alleine, erübrigen sich die fruchtlosen Streitereien, die Reibungen, die sich durch das bloße Zusammentreffen von Menschen ergeben. Konflikt an sich ist noch nichts Schlechtes, doch in der Praxis führt er nur selten zu einer Weiterentwicklung, sondern zu Grabenkämpfen, seelischem Unwohlsein, das einen dann über längere Zeit hinweg nicht mehr verlässt.


In gewisser Weise ist das Leben jedoch selbst eine Beleidigung für den Menschen. Man denke nur daran, dass ein Homo sapiens, Nahrung, Sauerstoff etc. braucht, nur um körperlich am Leben zu bleiben. Für einen extrem freiheitsliebenden Menschen ist bereits die Notwendigkeit Sauerstoff zum Leben zu brauchen eine Beleidigung und eine Quelle des permanenten Unglücks. So gesehen ist es nur natürlich, wenn sich die Abneigung gegen das Leben selbst richtet, zumindest in der Form, wie wir es in unserem Universum vorfinden.

„Der Mensch is guad, nur de Leit san a Gsindl!“ Mit diesem Nestroy-Zitat ist nicht nur Rousseau gut zusammengefasst, sondern ein wahres Wort gesprochen, dass heute so wahr ist, wie es immer war und auch immer sein wird.

Dienstag, 21. Juni 2011

Die Gefahr menschlicher Überheblichkeit

Es gibt kaum ein größeres Übel, als wenn sich der Mensch selbst für das Maß aller Dinge hält, wenn er glaubt keine Prinzipien und schon gar keine persönliche Macht, die über ihn selbst hinaus geht anerkennen möchte. Die naive Mensch schaut sich die Welt an und glaubt die Dinge, die ihn umgeben zu verstehen und wähnt sich bald als das einzige intelligente Wesen. Er verneint das Vorhandensein von absoluten Werten, von einer umfassenden Erkenntnis von Richtig und Falsch und als Folge dieses Glaubens stellt er ein Dogma aus, das da heißt, dass alle Dinge relativ seien, ohne dabei zu erkennen, dass dann auch diese Aussage selbst relativ sein müsste und damit das Tor zur Absolutheit immer noch so offen ist wie eh und je. Aber, wie jeder denkende Mensch weiß kommt der Hochmut immer vor dem Fall und die Geschichte legt ein beredtes Zeugnis dafür ab. Doch gilt dies nicht nur für die offiziell anerkannte Geschichte, sondern auch für jenen Frühbereich der menschlichen Geschichte, den manche für bloße Legende halten oder die Berichte darüber für reine Metaphern gehalten werden.

Im 11. Kapitel des 1. Buch Mose, der Genesis, lesen wir vom Turmbau zu Babel. Zwar ist den allermeisten Menschen dieser Bericht bekannt, doch die allerwenigsten können heute noch etwas Konkretes damit anfangen und die Lehre, die damit im Zusammenhang steht verstehen. Aber dieses kurze Kapitel der Heiligen Schrift berichtet nicht von einer Nebensächlichkeit der menschlichen Geschichte, sondern behandelt einen ganz zentralen Punkt der menschlichen Gemeinschaft und ihrer politischen und sozialen Bestrebungen. Es wird davon berichtet, dass einst unter allen Menschen die verbale Kommunikation keine Schwierigkeiten bereitet hatte, da alle dieselbe Sprache hatten. Dies ermöglichte natürlich eine leichtere Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte ließen sich leichter verwirklichen. Die Menschheit hatte sich gewaltig über den Erdboden vermehrt, so wie es Gott den ersten Menschen aufgetragen hatte, indem er sie dazu aufrief sich zu vermehren und fruchtbar zu sein. Die Menschen befürchteten offenbar bald, dass es ihnen schwer fallen dürfte ihre Einheit zu bewahren, wenn sie nicht sich an einem zentralen Punkt sammelten und ein Symbol ihrer Einheit errichteten. Allem Anschein nach hatten sich viele bereits von ihrem Schöpfer entfernt oder zweifelten gar seine Existenz an. Deshalb schien es notwendig ein irdisches Symbol zu errichten, das
den Menschen als Mittelpunkt der Welt und ihrer Bestrebungen dienen sollte.

Die Bibel berichtet darüber, dass aus gebackenen Lehmziegeln (etwas, das nur für außergewöhnliche Bauten verwendet wurde) und Erdpech (Erdöl, wie auch beim Garten der Semiramis) ein gigantischer Turm errichtet werden sollten. Die Menschen machten sich also im Land Schinar, dem heutigen Irak, daran, dort wo die Stadt Babel (Babylon) errichtet wurde, dieses monumentale Bauwerk (die Spitze sollte bis zum Himmel reichen) zu errichten. Es sollte das Zentrum der Welt sein, der Triumph des Menschen und seiner Genialität. Der Mensch wollte sich damit „einen Namen“ machen, sich selbst loben und über die Elemente triumphieren. Es wird auch ganz klar angegeben, was der Zweck dieses Mammutvorhabens sein soll: Die Verhinderung, dass sich die Menschen über die ganze Welt zerstreuen.

Es ist kaum anzunehmen, dass alle Menschen dieser Konzentration zustimmten. Viel eher dürften die Mächtigen der damaligen Zeit die Menschen direkt oder indirekt dazu gezwungen haben sich in „Cluster“, sprich Megastädten, für die Babel als Synonym steht, zusammenzuballen. Die Menschen suchten die Gemeinschaft miteinander, nicht aus Liebe, nicht im Sinne Gottes, sondern aus einer Notwendigkeit heraus, wie sie Menschen, die gemeinsam einer Katastrophe unterworfen sind heraus. Nicht die Vernunft, nicht die Liebe zum Schöpfer vereinigte sie, sondern die Panik. Die Angst vor der Anarchie vermag nicht einen Gesellschaftsvertrag zu begründen, der wahre Gültigkeit in Anspruch nehmen kann. Was ist ein Gesetz, und sei es eine Verfassung, schon wert, wenn es nur auf dem Menschen beruht? Es lässt sich nicht stichhaltig begründen, warum sich ein Mensch an vom Menschen gemachte Gesetze halten soll! Eine relative Rechtsordnung, eine, die nur auf dem positiven Recht beruht, ist im Grunde überhaupt keine Rechtsordnung und keiner kann endgültig vom einzelnen verlangen solche Normen einzuhalten. Die relative Rechtsordnung ist immer in Gefahr und ihr Fundament ist nichts anderes, als das, was der österreichische Rechtstheoretiker Hans Kelsen als „Grundnorm“ bezeichnet hat. Diese, ist aber kein Gesetz und kein Prinzip, sondern nichts anderes, als die (klägliche) Aufforderung, man solle sich einfach an das Gesetz halten, ohne dies selbst begründen zu können. Kelsen hat damit den radikalen Relativismus in die Rechtsordnung eingelassen und die Jurisprudenz hat den Sündenfall begangen dies zu akzeptieren. Das positive Recht kann und darf von einem vernünftigen und mit Gewissen begabten Menschen niemals als Recht anerkannt werden! Er ist seinem Wesen nach heiße Luft, keine Sache mit Substanz und keiner braucht sich daran zu halten! Vom philosophischen und vom absoluten Standpunkt der Wahrheit her ist die Befolgung solcher Normen nicht zu rechtfertigen!

Im Turm von Babel kommt auch zum Ausdruck, dass der Mensch ein Werk erschaffen wollte, das als Zentrum der Menschheit dienen sollte, ohne dass dabei der Glaube an Gott notwendig gewesen wäre. Wichtig war nur diesen gemeinsamen großen Götzen anzubeten. Ein Götze ist immer eine Erniedrigung des Menschen und der Schöpfung, denn anstatt den wahren Schöpfer, Gott, anzubeten, betet der Mensch etwas an, das er selbst geschaffen hat. Wann immer dies aber geschieht macht der Mensch sich zu weniger, als er selbst ist und die endgültige Folge ist, dass der Mensch zu Tier wird, wie es geschieht, wenn ein Mensch einen anderen Menschen anbetet. Götzendienst besteht immer dort, wo die Schöpfung oder ein Teil davon anbetet. Es ist dies aber nicht nur eine Erniedrigung, sondern auch eine Dummheit, denn wer will schon anbeteten, was weniger ist als er selbst? Alle Menschen sind von Gott geschaffen, alle sind gleich, einen Menschen anzubeten heißt immer irrational zu handelt, aber auch wer ein Geschöpf oder auch das Universum anbetet handelt so, denn alle Planeten, Monde, Sterne und Galaxien wurden für den Menschen alleine geschaffen. Diese anzubeten ist eine Umkehrung der Realität. Über dem Menschen steht nur Gott und deshalb ist auch seine Anbetung nicht nur das einzig Vernünftige sondern auch das einzig Richtige.

Aber Gott hatte im Falle Babel eingegriffen und dem unseligen Treiben der Menschen ein gerechtes Ende gesetzt. Es war dies eine Liebestat Gottes, wie auch die Sintflut eine solche Liebestat gewesen. Denn hätte Gott die Menschen und das Leben auf der Erde vernichtet, hätten die Menschen alles vernichtet und es hätte für uns alle keine Rettung gegeben. Wir sollten deshalb für die frühere Vernichtung der Welt durch die Flut, für die Sprachverwirrung zu Babel und die Zerstörung von Sodom und Gomorra dankbar sein, ohne diese Taten hätten wir heutigen Menschen keine Chance auf das Heil!

Doch wenn wir uns die Welt von heute ansehen, dann gibt es die gleichen Bestrebungen von damals auch heute wieder. Wieder träumen Menschen davon die Welt zu vereinigen, eine globale Kultur der Einheit zu schaffen und den Weltfrieden herbeizuführen. Meine Lieben, wenn einer von Geld spricht, dann hat er meistens Schulden, wenn einer von Essen spricht, dann hat er meistens Hunger und wenn einer von Frieden spricht, dann will er meist den Krieg! Keiner ist so gefährlich wie die Menschen, die ständig vom Frieden, von Harmonie und weltweiter Verständigung sprechen. Der Friede, das heißt, der wahre Friede, ist eine großartige Sache und etwas, das wir uns alle wünschen, doch es gibt auch eine Zeit des Krieges und wir dürfen unsere Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen, Gott der Allmächtige, hat und auf Erden kein Paradies versprochen, es gibt eine Zeit, in der die Schwerter zu Pflugscharen werden, doch zuvor gibt es noch eine Zeit, in der die Pflugscharen zu Schwertern geschmiedet werden (lassen wir uns nicht täuschen, picken wir uns nicht nur die Rosinen aus der Bibel heraus). Die Zeichen der Zeit sind dem Weisen immer bekannt gewesen.

Es gab sogar schon Politiker der Europäischen Union, die mit Hinweis auf das Aussehen des Parlaments in Straßburg (den klassischen Gemälden zum Turm von Babel nicht unähnlich) darauf hinwiesen, dass es zwar damals nicht geglückt sei diese menschliche Einheit zu errichten, dass es ab dieses Mal gelingen würde, völlig vermessen eine neue Ära der Menschenherrschaft propagierten. Bevor die Europäische Union sich ausdehnt und versucht ihre (gottlosen) Werte über die Welt drüber zu stülpen ist es mit Fug und Recht zu sagen, dass es besser wäre das Europa der Nationalstaaten würde wieder auferstehen und der Kontinent würde in einem 1000jährigen Krieg versinken, nach dem Muster wie wir es 1914-18 und 1939-45 erlebt haben, das wäre immer noch das geringere Übel. Der einzige Frieden, der besser ist als der Krieg, das ist ein Frieden, der sich aus Gottes Zustimmung ableitet, alles andere ist höchst suspekt! Pax divina solo pax vera est!

Gott zerstreute die Menschen über die ganze Erde und rettete so nicht nur die Erde, sondern auch den Menschen vor seinem Untergang. Gott hat nie zum Schaden, sondern immer nur zum Nutzen des Menschen gehandelt, und die Verwirrung der Sprachen bildet darin keine Ausnahme. Der Mensch findet keine Einheit, außer im Supranaturalen, alle anderen Bestrebungen haben am Ende nur die Diktatur zur Folge auf die die totale Vernichtung folgt, denn in Wahrheit kann kein Mensch einen anderen Menschen beherrschen, nur der Anschein der Angst kann einem diese Illusion verschaffen.

Babel heißt übrigens Wirrsal und weist damit auf die Verwirrung der Sprachen (und damit der Einheit der Menschen) hin. In der Bibel steht Babel, bzw. Babylon, stets für das Böse, für den Widersacher (Teufel). `Der Teufel reitet den Menschen´, meinte noch Luther doch heute ist es die Verwirrung, die sich wie eine wilde Mustangherde über die Erde ausbreitet, die von niemandem mehr geritten wird und deshalb schlimmer ist, als wenn eine konkrete Person des Bösen, den Menschen `reiten´ würde.

Wann immer es je eine Vereinigung aller Menschen geben sollte, dann darf dies nur unter der Führung des einen Gottes, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geschehen, dem einzig wahren Gott. Die Lehre, die aus der Geschichte vom Turmbau zu Babel zu ziehen ist, ist jene, dass es keine wahre Gemeinschaft der Menschen, trotz hoher Kultur, geben kann, wenn es keine gemeinsame Ausrichtung der Menschen auf die persönliche transzendentale Schöpferperson, die wir als Gott kennen, gibt!

Schema Israel, Adonai, Elohenu, Adonai echod!

Montag, 28. Februar 2011

Revolution!

In den letzten Tagen und Wochen hat die Welt gebannt auf die arabische Welt, vornehmlich nach Nordafrika, geblickt. Regime, die über Jahrzehnte lang, scheinbar stabil, existiert haben, sind innerhalb kürzester Zeit verschwunden und machten einer Zukunft Platz, die für uns alle erst im Entstehen begriffen ist und niemand zum gegenwärtigen Zeitpunkt sagen kann, wie sich die Dinge weiter entwickeln werden. Anfang Februar ist Präsident Mubarak, der Ägypten 30 Jahre lang autoritär regiert hatte (und den Ausnahmezustand seit Saddats Ermordung niemals aufhob), gezwungenermaßen zurückgetreten. Doch wie die Zukunft aussieht, ist bislang noch ungewiss. Der Westen hofft natürlich auf eine demokratische Wende, doch sollte er sich dessen nicht so sicher sein. Man darf niemals die Imponderabilien vergessen, die ein typisches Kennzeichen einer Revolution sind. Es war von der Europäischen Union nicht unklug, vorerst keine klare Stellung zu beziehen. Schließlich weiß man aus der Geschichte, dass bei einer Revolution nicht diejenigen zählen, die eine solche beginnen, sondern diejenigen, die sie beenden. Das war schon vor über 200 Jahren bei der Französischen Revolution so. Es waren nicht die Generalstände, auch nicht die radikalen und nicht einmal die gemäßigten Jakobiner, die die Revolution endgültigen beendeten, sondern der General Napoleon Bonaparte. Aber wer hätte dies noch ein paar Jahre vor dessen Amtsantritt als Konsul und kurz darauf als Kaiser der Franzosen, vorausgesehen. Nein, in solchen Zeiten ist es ratsam sich zurückzuhalten, zu beobachten und seine Schlüsse zu ziehen, die vorerst geheim gehalten werden sollen (als gute historische Beispiele dienen Talleyand und Fouchè).

Die arabische Welt hat in den letzten Wochen sicher erfolgreich einen Befreiungsschlag gewagt, der in absehbarer Zeit auch zum Ende des libyschen Regime unter Gaddafi führen dürfte – das scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch was kommt danach? Das ist die Frage, die für die Menschen außerhalb der Region das Entscheidende ist. Libyen lieferte bisher 1,6 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Das ist beträchtlich, doch auch ein Totalausfall des Landes ist für die Welt verkraftbar (der Tagesverbrauch der Welt beträgt zurzeit etwa 88 Mio. Barrel) auch wenn es lokal einige Energieversorgen nicht unerheblich treffen könnte (die OMV bezieht etwa 10 Prozent ihres Erdöls aus Libyen, was zurzeit auf quasi Null reduziert wurde). Der Ölpreis hat in den letzten Tag ordentlich angezogen und liegt nun bei knapp unter 110 Dollar pro Barrel. Im Jahr 2008 stand er Ölpreis (vor allem aufgrund von Spekulationen und noch vor der Finanzkrise) auf fast 150 Dollar). Ich wage hier mal einen Tipp: Der Bezinpreis für Superbezin wird binnen zwei Wochen auf über 1,5 Euro steigen.
Sollte die Krise auf Saudi Arabien übergreifen, dann hat die Welt ein enormes Problem. Zurzeit ist dies jedoch noch nicht zu befürchten, auch im Iran gibt es noch keine Anzeichen für einen Volksaustand, lediglich im Jemen und in Bahrain gibt es Aufstände, die jedoch relative friedlich beigelegt wurden, beziehungsweise unter Kontrolle zu sein scheinen.

Längerfristig jedoch ist mit großen Unruhen im gesamten arabischen Raum zu rechnen und es wäre eine Illusion des Westens, wenn er glaubte, dass die Welt einer Ordnung zustimmen würde wie bisher. Vor allem die USA werden sich einschränken müssen, auch die Europäische Union wird sich darauf einzustellen haben nicht mehr dieses Gewicht in der Welt zu haben, wie sie es bisher genoss. Es ist im allgemeinen zu begrüßen, wenn die lokalen Bevölkerungen sich stärker zeigen und sich einer globalen Dominanz entziehen. Eine globalisierte Welt an sich ist nicht schlecht, doch sollte es so etwas wie zu große Machtzentren nicht geben. Lokale Kontrolle ist extrem wichtig in einer Welt, die immer mehr zusammen wächst, und es ist insbesondere darauf zu achten, dass es niemals eine „Weltregierung“ beziehungsweise eine „Weltreligion“ gibt. Zwar mag dies beides verführerisch klingen, doch im Ergebnis würde darunter die Welt sehr zu leiden haben.

Eine andere Frage, die sich mir bei der Beobachtung der arabischen Volker in diesen Tagen stellt, ist jene, ob dieser Kampfgeist, diese Engagement auch heute noch bei den Völkern in Europa und Amerika vorhanden wäre. Würden die Europäer und die Amerikaner heute noch derart für ihre Recht einstehen, wie wir es bei den Menschen im Nahen und Mittleren Osten gerade gesehen habe? Ich habe hier so meine Zweifel. Eine Abstumpfung und eine Stupidität scheint eingetreten zu sein, die ein derart kraftvolles Vorgehen nicht mehr als allzu wahrscheinlich erscheinen lassen. Ich hoffe zutiefst, dass ich mich mit dieser Ansicht irre! Die Zukunft wird uns viele Dinge offenbaren, die uns heute noch völlig unvorstellbar erscheinen. Nun ja, wir werden alle noch große Augen machen, davon bin ich überzeugt!

Mittwoch, 5. Januar 2011

Aufgaben der Zukunft

Wenn Historiker sich den vergangenen Zeiten zuwenden, um sie für die Gegenwart und die Zukunft möglichst genau und wahrheitsgetreu darzustellen und/oder ihren Kommentar dazu zu verfassen, so stellen sich ihnen gewisse Schwierigkeiten in den Weg. Eine dieser Umstände besteht darin an die nötigen Quellen zu gelangen. Aus vielen Epochen liegen uns nur wenige und bruchstückhafte Quellen vor. Die meisten Dinge, die als Hinweise dienen könnten, sind im Strudel der Zeit für immer verloren gegangen. Viele Sachen sind uns aber auch deshalb nicht zugänglich, weil schriftliche Aufzeichnungen seltener waren und oft die Augenzeugen nicht schreiben konnten oder das Bedürfnis der Nachwelt etwas zu hinterlassen nicht groß genug war. Medien wie Fotographie oder gar Film, sind erst in historisch jüngster Zeit aufgetaucht und unterliegen ebenso einem Verfallsprozess, wie alles Irdische.

Wenn nun aber der Historiker sich mit einem traditionellen Mangel an Quellen konfrontiert sah und sieht, wie wird es für zukünftige Geschichtswissenschaftler sein, die unsere Zeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden zu beschreiben haben? Mangel an Information, an Daten und Quellen werden sie nicht zu beklagen haben. Es sei denn eine globale Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes würde größte Teile der menschlichen Kultur und deren Aufzeichnungen vernichten. Abgesehen von diesem Fall wird der Historiker der Zukunft von Datenmaterial geradezu erdrückt werden. Mehr als die Informationsbeschaffung werden die Sichtung und Auswahl des Materials in den Vordergrund rücken. Wir erleben in unserer Zeit alle, dass die Menge an Daten unübersehbar geworden ist, dass es unmöglich ist sich alle Informationen zu einer bestimmten Sache zu besorgen. Aber wir haben immer noch die alte Mentalität uns möglichst viele Ressourcen zu sichern und sie festzuhalten, da diese traditionell gesehen stets knapp waren. So ist es auch mit der Information. Es wird immer noch versucht, auch wenn wir vernunftsgemäß es besser wissen, so viel als möglich an Material zu akquirieren. Natürlich kann das nicht zum Erfolg führen.

Die Aufgabe, die sich uns allen stellt ist die richtige Selektion der vorhandenen Daten. Wie können wir es schaffen möglichst schnell und unkompliziert genau an die Daten gelangen, die wir brauchen, ohne dabei das ungute Gefühl im Hinterkopf zu tragen, dass wir etwas Entscheidendes übersehen haben, weil wir an einer bestimmten Stelle den Informationsfluss abgebrochen haben, um nicht ewig mit einer Sache beschäftigt zu bleiben? Es ist nämlich zu erwarten, dass Kritik genau an diesem Punkt ansetzen wird. Immer wird es welche geben, die uns vorwerfen werden dieses oder jenes nicht bedacht zu haben, diese oder jene Information stiefmütterlich oder gar nicht behandelt zu haben. Es gibt wohl keine Möglichkeit dem zu entkommen. Und man soll es auch gar nicht versuchen.

Entscheidend ist der richtige Bewertungsmaßstab, der einem als Richtmaß dient, um gute von schlechter, passender von unpassender, wahrer von unwahrer Information zu unterscheiden. Aber nicht nur die Fachperson ist heute vor diese Aufgabe gestellt, nein auch der ganz normale Laie befindet sich in einer Position, Daten zu beurteilen, von denen er keine Ahnung hat, Quellen vor sich zu sehen, die er nicht zu beurteilen weiß. Das Paradebeispiel dafür bietet das Internet. Hier kann jeder seine eigenen Gedanken veröffentlichen und hat potenziell die ganze Welt als Publikum vor sich. Persönliche Meinungen werden in der Regel, bewusst oder unbewusst, als Fakten ausgegeben, nicht überprüfbare Behauptungen werden aufgestellt – natürlich mit dem Anspruch großer Zuverlässigkeit. Es tobt ein Kampf um unsere Gedanken, um unseren Geist! Die Menschen fühlen sich heute entfremdet und überbelastet. Und zu einem großen Teil geht dies auf die Menge an Daten zurück, die wir in das eigene Leben nicht integrieren können. Kinder haben immer mehr Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren und intensiv zu arbeiten, dass so viele Dinge gleichzeitig um ihre Aufmerksamkeit buhlen. Dass daraus nicht nur bei der Jugend, sondern auch immer mehr in der ganzen Kultur das ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom) um sich greift, ist kein Wunder. Die einzelnen Puzzlesteine lassen sich nicht sinnvoll in das Gesamtbild des Lebens einordnen. Es wird so getan, als ob Wahrheit relativ und subjektiv wäre. Das heißt aber die Wahrheit als solche abzuschaffen. Eine relative und persönliche Wahrheit ist gar keine Wahrheit, sondern eine bloße Meinung, eine Idee im Kopf, nicht einmal eine Erfahrung!

Hier liegt eine der großen Aufgaben der Zukunft: Selbsterkenntnis jedes einzelnen; Entwicklung eines unabhängigen Geistes; Abgrenzung gegen die anderen und die Welt (die ständig versucht die eigene Position zu Fall zu bringen); Akzeptanz des grundlegenden Kriegszustandes auf der Welt (vor allem der Krieg des Geistes) und die Fähigkeit messerscharfe Urteile zu fällen und dieses gegen jeden Widerstand erfolgreich zu verteidigen – auch wenn man der einzige Mensch auf der Welt sein sollte, der eine bestimme Ansicht hegt! Individualität ist Pflicht, blinder Konformismus die größte Schande!

Montag, 22. November 2010

Konsumterror

„Alle Jahre wieder...“, so beginnt ein bekanntes Weihnachtslied. Doch heutzutage kommt wohl immer seltener das Christuskind, als vielmehr der „consumption man“, der stupide Durchschnittsbürger, der im Leben nichts anderes kennt als die materielle Welt um sich herum. Obwohl er sich darin alles andere als glücklich fühlt, scheint der Konsum für ihn das einzige zu sein, was ihm bis zu einem gewissen Grad eine Befriedigung gibt. Wie armselig muss das Leben eines Menschen sein, für den das Haben von großer Wichtigkeit ist?! Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit sieht man sie wieder überall, die Menschen, die nichts anderes im Kopf haben, als ihr schwer verdientes Geld in Waren und Dienstleistungen umzuwandeln. Fast 300 Euro soll der durchschnittliche Deutsche oder Österreicher im kommenden Monat für Weihnachtsgeschenke ausgeben, so die Prognose der Experten. 300 Euro, die viel vernünftiger verwendet werden könnten.
Die Freiheit des Menschen liegt gerade darin „Nein“ zu sagen, „Nein“ zu Konsum, „Nein“ zu den Dingen und letztlich auch „Nein“ zu den meisten Menschen um ihn herum. Wie soll jemand frei sei, der in notweniger Verbindung zu Dingen oder Menschen steht? Ist Freiheit nicht gerade die Ungebundenheit, das Nichtbrauchen von irgendetwas außer sich selbst? Ich meine dem ist genau so. Die meisten erkennen überhaupt nicht die Ketten, die sie fesseln und leben in der Illusion freie Menschen zu sein – als ob es so etwas, wie einen freien Menschen auf dieser Welt gäbe? Nun, ich übertreibe ein wenig, denn es gibt sie schon die freien Menschen, doch sie sind äußerst rar und machen nicht viel Aufhebens um sich, ja sie werden vom normalen Bürger als „seltsam“ oder gar als „Sonderlinge“ angesehen.
Glücklich sind die Menschen, die Weihnachten überhaupt nicht feiern und diese Tage begehen wie alle anderen des Jahres. Der ursprüngliche Sinn dieses Festes ist ohnehin verloren gegangen und in der Bibel steht auch nichts von einem Tannenbaum, den man in seiner Wohnung aufstellt. Sinnloserweise werden ganze Plantagen von Christbäumen gepflanzt, nur um dann für ein oder zwei Wochen in einer warmen, trockenen Stube vor sich hinzuverdorren. Dazu die Heuchelei! Die Familien kommen zusammen, freuen sich künstlich, singen schmalzige Lieder und schlagen sich die Wampen voll und nicht selten kommt dazu eine nicht ganz unerhebliche Menge an Hochprozentigem, ohne welchem, das gestehe man vielen zu, die Festtage nicht zu überstehen wären. Nie gibt es in Familie mehr Spannungen als zu den Festtagen und gerade diese böten eine große Chance zu erkennen, was eigentlich falsch zwischen den Menschen läuft. Freunde sucht man sich aus, doch mit der Familie ist man geschlagen, ein Leben lang, man muss sie nehmen wie sie ist, auch wenn man keines ihrer Mitglieder liebt. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass Menschen so verbogen werden diejenigen zu lieben, mit denen sie gemeinsame Vorfahren haben. Wohlwollen wird zur Pflicht, die wahren Gefühle eines Menschen spielen dabei keine Rolle. Mütter und Väter erziehen ihre Kinder so, dass diese sie und die anderen Verwandten lieben. Dass dies in Wahrheit oft gar nicht der Fall ist, wir durch eine künstliche Schicht an „Rollenspielen“ überdeckt, so dass nach außen hin alles harmonisch und schön aussieht. Der Schein zählt mehr als das Sein! So funktioniert jede Gesellschaft. Und gerade aus der seelischen Not heraus, die die Folge eines solchen falschen Verhaltens ist, speisen sich allerlei Abhängigkeiten. Der Mensch, der nicht er selbst sein kann, muss Anhaftungen an Dinge und Menschen entwickeln, anders kann er nicht überleben. Der Konsum, in seiner ausgeprägteren Form, ist nur eine der Auswirkungen dieser, ich denke, man kann es durchaus so nennen, ausgewachsenen Neurose!
Ein Vorschlag für dieses Jahr: Weihnachten und Neujahr einfach verschlafen und am dritten oder vierten Jänner wieder aufwachen: Dann ist der Spuk vorbei und man ist nichts anderes als gut ausgeruht für das neue Jahr!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Leben ohne Sex

Wie gesegnet sind doch die Menschen, die es zu vollbringen vermögen ein Leben ohne die übergroße Last der Sexualität zu leben? Ist es nicht so, dass der gewöhnliche Mensch, kaum, dass er in die Pubertät gelangt ein Bedürfnis verspürt sich eben auch im sexuellen Bereich aktiv zu bewegen? Wie schändlich dies auch vom gesund empfindenden Erdenbürger gesehen werden mag, so beschämend ist es doch zu beobachten, was der Mensch in der Praxis daraus macht und welchen schändlichen Praktiken er sich dann am Ende, trotz aller Gewissensbisse hingibt. So sinkt das Alter der ersten sexuellen Aktivität ständig und wenn man bösen Zungen glauben darf, dann sind es bereits Personen unter vierzehn Jahren die des Geschlechtsverkehrs teilhabend wurden. Doch die eigentlichen Probleme beginnen noch viel früher und die Übersexualisierung der Gesellschaft hat ein Maß erreicht, dass jede Moral mit Füßen tritt und den Zeiten von Sodom und Gomorra gleicht. Wäre es da nicht Recht und billig, wenn die Menschheit das gleiche gerechte Schicksal erlitte, wie die perversen Einwohner jener beiden Städte, die in gutem gerechtem Zorn mit Feuer und Schwefel für immer vom Erdboden vertilgt wurden? Denn alle Menschen sind Sünder und keiner verdient das Himmelreich, alle Menschen verdienen, dass Übel sie vom Tag der Geburt bis zu Grade unaufhörlich quält und dass ihnen Angenehmes nicht widerfährt.
So stellt sich in Anbetracht der üblen Umstände in der sich die Welt heute befindet die Frage, was denn das richtige Verhalten des Menschen wäre. Und da ergibt sich nur der weise Rat des Apostel Paulus, der uns zur ewigen Keuschheit aufruft. Denn der heilige, gute Mensch enthält sich aller sexuellen Handlungen und Gedanken, doch wer sich nicht beherrschen kann und der Sexualität bedarf, für den ist es besser er nimmt sich ein Weib, heiratet und praktiziert dann seine Gelüste in dieser von Gott nicht für unwert befundenen Gemeinschaft, als dass er ohne verheiratet ist sexuellen Handlungen nachgeht. Freilich ist dies nur die zweitbeste Wahl, denn zum Zölibat sind nicht nur die Priester berufen, sondern grundsätzlich alle Nachfolger Christi, alle Erretteten und gerechten Menschen. Doch nicht eine äußere Pflicht, sondern die innere Einstellung soll dies bewirken, denn was wäre ein gerechter Dienst am Herrn, wenn er nicht aus dem Herzen käme, sondern durch äußere Umstände und äußeren Druck auferlegt?
Was sind nun die Vorteile, die damit verbunden sind keinerlei Sexualität zu praktizieren? Es sind deren mannigfaltige und bei genauerem Studium erkennt jeder, der Verstand hat, dass ein solches Leben zu den wertvollsten zählt, die es geben kann. Das zölibatäre Leben stärkt die Willenskraft, die Energie und die Kontrolle, die jemand über sein Leben hat in sehr beträchtlichem Maße. Es wird keine unnütze Zeit an das andere Geschlecht verschwendet und der Mensch ist in seiner Ganzheit offen für Gott und dessen Offenbarungen und Wunder im eigenen Leben. Anstatt um die Aufmerksamkeit des Mannes oder der Frau, die man begehrt zu buhlen, ist alles auf das Ewige und wahrhaft Wertvolle ausgerichtet. Man stelle sich vor ein Priester wäre verheiratet und hätte Kinder, dann ginge eine nicht unbeträchtliche Zeit für diese drauf, die dann im Dienste am Allmächtigen fehlt, eine Schande, die nicht zu rechtfertigen wäre. Zudem macht ein zölibatäres Leben einen viel glücklicher und die Selbstachtung erreicht Höhen von denen die sexuell aktiven Menschen nur zu träumen wagen – glücklich wer von Gott mit einer kaum vorhandenen Libido ausgestattet wurde!
Auch ist die Gesundheit zölibatärer Menschen viel besser als jene von Sexualpraktikanten, es gibt keine Gefahr von Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten – Seuchen, die in der Menschheit um sich greifen und immer schon eine Strafe für sexuelle Aktivität waren. Nicht zu vergessen ist auch die erhöhte Würde des sexuell nicht aktiven Menschen. Katholische Priester werden heute oft auch deshalb angegriffen, weil Menschen sich ihnen unterlegen fühlen – hier haben wir echte Heilige, die sich auf einen schweren Weg begeben haben und die den Unzüchtigen ein Ärgernis sind. Aber gerade die Kritik beweist die Rechtschaffenheit der Heiligen. Wer keine Sexualität praktiziert, begeht auch keine sexuelle Sünde – keinen außerehelichen Geschlechtsverkehr, keine Masturbation, keine Pornographie und ähnliches, die Reinheit des Herzens bleibt erhalten, die bei allen Menschen, die sexuell aktive sind nicht aufrecht erhalten bleiben kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass es keineswegs leicht ist seine sexuellen Aktivitäten völlig einzustellen. Es beginnt damit, dass man alle seine Handlungen diesbezüglich einstellt, doch auch wenn jeder Geschlechtsverkehr, jede Selbstbefriedigung und Pornographie aus dem Leben verschwunden ist, so dauert es doch meist eine ganze Weile, bis auch die Phantasien und Bilder im Kopf verschwunden sind. Hier heißt es auf Posten stehen und standhaft bleiben. Doch auch dieses Übel findet ein Ende und nach vielleicht ein bis zwei Jahren völliger Abstinenz verschwinden auch die geistigen Bilder, die sexuellen Gelüste verschwinden vollkommen und man erfährt eine Freiheit wie nie zuvor im Leben. Dank sei Gott dem Herr, der einen von der Sexualität völlig zu befreien vermag und einem Glückseligkeit zu schenken vermag, wie sie gewöhnliche Menschen leider in ihrem Leben niemals erfahren!
Die spirituelle Reife kann nicht zunehmen solange ein Mensch sexuell noch aktiv ist. Selbst Osho, der fragwürdige hinduistische Guru und Menschenverführer, hat erkannt, dass ab dem Alter von 42 Jahren kein Mensch mehr sexuelle aktiv sein sollte. Es liegt auf der Hand, dass Sexualität ab einem bestimmten Alter nicht nur nicht mehr angemessen, sondern geradezu abscheulich ist (niemand will sich 50jährige im Bett vorstellen!). Zucht und Ordnung, Disziplin und Erhabenheit nehmen zweifellos zu, wenn man der Sexualität entsagt. Die Lebensqualität erreicht neue Höhen und die Lebensfreude kennt keine Grenzen mehr.
Sex schädigt auch die Intelligenz, denn das Gehirn wird ständig mit chemischen Botenstoffen überschwemmt, die die Aktivitäten auf die Reproduktion lenken, anstatt auf wirklich wertvolle menschliche Tätigkeiten. Das Fleisch ist zwar nicht schlecht, doch steht es weit unter dem Geist, der das eigentlich Entscheidende ist.
Im Ergebnis spricht so vieles gegen und so gut wie gar nicht für die ausgelebte Sexualität. Aber wir leben in verruchten Zeiten und so nähern wir uns zweifelsohne der Endzeit. Doch wer standhaft bleibt, der wir seinen Lohn erhalten und für alles entschädigt werden, was er entbehren musste, wobei die Sexualität nicht dazu gehört. Diese nicht zu praktizieren ist eine grandiose Erleichterung und keine Last. Am gesegnetsten sind zweifellos die asexuellen Menschen, denen Gott in seiner Güte die Begierde ganz genommen hat, auf dass sie seine Heiligen werden, an denen er sein Gefallen hat. Schande über alle, die der Sexualität noch bedürfen und Ehre all jene, die die Kraft gefunden haben, sie nicht mehr zu praktizieren! Mögen die Menschen aufwachen, erkennen in was für extrem schlechten Zeiten wir leben und sich für Glück und Enthaltsamkeit entscheiden, auf dass unser Planet ein besserer werde.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Warum wir in einer Opfergesellschaft leben

Es gibt ein Phänomen in unserer Gesellschaft, dass Individuen, als auch ganze Gruppen, sehr häufig davon ausgehen, dass ihnen „etwas zustünde“. Dabei meine ich nicht berechtigten Ansprüchen, die sich aus Recht oder persönlichen Beziehungen ergeben, sondern die Vorstellung, dass die Welt einem etwas schulde. Im Englischen spricht man von „Entitlement-Society“. Jeder glaubt fordern zu können. Dabei wird aber vergessen, dass des einen Recht des anderen Pflicht ist. Und ist einem dies doch bewusst, so glaubt man trotzdem etwas haben zu dürfen. Ein Kampf um die Ressourcen setzt ein, der Gedanke des Mangels gebiert derartige Anschauung, die im schlimmsten Fall in richtigen Kriegen enden können. Ich selbst habe dies lange Zeit falsch verstanden und dachte, dass es in der menschlichen Natur eben einen natürlichen Trieb gäbe, der ihn veranlasste so viel als möglich zu haben und andere zur eigenen Befriedigung zu instrumentalisieren. Ich dachte, Gesetze sind vor allem dazu da, Chaos zu verhindern und die Menschen davor zu bewahren sich gegenseitig auszubeuten. Ich glaubte, mehr Moral würde das Problem lösen können. Wenn die Menschen nur „anständiger“ wären, dann wäre die Welt auch ein besserer Ort. Das ist eine traditionelle Ansicht und sie wird immer noch von einer großen Mehrheit der Menschen vertreten. Man traut dem Menschen selbst nicht recht und es scheint natürlich zu sein, dass auch der Schatten, das Böse, Teil des menschlichen Wesens sei. Kaum einer wird dem widersprechen. Man erkennt diese Ansicht leicht daran, dass Menschen Sätze mit „Heutzutage...“ beginnen und damit auf die Unmoral des Zeitgeistes anspielen wollen. Aber diese Menschen spielen Spiele, die darin bestehen, sich selbst als gerecht und die anderen als ungerecht darzustellen. Das zentrale Spiel trägt nach Eric Berne den Titel „Ist es nicht schrecklich?“ und wird vor allem auf gesellschaftlichen Zusammenkünften gespielt (z.B. Kaffeekränzchen).

Der Grund, warum ich diese Art von Spielen selbst lange Zeit nicht durchschauen konnte, liegt in meiner eigenen konservativen Erziehung. Ich bin der Erstgeborene und als solcher „Hüter der Tradition“ und ich fühlte mich bereits als Kind mehr zu der Wertschätzung der „Älteren“ hingezogen, als zur Vertretung meiner eigenen Generation. Dieser „Verrat“ war keinesfalls Teil meines eigenen Wesens, sondern der Rolle, die mir anerzogen wurde und die ich als solche nicht erkennen konnte. Kinder werden dazu erzogen die Defizite ihrer Eltern auszugleichen und „brav“ zu sein, anstatt authentisch. Der wahre „Verstoß aus dem Paradies“ hat nichts mit Adam und Eva zu tun. Es ist die Verbiegung der kindlichen Natur, bis es zu einem „funktionierenden“ Mitglied der Gesellschaft deformiert wurde.

Was Menschen tun und fühlen, hat sehr oft keinen Bezug zu der gegenwärtigen Situation und bei objektiver Betrachtung ist deshalb der Mensch nicht selten völlig irrational, ja geradezu dumm in seinem Verhalten. Mit dem „common sense“ kommt man hier nicht weiter. Man muss in die „private Logik“ (nach A. Adler) einsteigen, um zu verstehen, was in einem Menschen wirklich vor sich geht. Jeder Mensch handelt nämlich subjektiv logisch, zu jedem speziellen Augenblick, in dem eine Handlung vollzogen wird. Und ohne Hinwendung auf die Kindheit eines Menschen, ist dessen Verhalten nicht zu verstehen.

Dass Menschen sich so oft als Opfer fühlen, ist durchaus verständlich. Sie fühlen sich als Opfer anderer Menschen, der „Politik“, der „Wirtschaft“, der „Gesellschaft“, also meist ganz allgemein der „Umstände“. Solche Gebilde bilden eine wunderbare Projektionsfläche für die eigene Geisteshaltung und jeder kann darin eine Bestätigung für die eigenen Ansichten finden. Mit der Feststellung Opfer zu sein, haben die Menschen durchaus Recht. Allerdings irren sie in Bezug auf die Ursachen ihrer eigenen Misere. Die wahren Ursachen für das Gefühl Opfer zu sein, liegen in der Kindheit. Es hat nichts mit den gegenwärtigen Umständen zu tun, die nicht Ursache, sondern selbst Wirkung der Opferhaltung sind. Die wahre Ursache liegt in der Erziehung und dabei vor allem in der „schwarzen Pädagogik“, die Anwendung von Gewalt aller Art gegen Kinder. Damit ist nicht nur die körperliche Gewalt gemeint, sondern auch kaltes Verhalten gegenüber dem Kind. Gewalt besteht bereits in einen einfachen „Klaps“ auf den Hintern, nicht wegen des körperlichen Schmerzes, sondern wegen der Demütigung. Jede Liebe, die nicht bedingungslos gegeben wird, ist keine wahre Liebe, sondern ein Mittel der Manipulation.

Opfer fühlen sich mies, sie fühlen sich abhängig, ihnen fehlt etwas, sie sind betrogen worden. Durch die Selbstbezeichnung als Opfer wird jedoch dieser Zustand keinesfalls besser, sondern sie verharren noch mehr in ihrer Rolle und eine Änderung wird immer schwerer. Zudem haben Opfer das Gefühl im „Recht“ zu sein und nun ihrerseits austeilen zu dürfen, schließlich musste man selbst einstecken. Der „schwarze Peter“ wird weitergereicht, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, meist ist dies nicht der Fall. Am stärksten tritt dies zutage, wenn man selbst Kinder hat. Egal wie sehr man sich auch geschworen haben mag, die eigenen Kinder nicht so zu erziehen, wie man selbst erzogen wurde, unbewusst wird man in ähnliche Muster verfallen. Das Kind in einem selbst, erkennt sich im eigenen Kind wider und erträgt es kaum, wenn dieses es „besser“ hat. Freilich bleibt gerade dies verborgen, so dass die meisten Menschen glauben mit Fug und Recht sagen zu können, sie würden ihre Kinder nicht missbrauchen.

Menschen kämpfen als Erwachsene vor allem deshalb um Ressourcen, weil sie ihre Kindheitsdefizite abzudecken suchen. Dabei sind Liebe und Respekt die beiden Dinge, an denen es auf der Welt am allermeisten mangelt. Und alles Streben nach Konsum, Titel, Ehrungen, Ansehen etc. ist die verzweifelte Suche des kleinen Kindes nach Liebe und Anerkennung. Wir haben uns ein Wirtschaftssystem aufgebaut, das vorgibt diese Mängel beseitigen zu können. Man kann also durchaus davon sprechen, dass ein Großteil unserer Welt einfach pervers ist, in beinahe allen Bereichen ist diese Perversion eingedrungen: Arbeit, Beziehungen, Konsum, Freizeit. Freud sprach bei Perversionen von „Gefühlsverlagerungen“. Damit trifft er den Nagel auf den Kopf: Man nimmt ein echtes Bedürfnis des Menschen, befriedigt es nicht, sondern lenkt es auf eine Ersatzbefriedigung, welche suchterzeugend ist, kurzweilig Befriedigung vorgaukelt und dann eine Leere zurück lässt, die dann zu einem umso größeren Mangelempfinden führt. Das ist der Kreislauf der Sucht, aber darunter fallen eine Vielzahl von menschlichen Verhaltensweisen (nicht bloß die traditionellen Süchte) und beinahe jeder Mensch ist irgendwo davon betroffen.

Zwei berühmte Beispiele von Menschen, die ihre Bedürfnisbefriedigung als Kind nicht erlangen konnten, sind Friedrich Nietzsche und Friedrich Schiller. Nietzsche verachtete, was er als Kind noch so sehr schätzte: die Wahrheit. Ebenso hasste er Frauen und deren Idol, Gott, sosehr, dass er diesen sogar für tot erklären musste. Nur die wahre Ursache seiner Leiden und auch seiner Geisteskrankheit, hat er nie herausgefunden, denn dieser Wahrheit durfte er sich nicht stellen: die brutale, herzlose Behandlung durch seine Mutter und seine Schwestern. Schiller war zeitlebens ein kranker Mann und starb auch recht früh. Er ist der große „Freiheitsdichter“ der deutschen Literatur. Der Kampf um die Freiheit war nicht nur der seiner Dramengestalten (Wilhelm Tell, Karl Mohr), sondern vor allem sein ganz persönliches Drama. Schiller durfte als Kind seinen Freiheitsdrang nicht ausleben, erhielt nicht die Liebe seiner Vaters, den er so sehr bewundert, und wurde in einer Kadettenschule brutal erzogen. Als „Die Räuber“ in Heilbronn uraufgeführt wurde, was das Stück ein Bombenerfolg. Viele Menschen konnten sich mit den Helden und deren Kampf um die Freiheit identifizieren. Einige Jahre später brach in Frankreich die Revolution aus und ihre Ideen überschwemmten ganz Europa. Zwar bekämpfte man das „Ancien Régime“, doch der wahre Kampf fand im Inneren statt. Niemand kam auf die Idee, dass die Kindheit und die Erziehung die Ursache für die Unfreiheit des Menschen bargen. Freud bemerkte zwar, dass seine Patienten als Kinder misshandelt wurden, wagte es jedoch nicht, die Erziehung anzugreifen, sondern blieb der alten Ansicht vom „Bösen“ im Menschen treu. Er wählte dafür jedoch die Bezeichnung „Triebe“. Erst im 20. Jahrhundert wagten Kinderpsychologen und –psychiater allmählich sich anzusehen, was wirklich hinter der Destruktivität, dem „Bösen“, steckt. Großartige Arbeit auf diesem Gebiet leistete, die im April verstorbenen, Alice Miller. Ihre Werke sollten von allen gelesen werden, die sich mit ihrer eigenen Kindheit und der Erziehung von Kindern im Allgemeinen befassen. Sie öffnen einem die Augen und man sieht, wenn man den Mut hat, Wahrheiten, die man selbst seit Jahren oder gar Jahrzehnten, vor sich selbst verborgen hat. Das Unbewusste musste schon für so vieles herhalten, wenn man menschliches Verhalten nicht erklären konnte, doch stehen die Chancen gut, dass wir diesen „dunklen“ Bereich mit immer mehr Licht erfüllen werden und eines Tages mag es uns vielleicht gelingen unseren Geist vollständig zu erleuchten und in keinen Illusionen mehr zu leben!

Alles, was dazu führt, dass ein Kind sich ungeliebt und nicht respektiert fühlt, und sei es nur für einen Augenblick, ist schädliche Pädagogik! Egal was geschieht ein Kind muss sich ununterbrochen geliebt und respektiert fühlen, völlig ungeachtet dessen, was es tut. Liebe und Respekt dürfen nicht als Mittel zur Erzeugung von Wohlverhalten verwendet werden. Der Mangel an Liebe ist der größte Feind der Freiheit. Für ein echtes Erleben von Freiheit ist es unbedingt notwendig den eigenen „Liebesspeicher“ gefüllt zu haben.

Es ist unbedingt notwendig, dass die Menschen die wahren Ursachen ihrer „Suche“ im Leben herausfinden. Es ist nicht „normal“ und „Teil der menschlichen Natur“ sich unbefriedigt zu fühlen. Im Grunde ist der Mensch von Natur aus so geschaffen, dass er nicht „aus sich selbst heraus fällt“. Dieses Herausfallen bewirkt eine Trennung, die lebenslang schmerzhaft empfunden wird, deren Ursprung in der eigenen Erziehung liegt. Dieser Zustand wird auch als „Sünde“ bezeichnet. Er ist aber der menschlichen Natur nicht an sich zu eigen, sondern wird künstlich bewirkt. Es ist Unsinn dem Menschen dies selbst zum Vorwurf zu machen und ihn „Buße“ tun zu lassen, damit erreicht man gar nichts, als Abhängigkeit von Ritualen und einem religiösen System. Nach dem Erkennen der Ursachen und der Umstände der eigenen Erziehung, kann der Mensch beginnen seine echten Gefühle zu fühlen und die Vergangenheit zu betrauern. So wird er auch in die Lage versetzt nicht mehr unbewusst zu handeln und zu tun, was seine Bedürfnisse auf eine taugliche Art befriedigt. Dann ist neurotisches Verhalten nicht mehr notwendig. Die „Perversionen“ finden ein Ende und der Drang wird in die gesunden Bahnen gelenkt. So erlangt der Mensch seine Freiheit zurück, vielleicht erlebt es sie so zum ersten Mal in seinem Leben überhaupt. Es gibt keinen vernünftigen Grund, der dagegen spricht dies zu tun.