Dienstag, 27. April 2010

Buddhismus - ein Irrweg?

Ich gestehe! Viele Jahre lang habe ich mich intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt, habe ohne Unterlass meditiert, Regeln befolgt, Lehrmeister aufgesucht, immer auf der Suche nach Erleuchtung. Ich selbst habe auf diesem Blog einige Texte, die sich mit Buddhismus beschäftigten veröffentlicht. Nun bedauere ich zutiefst dies getan zu haben und habe auch alle Texte gelöscht, um weiteren Schaden zu verhindern. Heutzutage ist es sehr leicht auf den Buddhismus als „alternativen Weg“ zu den, bei uns traditionellen, Religionen zu gelangen oder, wie in meinem Fall, eine Kombination von Buddhismus und Christentum anzustreben. Oft wurde mir versichert, von scheinbar kompetenter Seite, dass etwa buddhistische Meditation ohne weiteres mit der Ausübung des Christentums vereinbar sei. Doch jetzt weiß ich, dass dies der größte Unsinn ist, den man verbreiten kann. Der Buddhismus ist mit dem Christentum in keiner Weise zu vereinbaren! Dies ist nicht nur ein Irrtum, mehr noch es ist eine infame Lüge! Der Buddhismus verdient nicht einmal die Bezeichnung „Religion“. In Wahrheit gehört der Buddhismus in den Bereich der Esoterik. Nicht das letztgültige, der Schöpfer selbst ist das Ziel, sondern der Kosmos mit seiner sichtbaren und seiner unsichtbaren Welt. Als ich früher Fragen über Gott im Buddhismus gestellt hatte, wurden mir die unterschiedlichsten Antworten gegeben. Einerseits wurde gemeint, die Frage nach Gott sei nicht relevant, andere glaubten Gott (wobei im Buddhismus meist in der Mehrzahl gesprochen wird) sei eine Erscheinung des Geistes selbst, die man aufgeben müsse. Und dann gab es da noch die Meinung, Gott und Schöpfung seinen identisch, Gott sei so etwas wie die „Matrix“ hinter der Welt. Damit wird dem Pantheismus Tür und Tor geöffnet. Die Schöpfung selbst als Schöpfer? Welch ein Unsinn!

In Wahrheit ist der Buddhismus kein Weg der Befreiung und kein Weg zum Glück, sondern zum Verlöschen und dieser statuengleiche, gefühllose, gedankenlose Zustand wird dann als glückselig beschrieben. Der Buddhismus beschäftigt sich zwar mit der materiellen und der psychisch-spirituellen Welt, doch überschreitet er diesen Rahmen niemals, ja er leugnet sogar ein Vorhandensein von mehr. Der Buddhismus besagt ja, dass alle Dinge ihrem Wesen nach leer seien und dass alles Dasein aus den fünf Daseinsaggregaten, den so genannten „Skandhas“ (Körperlichkeit, Gefühle, Gedankenformationen, Wahrnehmungen, Bewusstsein), zusammengesetzt sei. Die Wahrheit ist nach Ansicht des Buddhismus das, was übrig bleibt, wenn diese Skandhas weggefallen seien.

Das Ziel des Buddhismus ist, wie schon gesagt die Erleuchtung, das völlige Verlöschen und damit Ablehnung des Lebens. Natürlich wird das nicht so gesagt, das Leben, wie wir es kennen, soll als illusionär erkannt werden, wir hätten alle Buddha-Natur und deshalb sei uns das Erkennen der Leerheit möglich. Erleuchtung heißt das Nichtvorhandensein von Leid. Hört sich unglaublich toll an und dazu das liebe, freundliche Lächeln der kahlköpfigen Mönche. Wer kann da schon an Böses glauben? Doch die Wölfe kommen immer im Schafspelz. Das Böse steht uns oft lächelnd gegenüber und lockt uns mit Angeboten, wie etwa das Verschwinden des Leides. Besonders Menschen, die nach Glückseligkeit suchen, die eine friedvolle Welt sich ersehnen, werden leicht vom Buddhismus eingefangen. Ich selbst stellte mir unter Erleuchtung das absolute Glück vor, das Höchste vom Höchsten, das Beste vom Besten. Wer kann schon gegen eine solche Verheißung sein?!

Doch erkannte ich, wenn auch sehr spät und nach langem Kampf, dass der Buddhismus in dieser Zwischenwelt stecken bleibt, in der sich auch die ganze Esoterik abspielt. Die Welt von allen möglichen Geistern, Dämonen, Engeln, Lichtgestalten, Naturgeistern und dergleichen (die mich nie interessierten). Diese Welt existiert wirklich, das wissen auch die Religionen, deshalb leugnen sie nicht wie die Materialisten oder die Wissenschaften diese Welten und ihre Bewohner. Es ist auch kein Problem für den Menschen mit diesen Wesen Kontakt aufzunehmen. Jeder der ernsthaft über einen längeren Zeitraum meditiert, hat Erfahrungen mit dieser Welt gemacht (wobei das Erkennen notwendigerweise wie mit allem nur im Geiste des Menschen geschieht und eine tatsächlich vorhandene "geistige" Welt selbst ein Erklärungsversuch bleibt). Die Verblendung geht manchmal so weit, dass manche glauben, sie würden jetzt ihr „wahres Wesen“ oder gar „Gott“ erkennen.

Was aber die Wahrheit betrifft, so ist diese nur in Gott zu finden und dieser ist nicht der Kosmos, nicht die Matrix, nicht die geistige Welt, sondern der Schöpfer. Der Buddhismus konnte niemals in diese Welt eindringen. Wie auch? denn die Verbindung mit Gott ist eine Gnade Gottes und nichts was der Mensch einfach so selbst in die Hand nehmen könnte. Der Buddhismus aber glaubt das Höchste im Verlöschen, in der Verneinung der Welt (sie sei ja illusorisch), zu finden, die Gegensätze sie soll „transzendiert“ werden, der Gegensatz, der Kampf soll beendet werden um einen nichtexistenten ewigen Ruhezustand zu erreichen. Der Sinn des Christentums ist die Versöhnung mit Gott! Das ist der Grund, warum jemand Christ ist. Dabei geht es um viel mehr, als um ein Zurruhekommen „in der Welt“. Als Christ ist man in der Welt aber nicht von der Welt. Etwas, das der Buddhismus niemals sagen kann!

Noch einmal: Christentum und Buddhismus widersprechen sich, die Gegensätze sind unüberbrückbar und es muss eindringlich davor gewarnt werden eine „Einheitsreligion“ zu schaffen, in der sich jede Religion wieder finden kann. Was nicht warm und nicht kalt, sondern lau ist, das muss verworfen werden! Der Buddhismus sieht Gott nicht als das Höchste, nicht als den Schöpfer, sondern als etwas, das ebenfalls abgelegt werden müsste. Damit wird der Mensch höher als Gott, damit sieht es so aus, als ob der Mensch selbst Schöpfer seiner selbst wäre. Völlig unvereinbar mit dem Christentum ist die Idee der Reinkarnation. Jemand, der an Wiedergeburt glaubt, kann nicht Christ genannt werden. Wiedergeburt ist ebenfalls eine Irrlehre, gewonnen durch den Umgang mit der „Geisteswelt“, doch sehr verlockend, weil dadurch scheinbar Dinge erklärbar werden, die sich einer Erklärung entziehen. Im Ergebnis ist der Buddhismus einfach zu niedrig, um zur Absolutheit vorzudringen! Alles, was er zu bieten hat ist die Auflösung dessen, von dem er glaubt es sein eine Illusion (sichtbare und unsichtbare Welt). Der Buddhismus ist eine große Gefahr, unter anderem auch für unsere freie Gesellschaft und im Kern völlig gefühllos: keine Liebe, keine Güte, keine Vergebung – alles Dinge, die einem im Christentum zugute kommen.

Sonntag, 25. April 2010

Oliver Cromwell (1599 -1658)

Mit diesem Artikel beginne ich eine Serie von kurzen Biographien über große Persönlichkeiten der Geschichte, die ich für mich persönlich in irgendeiner Weise inspirierend finde. Den Anfang mache ich dabei mit der wohl berühmtesten Gestalt der Englischen Geschichte des 17. Jahrhunderts – mit Oliver Cromwell. Der Name Oliver Cromwell ist untrennbar mit der kurzen und einzigen Periode verbunden, in der England eine Republik war. (Und ganz nebenbei ist heute am 25. April sein 411. Geburtstag).

„Cromwell war ein Mann, in dem der Ehrgeiz das religiöse Gefühl nicht vollständig unterdrückt, sondern lediglich vorübergehend in den Hintergrund gerückt hat“ – Edmund Burke (1729 – 1797)

Der Name Cromwell spielte in England bereits im 16. Jahrhundert eine bedeutende Rolle. Thomas Cromwell (1485 – 1540) diente als Staatskanzler unter König Heinrich VIII und war maßgeblich für die Reformation in England, in deren Entwicklung die Krone die Oberhoheit über die Kirche erlangte, verantwortlich. Letztendlich nutze ihm das jedoch wenig, denn der König ließ seinen einst treuesten Gefolgsmann hinrichten (etwas, das unter Heinrich dem VIII recht oft geschah, nicht nur den Frauen des Königs). Oliver Cromwell stammte von einem der Neffen Thomas Cromwells ab.

Oliver Cromwell wurde am 25. April 1599 in Huntington geboren, wuchs in East Anglia unter dem puritanischen Landadel auf und besuchte nach der Absolvierung des örtlichen Gymnasiums das Sidney Sussex College in Cambridge. Wie viele seiner Vorfahren studierte er die Rechte, womit er für die Verwaltung, den Staatsdienst, die richtigen Voraussetzungen mitbrachte. Seine Jugend verlief unspektakulär und entsprach ganz dem Stereotypen des niederen puritanischen Adels und daran änderte sich auch nichts, bis er 1628 Mitglied des Unterhauses in Westminster wurde. Cromwell war lange Jahre ein Abgeordneter unter vielen und fiel in keiner Weise besonders auf, außer vielleicht durch seinen strengen, ehrlich gelebten Glauben. Seine glänzenden Talente als militärischer Führer schlummerten in dieser Zeit noch unerkannt in ihm. In den Jahren nach 1628 hatte der fromme Cromwell eine Art religiöses Erweckungserlebnis, das ihn später unbeirrbar seine Mission ausführen ließ. Er verstand sich fortan, als einen der die göttliche Gerechtigkeit auf Erden durchsetzen sollte. Der glühende Glaube daran von Gott auserwählt zu sein und von ihm zum Sieg geführt zu werden, hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Kampfmoral von Cromwells Truppen, die ihn den „Engländer Gottes“ nannten.

Als 1642 der Englische Bürgerkrieg ausbrach, war Cromwell einer der aktivsten Parteigänger des Parlaments, welches dem Versuch König Karls I. die absolute Monarchie in England durchzusetzen, entschieden entgegen trat. Cromwell trat selbst in die Armee im Range eines Captains ein. Die Royalisten erzielten bald einen ersten Erfolg bei Edgehill, woraufhin die Truppen des Parlaments neu organisiert wurden. Cromwell nahm eine Schlüsselposition dabei ein und hob neue Truppen aus und trainierte sie in seiner Heimat East Anglia. Dabei legte er in erster Linie auf den Charakter seine Soldaten wert: Strenge, vom Feuereifer für die „göttliche Sache“ entbrannte Puritaner, die gewohnt waren Entbehrungen auf sich zu nehmen und sich durch besonders großen Mut und Disziplin auszeichneten. Männer, die bereit waren für die eigene „gute“ Sache zu sterben und die, wenn es darauf ankam, nicht zögern würden in den Tod zu gehen. Cromwells Menschenkenntnis und seine überragenden Führungsqualitäten zeigten sich nun deutlich und überraschte viele, die ihn bisher für einen langweiligen Prinzipienreiter und Mann aus den hinteren Reihen des Parlaments gehalten hatten.

Die Truppen Cromwells waren überaus erfolgreich und fügten den Royalisten schwere Verluste zu. Die beiden größten militärischen Meisterleistungen gelangen ihm 1644 bei Marston Moor und 1645 in der berühmt gewordenen Schlacht bei Naseby. Trotz seiner strengen religiösen Haltung war Cromwell kein Fanatiker. Im Gegenteil, er blieb vernünftig und nahm eine gemäßigte Position gegenüber den radikaleren Gruppen ein, die später als die Diggers und die Levellers bekannt wurden. Cromwell misstraute dem König Karl weiterhin, als der erste Bürgerkrieg beendet war und setzte durch, dass die Armee nicht wie von vielen gewollt aufgelöst wurde. Wie Recht er damit haben sollt, zeigte sich 1648, als der König eine Allianz mit Schottland schloss und damit den zweite Bürgerkrieg entfachte. Darauf folgte der Prozess gegen Karl und dessen Hinrichtung unter Cromwell im Jahre 1649. Diese Hinrichtung löste Schockwellen in ganz Europa aus, vor allem in Frankreich, das gerade dabei war die absolute Monarchie zu festigen. England blieb über lange Zeit ein negatives Beispiel für die Absolutisten auf dem Kontinent. Für das Inselreich selbst stärkte es das Selbstbewusstsein der Bürger und des Adels und führte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Freien Engländer Grundrechte zugestanden bekamen, zu einer Freiheit von denen die Bürger im sonstigen Europa nur träumen konnten.

Nach dem Tod des Königs war es für Cromwell das größte Problem eine Verfassung auszuarbeiten, die vom Parlament und von der Armee akzeptiert werden konnte und die eine rechtliche Stabilität garantierte. Die Zivilisten wünschten keinen Militärdiktator, die Armee keine Herrschaft des Königs. Bis zu Cromwells Tod beschäftigte ihn diese entscheidende Frage. Cromwell suchte eine „göttliche Reform“ durchzuführen, ein umfassendes Programm, das Ungerechtigkeiten beseitigen sollte und sich gegen Unmoral, die Sünde im Allgemeinen und vor allem die Trunkenheit richtete. Er selbst war ein glühender Anhänger dessen, was er „die Freiheit des Bewusstseins“ nannte, das ungestörte Leben von religiösen (protestantischen) Gruppen, die allerdings auch andere Gruppen nicht tangieren sollten.

Nach der erfolgreichen Niederschlagung von Aufständen in Irland und dem Kampf gegen die dortigen Katholiken, wurde Cromwell 1653 vom Staatsrat zum Lord Protector ernannt. Cromwell wurde damit der faktische Herrscher Englands mit enormer Macht, nicht nur in Engaland selbst, sondern auch in Schottland und Irland. Elf von Cromwell ernannte Generäle verwalteten das Land. Die religiöse Toleranz nahm zwar etwas zu, doch war die Herrschaft dieser Generäle mehr als unbeliebt und so dauerte diese Periode nicht länger als 18 Monate. 1656 wurde Cromwell vom Protektoratsparlament die Krone angeboten, welche er nach intensivem Gewissensstudium ablehnte. Das Problem mit einem verbindlichen, zufrieden stellenden und haltbaren Verfassungszustand bestand über den Tod Cromwells 1658 weiter fort.

Außenpolitisch waren die Jahre Cromwells von großer Bedeutung. England wurde zum ersten Mal zu einer großen See- und Militärmacht. Der erste britisch-holländische Seekrieg (1652-1654) endete für die Briten siegreich. Dieser Krieg war eine Folge der Navigationsakte Cromwells von 1651. Darin wurde der Zwischenhandel unterbunden. Schiffe durften britische Häfen nur anlaufen und ihre Waren löschen, wenn sie entweder unter britischer Flagge fuhren oder direkt aus dem Herkunftsland der Waren kamen. Darunter litten vor allem die Holländer, die vom Zwischenhandel lebten. Mit Frankreich schloss Cromwell eine Allianz gegen Spanien, die sich als siegreich erweisen sollte. Britannien erhielt Jamaika und dehnte seinen Einfluss in Westindien aus. Die Vorherrschaft der Spanischen Flotte war bereits 1588 durch die Vernichtung der Spanischen Armada gebrochen worden.

Cromwell ist wohl die kontroverseste Figur der Englischen Geschichte überhaupt. Wie alle Großen ist er für die einen ein Held, für die anderen ein Schurke. Viele sehen in ihm den Bewahrer des Englischen Staates in turbulenten Zeiten, den Prinzipien mehr interessierten, als die Macht (nachdem er die Krone abgelehnt hatte). Andere bewundern sein militärisches und auch politisches Genie (vor allem außenpolitisch). Seine Gegner kritisierten ihn als Diktator und vor allem die Schotten und Iren (blutige Niederschlagung von Aufständen und Katholikenfeindlichkeit) sehen in ihm einen Tyrannen. In einem aber sind sich alle einig, dass Cromwell ein Mann von herausragendem Charakter und harten Prinzipien war, die er nicht verriet.

Oliver Cromwell starb am 3. September 1658 in Westminster.

Donnerstag, 22. April 2010

Über die Schönheit

Jetzt, wo der Frühling in unser Land Einzug gehalten hat, ist es recht nahe liegend die Empfindung der Schönheit zu erleben. Alles blüht wieder von neuem auf, lebendige Farben erheben sich gegen einen sattblauen Himmel im strahlenden, warmen Sonnenschein. Die unterschiedlichsten Düfte erfüllen die Luft in den Gärten und die Tierwelt findet wieder reichlich Futter und viele Wald- und Wiesenbewohner freuen sich über Nachwuchs (zum Beispiel die Frischlinge im Wildpark ganz in meiner Nähe). Kurzum, es ist die rechte Zeit, um sich der Schönheit, nicht nur in der Natur, wieder einmal bewusst zu werden.

Schönheit ist eine Erfahrung, die alle Menschen in ihrem Leben machen. Sie ist in der Lage den Menschen über das bloß Materielle hinaus zu führen, darin liegt ihr größtes Potenzial, denn als äußeres Zeichen, kann sie uns ein inneres Wesen offenbaren. Doch auch die Schönheit hat eine dunkle, eine negative, Seite. Genauso, wie sie über den bloßen Schein hinausführen kann, kann die Schönheit uns auch in der materiellen Welt gefangen halten. Es kann zu einer Fixierung auf den schönen Schein kommen und dadurch wird der Mensch unfrei. Sehen, ohne Verstehen, kann nur zu so einem Ergebnis führen. Gerade das ist die große Gefahr, die sich in unserer Zeit derart breit gemacht hat. Anstatt das Göttliche in und hinter der Schönheit zu erkennen, wurde sie zu einem Kult um reine Äußerlichkeiten, der groteske Züge annimmt. Wie sehr die Menschen von ihrer eigenen Schönheit, ihrem eigenen Wesen, getrennt sind, sieht man gerade darin, dass allzu oft Idealen des Zeitgeistes nachgejagt wird. Die Unfreiheit, die darin liegt, ist ohne weiteres zu erkennen, sind es doch andere die darüber bestimmen, wie diese Ideal auszusehen haben und es ist der Großteil der Menschen, zumindest in der westlichen Welt, der sich diesen Idealen unterwirft.

Die Schönheit ist ein Mittel, das uns helfen kann das Wesen der Dinge zu erkennen, durch rechtes Erkennen, kann sie in unserem Leben aktiviert werden. Wenn wir nicht beim Schein stehen bleiben, dann können wir Befreiung erlangen, Befreiung von der Anhaftung an die Dinge. Schönheit ist eine Empfindung, die das Heilige im Menschen anspricht, es ist eine Erfahrung, die Menschen überall auf der Welt, unabhängig von Kultur und Zeitepoche, machen, im Kern trägt sie etwas Ewiges mit sich. Schönheit ist in jedem Fall ein positiv besetzter Wertbegriff. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade der Kunst die Aufgabe zukam die Schönheit abzubilden, in all ihren Formen. Dass die Natur und natürlich der Mensch selbst, als Übungsobjekt dazu dienten, versteht sich von selbst. Doch gibt es keinen Bereich des menschlichen Lebens, indem nicht zumindest ein Quäntchen Schönheit auszumachen wäre. Freilich muss man dazu zuweilen sehr tief graben, wenn die Oberfläche uns ein völlig konträres Bild liefert.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, wenn man davon ausginge, dass Schönheit alleine eine subjektive Empfindung wäre. Es lässt sich leicht feststellen, dass es Dinge gibt, die von den allermeisten Menschen als schön empfunden werden und zwar ohne, dass dies einer gesellschaftlichen Konvention oder dem Zeitgeist entspräche. In der Philosophie beschäftigt sich ein eigener Zweig, die Ästhetik, mit dem Begriff der Schönheit. Schönheit wurde immer schon als eine Eigenschaft von Menschen und Gegenständen aufgefasst. Darüber hinaus ist sie aber auch das Ergebnis des Urteils des Verstandes. Schönheit kann in diesem Sinne auch als „Schönheit des Denkens“ verstanden werden. Rechtes Denken, im Sinne von konstruktiver geistiger Beschäftigung, die auf Wohlsein ausgerichtet ist, Leid beendet und Glück herbeiführt, ist immer schönes Denken. Schön und Recht sind untrennbar miteinander verbunden. Kein Wunder, das Platon schon, das Gute, das Schöne und das Wahre in einem Zuge nannte und sie zu seinen Idealen erhob.

Schönheit ist also mehr als ein bloßes Geschmacksurteil. Es ist zynisch, wie viele Menschen behaupten, Schönheit läge nur im Auge des Betrachters. Es scheint, dass es Leute gibt, die sich einer wahren Beurteilung nach Maßstäben der Schönheit dadurch entziehen wollen, dass sie ein solches Urteil auf die reine Subjektivität verlegen und damit ein objektives Urteil verunmöglichen. Es ist eine Krankheit der Zeit, Schönheit nicht mehr als Schönheit erkennbar machen zu wollen. Am Ende ist alles schön oder hässlich zugleich. Es ist keine Frage, dass so der Dilettantentum und der Scharlatanerie Tür und Tor geöffnet sind – das kann niemals im Interessen einer Kultur sein, die für sich in Anspruch nimmt von Bedeutung zu sein.

Was den Streit um Geschmacksurteile betriff, so ist ein solcher nicht zielführend, ein Streit ist im Grunde ein Scheingefecht. Wenn als schön bezeichnet wird, was als angenehm empfunden wird, dann ist schön bei jedem etwas anderes. Und jeder hat Recht, denn was ich als angenehm empfinde, kann niemand in Abrede stellen. Mehr noch, es wäre eine persönliche Beleidigung, hieße es doch, dass ich entweder gar nicht wirklich empfände, was ich fühle oder dass ich nicht in der Lage wäre, zu wissen, was ich fühlte. Nach Kant hat ein ästhetisches Urteil sehr wohl Anspruch auf allgemeine Gültigkeit beanspruchen, da es zwar subjektiven Ursprungs sei, aber trotzdem auch über das Empfinden der anderen miturteilt. Über Schönheit als Empfindung könne man streiten, was naturgemäß über das Angenehme nicht möglich ist.

Das Wesentliche an der Schönheit ist, dass sie in ihrem Kern ein Mysterium trägt, das sich jeder rationalen Betrachtung entzieht, das nur direkt erfasst werden kann und selbst die schönsten Dichterworte können sie nicht beschreiben, sondern nur darauf hinweisen. Darin liegt die Stärke der Poesie. An der Art, wie eine Kultur zur Dichtkunst steht, kann auch darauf geschlossen werden, wie es um die Verbindung zur Schönheit als solche bestellt ist. Viel haben wir in der Vergangenheit über Schönheit gehört und vieles davon hat nicht gerade zur Klarheit beigetragen. Was aber letztendlich für den einzelnen von Bedeutung ist, ist das Empfinden der Schönheit im eigenen Leben, worin dies auch immer seinen Ursprung haben mag. In diesem Sinne kann ich nur sagen: „Wanderer öffnet deine Augen und Ohren, sieh und höre, was die Welt dir zu sagen hat, vereine deinen Geist mit dem der Welt und dir wird so manche verborgene Wahrheit kundgetan!“

Dienstag, 13. April 2010

Über die Gefahren des Lesens

Lesen so meint man allgemein, sei eine höchst wünschenswerte Tätigkeit des Menschen. Es wird oft bedauert, dass die Leute heutzutage nicht mehr läsen, dass die sprachliche Ausdrucksfähigkeit nicht mehr das sei, was man früher, auch unter einfacherem Volk, antreffen konnte und dass insbesondere bei der Jugend neuere Medien wie Fernsehen, Internet und Videospiele Vorragen vor dem guten alten Buch genössen. Was soll also gefährlich daran sein zu lesen? Die Gefahren des Lesens sind zweierlei. Einerseits geht es um den Inhalt der Lektüre. Dies ist offensichtlich und historisch auch der Ursprung des Begriffs „Lesesucht“, der zum ersten Mal 1773 im Werk „Briefe über die Erziehung von Frauenzimmern“ von Rudolf Heinrich Zobel, gebraucht wurde. Man hielt lange Zeit vor allem Frauen und Jugendliche als gefährdet der Literatur zu verfallen und deshalb in der Folge ihre Pflichten im Leben zu vernachlässigen. Zudem hielt man viele politische, philosophische und träumerische Bücher für gefährlich, da sie den Geist vergifteten und unerwünschte Gedanken in die Köpfen einimpfen würden. Als dann 1774 Goethes „Leiden des jungen Werther“ erschien und einige Leute in romantische Melancholie (mit anschließendem Selbstmord) versetzte, kam die Diskussion um die Gefahren des Lesens so richtig auf. Im 19. Jahrhundert war es dann insbesondere die erotische Literatur, die als zutiefst verderbt angesehen wurde und kein anständiges Frauenzimmer sollte sich derartigem „Schund“ hingeben.

Wovon hier aber die Rede sein soll ist die zweite Art der Gefahren durch das Lesen, nämlich die allgemeine Gefahr das Leben nur durch Bücher zu erfahren. Dadurch wird das Lesen zu einer Art Hindernis zwischen dem Studierenden und der „wahren“ Welt. Denn allzu oft hat der „Gelehrte“ nichts weiter vorzubringen als darauf zu verweisen, er habe etwas in einem Buch gelesen und der Autor würde schon wissen, was er schriebe. Da gibt es etwa die Prognosen über die Zukunft, etwa welche Erfindungen noch gemacht werden würden, man würde sicher in fünfzig Jahren auf dem Mars Trabantenstädte errichten und dergleichen. Doch wenn der Leser dann erklären soll, wie das genau vonstatten gehen soll, dann weiß er darauf auch nichts anderes zu sagen, als er habe es in einem Buch gelesen und er Autor sei ein anerkannter Zukunftsforscher, deshalb könne man ihm wohl glauben. Der Lesende ist dann oft überrascht oder gar erzürnt, dass die Mitmenschen, denen Lesen nicht so am Herzen liegt wie ihm, ihm keinen Glauben schenken oder sich gar über ihn lustig machen. Da ist es nur ein Schritt, dass man sich selbst als überlegen betrachtet und die anderen als dumme Tölpel ansieht, denen die Bildung völlig abginge. Würde der Leser einmal ernsthaft in den Spiegel schauen, dann käme er schon drauf, dass es mit seinem Wissen auch nicht weit her ist, es ist ja nicht durch sein eigenes Denken entstanden, sondern ist im Grunde nichts anderes als ein papageienhaftes Nachplappern dessen, was ein vermeintlich großer anderer geschrieben hat. Es gilt eben immer noch das alte Sprichwort von der Macht des geschriebenen Wortes. Sagt man einen Unsinn, so lacht die Welt, doch schreibt man ihn nieder, dann glaubt sie, dass es damit wohl etwas mehr mit der Wahrheit auf sich hat. Auf der anderen Seite gibt es ja auch das Sprichwort, dass Papier geduldig sei. Und nie traf dies mehr zu als in unserer Zeit, in der jeder auf Papier, oder noch mehr in elektronischer Form, sein geschriebenes Wort in die Welt hinausposaunen kann, ob es den anderen nun gefällt oder nicht und völlig einerlei von der Qualität des Geschriebenen.

Einen solchen Charakter entdeckte ich im Roman „Sonderlinge“ des Bregenzerwälder Schriftsteller Franz Michael Felder (1839-1869). Der Sohn einen reichen Bauern wird von seinem Vater dazu erzogen zu studieren und sich von der Welt zurückzuziehen und auf die einfachen dummen Bauern zu schimpfen, die ja ohnehin nichts im Kopf hätten, deren Sitten völlig verroht seien und deshalb keinen Umgang für den Junior seinen. Der Sohn wird zum „Sonderling“, der zwar viel weiß, aber eben alles nur aus den Büchern, einer, den „die schwarzen Leute in der Ferne mehr interessieren, als den Nachbarn und dessen Hof“. Die große Wandlung kommt dann, als der freundlose, unglückliche Sohn doch einmal sich entschließt unter die Menschen zu gehen und als „Küher“ (Kuhhirte auf der Alp) einen Sommer lang mit einem Beiknecht und dem Senn selbst die Kühle des Ortes auf der Alp zu hüten und dort zu leben. Der Senn bringt den verwöhnen Stubenhocker in Verbindung mit der Natur und indirekt auch mit den Menschen, und als der September kommt und die Kühe wieder in den Ort hinabgetrieben werden, ist der „Sonderling“ schon ein anderer Mensch geworden, wenn es auch noch eine harte Zeit werden sollte in den folgenden Monaten, da die sozialen Künste nun erst recht auf die Probe gestellt werden.

Diese Geschichte erscheint mir ein Paradebeispiel dafür zu sein, was passieren kann, wenn man Bücher nicht deshalb liest, weil man eine bestimmte Information braucht, sondern um seine Zeit totzuschlagen und einen Wall zwischen sich und der lebendigen Erfahrung zu errichten. Lesen kann zur Sucht werden, wie auch der Alkohol oder die Spiel- und Einkaufssucht. Die schädlichen Folgen werden meist nicht erkannt, eben weil das Lesen in hohem Ansehen steht und allgemein als akzeptable, wenn nicht gar erwünschte Freizeitbeschäftigung gesehen wird. Aber Lesen kann einen sehr einsam machen. Wissen kann durchaus durch Bücher vermittelt werden, wenn eigenes Denken sich der Informationen bedient und das eigene Urteilsvermögen geschärft wird. Doch niemals kann das Lesen die tatsächliche Erfahrung ersetzten und am allerwenigsten kann das Lesen einem Weisheit verleihen, dazu ist nur das Leben selbst in der Lage.

Sonntag, 11. April 2010

Unsere Muster im Kopf

Bevor dieser Artikel beginnt, möchte ich Ihnen eine kleine Aufgabe stellen. Nehmen Sie ein Blatt Papier und einen Stift zur Hand und zeichnen Sie ein Dreieck mit vier Strichen. Die Lösung für dieses Rätsel finden sie am Ende dieses Texts. Sehen Sie dort erst nach, nachdem Sie alles gelesen haben, es sei denn, Sie wollen sich selbst um eine Überraschung bringen.

Es ist eine Eigenart des menschlichen Geistes, dass er Unvollständiges nicht oder nur schwer akzeptieren kann. Wann immer Informationen bruchstückhaft sind und sich ein gesamtes Bild nicht aus den zur Verfügung stehenden Teilen zusammensetzen lässt, dann vervollständigt der Geist die Fragmente zu einem Ganzen. Was an sich noch nicht weiter problematisch wäre, wenn des Menschen Bewusstsein sich darüber im Klaren wäre, dass es dieser Vorgang ist, der in seinem Geist abläuft. Doch in den meisten Fällen ist dem nicht so. Der Mensch nimmt einerseits über seine Sinnesorgane eine Unmenge an Informationen auf, die jedoch nur zum geringsten Teil integriert werden. Die allermeisten Informationen wandern am Bewusstsein vorbei in dunklere Bereiche des Geistes. Aus den wenigen Teilen, die ins Bewusstsein gelangen, wird dann ein Bild geschaffen, das die betreffende Person als „wahr“ ansieht. Man spricht ja im Deutschen auch von „Wahr-Nehmung“. Was in unser Bewusstsein gelangt ist dass, was wir für „wahr“ halten. Es ist nicht schwer zu erkennen, dass das, was wahrgenommen wird, nicht unbedingt etwas damit zu tun haben muss, was tatsächlich wahr ist.

Zusätzlich zu dieser Erkenntnis muss auch berücksichtigt werden, dass unsere Wahrnehmung der Umwelt, und auch von uns selbst, niemals die tatsächliche Gegenwart repräsentiert, selbst dann nicht, wenn es möglich wäre alle eingehenden Informationen dem Bewusstsein zugänglich zu machen. Zwischen den Ereignissen in der Welt, dem Eingang in die Sinnesorgane, und der bewussten Wahrnehmung, vergeht immer Zeit und sei sie auch noch so gering. Immer erhalten wir ein Abbild, niemals die tatsächlichen Gegenwart.

Betrachtet man das obige Bild, mit dem dieser Artikel beginnt, so sehen wir einen oberen Teil, den wir sogleich als zwei Figuren erkennen, die wir als symbolische Darstellungen (Strichmännchen) eines Mannes und einer Frau erkennen. Im unteren Bild dagegen herrscht das blanke Chaos vor. Wir sehen Linien, die in bestimmten Winkeln zueinander stehen und dazu zwei Kreise. In beiden Bildern ist die Information genau die gleiche, aber durch die spezielle Anordnung im oberen Teil des Schaubildes, ergeben sich für unser Gehirn zwei Figuren, die wir erkennen und benennen können.

Dies ist ein amüsantes Beispiel, aber die Auswirkungen im täglichen Leben sind enorm. Wir glauben etwas gesehen oder gehört zu haben, was mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Mit Wahrnehmung ist immer auch Täuschung verbunden. Man sollte sich immer fragen, ob man sich ganz sicher sein kann, oder ob man nicht einfach sieht, was man sehen möchte oder wozu man aufgrund vergangener Prägungen prädestiniert ist. In diesem Fall gibt uns die Welt keine wirklichen Informationen, sondern spiegelt nur unsere eigenen Gedanken wider. Wir glauben nur fälschlicherweise, dass die Welt so sei, wie wir sie sehen und vergessen, dass wir zuerst etwas hinein getan haben, das wir im Nachhinein herauslesen wollen. Wir interpretieren nach unserem Willen und nach nichts anderem. Doch meist sind wir uns dessen nicht bewusst, wir schwören Stein und Bein, nicht einer Täuschung zu unterliegen. Es geht hier auch nicht darum, dass jemand wissentlich falsche Informationen weitergibt, sondern dass jemand das sagt, was er allen Ernstes für richtig hält. Ein gutes Beispiel dafür sind Zeugenaussagen bei Verkehrsunfällen. Hat man fünf Zeugen, erhält man auch fünf verschiedene Aussagen, wobei jeder Zeuge von seiner eigenen Ehrlichkeit überzeugt ist und dazu auch jeden Eid zu schwören bereit wäre.

Wir können dem Ganzen nur dadurch entgegen wirken, dass wir uns der Fehlbarkeit bewusst sind und unsere eigenen Motive laufend hinterfragen. Können wir wirklich sicher sein, dass wir die Welt klar sehen können? Welche Motive veranlassen mich eine Sache so oder eben nicht so zu sehen? Philosophen haben schon vor langer Zeit erkannt, dass zwischen der Wahrnehmung und der Welt als Entität (man verzeihe mir den Gebrauch in diesem Zusammenhang) eine Kluft besteht. Die Frage war nicht, ob eine solche Kluft besteht, sondern wie groß sie sei. Daraus ergeben sich ewige Streitereien darüber, ob wir der Wirklichkeit sehr nahe kommen, oder ob wir mehr oder weniger wie Blinde durch ein Universum wandern, von dem wir im Grund nicht nur nichts wissen, sondern gar nicht in der Lage sind, überhaupt je etwas tatsächlich Existierendes zu erkennen. Doch das ist ein anderes Thema. Die Schulweisheit mag uns viele Dinge wahr machen wollen, doch wenn wir uns auf das Leben in seiner ganzen Breite einzulassen vermögen, dann erkennen wir, dass sie nicht den geringsten Teil der Wirklichkeit uns zu vermitteln vermag.
Hier noch die Auflösung des Rätsels von oben. Die meisten werden vergeblich versucht haben ein Dreieck aus vier Linien herzustellen. Dies ist freilich unmöglich und wer so denkt, kann das Rätsel auch nicht erfolgreich lösen. Beachtet man aber die gegebene Anweisung genauer, so sieht man, dass keine Rede davon war ein Dreieck aus vier Linien zu konstruieren, sondern, dass ein Dreieck mit vier Linien zu zeichnen war. Unser Verstand hat hier ganz selbstverständlich ersteres angenommen. So gerät man sehr leicht in die Falle, in eine Sache etwas hinein zu interpretieren, was da überhaupt nicht gestanden hat.

Freitag, 19. März 2010

EMDR

In einem von Dr. Paul (http://www.doctorpaul.net/) gehaltenen Seminar über das Operating System unseres Geistes (mindOS, ©Dr.Paul), kam er auch auf das Thema negative Glaubenssätze und Überzeugungen, sowie diverse Traumata zu sprechen. Seiner Meinung nach gibt es keine schnellere und effektivere Methode, um derartige Schwierigkeiten ein für alle Mal los zu werden als das EMDR. Dabei handelt es sich um eine relative neue und inzwischen auch anerkannte Methode, die ursprünglich aus den USA kam, aber inzwischen auf der ganzen Welt Anwendung findet. Vor allem auch in NLP- (Neurolinguistische Programmierung) Kreisen, wird EMDR öfters aus Einschub gelehrt. Die beiden Methoden haben einige Gemeinsamkeiten, jedoch sind die Zustimmung und der Erfolg von EMDR noch weitaus größer als beim NLP. In Bezug auf NLP gibt es viele kritische Stimmen und Zweifel von Vertretern von „etablierteren“ Heilverfahren. In Bezug auf EMDR ist dies jedoch kaum der Fall.
Ich habe in meinem Eintrag von gestern angekündigt über EMDR in den nächsten Tagen zu schreiben. Das Thema erscheint mir derartig wichtig, dass ich schon heute den Eintrag online stelle.

Was ist EMDR?
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing, was auf Deutsch mit Augen-Bewegungs-Desensibilisierung und Neuausrichtung übersetzt werden kann. Dabei handelt es sich um eine psychotherapeutische Methode, die durch Zufall von Francine Shapiro in den späten 80er Jahren entdeckt wurde. Shapiro fiel auf, dass bestimmte Augenbewegungen, die sie machte, während sie an eine schmerzhafte Situation dachte, dazu führten, dass der Stress gelöst wurde und sie Befeiung erlangte. Diese Beobachtung baute sie zu einem System aus, dass die Bezeichnung EMDR erhielt. Ursprünglich wurde die Methode vor allem in der Traumatherapie angewandt. Die meisten Erfahrungen wurden zu Beginn mit (Vietnam-)Veteranen in den USA gemacht. Die Grundüberlegung hinter EMDR ist, dass es bei einem Trauma zu einer Nicht-Integration des Erlebten kommen kann. Das Geschehen wird fragmentarisch und unzusammenhängend im Gehirn abgespeichert. Insbesondere bei frühen Kindheitstraumata, wenn die verbalen und intellektuellen Fähigkeiten noch nicht ausreichend ausgebildet sind, werden Informationen in der rechten Gehirnhälfte als Bilder abgespeichert. Jedes Trauma findet seinen Niederschlag im Körper, irgendwo kommt es zu einer Art „Verhärtung“ oder „Erstarrung“, manche Menschen werden richtig ungelenkig. Bei EMDR geht es darum diese Spannungen zu lösen und vom „Bauch“ oder „Herzen“ in den Kopf hoch zu transferieren und dort zu verbalisieren. Im Kern geht es darum rechte und linke Gehirnhälfte auszugleichen, während man das Trauma im Geiste und Körper erneut durchlebt, um so eine vollständige Integration zu erreichen. Die blockierte Energie wird frei gesetzt. Nachdem ein Patient geheilt ist, sieht er das traumatische Erlebnis wie, wenn er einen Film ansieht, ohne dabei noch Schmerz zu empfinden. Vorsicht ist jedoch dann geboten, wenn jemand von vorne herein glaubt, keiner Therapie zu bedürfen, weil er nichts fühlt, wenn er sich an eine schmerzhafte Situation erinnert. Das ist nämlich oft ein Zeichen dafür, dass die Gefühle noch „eingefroren“ sind und nicht, dass sie bereits gelöst und integriert wurden! Der Vorteil von EMDR ist, dass die Behandlung weitaus schneller funktioniert (spart Zeit und Geld), als viele traditionelle Methoden und ebenso ist die Effektivität meist größer. Manchmal braucht es nicht mehr als zwei oder drei Sitzungen, um Probleme zu lösen.

Wofür wird EMDR eingesetzt?
Wie bereits oben erwähnt, diente EMDR anfangs vor allem der Behandlung von Traumapatienten. Bekannt ist insbesondere die Behandlung von PTSD, der Post-Traumatic-Stress-Disorder (Posttraumatische Belastungsstörung). Ausgeweitet wurde die Methode bald auf Fälle von Angststörungen, die zwar oft, aber nicht in allen Fällen, auf eine Traumatisierung zurückzuführen sind. EMDR hat sich als wirksam gegen Phobien und negative Überzeugungen erwiesen. Auch im Bereich er Suchtbehandlung zeigen sich positive Ergebnisse (vor allem Rauchen und Alkohol).

Die Methode, das 8 Phasen-Modell
Die Methode des EMDR wird in acht Phasen unterteilt. Es wird darauf hingewiesen, dass keine dieser Phasen ausgelassen werden darf, wenn die erwünschten Erfolge erzielt werden sollen.

1. Vorgeschichte des Patient und die Planung der Therapie
Damit beginnt die Therapie. In der ersten oder den ersten zwei Sitzungen wird festgestellt, was die Probleme der Klienten sind, welche Dinge ihn belastend und welche Ziele erreicht werden sollen. Es wird also festgelegt, woran gearbeitet werden soll. Es ist die Vorgeschichte des Klienten zu erfassen und die Ereignisse zu ergründen, die zu der Problemen geführt haben.

2. Vorbereitung
Die Dauer dieser Phase hängt von der persönlichen Umständen und der Vorgeschichte des Patienten ab. Sie kann recht kurz sein oder auch länger dauern, wenn es sich um größere Traumata und Lebensbeeinträchtigungen handelt. In dieser Phase lernt der Klient das EMDR kennen, wie es angewandt wird und woraus es besteht. Der Patient lernt Entspannungsübungen kennen, die angewandt werden, wenn emotionale Energien zu heftig werden. Beim EMDR geht es nicht darum, dass er Klient möglichst viele Umstände eines Traumas beschreiben kann, auch wenn dies nicht schlecht ist, sondern es genügen auch allgemeinere Angaben. Wichtig ist, dass ein Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Klient entsteht.

3. Einschätzung
Hier geht es darum die Schlussfolgerung, die ein Klient aus einem schmerzhaften Ereignis gezogen hat zu formulieren. Das können etwa negative Glaubenssätze sein wie: „Ich bin wertlos“, „Ich bin schlecht“ oder „Ich bin schmutzig“. Es geht nicht darum, was der Verstand dazu sagt, sondern wie man im Innersten wirklich über sich denkt und vor allem fühlt. Entscheidend ist dabei weniger, was der Klient von sich selbst sagt, sondern wie sich sein Leben gestaltet. Was Menschen wirklich von sich selbst denken, erkennt man an ihrem Lebensstil, nicht an ihren Worten. Dann sucht man sich einen positiven Glaubensatz, der in der Situation angemessen ist. Auf die drei oben geschilderten Überzeugungen würden die passenden Glaubenssätze lauten: „Ich bin wertvoll“, „Ich bin gut“ und „Ich bin in Ordnung / rein / unschuldig“. Der Therapeut befragt nun den Klienten, auf einer Skala von 1 bis 7 als wie wahr er den neuen Satz empfindet, wenn er ihn spricht oder sich ihn vor Augen hält. Diese 7-stufige Skala heißt Validity of Cognition (VOC), wobei 1 für völlig unzutreffend und 7 für völlig zutreffend steht. In dieser Phase wird auch festgestellt, wie stark das negative Gefühl der problematischen Überzeugung von ihm empfunden wird. Dabei wird eine Skala von 0 (keine Beeinträchtigung) bis 10 (schlimmste Beeinträchtigung) verwendet. Diese Skala heißt SUD (Subjective Units of Disturbance).

4. Desensibilisierung
Hier geht es darum das Gefühl der negativen Beeinträchtigung durch einen Glaubenssatz oder ein traumatisches Erlebnis auf der SUD-Skala zu senken. In dieser Phase kommen die Augenbewegungen zur Anwendung. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Behandlung nicht notwendigerweise Augenbewegungen beinhalten muss. Es ist auch möglich akustische oder körperliche Stimulation zu verwenden. Das Entscheidende ist, dass es zu einem Ausgleich der Gehirnhälften kommt, der dadurch erreicht wird, dass während des Durchlebens der schmerzhaften Situation abwechselnd die rechte und die linke Gehirnhälfte stimuliert werden. Das geschieht am Häufigsten dadurch, dass die Augen von rechts nach links wandern und zurück, indem der Klient mit den Augen einem Objekt folgt (zum Beispiel einem Kugelschreiben, den der Therapeut vor seinen Augen hin und her bewegt). Es gibt auch spezielle Tonstücke, die etwa auf einen MP3-Player aufgespielt werden können und abwechselnd das linke und das rechte Ohr stimulieren, so dass der Ausgleich der Gehirnhälften auf akustischem Wege herbeigeführt werden kann.

5. Installierung
Ist der negative Glaubenssatz in Phase vier schwächer geworden (SUD-Skala), so verankert man nun einen positiven Glaubenssatz, der an die Stelle des negativen tritt. Das ist die Aufgabe in Phase fünf. Es geht darum das Gefühl für den positiven Glauben zu stärken und auf der VOD-Skala den Wert von 7 zu erreichen. Jedoch ist es wichtig Dinge, Aussagen, zu suchen, die der Klient auch glauben kann. Es wäre Unsinn etwas zu installieren, was er zwar gerne hätte, aber nicht glauben, bzw. fühlen kann. Deshalb ist es möglicherweise notwendig, dass er Patient sich in anderen Gebieten des Lebens weiterbildet oder weiter wächst.

6. Body-Scan
Nun, wen der neue Glauben fest installiert ist, bringt der Therapeut noch einmal den ursprünglichen negativen Glaubenssatz oder das traumatische Ereignis zur Sprache und fragt den Klienten, ob er noch Widerstand in seinem Körper dabei spürt. So lange der Klient noch etwas im Körper fühlt, ist er noch nicht geheilt und die Behandlung muss fortgesetzt werden.

7. Abschluss
Das Ziel einer jeden Sitzung ist es, dass er Klient den Therapeuten verlässt und sich dabei wohler fühlt, als am Anfang. Der Therapeut gibt den Klienten bestimmte „Werkzeuge“ mit, die er im Alltag anwenden kann, bis er zur nächsten Sitzung kommt. Es ist wichtig, dass der Klient die Kontrolle über die negative Emotion und/oder die traumatische Situation behält.

8. Evaluierung
Am Beginn jeder weiter Sitzung prüft der Therapeut den Erfolg der letzten Sitzung. Dabei werden die Skalen VOD und SUD und die Spannungen im Körper verwendet. Über einen gewissen Zeitraum hinweg muss eine Verbesserung erkannt werden können, sonst ist die Therapie wertlos. Jedenfalls ist es essentiell, dass alle acht Phasen der Therapie durchlaufen werden. Oft geht das ganze ohnehin viel schneller, als dies für manchen auf den ersten Blick aussehen mag.

Ist ein Therapeut notwendig und wie finde ich einen?
Diese Frage wird sehr kontrovers beantwortet. Es gibt gute Gründe für beide Annahmen. Jeder kann die Methoden selbst an sich anwenden, weil jeder die Fähigkeit besitzt sich früherer Erlebnisse ins Gedächtnis zurückzurufen und mit der Zeit diese auch im Körper fühlen zu können. Rein technisch betrachtet, ist also auch der Laie in der Lage das Programm zu durchlaufen ohne eine spezielle Ausbildung absolvieren zu müssen. Bücher über EMDR gibt es in jeder besseren Buchhandlung und auch online lassen sich sehr viele Werke bestellen. Auf der anderen Seite sind Laien nicht dafür ausgebildet zu intervenieren, wenn jemand retraumatisiert wird durch das neue Durchleben eines schmerzhaften Erlebnisses. Zudem können die Ergebnisse weitaus besser sein, wenn ein Therapeut sowohl die Stimulation der Augen (Ohren, Körper) vornimmt. Aber vor allem die Beobachtung der Reaktionen eines Klienten gelingt oft besser durch eine andere Person, als durch einen selbst.
Es ist in jedem Fall zu empfehlen die Techniken des EMDR gründlich zu erlernen, durch einen zertifizierten Therapeuten. Inzwischen gibt es auch im deutschsprachigen Raum eine recht weite Verbreitung von qualifizierten Therapeuten und jeder sollte in seinem geografischen Umkreis einen solchen finden können. Die Ergebnisse des EMDR sind einfach zu überzeugend, als dass man sie unberücksichtigt lassen sollte. Bedenkt man welche Steigerung der Lebensqualität dadurch erzielt werden kann, dann spricht nichts mehr gegen deren Anwendung. Für weitere Information über EMDR habe ich unten ein paar Links angeführt.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Erfüllung und die Anatomie der Persönlichkeit

In der letzen Woche stieß ich auf der Internet-Plattform Youtube.com im Zuge einiger Recherchen über „großartige Charaktere“, „reife Persönlichkeiten“ und „vollendeter Charaktere“, auf einen zweistündigen Videomitschnitt eines Seminars, das den Tetel „The Inner Game“ trug. In diesem Teil des mehrtätigen Seminars ging es darum, was sich im Inneren einer Persönlichkeit abspielt und was einen edlen und vollendeten Charakter ausmacht. Der Beitrag handelte zwar speziell von Dating-Situationen, doch sind die Lehren, die sich daraus ziehen lassen allgemein anwendbar, ungeachtet dessen, um welchen Bereich des Lebens es sich handelt. Die zentrale Person von der die Ideen und Konzepte stammten war ein amerikanischer Psychologe mit dem Namen „Dr. Paul Dobransky“. Seine Website hier aufgerufen werden.
Ich selbst beschäftige mich schon seit geraumer Zeit intensiv mit der menschlichen Persönlichkeit und habe mir im Laufe der Jahre unzählige Aufzeichnungen gemacht, über eigene Erfahrungen, theoretische Modelle, Spekulationen und vielem anderen mehr. Dabei ist mir stets aufgefallen, wie uneinheitlich die verschiedenen Anschauungen zu dem, was der Mensch eigentlich ist, sind. Tatsächlich kann die Wissenschaft uns keine Wahrheiten über irgendeine Sache liefern, ja sie ist nicht einmal in der Lage uns vernünftige Wahrscheinlichkeiten anzugeben. Die Wahrheit über das wahre Wesen des Menschen kann niemals Gegenstand der Wissenschaften, zumindest nicht nach den herkömmlichen Regeln, denen sie sich bisher noch unterworfen hat, sein. Um eben dieses wahre Wesen ausfindig machen zu können, muss man tiefer in die Dinge eindringen und durch direkte Schau in den Urgrund wahre Erkenntnis erlangen. Der weite Bereich, der sich damit beschäftig ist die Metaphysik, die jedoch anders als jener der Philosophie angeschlossene Teil über die Spekulation hinaus zu gehen weiß. Dies ist aber nicht das Thema dieses Artikels.
Um es kurz zu sagen: Das Konzept von Dr. Paul war der fehlende Puzzlestein, dessen ich noch bedurfte, um ein vollständiges Bild der Persönlichkeit, wie auch der gesamten Psychologie, zu bekommen. Damit habe ich ein Modell zur Hand aus dem heraus sich jedes Problem lösen lässt, denn die Anatomie der Persönlichkeit und eines Problems ist genau das gleiche. Wie sieht dieses Modell nun aus? Jede menschliche Persönlichkeit, wie auch jedes Problem das auch nur im Entferntesten denkbar wäre, besteht aus vier und zwar nur aus vier Teilen! Diese sind: 1.) Persönliche Grenzen, 2.) die Kraft Entscheidungen zu fällen, was auch unter freiem Willen bekannt ist, 3.) dem Intellekt und den Ideen und 4.) dem Management der emotionalen Energien. Damit sind alle Bereiche vollständig abgedeckt.
Ad. 1.: Die persönlichen Grenzen eines Menschen geben ihm eine Identität und grenzen ihn gegen die Außenwelt und insbesondere gegen andere Menschen ab. Sie haben eine ähnliche Funktion wie die Grenzen eines Staates. Sie bilden die erste Verteidigungslinie und Eindringlinge oder auch Besucher werden an dieser Grenze kontrolliert. Dass der Mensch jedoch vollständige Grenzen hat, ist ein Ideal, das in der Praxis nur sehr selten anzutreffen ist. Seine Grenzen zu kennen gibt einem Konturen und zeigt der Außenwelt wer man ist. Um die Grenzen klar errichten zu können, ist es wichtig, dass der Mensch seine Werte kennt, dass er weiß was ihm wichtig ist, welche Vorlieben und Abneigungen er hat. Grenzen ermöglichen es einem „Nein“ zu sagen. Menschen mit klaren Grenzen, die diese verteidigen gelten als „starke“ Charaktere, ungeachtet ob wir ihnen zustimmen oder nicht, denn andere Menschen können nicht in sie eindringen, es sei denn mit Erlaubnis und sie können dieses Recht auch jederzeit wieder verlieren. In einem Menschen mit klaren Grenzen kann ein anderer sich nicht festsetzen. Die meisten jedoch haben Löcher in ihren Grenzen und das sind die Angriffspunkte anderer. Hat jemand zum Beispiel keine Meinung zu einem bestimmten Thema, dann können andere sich seiner bemächtigen und ihn dazu zwingen oder sie dahingehend manipulieren sich ihrer Meinung anzuschließen, sich willfährig zu erweisen Ein gutes Beispiel hierzu ergibt sich etwa in Beziehungen. Wenn einer auf seine Traumfrau oder ihren Traummann stößt und ist die persönliche Grenze nach außen nicht klar gezogen oder wird als solche verteidigt, so hat der Traummann oder die Traumfrau die Macht über den anderen ihn dazu zu bringen, was dieser vielleicht gar nicht wollte. Aus Angst den anderen zu verlieren, sagt jemand dann eher „Ja“, obwohl es ihn im Grunde seines Herzens schmerzt und es nicht gut für ihn ist, da er seine Werte verletzt. Ideale, an denen man anhaftet sind Löcher in den eigenen Grenzen, über die andere oder eine Sache (z.B. politische Meinung, Weltanschauung etc.) Gewalt über einen gewinnen können.
Ad. 2.: Die Kraft Entscheidungen fällen zu können, ist der zweite Aspekt eines starken Charakters, auch bekannt unter dem freien Willen. Das wahre Wesen des Menschen ist ewig und besteht weiter, auch wenn der Körper längst gestorben, das heißt sich in der Welt aufgelöst hat, ist. Im menschlichen Speicherbewusstsein sind alle Samen vorhanden, welche davon kultiviert werden, obliegt der Entscheidung eines jeden einzelnen. Der freie Wille des Menschen entspringt seinem wahren Wesen und überdauert als solcher alle Zeiten. Es ist wichtig dies festzuhalten, nämlich, dass der Mensch wahrhaftig über einen freien Willen verfügt und dieser sich nicht aus seinen eigenen Genen oder gar einer körperlichen Tätigkeit ableitet. Es ist deshalb auch Unsinn davon auszugehen, dass der Wille ein Ergebnis der Hirntätigkeit sei (Materie sei Ursache des Geistes), wäre dem so, könnte nie von einem freien Willen, zumindest im absoluten Sinne gesprochen werden, da dieser dann von den Genen und den Prägungen in diesem Leben (vor allem Erziehung, Milieu etc.) abhängig wäre. In Wahrheit ist der Geist immer Ursache der Materie und niemals dessen Wirkung. Materie jedoch ist niemals eine Ursache für irgendeine Sache, nicht einmal für Materie selbst. Auch dazu ist der Geist als Schöpfer notwenig (etwas, das den Darwinisten inzwischen auch schon bekannt sein sollte, zugeben wollen sie es allerdings bislang noch nicht). Wer nicht das Gefühl hat einen freien Willen zu haben, fühlt sich gefangen, eingeengt, von anderen oder irgendwelchen Mächten beherrscht, sei es Gott, das Schicksal oder von der Vorsehung, wie immer man die Sache auch nennen möchte. Um zu erkennen, dass man über einen freien Willen verfügt, ist es vor allem wichtig achtsam zu sein, seine Bewusstheit zu trainieren. Dies geschieht dadurch, dass man versucht so oft als möglich im Hier und Jetzt zu leben, nur dann ist der Mensch wirklich lebendig. Denken wir an die Vergangenheit oder an die Zukunft, dann befinden wir uns größtenteils auf Autopilot umgestellt. Das einfachste Mittel, um zu erkennen, dass in unserem Leben etwas falsch läuft, muss man nur auf seine Gefühle achten. Ist der Geist nicht durch bewusstseinsbeeinträchtigende Mittel (Alkohol, Drogen, Schokolade, Fernsehen etc.) betäubt, dann sagen einem die Gefühle ganz genau, dass etwas nicht stimmt. Das ist unter anderem der Sinn unserer Gefühle, als Warnblinklampen auf dem Armaturenbrett des Lebens zu dienen. Fühlen wir uns gut, ist das, wie wenn alle Lampen auf grün stehen, fühlen wir uns schlecht, so leuchtet eine oder mehrere Lampen rot auf: Achtung! Wenn wir uns in einer Entscheidungssituation befinden haben wir zuerst die Wahl ob wir eine Entscheidung treffen wollen oder nicht. Entscheiden wir uns nicht, so nimmt unsere Lebensqualität in jedem Fall ab. Treffen wir eine Entscheidung, nimmt diese in jedem Fall zu. Eine Entscheidung kann entweder konstruktiv oder destruktiv sein, aber mit Sicherheit steigt die Qualität des Lebens dadurch. Es gibt also niemals einen vernünftigen Grund keine Entscheidung zu treffen!
Ad. 3.: Der dritte Aspekt ist der Intellekt und die Ideen. Hierher gehört auch die Kreativität, die Fähigkeit spontan Neues hervorzubringen, schöpferisch tätig zu sein. Wenn wir über ausreichend Kenntnisse und/oder Erfahrung verfügen eine Sache im Leben zu bewältigen, dann fühlen wir uns stark und gut. Lernen ist deshalb ein wesentlicher Aspekt einer reifen Persönlichkeit, vor allem die Fähigkeit effektiv lernen zu können ist dabei essentiell. Heutzutage wird in diesem Bereich zu viel Wert auf das Wissen alleine gelegt und zu wenig auf Erfahrung und wahre Erkenntnis der Dinge. Nur, wenn man eine Sache persönlich erfahren hat, beherrscht man sie wirklich, was nur aus Büchern gelernt wurde, ist totes Wissen im Kopf, reine Theorie, die einem nicht die Sicherheit vermittelt, die nur persönliche Erfahrung einem geben kann.
Ad. 4.: Der vierte Punkt hier ist endlich das Management der emotionalen Energie. Eine reife Persönlichkeit erkennt die starke Energie, die hinter Gefühlen steckt und weiß sie zu kanalisieren, um produktiv tätig sein zu können. Dies ist zweifelsohne leichter bei positiven Energien, die ohnehin auf das Leben und das Konstruktive ausgerichtet sind. Probleme bereiten hier die negativen Gefühle, die einen sabotieren und, wenn sie nicht umgeleitet werden, einem selbst und anderen großen Schaden zufügen können. Zur wahren Meisterschaft gehört es sein beobachtendes Selbst zu kultivieren, um im entscheidenden Moment eingreifen zu können (meist hat man dazu nur etwas zwei oder drei Sekunden Zeit), um die negative Energie umzugestalten. Stehe zu alle, gibt aber keiner Sache nach. Jesus spricht im Neuen Testament davon, dass man dem Bösen nicht widerstehen solle. Das hat nichts mit Nachgiebigkeit zu tun, sondern bedeutet, dass das Negative als solches erkannt und akzeptiert werden muss. Weiters „umarmt“ man diese Energie, so wie ein Vater oder eine Mutter ein weinendes Kind umarmen würde, um zu erkennen, was ihm fehlt und um es zu trösten. Durch die Umarmung wird man befähigt tief in den Schmerz oder Verlust hinein zu schauen, man spricht hier auch davon „das Leid zu berühren und zu transformieren“. Hat man die Botschaft verstanden, kann man sie gehen lassen und die Energie, die freigesetzt wurde gehört nun einem und man kann sie für seine Projekte zu seinem Vorteil nutzen. Ansonsten hätte uns die Energie möglicherweise großen Schaden zugefügt. Das wichtigste Werkzeug bei der Schaffung eines edlen Charakter ist die Achtsamkeit, sie ermöglicht uns immer weniger unbewusst zu handeln (wer böse handelt, handelt immer unbewusst, keine böse Tat im Leben wird je mit vollem Bewusstsein ausgeführt, immer fehlt das beobachtende Selbst), unser Leben tiefer zu verstehen und zu ergründen, was unsere Mission im Leben ist. Daraus erwächst auch die genaue Kenntnis der eigenen Werte und Ziele, was wiederum den Charakter stärkt und der Umwelt deutlich entgegen tritt.
Wie oben bereits erwähnt treffen wir diese vier Aspekte auch bei der Anatomie jedes Problems wieder an. Ein Problem ist etwas, das an uns herantritt und unser Gleichgewicht zu stören vermag, wenn wir nicht damit umgehen können. Problemlösung kann also auch als Wiederherstellung unseres natürlichen Gleichgewichtes verstanden werden. Eine Möglichkeit, die einem Problem zugrunde liegen kann ist Stress. Stress entsteht oft durch Löcher in den persönlichen Grenzen, insbesondere dann, wenn ein Mensch getrieben ist, weil er nicht „Nein“ sagen kann und es jedem Recht machen möchte. Stress wiederum ist immer entweder auf einen Schmerz oder einen Verlust zurückzuführen, das gilt für jeden Stress, den wir je erlebt haben oder je erleben könnten. Und hier sind wir wieder beim Management von emotionaler Energie. Die Ursache eines Problems kann aber auch in Fehlschlägen und Zurückweisungen liegen. Dies wiederum ist entweder auf einen Mangel an Kenntnissen (Bildung, Ausbildung, Wissen) oder einen Mangel an Erfahrung zurückzuführen. Hier sehen wir den dritten Aspekt des Charakters einer Person wieder: Intellekt und Ideen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass ein Problem darauf zurückzuführen ist, dass wir uns gefangen oder eingeengt fühlen. Die Ursachen dafür sind entweder ein Mangel an Bewusstheit oder einen Mangel an Intuition, womit wir beim Aspekt der Entscheidungskraft/Freier Wille wären. Alle vier Bereiche erkennen wir also auch hier wieder bei den Problemen.
Nun abschließend noch zu einem ganz wichtigen Thema: Der Erfüllung. Lange Zeit hielt ich Glück für das ultimative Ziel im Leben. Niemand trifft eine Entscheidung oder vollführt eine Handlung ohne dabei davon auszugehen, dass es ihn glücklich oder zumindest glücklicher machen würde. Dass der Mensch sich dabei oft kräftig irrt, sieht man ja an den vielen Fehlschlägen, die genau das Gegenteil, nämlich Leid, herbeiführen. Immer aber gilt, dass die Person subjektiv im Zeitpunkt des Handelns das Beste gegeben hat, das Beste wozu sie aufgrund ihres gegenwärtigen Bewusstseinsstandes in der Lage war. Aus bitteren Samen entstehen niemals süße Früchte und doch verhalten sich beinahe alle Menschen so. Es ist eine Geistestrübung, an der die ganze Menschheit leidet, auch Staaten und Regierungen sind davon betroffen. Als Ganzes hat die Menschheit seit Jahrhunderten einen starken Niedergang durchgemacht, was insbesondere an der starken Anhaftung an der Materie zu sehen ist und der Verneinung oder zumindest Geringschätzung des Geistigen. Nichtsdestotrotz gab und gibt es stets einzelne, die dem negativen Massenbewusstsein entkommen und eine Klarheit des Geistes erwerben, die dem durchschnittlichen Menschen völlig unbekannt ist.
Niemals kann aus dem Leid, das jemandem zugefügt wird etwas Gutes für irgendjemanden entstehen, und doch baut unsere Gesellschaft in vielen Bereichen darauf auf, dass Menschen Leid zugefügt werden darf und man nennt dies dann selbstherrlich Gerechtigkeit. Ein vollendeter Charakter ist auch immer ein Charakter, der nicht dem Gewöhnlichen, dem Massenbewusstsein entspricht. Ein solch edler Charakter ist frei von der Welt und den Menschen, ohne den Menschen feindlich gesinnt zu sein. So kann einer „in“ der Welt sein, ohne „von“ der Welt zu sein.
Nun zurück zum Glück. Ich habe das Glück zwar als Urmotivation nicht verworfen, doch habe ich es mit zwei weiteren Faktoren zu einem noch umfangreicheren Begriff vereint. Diese sind: Freiheit und Erfolg. Erfüllung tritt ein, wenn alle drei Faktoren, also Glück, Freiheit und Erfolg zusammentreffen. Glück bedeutete einfach ein hohes Selbstwertgefühl zu haben. Wer sich selbst hoch schätzt und wahre Selbstliebe empfindet, der ist glücklich. Freiheit, bedeutet die Wahl zu haben, Entscheidungen treffen zu können. Erfolg bedeutet ein Ziel erreicht zu haben. Alle drei können für sich auch alleine stehen. So mag jemand ein Ziel erreichen aber keine Glück dabei empfinden, ebenso, wie jemand frei sein kann, aber erfolglos bleibt. Auch kann ein erfolgloser und unfreier Mensch trotzdem glücklich sein. Aber nur, wenn alle drei zusammen treffen ergibt sich das, was man als „Spitzenerlebnisse“ („peak moments“) kennt. Jeder hat in seinem Leben derartige Momente erlebt, in der Regel sind sie jedoch recht selten. Auf das ganze Leben umgemünzt, sind solche einzelnen Momente relativ unbedeutend. Die Qualität des Lebens wird durch ein Grundlevel bestimmt, dass bei den meisten Menschen erstaunlich konstant bleibt, über das ganze Leben hinweg. Die negativen Erlebnisse, wie etwa der Tod eines lieben Menschen, mögen zwar kurzfristig das Empfinden nach unten drücken, doch langfristig sind sie nicht von Bedeutung. Das gleiche gilt auch für Glückserlebnisse, wie sie Menschen etwa empfinden, wenn sie im Lotto gewonnen haben. Aber auch solche Menschen kehren bald wieder zu ihrem seelischen Grundniveau zurück, wie einige Untersuchung solcher Leute zeigen. Psychologen wissen, dass Optimismus bzw. Pessimismus ebenso wie Introvertiertheit oder Extrovertiertheit zu den stabilsten Faktoren der Persönlichkeit gehören. In dem meisten Fällen werden sie für gegeben erachtet und kaum einer denkt ernsthaft daran an ihnen zu arbeiten. Und doch ist auch dies möglich! Wie ich weiter oben bereits erwähnt habe, liegen im menschlichen Speicherbewusstsein alle Samen (Charaktereigenschaften) bereit. Durch den freien Willen entscheiden wir, welchen davon wir Nahrung zukommen lassen. Um es ganz deutlich zu sagen: Jeder Mensch hat das Potenzial alle Charaktereigenschaften aufzuweisen, jeder kann ein Teufel wie Hitler, Stalin oder Mao sein aber jeder ist auch dazu befähigt wie die Heiligen zu sein. Die Änderung kann jeder in jede Richtung vornehmen und zwar in jedem Alter. Das ist zwar nicht die Ansicht der Welt, aber es ist die Wahrheit. Wer sich selbst tief erforscht, weiß, dass ich die Wahrheit sage. Mögen alle Menschen einen edlen Charakter entwickeln!

Zitate I

„Charakter ist Schicksal.“
- Siegmund Freud -

„Des Menschen Charakter ist sein Schicksal.“
- Heraklit -

„Wenn Ich, Ich bin, damit Du, Du bist und Du, Du bist, damit Ich, Ich bin, dann bist Du nicht Du und Ich nicht Ich.“
- unbekannter Rabbi -

„Flectimur non fragnimur“
- Kardinal Colonna, 13. Jahrhundert -


„Es gibt alle Arten von Liebe auf der Welt, aber niemals die gleiche Liebe zweimal.“
- Francis. S. Fitzgerald in „Das Vernünftige“

„Es gibt drei Sorten von Lügen: Lügen, gemeine Lügen und Statistiken.“
- Mark Twain -

„Die Menschen sind auf ewig unglücklich, weil sie ständig von schadenfroher, misslauniger Scheelsucht verfolgt werden.“
- Hesiod -

„Im Klagen hat ein Philosoph entdeckt, liegt tiefe Lust versteckt. Wir sollen nie ein Leid bereuen, da wir uns der Klage doch erfreuen.“
- Rosaura in „Das Leben ist ein Traum“ von Pedro Calderón de la Barca –

Sonntag, 21. Februar 2010

Was ist Ihr Symbol?

Symbole sind mächtige Zeichen! Mächtig deshalb, weil sie direkt auf etwas hinweisen, wofür es oft vieler Worte bedürfte, sofern es überhaupt im Bereich des Möglichen liegt, mit Worten (ebenso Symbole) den Gehalt einer bestimmten Sache auszudrücken. Die Wahrnehmung eines Symbols vermag mannigfaltige Assoziationen in uns auszulösen, Gedanken, Vorstellungen, Ideen und nicht zuletzt Emotionen sprudeln unaufhaltsam aus den Tiefen des Geistes ins Bewusstsein empor. Zurecht hieß es bei den alten Chinesen, dass ein Bild mehr als tausend Worte aussage.
Der Terminus „Symbol“ stammt aus dem Griechischen und bedeute so viel wie „etwas, das zusammengefügt ist“. Es weist auf etwas hin, das aber nicht notwendigerweise gegenwärtig sein muss. Ursprünglich wurden Symbole dazu verwendet sich gegenseitig wieder zu erkennen. Ein Symbol sollte einst sicherstellen, dass man es mit der rechten Person zu tun hat. Das Griechische „sýmbolon“ hat also bereits etwa mit der Identität dessen, der es trägt zu tun. Es ist ein nach außen hin getragenes oder zumindest zuweilen vorgezeigtes Zeichen, das einen in der Gesellschaft und vor anderen ausweist. Genau in diesem Sinne möchte ich auch hier in diesem Text den Begriff „Symbol“ verstanden wissen. Mit der Geschichte von Symbolen und deren mannigfaltigem Vorkommen in diversen Bereichen des Lebens, wie Politik, Kunst, Wissenschaft, Kultur, Sport und vielen anderen mehr, beschäftigt sich eine reichhaltige Literatur. Ganze Bibliotheken oder auch Wissenschaftszweige (siehe hierzu die Heraldik) beschäftigen sich ausgiebig mit den Symbolen.
Zurück aber zur Eingangsfrage, die den Titel dieses Textes darstellt: Was ist Ihr Symbol? Haben Sie sich jemals damit beschäftigt wie Sie in der Öffentlichkeit auftreten und wie andere Menschen Sie wahrnehmen? Zuweilen mag es hier eine recht große Diskrepanz geben und ohne einen wachen und gegenwärtigen Geist, mag einem diesbezüglich vieles entgehen. Woran erkennt man Sie? An Ihrer Kleidung? Haben Sie einen ganz bestimmten Stil, der nur für Sie typisch ist, der unabhängig von Mode und Meinung anderen existiert? Wie sieht es mit Ihrer Sprache aus? Haben Sie einen Akzent oder bestimmte Redewendungen, die Sie immer wieder verwenden und kultivieren? Um es auf den Punkt zu bringen: Was ist typisch für Sie? Woran erkennt man Sie? Was macht Sie einzigartig? Wodurch unterscheiden Sie sich von jedem anderen Menschen? Das sind die Fragen, die man sich zu stellen hat, bevor man sich ein Symbol wählt. Dieses sollte eines sein, das mit der Geisteshaltung, mit dem eigenen Wesen, nicht nur verwoben ist, sondern aus den tiefsten Schichten Ihrer Seele stammt und nicht durch irgendwelche anderen Menschen oder Umstände ins Wanken gebracht werden kann.
Es ist wichtig sich selbst wirklich genau zu kennen, sich unangenehmen Fragen über sich selbst zu stellen, um zu diesen tiefsten Schichten des eigenen Selbst vorzudringen. Bei den Naturvölkern gibt es für die jungen Männer, und oft auch für die jungen Frauen, so genannte Initiationsriten. Dabei müssen die „Kinder“, wie sie vor dem Ritual genannte werden, oft schwere Prüfungen absolvieren, ihren Mut und ihre Verbundenheit mit der Gruppe beweisen, bis sie in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen werden. Diese Prüfungen können so gefährlich sein, dass regelmäßig der eine oder andere Kandidat sie nicht überlebt. Aber das ist Teil des Rituals, denn es handelt sich dabei nicht um ein Spiel, sondern um tödlichen Ernst. Bei den Massai Ostafrikas etwa, muss ein Junge mit seinem Speer einen Löwen töten. Kein Junge, der diese Heldentat nicht vollbracht hat, wird als reifer erwachsener Massai angesehen; diese Ehre bleibt ihm versagt und er bleibt weiterhin ein Junge. Oft bekommt der junge Mann danach seinen „richtigen“ Namen. Früher war er einfach ein Junge, erst jetzt als Mann, hat er das Recht einen Namen zu tragen. Wir kennen das von den Indianern Nordamerikas (Weißer Bär, Sitting Bull, Crazy Horse etc.).
Unserer Gesellschaft gehen Initiationsriten völlig ab (abgesehen von manchen kläglichen Versuchen wie Saufgelage, die alle in die falsche Richtung sich entwickelt haben und mit einem echten Reiferitual nichts zu tun haben). So leben wir denn auch in einer Kindergesellschaft: Jungs werden nicht zu Männern und Mädchen werden nicht mehr zu Frauen. Alles was wir haben, ist eine Gesellschaft, in der es nur Opfer gibt (das sicherste Zeichen für einen unreifen Menschen), Verantwortung und Disziplin sind selten geworden. An allen Ecken und Enden erkennt man kindliches Verhalten bei Leuten, die eigentlich erwachsen sein sollten. Von wahrer reifer Männlichkeit, beziehungsweise Weiblichkeit, sind wir viel zu weit entfernt. Die Vorstellungen, die darüber herrschen ,sind viel zu verwässert, allzu oft nichts anderes als Kunstprodukte von Film, Fernsehen, Politik, „Politischer Korrektheit“ (eine moderne Art der Manipulation und eine Lüge) und allen möglichen gesellschaftlichen Gruppen, die nichts anderes anstreben, als den Menschen zu sagen, wer sie sind.
Erst, wenn der einzelne Mann und die einzelne Frau für sich selbst ihre Männlichkeit, bzw. Weiblichkeit erkannt haben, dann sind sie frei ein Leben in der Welt, aber nicht von der Welt zu führen, dann sind sie frei von den anderen, ohne gegen diese zu sein. Ist dieses Stadium erreicht, dann kann auch jeder sich seinen „wahren“ Namen geben und in einem Symbol ausdrücken. Dann ist es keine Mode, keine Spiel mehr, sondern ein Zeichen echter Erkenntnis seiner selbst und dessen Demonstration in der Welt. Was also ist Ihr Zeichen?!

Montag, 30. November 2009

Wir und die anderen

Der japanische Prinz Shôtoku schrieb zu Beginn des 7. Jahrhunderts:

„Was du für richtig hältst, halte ich für falsch. Was ich für richtig halte, hältst du für falsch. Sind wir nicht beide sehr gewöhnliche Menschen?“
Der indische Premierminister Jawaharlal Nehru nannte ihn den weisesten Herrscher, nebst dem altindischen Philosophenkaiser Ashoka, der je gelebt habe. Ich stimme dem zu, füge jedoch als westlicher Mensch noch hinzu, dass sich wohl auch der römische Kaiser Marc Aurel in dieser Reihe finden darf und nicht nur er.
Wir leben in einer Welt des Dualismus. Es gibt kein Weiß und kein Schwarz ohne das andere und doch hat sich die Menschheit darauf verengt einen Kampf Weiß gegen Schwarz anzunehmen und natürlich möchte jeder, dass Weiß gewinnt, vor allem deshalb, weil man sich selbst dieser Gruppe zugehörig fühlt. Doch verstehen die Menschen nicht, dass die Gegensätze nur scheinbar existieren und ihrem Ursprung nach eins sind. Die Dinge an sich sind völlig neutral, nur das Denken, das heißt in diesem Falle die geistige Position, die man in Bezug auf eine bestimmte Sache oder Person einnimmt, macht sie zu etwas Gutem oder Schlechtem. Nur vergessen wird einmal das eben gesagte und nehmen an dass Gut und Böse in diesem Universum an sich existierten.
Wer hat nun Recht? Ich sage eine Sache ist so und ein andere sage die Sache sein anders? Oft jedoch stell sich heraus, dass wir beide Recht haben, es kommt eben nur auf den Standpunkt an. Doch sind wir so erzogen worden, dass Recht und Unrecht, Richtig und Falsch an sich existierten. So kommt es dass die Menschen sich berechtigt fühlen den anderen umzuerziehen oder wenn nötig zu bekämpfen, auch mit Waffengewalt, wenn gar nichts mehr nützt. So setzt sich in der Welt derjenige durch, der am unsensibelsten, am gröbsten vorgeht, als ob damit die Wahrheit ihren endgültigen Ausdruck fände.
Die Einheit, von der ich oben sprach ist dieses Allsein, dieses Einsseins aller Dinge. Ich werde noch im Monate Dezember ausführlich darüber schreiben. Hier sei nur soviel gesagt: Unsere Gesellschaft kennt kaum mehr Tabus, vor allem die Sexualität, das große Tabu der Vergangenheit, ist aus seiner Dunkelheit ans Licht gezogen worden und wird nun zu einer schalen Oberflächlichkeit, aber Tabu kann man sie nicht mehr nennen, außer für verstockte konservative Menschen, die in unserer Welt ohnehin nichts mehr zu sagen haben und sich bald die Radieschen von unten ansehen werden. Nein, das große Tabu ist auch nicht der Tod und das Sterben, wenn auch zugegeben werden muss, dass wir damit den grundlegenden Dingen bereits weitaus näher gerückt sind. Nein, das große Tabu unserer Gesellschaft ist die Erkenntnis dessen, was wir wirklich sind. Dann erübrigt sich auch die Frage „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, die allesamt Ableitungen von der eigentlichen Frage sind, wer wird wirklich sind. Wir sind eins mit allen Dingen, derjenigen, den wir als Gott kennen, ist auch in uns selbst vorhanden. Zwischen Mensch und Gott besteht eine Einheit, doch darf nicht vergessen werden, dass der Mensch sündhaft geworden ist und diese Einheit aus sich selbst heraus nicht wieder herstellen kann. Dazu bedarf es die Gnade dessen, der uns geschaffen hat.
Doch darüber mehr in einem anderen, viel ausführlicheren Beitrag, den ich noch vor Weihnachten hier auf dieser Seite veröffentlichen werde.