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Donnerstag, 29. Dezember 2011

Braucht der Mensch die anderen?

„Ich gehe an ein Werk, das kein Vorbild hat und keinen Nachahmer finden wird. Ich will vor meinesgleichen einen Menschen in aller Wahrheit der Natur zeichnen, und dieser Menschen – bin ich“. Mit diesen starken Worten beschreibt der große Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau sein Bestreben, so wie er es in seinen „Confessions“ niedergeschrieben hat.


Rousseau ist eine besondere Gestalt, um nicht zu sagen eine Lichtgestalt unter den Denkern des 18. Jahrhunderts und weit darüber hinaus. Im Ergebnis wirkt er um vieles stärker, als die kühlen Rationalisten und Enzyklopedisten, die durch intellektuellen Hochmut und die Verehrung und Förderung der Kultur glaubten einen Gipfel der Menschheit erreicht zu haben. Gerade das Gegenteil war der Fall und Rousseau hat es schonungslos aufgezeigt. Kultur verdirbt die Seele des Menschen, macht neurotisch und psychotisch. Ohne Kultur hätte die Menschheit keine seelischen Probleme, es der Preis der Kultur, dass der einzelne an der Psyche angegriffen und verdorben wird. Rousseaus „Gefühl“ sein Enthusiasmus und sein unglaubliches Genie brachten ihn zu seinem großartigen Werk. Während Descartes vom „Cogito-Ergo-Sum“ sprach hört sich dies bei Rousseau ganz anders an: „Je suis, je sens“. Welche Kraft liegt doch in den Worten des religiösen Genfers, der zugegeben eine Menge an Widersprüchen in seinem Charakter vereinte – etwas das bei großen Persönlichkeiten immer der Fall ist. Trifft man auf einen stimmigen, abgerundeten Charakter, dann hat man es immer auch mit einer höchst mittelmäßigen Person zu tun. Wer will schon in Ruhe leben? Wer möchte Harmonie wirklich? Harmonie ist wie der Tod, hat man sie, dann lebt man nicht mehr! Das Chaos im Leben ist höchst wünschenswert, es fördert den Menschen und den Fortschritt, ebenso die Unzufriedenheit. Die Unzufriedenheit ist eine Tugend! Wären die Menschen zufrieden, dann müsste man sich ernsthaft Sorgen um sie machen. Wer zu Zufriedenheit rät, der ist ein kleiner Geist!

Zurück zu Rousseau und dem 18. Jahrhundert. Rousseau war ein Individualist, einer, der die Natur des Menschen als gut und die Kultur als Verbrechen sah. Damit sprach er Millionen Menschen an, die es genauso sahen. Bis heute wirken die frischen Worte nach und vermögen die Seele immer noch anzusprechen. Es wäre vermessen wollte man darin einfach nur eine Unzufriedenheit mit der damals herrschenden Kultur verstehen. Vielmehr geht es Rousseau um die Kultur ans sich. Im 19. Jahrhundert drehte sich das Weltbild gewaltig, denn nun sah man die Kultur als gut und den Einzelnen als schlecht. Man ging davon aus, dass die Kultur nun notwendig sei, um die Triebe des einzelnen zu zügeln – das Misstrauen gegenüber dem Menschen blieb ins 20. Jahrhundert hinein aufrecht und wirkt bis heute nach. Wie viel freier ist doch der Mensch bei Rousseau und wie gut in seinem Naturzustand! Erst die Gemeinschaft macht den Menschen schlecht und lebten wir in einer perfekten Welt, dann würden wird den Kontakt mit anderen überhaupt nicht suchen. Wir würden mit anderen Menschen nicht sprechen, wir würden uns nicht um sie kümmern. Nur das Übel der Welt, wie sie sich durch all ihre Gefahren uns darstellt, zwingt die Menschen zu Kooperation. Im Grunde ist das Zusammenwirken der Menschen keine gute Sache, lediglich ein notwendiges Übel. Bräuchten wir die anderen nicht, dann wären wir frei aus uns selbst heraus zu leben, unabhängig (denn was ist Freiheit anderes als das Nicht-Verbundensein?).


Heute ist die Zeit immer noch sehr verblendet und die Ansicht der Mensch sei ein soziales Wesen ist sehr verführerisch – kaum einer widerspricht ihr. Dabei spricht vieles dafür, dass Rousseau und nicht die moderne Ansicht der Wahrheit entspricht. Meine Antwort auf die Frage, die den Titel dieses Beitrags bildet, ist eindeutig Nein! Der Mensch braucht die anderen an sich nicht, lediglich Notwendigkeiten, die sich aus den Lebensumständen heraus ergeben führen zu Zwangskooperation. Für das seelische Wohlbefinden jedoch ist der Mitmensch, den man besser Nebenmensch nennen sollte, mit Sicherheit nachteilig. Mit seinem Geist und seinen Gedanken und Gefühlen alleine, erübrigen sich die fruchtlosen Streitereien, die Reibungen, die sich durch das bloße Zusammentreffen von Menschen ergeben. Konflikt an sich ist noch nichts Schlechtes, doch in der Praxis führt er nur selten zu einer Weiterentwicklung, sondern zu Grabenkämpfen, seelischem Unwohlsein, das einen dann über längere Zeit hinweg nicht mehr verlässt.


In gewisser Weise ist das Leben jedoch selbst eine Beleidigung für den Menschen. Man denke nur daran, dass ein Homo sapiens, Nahrung, Sauerstoff etc. braucht, nur um körperlich am Leben zu bleiben. Für einen extrem freiheitsliebenden Menschen ist bereits die Notwendigkeit Sauerstoff zum Leben zu brauchen eine Beleidigung und eine Quelle des permanenten Unglücks. So gesehen ist es nur natürlich, wenn sich die Abneigung gegen das Leben selbst richtet, zumindest in der Form, wie wir es in unserem Universum vorfinden.

„Der Mensch is guad, nur de Leit san a Gsindl!“ Mit diesem Nestroy-Zitat ist nicht nur Rousseau gut zusammengefasst, sondern ein wahres Wort gesprochen, dass heute so wahr ist, wie es immer war und auch immer sein wird.

Dienstag, 25. Oktober 2011

Warum betreibt der Mensch Philosophie?

Es ist dies eine Frage, die erstaunlicherweise viel seltener gestellt wird, als man denken möchte, insbesondere, und das verwundert doch nicht wenig, von den Philosophen selbst. Es scheint, als ob das Philosophieren, das ja nur allzu oft mit dem Denken selbst verwechselt wird, eine Selbstverständlichkeit wäre, etwas das man eben tut, „weil man es eben tun sollte“. Doch warum man es tun sollte, ist schon viel weniger klar und oft auch, wozu das Ganze dienen soll. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, doch trotzdem relativ selten, dass der Mensch im Leben einer Sache um ihrer selbst willen nachgeht. In der Regel ist menschliches Verhalten motiviert und das trifft auf den geistigen, ebenso wie auf jeden anderen Bereich des Leben zu. Rein expressives Verhalten gehört zweifelsohne zu den beglückend- und erfüllendsten Tätigkeiten im Leben. Gewisse Dinge absichtslos zu betreiben, gehört unabdingbar zu einem guten Leben, Doch nur wenige können ein Interesse an einer Sache aufbringen, die sich nicht ins Hauptbuch ihrer Ziele und Ambitionen eintragen lässt – gerade in unserer Zeit sind Zeitgenossen, die solches können, sehr selten geworden – wahrscheinlich liegt darin einer der Gründe für das Unglück, das die meisten Menschen mehr oder weniger in ihrem Leben empfinden – ein Dasein in stiller Verzweiflung. Es soll hier dieser Ausnahmefall des Betreibens der Philosophie um ihrer selbst willen ausgeklammert werden und der Blick auf die zweckmäßige Tätigkeit gelegt werden.

Ich möchte hier vier mögliche Antworten darauf geben, warum der Mensch Philosophie betreibt.
1.) Die Philosophie ist dazu da den Menschen zu befähigen sein Glück und seine Erfüllung zu verwirklichen.
Das ist eine klassische Position von Menschen, die philosophieren, zu allen Zeiten vertreten haben. Es war das Ideal der Antike, das gute Leben anzustreben, wobei dieses gute gleichbedeutend mit einem tugendhaften Leben gesetzt wurde. Das Gute, das Schöne und das Wahre bildeten nach Platon eine Einheit. Es wurde davon ausgegangen, dass der Mensch glücklich werden könne, weil er denken kann. So richtig diese Ansicht auch ist, so zeigt sie doch nur die halbe Wahrheit auf. Denn das Gegenteil ist ebenso wahr. Es war Michel de Montaigne, der als erster darüber schrieb, dass gerade die Denkfähigkeit des Menschen zur Quelle seines Unglücks werden kann. Völlig unabhängig von den äußeren Umständen, kann der Mensch alleine durch sein Denken sowohl glücklich, als auch unglücklich werden. Auf eine Sache ist hier noch hinzuweisen: Untersuchungen und Befragungen von Menschen über ihr subjektives Glücksempfinden, haben über viele Jahrzehnte hinweg gezeigt, dass es kaum einen Zusammenhang zwischen dem wahren Wohlbefinden des Menschen und seiner Meinung über seinen eigenen Glückszustand gibt. Menschen sind sehr robuste Lebewesen und auch wenn es ihnen objektiv schlecht geht, tendieren sie dazu sich eher als glücklich, denn als unglücklich einzustufen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Glücksempfinden nach eigenen Angaben, bei fast allen Menschen weitaus größer ist, als es ihrem Seelenzustand entspricht. Man sieht daran auch sehr deutlich, wie sehr die Meinung der Menschen über sich selbst von äußeren Glücksvorstellungen dominiert wird und wie wenig Selbsterkenntnis homo normalis besitzt. Zudem kommt ein starker sozialer Druck hinzu, der von der Ansicht kommt, dass sozialer Status mit Glück zusammenhängt. Wer wenig Glücksempfinden zeigt, gilt als auf der unteren Skala der sozialen Wertigkeit angesiedelt. Auf der anderen Seite gibt es auch starke psychologische Gründe dafür, dass Menschen sich einreden glücklich zu sein und bald selbst daran glauben. Denn wenn es im Leben nicht zumindest eine kleine Hoffnung auf eine Besserung des eigenen Leben gibt, warum sollte man dann überhaupt weiter leben?
Die Philosophie hat nun die Aufgabe den Menschen das richtige Denken zu lehren, vor allem das richtige Denken in Bezug auf sich selbst. Denn wenn einer nicht geschult darin ist über sich selbst nachzudenken, dann dreht man sich ständig im Kreis und wird leicht depressiv oder melancholisch. Die Philosophie soll uns lehren uns selbst so zu sehen, wie wir andere sehen und so objektivere Urteile zu fällen und zu erkennen, was wir tun müssen, um eine Besserung herbeizuführen.

2.) Die Philosophie dient dazu den Menschen zu befreien, frei von allen Dingen und frei von der Angst, vor allem von jener vor dem Tod, zu machen.
Das richtige Denken soll den Menschen unabhängig von der Kultur und der Meinung anderer machen. Wenn wir richtig denken können, dann gewinnen wir allmählich Vertrauen in unsere eigenen Urteile und befinden uns nicht mehr im Zweifel, wenn andere uns widersprechen. Wir können dann Meinungen auch dann vertreten, wenn wir keinerlei Zustimmung von irgendeinem anderen erhalten. Wissen dieser Art macht auch frei von Angst. Philosophie hat auch sehr viel mit einem gestählten (aber nicht unsensiblen) Geist zu tun. Zu philosophieren heißt auch den Tod zu überwinden, es ist die Kunst sterben zu können noch ehe man lebt, um sein Leben auf eine ganz neue Art wiederzuerhalten, dieses Mal jedoch ohne sich vor dem (physischen) Tod noch im geringsten zu fürchten. Beispiele für todesmutige Philosophen waren Sokrates und Seneca, die beide für ihre Überzeugung, die Wahrheit, starben, ohne zu lamentieren oder auch nur im geringsten einen Versuch zu unternehmen ihr Leben zu retten, auch wenn dies (zumindest in Sokrates Fall) leicht möglich gewesen wäre.

3.) Die Philosophie hat den Zweck die Seele des Menschen zu formen.
Philosophie ist weit mehr als die Schulung des Denkens eines Menschen. Gerade der Charakter spielt eine ganz zentrale Rolle, denn so gut die kognitiven Fähigkeiten auch sein mögen, ohne eine entsprechende Tugendhaftigkeit, sind geistige Höchstleistungen nicht möglich. Charakter und Denken gehen Hand in Hand, ja der Charakter hat den Vorrang der beiden, denn des Menschen Charakter ist sein Schicksal. Menschen „gut“ zu machen, ist ebenso des Philosophen, wie des Theologen Anliegen. Beide dienen damit der Menschheit und Gott, sofern man an diesen glaubt.

4.) Das Ziel der Philosophie ist die Wahrheit zu finden. Insofern gleicht sie dem Glauben.
Die Suche nach der Wahrheit ist das höchste und edelste Bestreben der Philosophie. Aber gerade dieser vierte Punkt ist derjenige, der in unserer Zeit am meisten angegriffen wird und deshalb nicht wenige moderne Philosophen dazu gelangt sind ,die Suche nach dieser Wahrheit, zumindest sofern es sich um eine Absolutheit handeln soll, aufzugeben. Die Suche nach der Wahrheit ist immer noch nicht passé und soll es auch niemals sein. Doch darf man nicht im Namen der Wahrheit Grausamkeiten an den Mitmenschen begehen. Die Wahrheit ist nichts, was einer besitzen kann (ebenso wie Gott), dass er quasi mit sich in der Tasche herumführen kann, um sie als Waffe gegen jeden anderen einzusetzen, der sich ihm widersetzt oder sich ob seiner Einsicht bewundern zu lassen. Mancher vermeintliche Verfechter der Wahrheit ist im Grunde ein Verfechter der Grausamkeit.

Auch ist mir hier wichtig festzustellen, dass Philosophie im Grunde keine „Elfenbeinturmbeschäftigung“ ist, sondern eine durch und durch praktische Wissenschaft ist. Auch die Leistung von Philosophen muss an der tatsächlichen Wirkung ihrer Gedanken in der Welt gemessen werden. Selbst der klügste Philosoph versagt, wenn er es nicht fertig bringt in den Geist anderer einzudringen und dort deren Denken zu verändern. Die Leistung der Philosophie als Ganze kann daran gemessen werden, wie gut sie die Menschen zum Denken bringen kann und wie sehr sich das tugendhafte Verhalten der Menschen in der Welt ausbreitet.

Samstag, 15. Oktober 2011

Freiheit und Gewissheit

Viel wird unter den Menschen über die Freiheit gesprochen und es gibt wohl kaum ein Individuum, zumindest in der westlichen Welt, das nicht die Freiheit zu einem seiner höchsten Werte erkoren hat.

Dabei machen wir es uns aber alle viel zu leicht, indem wir auf der einen Seite „Freiheit“ rufen, auf der anderen aber wollen, dass unser Leben in bekannten Bahnen verläuft, in Sicherheit verläuft. Wenn wir Freiheit wollen, dann fühlen wir uns folglich im Augenblick unfrei. Was wir also scheinbar wollen eine Änderung unserer Umstände. Auf der anderen Seite aber fürchten wir uns aber gerade vor so einer Änderung. Es ist nämlich ein Widerspruch in sich, sowohl Freiheit als auch Gewissheit haben zu wollen. Wenn die Welt wirklich gewiss wäre, das heißt, wenn es keinen Spielraum für den Zufall, für die Spontaneität, gäbe, dann ist die „Freiheit“ für immer unerfüllbar. Ihr Wesen besteht ja gerade darin, dass die Zukunft noch nicht geschrieben ist, dass diese noch nicht fest steht. Es ist das uralte Problem (nicht nur für die Philosophen und Theologen), ob der Mensch einen freien Willen hat, oder ob alles determiniert ist, oder ob es zwischen diesen beiden Polen vielleicht auch einen Mittelweg gibt. Eines jedoch ist gewiss: Je größer die Vorherbestimmtheit in diesem Universum ist, desto geringer ist die Freiheit des Menschen. Im Extremfall, wenn alles Schicksal ist, dann hat der Mensch überhaupt keinen freien Willen, dann gibt es aber im gesamten Kosmos keine Freiheit. In so einem Fall nach Freiheit zu streben wäre wie Luftschlösser bauen. Gesetzt diesen Fall, dann gäbe es für den Menschen aber auch keine Hoffnung und man müsste mit gesenkten Haupt resignierend sagen, wie es leider ohnehin schon so oft vorkommt, „da kann man halt nichts machen.“

Vielen Menschen scheinen die logischen Widersprüche nicht aufzufallen und gerade darin dürfte ein großer Teil des menschlichen Leids liegen. Wenn wir glauben, wir könnten die Freiheit haben, ohne dafür einen Preis zu bezahlen, dann befinden wir uns damit gehörig auf dem Holzweg. Wir machen uns meist keine Vorstellungen davon wie viele Dinge in unserem Leben zufällig sind. Die moderne Physik hat bewiesen, dass der Zufall ein ganz entscheidender Faktor im Universum ist. Uns Menschen mag dies nicht gefallen, es gibt uns das Gefühl von Unbedeutendheit und leicht kann einer sich dabei als Opfer von höheren Mächten fühlen – egal ob von natürlichen oder übernatürlichen.

Man kann das Ganze aber auch von einer anderen Seite betrachten. Wenn ich hier ein Vergleich ziehen darf, dann würde ich meinen, dass das, was für das Universum der Zufall ist, im Bereich des Menschen die Spontaneität ist. Es hat sich oft genug gezeigt, dass der Mensch niemals gut fährt, wenn er sich gegen die Natur stellt. Das Glück des Menschen kann überhaupt nur im Einklang mit der Natur, auch mit seiner eigenen, niemals im Kampf gegen diese, gefunden werden. Wir sind leider immer noch negativ geprägt von kulturellen Verhaltensweisen und Denkmustern, die uns jahrhundertelang Anderes gelehrt haben.

Die Freiheit des Menschen besteht nicht darin Dinge vorherzusehen, die geschehen werden, sondern in der Erlaubnis auf jede sich bietende Situation im Leben bestmöglich zu reagieren. Freiheit ist in erster Linie nichts Rechtliches auch nichts Soziales, sondern Psychologisches! Aber das wahre Problem liegt darin, dass die wenigsten Menschen die Freiheit haben immer das Richtige zu tun. Das liegt einerseits an der Erziehung und der Sozialisation, andererseits an den Gewohnheiten, die der Mensch sich angeeignet hat. In diesen liegt die wahre Unfreiheit des Menschen. Nur wer daran arbeitet, das heißt an seinem Inneren, der kann hoffen eines Tages eine größere Reichweite seiner Freiheit zu erreichen. Versuche die rechtliche Situation zu verbessern oder die sozialen Gegebenheiten für die Menschen günstiger zu gestalten, hilft nur sehr wenig. In Wahrheit untermauern sie ja gerade die Opferhaltung des Menschen und machen den einzelnen glauben, es seien vor allem äußere Kräfte, auf die er einwirken müsse, um sein Leben in bessere Bahnen zu lenken.

Wir Menschen machen einen großen Fehler, wenn wir glauben, wir könnten frei sein, ohne dabei die entsprechende Höhe des Charakter erreicht zu haben. Die Freiheit bedeute nämlich auch, dass wir auf die Bestimmtheit des Lebens und unseres persönlichen Schicksal verzichten! Es heißt, dass wir bereit sind völlige Verantwortung, und das heißt wahrhaft zu 100 Prozent, für das Leben zu übernehmen. Die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung eines Charakters überhaupt ist der Mut. Schon Aristoteles wusste, dass es ohne diese Grundtugend keine anderen Tugenden geben kann. Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir vielleicht statt Freiheit Gemütlichkeit und Stressfreiheit meinen, was wir wirklich wollen. Ist dem so, dann dürfen wir aber nicht den Begriff „Freiheit“ in den Mund nehmen.

Der Mensch möchte seinem Wesen nach gut sein, doch allzu oft gelingt ihm dies nicht. Schon der Heilige Paulus schrieb in seinen Briefen, dass er nicht das Gute, das er wolle tue, sondern das Böse, das er nicht wolle. Wir sollten deshalb nachsichtiger mit uns selbst und anderen sein, ohne dabei nachlässig zu werden. Die hohen charakterlichen Ideale sind niemals erreichbar, trotzdem dienen sie uns als Kompass, um uns nach dem Rechten auszurichten. „Der Mensch is guat. Nur de Leit san a Gsindl!“, sagte schon Johann Nepomuk Nestroy.

Haben wir den Mut frei zu sein und uns nicht vor dem Unbekannten zu fürchten!

Freitag, 1. Juli 2011

Ritterlichkeit – ein zeitloser Moralkodex

Der Mensch der heutigen Zeit findet sich in einer pluralistischen Welt, die ihm oft mehr Last als Befreiung und Erfüllung ist. Umso schwerer fällt es dem einzelnen für sich selbst ein rechtes Maß zu halten und Prinzipien ausfindig zu machen, anhand derer er sein Leben ausrichten kann. Gerade die Vielfalt der Möglichkeiten wird uns allen oft zum Unheil. Ich will hier deshalb recht kurz einen Kodex darstellen, der zwar seit langem bekannt, aber doch zu jeder Zeit anwendbar ist und es dem einzelnen ermöglich, sowohl ein vernünftiges, als auch ein sinnreiches und erfolgreiches Leben zu führen. Dabei handelt es sich nicht um Regeln, die einem genau vorschreiben würden, wie man handeln soll, sondern die Verantwortung des Menschen berücksichtigen selbständig zu denken, doch im Rahmen von fixen Prinzipien. Wovon ich spreche, das ist der Code der Ritterlichkeit. Der Moralkodex nachdem die abendländischen Ritter ihr Leben lebten. Dieser Kodex ist auch in unserer Zeit das moralisch Beste, was die Menschheit je hervorgebracht hat. In der Folge nun die Prinzipien und jeweils ein kurzer Kommentar dazu. Ich gehe hier nur auf die abendländische Ritterlichkeit ein, wenngleich es auch gute Kodizes aus anderen Kulturkreisen gibt, insbesondere aus Japan, in Form des Hagakure, der Yamamoto Tsunetomo.

1.) Maßhaltung
Ein guter, vernünftig handelnder Mensch hat erkannt, dass das rechte Handeln darin besteht di Exzesse zu vermeiden. Die Bedürfnisse müssen auf vernünftige und taugliche Weise befriedigt werden, ohne dabei sich zu übernehmen. Dieses Gebot schließ den Hedonismus genauso wie die Askese aus. Jedoch gibt es auch Werte, deren Mitte gerade in dem Übermaß besteht, dazu gehört etwa die Liebe, insbesondere die Liebe zu Gott.

2.) Glaube
Das Gebot des Glaubens und der Liebe gehören untrennbar zusammen. Ein Ritter ist ein gläubiger Mensch, niemals kann er ein Atheist oder Agnostiker zu sein.

3.) Zucht
Darunter sind Anstand und Wohlerzogenheit zu verstehen. In diesen Bereich gehört auch die Höflichkeit. Höflichkeit unterstützt die Ehre und zwar auch dann, wenn die Person, mit der man es zu tun hat, selbst nicht höflich ist. Es gibt zwischen Menschen einen Bereich, dem völlig klar ist, dass Höflichkeit das an sich richtige Verhalten ist. Rüpelhaftigkeit mag versuchen sich darüber hinweg zu helfen, doch kein Mann (und auch keine Frau) kann für sich Ehre und auch Selbstwert beanspruchen, der nicht höflich gegenüber dem Mitmenschen ist.

4.) Ehre
Ehre bedeutet Ansehen und Würde. Damit ist eine soziale Eigenschaft gemeint. Niemand hat Ehre an sich, sondern es ist die Bezogenheit auf den anderen, die einem Ehre verschafft. Ehre hat mit Prinzipientreue zu tun und ist unabhängig von Wohlwollen, von der Zu- oder Abneigung der Mitmenschen. Ehre erhält man dadurch, dass man etwas tut, das Achtung abverlangt, selbst von den eigenen Feinden.

5.) Treue
Treue steht in engem Zusammenhang zum vorigen Punkt, der Ehre. Treue heißt einem anderen beizustehen, mit ihm durch dick und dünn zu gehen. Damit ist die Treue unter Freunden ebenso gemeint, wie gegenüber dem Ehepartner. Ein treuer Mensch würde die Ehe niemals brechen, auch würde er niemals auch Oportunitätsgründen die „Fronten“ wechseln, sprich den „König“ zu verlasen.

6.) Hoher Mut
Ein edler Mensch ist kein Pessimist, er weiß, dass sein Leben in einem größeren Zusammenhang steht und glaubt an das grundsätzlich Gute in der Schöpfung. Der Ritter bekämpft das Böse, vertraut darauf aber auf die Kraft, die ihm von ultimativ Guten, Gott, zufließt, denn er weiß, dass er aus sich heraus nichts ist, nur durch Gott ist der Ritter in der Lage Gutes und Edles zu tun.

7.) Demut
Demut verhindert, dass ein Mensch den Bezug zur Realität verliert, vor allem dann, wenn er siegt, wenn er Erfolg hat. Demut sorgt dafür, dass der Ritter sich klar ist, dass Erfolg eine Gnade und kein Recht ist.

8.) Milde
Darunter ist zu verstehen, dass der edle Mensch ein sozialer Mensch ist. Er kümmert sich um seine Mitmenschen, vor allem um jene, denen es schlecht im Leben geht, und das ganze ohne sich mit den Mittellosen gemein zu machen. Er bleibt edel im Geben, sowie er edel im Nehmen ist, ohne in Anspruchsdenken zu verfallen.

9.) Würde / edler Stand
Adel im eigentlichen Sinne ist kein Geburtsrecht, sondern eine Eigenschaft, die einem aufgrund des Verhaltens zueigen wird. Würdevoll kann jeder Mensch sein, auch derjenige, der über keine Macht und keine materillen Ressourcen verfügt. Die Würde des Menschen kommt von seinem Sein, nicht von seinem Haben.

10.) Beständigkeit
Ein Ritter ist verlässlich, er führt zu Ende, was er begonnen hat. Er sagt nicht eine Sache zu dem einen und eine andere zu einem anderen. Man kann sich auf ihn verlassen und er bleibt bei der Sache, zu der er sich verpflichtet hat.

11.) Güte
Der edle Mensch hat einen harten Geist, aber ein weiches Herz, er erbarmt sich seiner Mitmenschen, er tut das Gute und nicht das Böse.

12.) Tapferkeit
Der Ritter ist mutig, er scheut den Konflikt nicht, im Gegenteil, er sucht den Konflikt sogar, wenn dadurch das Gute erreicht werden kann. Der Ritter wünscht den Frieden, aber er weiß, dass es oft der Krieg ist, der der Garant für Frieden ist.

13.) Fleiß und Dienstbereitschaftkeit
Trägheit ist eine der sieben Todsünden. Der edle Mensch ist ein aktiver, ein tätiger, Mensch. Er weiß, dass es seine Aufgabe ist die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Er ist tatkräftig und scheut sich nicht zuzupacken. Freizeit ist zwar nicht unerwünscht, aber die Tätigkeit liegt dem Ritter näher als die Passivität.

14.) Verstand und Weisheit
Der edle Mensch ist nicht nur ein vernunftbegabter Mensch, sondern auch einer, der sich der Vernunft bedient. Insofern folgt er Kants Aufforderung sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Doch er ist kein Aufklärer, nicht weil er diese für schlicht hielte, sondern weil er kennte, dass das naturalistisch-rationalistische Weltbild die Wirklichkeit einschränkt. Der Ritter kümmert sich um die Realität als Ganzes, wozu natürlich der Verstand gehört, aber auch das Gefühl, die Intuition, als auch der Glaube. Weisheit und Wahrheit, nicht das bloße Wissen, sind die Ideale des idealen Menschen.

15.) Schönheit
Der edle Mensch ist ein Dichter und Künstler, er weiß, dass die Entwicklungsachsen des Menschen dreifach sind: die Vernunft, die Liebe und die Kreativität. Gerade in der Kreativität ist ein Ausdruck des Göttlichen, das durch den Menschen wirkt. Der Ritter ist ein Homo sapiens, als auch ein Homo Faber, mit Sicherheit ist er kein Homo Consumens und damit eine Anomalie in der modernen Welt. Doch er bezieht sein Selbstverständnis, den Sinn seines Lebens nicht aus diesem Universum, sondern aus Gott. Und damit ist er seinen Mitmenschen, die im rein Materiellen leben überlegen.

16.) Reichtum
Reichtum bezieht sich weniger auf das Materielle, sondern auf das Ideelle und vor allem das Spirituelle. Wer das Königreich in seinem Inneren gefunden hat, der braucht sich um die Versorgung in der Welt nicht zu sorgen.

Diese 16 Punkte sollen nicht einfach akzeptier werden, sondern sollen durch den eigenen Verstand wandern und reflektiert werden. Man muss sich selbst treu bleiben und nicht von anderen vorschreiben lassen, wie man sein Leben leben soll. Doch eines darf man niemals vergessen: Wenn dieses Universum alles ist, was es gibt, dann ist das Leben absurd, dann gibt es auch keinen Grund zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, doch der Sinn des Lebens leitet sich nur aus dem her, was diese Welt (das Universum) transzendiert. Doch die eigentliche Frage ist, wer heute noch dazu in der Lage ist. Wer ist noch so edel sein Leben in einen größeren (außerkosmischen) Zusammenhang zu stellen? Das ist die Frage, die das Leben an den postmodernen Menschen stellt. Wer kann sie richtig beantworten?

Dienstag, 21. Juni 2011

Die Gefahr menschlicher Überheblichkeit

Es gibt kaum ein größeres Übel, als wenn sich der Mensch selbst für das Maß aller Dinge hält, wenn er glaubt keine Prinzipien und schon gar keine persönliche Macht, die über ihn selbst hinaus geht anerkennen möchte. Die naive Mensch schaut sich die Welt an und glaubt die Dinge, die ihn umgeben zu verstehen und wähnt sich bald als das einzige intelligente Wesen. Er verneint das Vorhandensein von absoluten Werten, von einer umfassenden Erkenntnis von Richtig und Falsch und als Folge dieses Glaubens stellt er ein Dogma aus, das da heißt, dass alle Dinge relativ seien, ohne dabei zu erkennen, dass dann auch diese Aussage selbst relativ sein müsste und damit das Tor zur Absolutheit immer noch so offen ist wie eh und je. Aber, wie jeder denkende Mensch weiß kommt der Hochmut immer vor dem Fall und die Geschichte legt ein beredtes Zeugnis dafür ab. Doch gilt dies nicht nur für die offiziell anerkannte Geschichte, sondern auch für jenen Frühbereich der menschlichen Geschichte, den manche für bloße Legende halten oder die Berichte darüber für reine Metaphern gehalten werden.

Im 11. Kapitel des 1. Buch Mose, der Genesis, lesen wir vom Turmbau zu Babel. Zwar ist den allermeisten Menschen dieser Bericht bekannt, doch die allerwenigsten können heute noch etwas Konkretes damit anfangen und die Lehre, die damit im Zusammenhang steht verstehen. Aber dieses kurze Kapitel der Heiligen Schrift berichtet nicht von einer Nebensächlichkeit der menschlichen Geschichte, sondern behandelt einen ganz zentralen Punkt der menschlichen Gemeinschaft und ihrer politischen und sozialen Bestrebungen. Es wird davon berichtet, dass einst unter allen Menschen die verbale Kommunikation keine Schwierigkeiten bereitet hatte, da alle dieselbe Sprache hatten. Dies ermöglichte natürlich eine leichtere Zusammenarbeit und gemeinsame Projekte ließen sich leichter verwirklichen. Die Menschheit hatte sich gewaltig über den Erdboden vermehrt, so wie es Gott den ersten Menschen aufgetragen hatte, indem er sie dazu aufrief sich zu vermehren und fruchtbar zu sein. Die Menschen befürchteten offenbar bald, dass es ihnen schwer fallen dürfte ihre Einheit zu bewahren, wenn sie nicht sich an einem zentralen Punkt sammelten und ein Symbol ihrer Einheit errichteten. Allem Anschein nach hatten sich viele bereits von ihrem Schöpfer entfernt oder zweifelten gar seine Existenz an. Deshalb schien es notwendig ein irdisches Symbol zu errichten, das
den Menschen als Mittelpunkt der Welt und ihrer Bestrebungen dienen sollte.

Die Bibel berichtet darüber, dass aus gebackenen Lehmziegeln (etwas, das nur für außergewöhnliche Bauten verwendet wurde) und Erdpech (Erdöl, wie auch beim Garten der Semiramis) ein gigantischer Turm errichtet werden sollten. Die Menschen machten sich also im Land Schinar, dem heutigen Irak, daran, dort wo die Stadt Babel (Babylon) errichtet wurde, dieses monumentale Bauwerk (die Spitze sollte bis zum Himmel reichen) zu errichten. Es sollte das Zentrum der Welt sein, der Triumph des Menschen und seiner Genialität. Der Mensch wollte sich damit „einen Namen“ machen, sich selbst loben und über die Elemente triumphieren. Es wird auch ganz klar angegeben, was der Zweck dieses Mammutvorhabens sein soll: Die Verhinderung, dass sich die Menschen über die ganze Welt zerstreuen.

Es ist kaum anzunehmen, dass alle Menschen dieser Konzentration zustimmten. Viel eher dürften die Mächtigen der damaligen Zeit die Menschen direkt oder indirekt dazu gezwungen haben sich in „Cluster“, sprich Megastädten, für die Babel als Synonym steht, zusammenzuballen. Die Menschen suchten die Gemeinschaft miteinander, nicht aus Liebe, nicht im Sinne Gottes, sondern aus einer Notwendigkeit heraus, wie sie Menschen, die gemeinsam einer Katastrophe unterworfen sind heraus. Nicht die Vernunft, nicht die Liebe zum Schöpfer vereinigte sie, sondern die Panik. Die Angst vor der Anarchie vermag nicht einen Gesellschaftsvertrag zu begründen, der wahre Gültigkeit in Anspruch nehmen kann. Was ist ein Gesetz, und sei es eine Verfassung, schon wert, wenn es nur auf dem Menschen beruht? Es lässt sich nicht stichhaltig begründen, warum sich ein Mensch an vom Menschen gemachte Gesetze halten soll! Eine relative Rechtsordnung, eine, die nur auf dem positiven Recht beruht, ist im Grunde überhaupt keine Rechtsordnung und keiner kann endgültig vom einzelnen verlangen solche Normen einzuhalten. Die relative Rechtsordnung ist immer in Gefahr und ihr Fundament ist nichts anderes, als das, was der österreichische Rechtstheoretiker Hans Kelsen als „Grundnorm“ bezeichnet hat. Diese, ist aber kein Gesetz und kein Prinzip, sondern nichts anderes, als die (klägliche) Aufforderung, man solle sich einfach an das Gesetz halten, ohne dies selbst begründen zu können. Kelsen hat damit den radikalen Relativismus in die Rechtsordnung eingelassen und die Jurisprudenz hat den Sündenfall begangen dies zu akzeptieren. Das positive Recht kann und darf von einem vernünftigen und mit Gewissen begabten Menschen niemals als Recht anerkannt werden! Er ist seinem Wesen nach heiße Luft, keine Sache mit Substanz und keiner braucht sich daran zu halten! Vom philosophischen und vom absoluten Standpunkt der Wahrheit her ist die Befolgung solcher Normen nicht zu rechtfertigen!

Im Turm von Babel kommt auch zum Ausdruck, dass der Mensch ein Werk erschaffen wollte, das als Zentrum der Menschheit dienen sollte, ohne dass dabei der Glaube an Gott notwendig gewesen wäre. Wichtig war nur diesen gemeinsamen großen Götzen anzubeten. Ein Götze ist immer eine Erniedrigung des Menschen und der Schöpfung, denn anstatt den wahren Schöpfer, Gott, anzubeten, betet der Mensch etwas an, das er selbst geschaffen hat. Wann immer dies aber geschieht macht der Mensch sich zu weniger, als er selbst ist und die endgültige Folge ist, dass der Mensch zu Tier wird, wie es geschieht, wenn ein Mensch einen anderen Menschen anbetet. Götzendienst besteht immer dort, wo die Schöpfung oder ein Teil davon anbetet. Es ist dies aber nicht nur eine Erniedrigung, sondern auch eine Dummheit, denn wer will schon anbeteten, was weniger ist als er selbst? Alle Menschen sind von Gott geschaffen, alle sind gleich, einen Menschen anzubeten heißt immer irrational zu handelt, aber auch wer ein Geschöpf oder auch das Universum anbetet handelt so, denn alle Planeten, Monde, Sterne und Galaxien wurden für den Menschen alleine geschaffen. Diese anzubeten ist eine Umkehrung der Realität. Über dem Menschen steht nur Gott und deshalb ist auch seine Anbetung nicht nur das einzig Vernünftige sondern auch das einzig Richtige.

Aber Gott hatte im Falle Babel eingegriffen und dem unseligen Treiben der Menschen ein gerechtes Ende gesetzt. Es war dies eine Liebestat Gottes, wie auch die Sintflut eine solche Liebestat gewesen. Denn hätte Gott die Menschen und das Leben auf der Erde vernichtet, hätten die Menschen alles vernichtet und es hätte für uns alle keine Rettung gegeben. Wir sollten deshalb für die frühere Vernichtung der Welt durch die Flut, für die Sprachverwirrung zu Babel und die Zerstörung von Sodom und Gomorra dankbar sein, ohne diese Taten hätten wir heutigen Menschen keine Chance auf das Heil!

Doch wenn wir uns die Welt von heute ansehen, dann gibt es die gleichen Bestrebungen von damals auch heute wieder. Wieder träumen Menschen davon die Welt zu vereinigen, eine globale Kultur der Einheit zu schaffen und den Weltfrieden herbeizuführen. Meine Lieben, wenn einer von Geld spricht, dann hat er meistens Schulden, wenn einer von Essen spricht, dann hat er meistens Hunger und wenn einer von Frieden spricht, dann will er meist den Krieg! Keiner ist so gefährlich wie die Menschen, die ständig vom Frieden, von Harmonie und weltweiter Verständigung sprechen. Der Friede, das heißt, der wahre Friede, ist eine großartige Sache und etwas, das wir uns alle wünschen, doch es gibt auch eine Zeit des Krieges und wir dürfen unsere Augen nicht vor der Wirklichkeit verschließen, Gott der Allmächtige, hat und auf Erden kein Paradies versprochen, es gibt eine Zeit, in der die Schwerter zu Pflugscharen werden, doch zuvor gibt es noch eine Zeit, in der die Pflugscharen zu Schwertern geschmiedet werden (lassen wir uns nicht täuschen, picken wir uns nicht nur die Rosinen aus der Bibel heraus). Die Zeichen der Zeit sind dem Weisen immer bekannt gewesen.

Es gab sogar schon Politiker der Europäischen Union, die mit Hinweis auf das Aussehen des Parlaments in Straßburg (den klassischen Gemälden zum Turm von Babel nicht unähnlich) darauf hinwiesen, dass es zwar damals nicht geglückt sei diese menschliche Einheit zu errichten, dass es ab dieses Mal gelingen würde, völlig vermessen eine neue Ära der Menschenherrschaft propagierten. Bevor die Europäische Union sich ausdehnt und versucht ihre (gottlosen) Werte über die Welt drüber zu stülpen ist es mit Fug und Recht zu sagen, dass es besser wäre das Europa der Nationalstaaten würde wieder auferstehen und der Kontinent würde in einem 1000jährigen Krieg versinken, nach dem Muster wie wir es 1914-18 und 1939-45 erlebt haben, das wäre immer noch das geringere Übel. Der einzige Frieden, der besser ist als der Krieg, das ist ein Frieden, der sich aus Gottes Zustimmung ableitet, alles andere ist höchst suspekt! Pax divina solo pax vera est!

Gott zerstreute die Menschen über die ganze Erde und rettete so nicht nur die Erde, sondern auch den Menschen vor seinem Untergang. Gott hat nie zum Schaden, sondern immer nur zum Nutzen des Menschen gehandelt, und die Verwirrung der Sprachen bildet darin keine Ausnahme. Der Mensch findet keine Einheit, außer im Supranaturalen, alle anderen Bestrebungen haben am Ende nur die Diktatur zur Folge auf die die totale Vernichtung folgt, denn in Wahrheit kann kein Mensch einen anderen Menschen beherrschen, nur der Anschein der Angst kann einem diese Illusion verschaffen.

Babel heißt übrigens Wirrsal und weist damit auf die Verwirrung der Sprachen (und damit der Einheit der Menschen) hin. In der Bibel steht Babel, bzw. Babylon, stets für das Böse, für den Widersacher (Teufel). `Der Teufel reitet den Menschen´, meinte noch Luther doch heute ist es die Verwirrung, die sich wie eine wilde Mustangherde über die Erde ausbreitet, die von niemandem mehr geritten wird und deshalb schlimmer ist, als wenn eine konkrete Person des Bösen, den Menschen `reiten´ würde.

Wann immer es je eine Vereinigung aller Menschen geben sollte, dann darf dies nur unter der Führung des einen Gottes, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs geschehen, dem einzig wahren Gott. Die Lehre, die aus der Geschichte vom Turmbau zu Babel zu ziehen ist, ist jene, dass es keine wahre Gemeinschaft der Menschen, trotz hoher Kultur, geben kann, wenn es keine gemeinsame Ausrichtung der Menschen auf die persönliche transzendentale Schöpferperson, die wir als Gott kennen, gibt!

Schema Israel, Adonai, Elohenu, Adonai echod!

Sonntag, 12. Juni 2011

Der Bruch im Menschen

Wie sich ein Mensch auch immer im äußeren verhalten mag, wie sehr er sich auch bemühen mag ein erfolgreiches und glückliches Aussehen der Welt präsentieren möchte, so kann er doch nicht darüber hinweg in sich selbst eine tiefe Gespaltenheit zu empfinden, eine gravierende Entfremdung zwischen sich und dem anderen, zwischen sich und der Schöpfung als Ganzes. All der materielle Wohlstand, all die Segnungen der modernen Welt tragen dazu bei. Untersuchungen zeigen seit Jahrzehnten, dass das Glücksniveau des Menschen nicht zugenommen hat, auch wenn sich der Reichtum um ein Vierfaches erhöht hat. Die seelische und geistige Not des Menschen ist geblieben und ist eine Konstante durch das ganze Leben hindurch. Fast könnte man sagen, dass die Gebrochenheit des Menschen die Größe ist, die über sein ganzes Leben hinweg am stabilsten bleibt.

Woran liegt das nun? Nun, es gibt sehr viele Erklärungen dafür, angefangen über die Philosophie, die Psychologie und die Soziologie bis hin zu den Geschichtswissenschaften, die alle ihre eigenen Erklärungen für dieses Phänomen haben. Einige sehen in der Arbeitsweise des modernen Menschen die Ursache, andere glauben es seine die sozialen Umständen, wieder andere meinen der Mensch wissen nicht wer er sei und seit ständig auf der Suche nach etwas, das er gar nicht definieren könne, eine Unzufriedenheit, die sich schwer erklären, aber nicht wegleugnen ließe. Der Mensch seit tot und es lebe die Sache, meinte der Humanist Erich Fromm und die humanistische Psychologie, etwa vertreten durch Abraham Maslow, zeigte ein Menschenbild auf, das bestechend schien: der Selbstverwirklichende Mensch, der psychisch gesunde Mensch. Das war in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als der Glaube an Fortschritt und die Errungenschaften der modernen Technik unbegrenzt schien. Man glaubte, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch zur totalen Herrschaft über alle Dinge in der Lage sei, bis alles Übel beseitigt sein und für jedes Problem eine Lösung durch Wissenschaft und Forschung gefunden worden sei.

Nachdem der Relativismus die alten Vorstellungen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstört hatte, einerseits die Relativitätstheorie von Einstein, die Unschärferelation von Heisenberg und die Psychoanalyse von Freude, schien der neu aufkommende Humanismus nach dem Zweiten Weltkrieg den Menschen noch einmal Hoffnung zu machen auf eine bessere Zukunft.

Das alles ist nun erst ein paar Jahrzehnte her. Und was ist seither geschehen? Wir glauben nicht mehr so sehr an den Fortschritt, zu viele „Unfälle“ zu viele Fehlentwicklungen und fatale Irrtümer haben uns gezeigt, dass Wissenschaft und Forschung nicht vermögen dem Menschen sein Heil zu bringen. Wir sind immer skeptischer geworden und manche verfallen in stupiden stumpfen Aberglauben zurück, weil sie in einer skurrilen Rückbesinnung als Altes ihre Rettung suchen. Damit meine ich vor allem die Esoterik und alles, was man im angloamerikanischen Raum unter dem Begriff „New Age“ kenn. Wir haben die Moderne hinter uns gelassen und sind in der Postmoderne angekommen, manche meinen sogar schon in der Post-Post-Moderne. Aber ganz egal, wie man unsere Zeit auch einmal nennen wird, welche Bezeichnung zukünftige Historiker für unsere Ära einmal finden werden, das alte Problem des Menschen, seine Getrenntheit von der Welt bleibt bestehen.

Auch der Humanismus hat versagt und hätte man ihn eindringlicher, das heißt radikaler, bis an die Wurzel, verfolgt, so wäre man schon lange drauf gekommen, dass der Mensch kein Heil im Humanismus finden kann. Der Mensch selbst ist nicht Gott, auch trägt er nicht Gott in sich, er ermangelt völlig des Heils und ist nicht in der Lage sich selbst je heil zu machen. Das gilt sowohl für das Individuum, als auch für das Kollektiv. Es gibt weder ein Heil durch die Gesellschaft, wie die säkularen Heilsreligionen des 19. und 20. Jahrhunderts glaubten, als auch kein Heil durch das Individuum. Doch was bleibt uns dann noch offen?

Der Mensch hat offensichtlich ein Bedürfnis, das durch nichts in der Welt befriedigt werden kann, es ist dieses Bedürfnis nach etwas Höherem, etwas, das über das Rationale und Naturalistische hinausgeht. Aber macht ein solches Bedürfnis Sinn? Ist es nicht eine Illusion an ein solches Bedürfnis oder an die Möglichkeit seiner Befriedigung zu glauben? Ganz und gar nicht! Wir unterstellen keinem sonstigen Bedürfnis, dass es sinnlos ist. Wenn wir Hunger haben, steht dem Nahrung bereit, bei sozialen Bedürfnissen gibt es unsere Mitmenschen und beim Bedürfnis die Welt zu verstehen haben wir unsere Sinn und unseren Verstand zu verfügen. Jedem Bedürfnis entspricht auch ein taugliches Mittel zur Befriedigung. Dem Bedürfnis nach dem Transzendenten steht die Welt als „Sprungbrett“ zur Verfügung. In der Welt selbst, aber auch im Inneren des Menschen gibt es jedoch nichts, was dieses Bedürfnis erfüllen kann. Wie wäre es, wenn wir einsähen, dass dieses Bedürfnis auf das tatsächliche Vorhandensein einer persönlichen Schöpfergestalt, wie wir sie in Gott erkennen, hinweist? Denn wie der Gläubige bezeugen kann ist Gott die ideale Erfüllung dieses Bedürfnisses und zwar nicht als Illusion oder Gestalt, die der Mensch sich selbst schafft, sondern auf eine reale, persönliche Entität, so wie sie die Bibel beschreibt.

Wie auch immer, was bleibt ist, dass der Mensch aus sich selbst nicht zum Heil gelangen kann und dass alle Versuche in diese Richtung zum Scheitern verurteilt sind. Die Gebrochenheit des Menschen ist kein Unfall, ist keine Anomalie, sondern ist seine Natur. Aus dieser kann er nicht heraus. Der Mensch spürt diese Trennung, doch er verwendet meist untaugliche Mittel, um damit fertig zu werden: Psychotherapie, Meditation, Lustbefriedigung, soziale Anerkennung etc. Der Mensch ist von seinem Schöpfer getrennt. Diese Trennung nennt die Bibel Sünde. Der Mensch kann aus sich heraus keine Befreiung erlangen, er ist sündhaft und ermangelt des Guten. Keiner verdient das Gute, nicht einer, durch kein Werk kann einer erlöst werden, nur durch die Gnade alleine.

Jeder Mensch ist ein Zeugnis dafür, dass die Erbsünde real ist und existiert seit es Menschen auf der Welt gibt. Sie ist eine Realität und keine theologische Erfindung. Alle Menschen sind Sünder und keiner kann sich retten, keiner kann sich davon befreien. Es ist ein reine Gnade, wenn dies durch Gott, durch Jesus Christus, geschieht. Erkennen wir unsere wahre Natur! Erkennen wird, dass der Mensch ein Sünder ist, von Anfang an, nur so kann die Rettung erfolgen! Metanoia tot Not!

Montag, 14. März 2011

Was macht ein vollkommenes Leben aus?

Jeder Mensch möchte glücklich sein, möchte, dass ein Leben eine Bedeutung hat und nach Möglichkeit versucht auch jeder Spuren zu hinterlassen, die im großen Getriebe dieser Welt sichtbar sein sollen. Der große Psychologe und Psychiater der „Humanistischen Psychologie“ Abraham Maslow hat dazu bereits in den 50er und 60er Jahres des 20. Jahrhunderts bahnbrechende Erkenntnisse geliefert, die seither nicht durch ersetzt werden konnten durch eine andere Sichtweise. Leider hat sich der Optimismus dieser Zeit nicht über die Jahrtausendwende hinweg retten können und ein Pessimismus, eine Gravitation des „Bösen“ hat sich darüber gelagert, die uns alle in den Abgrund zieht. Doch sollten wir alle daran arbeiten die Welt zu eine besseren Ort zu machen, ungeachtet dessen, was um uns herum auch Negatives geschieht (was keinesfalls verneint werden sollte). Denn ohne positive Sicht der Dinge in der Zukunft hat die Welt und die Menschheit keine Chance! Maslow stellt zur Untermauerung seiner Thesen 8 Punkte von sogenannten „Selbstverwirklichenden Menschen“ auf, dazu 10 Prinzipien, auf denen eine positive Psychologie beruhen müsse. Ich möchte im Folgenden diese vorstellen. Ich möchte dies nur ganz kurz darstellen, ohne vieler Worte zu machen und eine lange Erklärung dafür zu geben:

Die acht Punkte, der Befreiung, bzw. der Anforderungen, um ein „Selbstverwirklichender Mensch zu werden).

1.) Die Dinge im Leben bewusst erleben, sich der Welt öffnen und dafür sorgen, dass man viele verschiedene lebendige Erfahrungen macht. Lebe ganz im Hier und Jetzt! Dazu muss man aber die Angst in sich besiegen, denn ansonsten ist man zu sehr auf die eigenen Gedanken fokussiert und kann die Welt um sich herum nur teilweise wahrnehmen.
2.) Das Leben ist ein ständiger Kampf zwischen Sicherheit und Wachstum. Triff mindestens ein dutzend Mal am Tag die Entscheidung dich für das Wachstum zu entscheiden. Tue etwas Neues, etwas, das dich aus der Komfortzone herausbringt. Was gibt einem die meiste Befriedigung im Leben? In dieser Richtung liegt auch das Wachstum.
3.) Verlass dich auf dich selbst, nicht darauf, was andere von dir wollen, dass du fühlst oder denkst. Sei dir selbst treu!
4.) Sei im Zweifel ehrlich. Übernimm volle Verantwortung für dein Leben. Selbstverwirkung kommt durch die Konzentration auf die helle Seite des menschlichen Wesens, nicht auf die dunkle.
5.) Höre auf deinen eigenen Geschmack. Sei darauf vorbereitet unpopulär zu sein. Für Popularität bezahlt man oft einen zu hohen Preis. Sei dir selber treu, auch wenn keiner dir zustimmt.
6.) Verwende deine eigene Intelligenz. Schau, dass du die Dinge, die du tun willst gut machst. Verwende deinen Verstand dazu die geliebten Dinge gut auszuführen. Wenn man Dinge nur halbherzig tut, dann erntet man auch nur halbherzige Resultate. Tu das beste, was du kannst, im Rahmen aller Möglichkeiten, die du hast!
7.) Lerne, was du kannst, und was du nicht kannst. Dann schaue darauf, dass du häufiger Spitzenerlebnisse erlebst. Deshalb muss man sich auf seine natürlichen Talente konzentrieren. 8.) Finde heraus wer du bist - Selbsterkenntnis! Was ist deine Berufung? Was ist deine Mission? Dann entwickle den Mut, diese auch umzusetzen.

Die zehn Prinzipien, auf denen die humanistische Psychologie nach Abraham Maslow beruht:

1.) Optimismus: Die Annahme, das sich die Dinge eher zum Guten, als zum Schlechten entwickeln werden, dass allem im Grunde etwas Gutes zugrunde liegt und dass das Böse viel mehr ein Irrtum, als eine wirkliche Entität im Universum ist. Und wenn es doch so sein sollte, dass die Zukunft davon abhängt, dass wir uns den Aufbauenden, den Konstruktiven Kräften verschreiben, als jenen, die zerstören und vernichten wollen.
2.) Sinn: Alles im Universum hat einen Sinn, nichts ist sinnlos, nichts ist zufällig so, wie es ist. Die stellt das Leben in einen größeren Zusammenhang und gibt Hoffnung auf dein gutes Ende, all dessen, was wir Dasein nennen.
3.) Selbstbewusstsein: Das einzelne Individuum sollte sich seiner selbst bewusst sein und nicht einfach nur, wie ein Automat in der Welt handelt. Es ist wichtig, dass der einzelne weiß, was er tut und dies auch bewusst tut.
4.) Ziele: Alles steuert einem Endziel zu, alles hat Sinn. Was wir tun, tun wir nicht einfach aus sich selbst heraus, sondern mit einer ganz bestimmten Absicht, die sich in ein größeres Ganzes fügt, so dass am Ende alles „gut“ wird.
5.) Aktivität: Anstatt passiv die Dinge geschehen zu lassen, wird der schöpferische Mensch es seinem „Vater“ gleich tun und aktiv in der Welt handeln, um sie zu einem besseren Ort zu machen. Dabei spielt weniger der persönliche Vorteil, als viel mehr das Wohl aller die entscheidende Rolle.
6.) Energie: Selbstverwirklichende Menschen verfügen über ein enormes Maß an Energie und lassen sich nicht von temporären Befindlichkeiten in ihrem Handeln einschränken.
7.) Weisheit: Hier geht es nicht um Klugheit oder Wissen, welches man an Schulen und Universitäten erwerben kann, sondern viel mehr um die Einsicht in den tiefen Grund aller Dinge. Weise zu sein heißt die Dinge zu verstehen, wie sie wirklich sind und nicht so, wie sie (auch durch den Verstand) erscheinen.
8.) Mut: Schon Aristoteles hielt den Mut für die Voraussetzung allen ethischen Handelns. Denn wer nicht mutig ist, der kann auch nicht gut handeln, er ist einfach zu feige dazu. Mut ist deshalb unumgänglich, um ein rechtes Leben zu führen.
9.) Liebe: Liebe zu sich selbst, den Mitmenschen und allem Sein, das ist es, was die treibende Kraft hinter allem ist. Gott ist die Liebe und wer liebt, der ist in Gott, im Grunde ist es recht einfach, wie alle großen Dinge. Doch die Welt weiß nicht davon, deshalb all das menschliche Drama.
10.) Ethos: Der Geist, Gott. Niemand der etwas Größeres als den Menschen und seinen Verstand selbst akzeptiert, wir je zur Vollkommenheit gelangen.


Ich hoffen mit diesem Beitrag den einen oder anderen dazu angeregt zu haben über sein eigenes Wesen und das Wesen seiner Mitmenschen tiefer nachzudenken. Ich wünsche Euch allen eine schöne Woche (auch wenn Japan sich gerade am Rande des Abgrundes befindet und unsere Gedanken bei unseren japanischen Mitbrüdern ist). Möge die Welt ihren Frieden finden!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Leben ohne Sex

Wie gesegnet sind doch die Menschen, die es zu vollbringen vermögen ein Leben ohne die übergroße Last der Sexualität zu leben? Ist es nicht so, dass der gewöhnliche Mensch, kaum, dass er in die Pubertät gelangt ein Bedürfnis verspürt sich eben auch im sexuellen Bereich aktiv zu bewegen? Wie schändlich dies auch vom gesund empfindenden Erdenbürger gesehen werden mag, so beschämend ist es doch zu beobachten, was der Mensch in der Praxis daraus macht und welchen schändlichen Praktiken er sich dann am Ende, trotz aller Gewissensbisse hingibt. So sinkt das Alter der ersten sexuellen Aktivität ständig und wenn man bösen Zungen glauben darf, dann sind es bereits Personen unter vierzehn Jahren die des Geschlechtsverkehrs teilhabend wurden. Doch die eigentlichen Probleme beginnen noch viel früher und die Übersexualisierung der Gesellschaft hat ein Maß erreicht, dass jede Moral mit Füßen tritt und den Zeiten von Sodom und Gomorra gleicht. Wäre es da nicht Recht und billig, wenn die Menschheit das gleiche gerechte Schicksal erlitte, wie die perversen Einwohner jener beiden Städte, die in gutem gerechtem Zorn mit Feuer und Schwefel für immer vom Erdboden vertilgt wurden? Denn alle Menschen sind Sünder und keiner verdient das Himmelreich, alle Menschen verdienen, dass Übel sie vom Tag der Geburt bis zu Grade unaufhörlich quält und dass ihnen Angenehmes nicht widerfährt.
So stellt sich in Anbetracht der üblen Umstände in der sich die Welt heute befindet die Frage, was denn das richtige Verhalten des Menschen wäre. Und da ergibt sich nur der weise Rat des Apostel Paulus, der uns zur ewigen Keuschheit aufruft. Denn der heilige, gute Mensch enthält sich aller sexuellen Handlungen und Gedanken, doch wer sich nicht beherrschen kann und der Sexualität bedarf, für den ist es besser er nimmt sich ein Weib, heiratet und praktiziert dann seine Gelüste in dieser von Gott nicht für unwert befundenen Gemeinschaft, als dass er ohne verheiratet ist sexuellen Handlungen nachgeht. Freilich ist dies nur die zweitbeste Wahl, denn zum Zölibat sind nicht nur die Priester berufen, sondern grundsätzlich alle Nachfolger Christi, alle Erretteten und gerechten Menschen. Doch nicht eine äußere Pflicht, sondern die innere Einstellung soll dies bewirken, denn was wäre ein gerechter Dienst am Herrn, wenn er nicht aus dem Herzen käme, sondern durch äußere Umstände und äußeren Druck auferlegt?
Was sind nun die Vorteile, die damit verbunden sind keinerlei Sexualität zu praktizieren? Es sind deren mannigfaltige und bei genauerem Studium erkennt jeder, der Verstand hat, dass ein solches Leben zu den wertvollsten zählt, die es geben kann. Das zölibatäre Leben stärkt die Willenskraft, die Energie und die Kontrolle, die jemand über sein Leben hat in sehr beträchtlichem Maße. Es wird keine unnütze Zeit an das andere Geschlecht verschwendet und der Mensch ist in seiner Ganzheit offen für Gott und dessen Offenbarungen und Wunder im eigenen Leben. Anstatt um die Aufmerksamkeit des Mannes oder der Frau, die man begehrt zu buhlen, ist alles auf das Ewige und wahrhaft Wertvolle ausgerichtet. Man stelle sich vor ein Priester wäre verheiratet und hätte Kinder, dann ginge eine nicht unbeträchtliche Zeit für diese drauf, die dann im Dienste am Allmächtigen fehlt, eine Schande, die nicht zu rechtfertigen wäre. Zudem macht ein zölibatäres Leben einen viel glücklicher und die Selbstachtung erreicht Höhen von denen die sexuell aktiven Menschen nur zu träumen wagen – glücklich wer von Gott mit einer kaum vorhandenen Libido ausgestattet wurde!
Auch ist die Gesundheit zölibatärer Menschen viel besser als jene von Sexualpraktikanten, es gibt keine Gefahr von Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten – Seuchen, die in der Menschheit um sich greifen und immer schon eine Strafe für sexuelle Aktivität waren. Nicht zu vergessen ist auch die erhöhte Würde des sexuell nicht aktiven Menschen. Katholische Priester werden heute oft auch deshalb angegriffen, weil Menschen sich ihnen unterlegen fühlen – hier haben wir echte Heilige, die sich auf einen schweren Weg begeben haben und die den Unzüchtigen ein Ärgernis sind. Aber gerade die Kritik beweist die Rechtschaffenheit der Heiligen. Wer keine Sexualität praktiziert, begeht auch keine sexuelle Sünde – keinen außerehelichen Geschlechtsverkehr, keine Masturbation, keine Pornographie und ähnliches, die Reinheit des Herzens bleibt erhalten, die bei allen Menschen, die sexuell aktive sind nicht aufrecht erhalten bleiben kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass es keineswegs leicht ist seine sexuellen Aktivitäten völlig einzustellen. Es beginnt damit, dass man alle seine Handlungen diesbezüglich einstellt, doch auch wenn jeder Geschlechtsverkehr, jede Selbstbefriedigung und Pornographie aus dem Leben verschwunden ist, so dauert es doch meist eine ganze Weile, bis auch die Phantasien und Bilder im Kopf verschwunden sind. Hier heißt es auf Posten stehen und standhaft bleiben. Doch auch dieses Übel findet ein Ende und nach vielleicht ein bis zwei Jahren völliger Abstinenz verschwinden auch die geistigen Bilder, die sexuellen Gelüste verschwinden vollkommen und man erfährt eine Freiheit wie nie zuvor im Leben. Dank sei Gott dem Herr, der einen von der Sexualität völlig zu befreien vermag und einem Glückseligkeit zu schenken vermag, wie sie gewöhnliche Menschen leider in ihrem Leben niemals erfahren!
Die spirituelle Reife kann nicht zunehmen solange ein Mensch sexuell noch aktiv ist. Selbst Osho, der fragwürdige hinduistische Guru und Menschenverführer, hat erkannt, dass ab dem Alter von 42 Jahren kein Mensch mehr sexuelle aktiv sein sollte. Es liegt auf der Hand, dass Sexualität ab einem bestimmten Alter nicht nur nicht mehr angemessen, sondern geradezu abscheulich ist (niemand will sich 50jährige im Bett vorstellen!). Zucht und Ordnung, Disziplin und Erhabenheit nehmen zweifellos zu, wenn man der Sexualität entsagt. Die Lebensqualität erreicht neue Höhen und die Lebensfreude kennt keine Grenzen mehr.
Sex schädigt auch die Intelligenz, denn das Gehirn wird ständig mit chemischen Botenstoffen überschwemmt, die die Aktivitäten auf die Reproduktion lenken, anstatt auf wirklich wertvolle menschliche Tätigkeiten. Das Fleisch ist zwar nicht schlecht, doch steht es weit unter dem Geist, der das eigentlich Entscheidende ist.
Im Ergebnis spricht so vieles gegen und so gut wie gar nicht für die ausgelebte Sexualität. Aber wir leben in verruchten Zeiten und so nähern wir uns zweifelsohne der Endzeit. Doch wer standhaft bleibt, der wir seinen Lohn erhalten und für alles entschädigt werden, was er entbehren musste, wobei die Sexualität nicht dazu gehört. Diese nicht zu praktizieren ist eine grandiose Erleichterung und keine Last. Am gesegnetsten sind zweifellos die asexuellen Menschen, denen Gott in seiner Güte die Begierde ganz genommen hat, auf dass sie seine Heiligen werden, an denen er sein Gefallen hat. Schande über alle, die der Sexualität noch bedürfen und Ehre all jene, die die Kraft gefunden haben, sie nicht mehr zu praktizieren! Mögen die Menschen aufwachen, erkennen in was für extrem schlechten Zeiten wir leben und sich für Glück und Enthaltsamkeit entscheiden, auf dass unser Planet ein besserer werde.

Donnerstag, 16. September 2010

Warum wir nichts wissen, sondern nur glauben können

Gleich vorweg die provokante Kernaussage dieses Artikels: Es ist dem Menschen nicht möglich irgendetwas zu wissen. Jedes Menschen Leben basiert auf bloßem Glauben, niemand ist, auch nur theoretisch, in der Lage, ein Leben auf Grundlage von Fakten oder dem Verstand zu führen!
Die obigen Aussagen können sehr gut anhand der Kontroverse Atheismus – Theismus aufgezeigt werden. Dass die Annahme der Existenz eines Gottes ein Glaubenssatz ist, ist ohne weiteres einzusehen. Schwieriger ist es schon, wenn es sich um den Atheismus handelt. Behaupten die Jünger dieser Weltanschauung doch beharrlich, sie wären etwas anderes als Gläubige, und meist meinen sie damit dem Glauben überlegen zu sein. Dies ist eine völlig falsche Sicht der Dinge. Nähern wir uns also der Frage nach Gott. Jeder Mensch auf der Welt steht vor der Frage nach Gott und jeder muss diese Frage beantworten. Es ist eine sehr harte Frage, denn es gibt nur ein klares „Ja“ oder ein klares „Nein“, eine unentschiedene oder neutrale Position, gibt es nicht. Deshalb sind auch Agnostiker keine „Neutralen“, sondern Atheisten, die meist zu feig sind, sich dazu zu bekennen. Ihre Antwort zu Gott ist ein „Nein“. Verwenden wir also den Verstand und die Beobachtung. Können wir beweisen, dass es einen Gott gibt? Nein, das können wir nicht. Können wir beweisen, dass es Gott nicht gibt? Nein, das können wir auch nicht. Wir haben also diesbezüglich eine Pattsituation und stehen weiter vor der Frage.
Jetzt gehen viele Menschen folgendermaßen vor: Sie sagen, dass man Gott zwar nicht widerlegen könne, doch wer etwas behaupte, habe es zu beweisen. Und nachdem Gott nicht beweisbar sei, könne man ihn nicht annehmen. Hört sich verständlich an. Doch hat dies mit der Wahrheit nichts zu tun. Die Wahrheit bleibt die Wahrheit, auch wenn sie nicht bewiesen werden kann. Viele Menschen entscheiden sich aus der eben genannten Überlegung heraus für ein „Nein“ gegenüber Gott. Dieses „Nein“ beruht aber bewusst oder unbewusst auf der Anwendung der Wissenschaftlichen Methode, die fordert, dass Wahrheiten bewiesen werden müssen. Wie rechtfertigt man aber die Anwendung der wissenschaftlichen Methode auf Gott? Man kann es nicht rechtfertigen, denn derjenigen, der dies tut macht Gott zu einem Objekt der wissenschaftlichen Betrachtung. So jemand Macht Gott kleiner, als seinen eigenen Verstand. Ein solcher Gott ist aber nicht Gott, sondern eine menschliche Schöpfung (in diesem Fall macht der Mensch sich sogar selbst zum Gott). Das ist aber niemals Gott, sondern eine Karikatur eines Gottes, von so einem Gott hat die Religion nie gesprochen. Es gibt keinen Beweis, dass die wissenschaftliche Methode zu Wahrheit führt oder ihr auch nur nahe kommt. Ja man kann nicht einmal sagen, dass die wissenschaftliche Methode eine fortschrittlichere oder günstigere Methode der Erkenntnis sei, als irgendein anderes (früheres) System. Die Anwendung der Wissenschaft, ist selbst keine Entscheidung, die aus der Wissenschaft getroffen wird, sondern eine Glaubensentscheidung, nämlich des Glaubens an die Wissenschaft selbst. Es ist klar, dass die Wissenschaft ihre Grenzen dort hat, wo der menschliche Verstand seine Grenzen hat. Doch wie geht der Mensch mit den Dingen um, die über den Verstand hinausgehen? Darauf bleiben viele eine Antwort schuldig.
Der (intellektuelle) Atheismus beruht hauptsächlich auf der Anwendung der wissenschaftlichen Methodik auf Gott. Der Atheist entscheidet sich für eine „Nein“ und es gibt verstandesmäßig keine besseren Gründe für ein „Nein“ als für ein „Ja“. Atheismus ist ein Glaubenssystem, denn er beruht ebenso auf einer Annahme, wie der Glauben, die Anwendung des Erkenntnissystems kann nämlich nicht selbst bewiesen werden. Und selbst wenn es bewiesen werden könnte, müsste das System, aufgrund dessen jenes System gewählt worden wäre, selbst bewiesen werden usw. Das ergibt eine endlose Kette. Aber so verhält es sich mit allen Dingen im menschlichen Leben. Die Entscheidung für ein „Nein“ kann nicht als „überlegen“ angesehen werden wie die Entscheidung für ein „Ja“.
So sieht man, dass die Wissenschaft selbst auf einer Annahme beruht, nämlich, dass die wissenschaftliche Methode zur Wahrheit führe, zumindest eher als andere Systeme. Das kann aber selbst nicht bewiesen werden. Allenfalls noch in Bezug auf die uns umgebende Welt, niemals jedoch über das über die Materie hinausgehende. Das leichteste ist es dann zu sagen, dass es etwas Solches gar nicht gäbe. Doch das läuft ins Leere, denn dann müsste man wieder die Nichtexistenz beweisen, was wiederum nicht geht. Zu sagen: „Etwas kann nur als wahr angesehen werden, wenn es bewiesen werden kann“, ist ein Dogma ein Glaubenssatz, kein Wissen! So sieht man deutlich, dass auch die Wissenschaft und in ihrer Folge auch der Atheismus nicht auf Wissen, sondern auf Glauben beruht.
Der Mensch steht vor der Welt und muss Antworten geben. Es ist aber nicht einmal beweisbar, dass der Mensch selbst existiert. Wir nehmen es einfach an und sind uns dessen meist gar nicht bewusst. „Ich denke also bin ich“, ist kein Beweis für irgendetwas, auch nicht für die Existenz. Denn: „Ich denke, darum bin ich nicht“, ist von einem fundamentalen Standpunkt aus, genauso annehmbar. Deshalb spricht man in der Philosophie auch nicht mehr von Fakten oder der Wahrheit sondern nur noch von Theorien. Dass ich existiere, ist eine Theorie, keine Wahrheit. Keiner von uns kann beweisen, dass er nicht ein blauer Elefant ist, der träumt er sei ein Mensch. Dass dies uns so absurd erscheint, kommt daher, dass wir alle annehmen, dass wir existieren. Doch vom abstraktesten Standpunkt aus, den wir uns überhaupt noch denken können, kann der Mensch überhaupt keine Aussagen zu irgendetwas machen und der Traum des Elefanten ist dann auch überhaupt keine Absurdität mehr.
Was wir Wissen nennen ist etwas, das sich innerhalb eines angenommenen Systems abspielt. Dass 2 + 2 = 4 ist, kann auch nicht bewiesen werden. Um das zu tun, muss ich meinen Verstand, meine Logik verwenden (wobei ich annehmen muss, dass es so etwas überhaupt gibt, wie auch mich selbst, selbstredend). Unter dieser Annahme komme ich zum Ergebnis dass 2 + 2 wirklich 4 ist. Gehen wir aber unserem Leben auf den Grund, sehen wir, dass wir auf einem ganzen Berg von Annahmen stehen, die uns nicht bewusst sind. Die Philosophie trägt nun Schicht für Schicht ab und am Ende kommen wir zu Sokrates berühmter Erkenntnis „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. So ist es tatsächlich (nicht nur im übertragenen Sinn). Es lässt sich kein Mensch finden, der irgendetwas weiß, noch hat es einen solchen Menschen je gegeben. Die Grundlage jeden Lebens ist bloße Annahme (Glauben). Was wir Wissen nennen, sind nur Ableitungen aus Glaubenssätzen. Meist ist es jedoch so, dass dies nicht erkannt wird und Menschen deshalb meinen sie müssten sich für die als Wissen getarnten Glaubenssätze eines anderen entscheiden, weil sie dem nichts entgegen zu setzen haben.
Obwohl kein Mensch irgendetwas weiß, benehmen sich die Menschen aber im Leben so, als ob sie über Wissen verfügten. Ich glaube eine wichtige Aufgabe könnte es sein, allen zu zeigen, dass sie einsehen sollen, nichts zu wissen und auch sehen, dass auch sonst niemand etwas weiß. Es gibt nichts Schlimmeres als Menschen, die glauben sie hätten Wissen, oder die glauben, dass Wissen überhaupt existierte. Junge Menschen glauben meist sehr viel zu wissen (und wissen am allerwenigsten), doch je älter einer wird, desto eher wird er bereit sein, Dinge einfach anzunehmen, nicht aus Naivität heraus, sondern aus tieferer Einsicht in die Welt und mehr noch in sich selbst.
Noch ein kleines Beispiel zu den Religionen. Es gibt Leute, die sagen, alle Religionen hätten irgendwo Recht. Viele nicken, wenn sie so etwas hören, ohne diese Aussage zu hinterfragen. Wie kann jemand so eine Aussage treffen? So eine Person nimmt für sich in Anspruch, mehr zu wissen als alle Religionen zusammen, also selbst über überlegenes Wissen zu verfügen. Ähnlich ist die Aussage, dass die Religionen ihre Absolutheitsansprüche aufgeben müssten. So eine Aussage ist aber selbst wieder eine absolut Aussage und die Person, die sie trifft, tut selbst genau das, was sie die anderen vorwirft!
P.S.: Natürlich ist alles, was in diesem Artikel geschrieben wurde, selbst aus einer ganzen Reihe von bloßen Annahmen entstanden.

Donnerstag, 15. Juli 2010

Das Weltbild des Teilhard de Chardin – Vorstufen des Lebens – Teil 2/6

Schaut man sich die Welt an und untersucht sie bis in ihre kleinsten Teilchen, folgt man einer Linie zurück in die Vergangenheit, dann sieht man, dass sich die Welt vom Einfachen zum Komplexen entwickelt hat. Im unendlich Kleinen verliert sich jeder Stoff in dem, was TdC den „Weltstoff“ genannt hat, dieser ist allem Anschein nach reine Energie. Jedoch haben wir niemals Energie in ihrer Reinform beobachtete, sondern immer nur in bestimmten Erscheinungsformen, wie sie uns entgegen treten. Die Materie hat nun drei Seiten, oder Kennzeichen: 1.) die Vielheit (Geteiltheit), 2.) die Einheitlichkeit und 3.) die Energie. Beobachtet man Teilchen auf einer fundamentalen Ebene, dann fällt einem auf, wie sehr sie sich gleichen, wie sehr sie einen gleichen Aufbau haben. Im Großen hingegen und vor allem so, wie uns die Welt in die Sinne fällt, erscheint sie sehr vielheitlich und von einander getrennt. Die Energie ist die Bindungskraft der Teilchen, aber auch konstituierender Wert. Die Energie ist die Grundform des Weltstoffs.

Eine interessantere Feststellung, die wir machen mussten, war, dass jedes Teilchen und sei es noch so klein auf das gesamte Universum ausstrahlt, auch wenn die Wirkung mit der Entfernung abnimmt, so strahlt doch alles in alle Richtungen bis ins Unendliche hinein aus. Das Volumen jedes Teilchens ist das gesamte Universum selbst. Das Atom ist das infinitesimale Zentrum der Welt selbst.

Es ist auch so, dass es einen Zusammenhalt der Dinge von „unten her“ gibt. Dies veranlasste viele Evolutionsforscher zu der Annahme, die Materie würde sich von selbst organisieren und durch Mutation und Selektion (zumindest im Bereich der Biologie) fortschreiten, eine „höhere Intelligenz“ schien nicht notwendig. Eine vollständige Betrachtung der Entwicklung des Universums zeigt aber, dass die Organisation letztendlich von „oben her“ kommt. Die Physik hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr diesen „Geist“ hinter der Materie in der eine oder anderen Form akzeptiert. Doch die Biologie steht noch dort, wo die Physik etwa vor hundert Jahren stand. Sie braucht Gott noch nicht, doch wenn sie tiefer eindringt, wird auch sie zu einer höheren Reife gelangen müssen. Heisenberg sagte, dass der erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft einen atheistisch mache, doch wer bis zum Grunde des Bechers vorgedrungen sei, der erkennt das Göttliche. Das Universum setzt sich von unten her zusammen, doch von oben her bekommt es seine höhere Ordnung.

Die Ordnung des Universums zeigt sich nur in seiner Gesamtheit. Man muss das Universum als „einheitlichen Block“ betrachten, um es, so gut es uns möglich ist, zu erfassen. Auch wenn sich alle Elemente auf einen Urtyp zurückführen lassen, so gibt es aber auch ein Gesetz der „zunehmenden Verflechtung“. Je länger ein Prozess andauert, desto komplexer wird er. Nach TdC zeichnet sich das „Werden“ der Materie durch zwei Charakterzüge aus: 1.) Eine kritische Phase der Granulation, die die konstituierenden Faktoren, vielleicht sogar das Atom selbst entstehen lässt und 2.) Fortsetzung in additiver Form mit wachsender Komplexität, zumindest aber der Stufe der Moleküle. Diese Prozesse finden aber nicht überall im Raum statt, sondern nur auf Sternen und Planeten, sie sind die „Wohnungen“ des Lebens.

Jede Synthese verbraucht Energie. Jeder Fortschritt, jede Komplexität braucht Arbeit und Kraft. Neue Energie kann nicht als Kapital von außen zugeführt werden (in Bezug auf das gesamte Universum gesehen) deshalb kann nach den Gesetzen der Thermodynamik das Universum auch nicht unendlich wachsen und es kann sich auch nicht unendlich „einrollen“, sprich komplexer werden. Es strebt notwendigerweise einem Ende zu. Das ist die Sicht der Welt, wie sie von außen her sich ergibt.

Gibt es aber eine „Innenseite“ der Materie. Spätestens ab der Stufe der Pflanzen zwingt sich einem diese Ansicht auf. Unzweifelhaft aber ist dies beim Phänomen Mensch. Die Komplexität hat einen derart hohen Stand erreicht, dass man beim Menschen von „Bewusstsein“ sprechen kann. Inwieweit dies auch bei niedereren Lebewesen wie Tiere und Pflanzen der Fall ist, hängt wahrscheinlich vor allem davon ab, ab welcher Komplexität man von „Bewusstsein“ sprechen möchte. Diese Innenseite, das Bewusstsein, strahlt aber auch nach außen hin ab. So bleibt es kein rein inneres Phänomen, sondern breitet sich im Raum aus, wie es Wellen tun, etwa elektromagnetische Wellen. Die Spontaneität des Menschen lässt sich ohne ein „Inneres“ nicht erklären.

Unzweifelhaft hat sich über den Planeten, der ursprünglich unbelebt war, durch die Verdichtung zum Leben hin eine neue Schicht über die Geosphäre gelegt. Es ist dies die Schicht der Pflanzen und der Tiere, an deren Spitze noch der Mensch (zumindest in seiner Frühphase) stand, die Biosphäre. Darüber aber hat sich durch das Bewusstsein eine Schicht des Denkens gelegt, deren Träger der Mensch geworden ist. Dieses Denken hat sich so weit weiter entwickelt, dass allmählich eine neue Schicht, eine Schicht des Bewusstseins, entstanden ist, die TdC als „Noosphäre“ bezeichnet. Die „unsichtbare“ Schicht, die sich über der gesamten Erdkugel ausgebreitet hat und dabei ist sich durch uns Menschen ständig weiter zu entwickeln und zu größerer Komplexität zu verdichten, ist die „menschlichste“ aller Schichten, sie ist die Evolution, die ihre Spitze, ihre „Krone“ in uns erreicht hat. (Ich glaube, dass das Internet mit all seinen Inhalten uns ein gutes Beispiel dafür gibt, wie diese Schicht zurzeit aussieht).

Je komplexer ein Lebewesen ist, desto besser ist sein inneres Gerüst (Bewusstsein). Die Evolution wird aller Wahrscheinlichkeit nach von nun an hauptsächlich über den Menschen laufen. Was wir „künstlich“ nennen, ist nichts anderes, als die „Vermenschlichung“ der Natur. So gesehen ist sogar ein Mikrochip in einem Computer etwas Natürliches. Vor allem aber wird die Evolution sich darin äußern, dass es zu einer „Vergeistigung der Welt“ kommen wird. Am Anfang, im Bereich der unbelebten Materie, gehorchen die Teilchen größtenteils den mathematischen Wahrscheinlichkeitsgesetzen, je höher ein Lebewesen jedoch aufsteigt, desto mehr regiert die Spontaneität. Vorsicht ist aber dort geboten, wo im Überschwang schon von einer „neuen Menschheit“ oder dergleichen gesprochen wird, denn wir können uns nicht von der Vergangenheit trennen und wir haben immer noch einen materiellen Körper. Denken ist nicht möglich, wenn man hungert und nichts zu essen hat! Das müssen sich gerade die Phantasten und „New-Age-Leute“ hinter die Ohren schreiben.

Die Annahme von TdC ist nun, dass im Grunde jede Energie psychischer Natur sei. Diese Energie teilt sich in zwei Komponenten: 1.) die tangentiale Energie: Das ist jene Energie, die die Teilchen solidarisch macht, die derselben Ordnung angehören. Die Organisation der Teilchen untereinander und deren „Zusammenarbeit“. 2.) die radiale Energie: Diese Energie sorgt dafür, dass sich die Teilchen in Richtung komplexerer Zustände bewegen. Der Endpunkt dieser Entwicklung sei der Punkt Omega, das Endziel des gesamten Universums. Die tangentiale Energie ist die Liebe, die Anziehung, die Teilchen, zumindest derselben Ordnung, aufeinander ausüben. Die radiale Energie ist die Energie, die einen voranschreiten lässt zum Punkt Omega, zu Gott. Das sind auch die beiden höchsten und wichtigsten Gebote des Christentums! Nach Jesus leitet sich das gesamte Gesetz und die Propheten aus diesen beiden Geboten ab: Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Wissenschaftlich verstanden könnte man darunter verstehen, einerseits die Verbindung und fruchtbare Kooperation mit den Mitmenschen (Nächstenliebe) und das Streben nach dem Endpunkt (Gott). Die Achse, entlang der sich die Entwicklung der Evolution vollzieht ist Jesus Christus. Das entspräche auch seiner Aussage: „Ich bin die Wahrheit, der Weg und das Leben, niemand kommt zum Vater als durch mich“ (Johannes. 14,6). Die radiale Energie ist eine Funktion der tangentialen Energie, im Kern aber sind beide eins. Durch die Liebe zum Nächsten und zur Schöpfung werden die Beziehungen und das Bewusstsein des einzelnen und der Gruppe komplexer und wir kommen dadurch Gott stetig näher. Je näher wir an der Achse (Christus) leben, desto mehr sind wir im Einklang mit der Entwicklung des Universums (manche würden sagen „mit dem Strom schwimmen“).

Damit aber alles einem Endpunkt zustreben kann, muss dieser Endpunkt Omega bereits in der Welt selbst wirksam sein und zwar muss er zumindest im kleinsten Quäntchen von Anfang an in jedem Urteilchen vorhanden gewesen sein. So heißt es auch in der Genesis „Der Geist Gottes schwebte über dem Wasser (der Urflut)“. Ohne ein solches Wirken von Omega in der Welt, wäre es unmöglich eine Gewissheit über die „richtige“ Entwicklung zu haben. Ja wir wüssten nie mit Bestimmtheit, was richtig und falsch und folglich auch nicht was gut und böse ist. In der Relativität findet sich doch die Absolutheit in ihrem Herzen. So spürt auch jeder Mensch in sich, dass es Gut und Böse gibt. Doch was nun Gut und Böse in Bezug auf das Verhalten des Menschen konkret bedeutet, darüber scheiden sich die Geister.

Wir müssen die Vorstellung aufgeben, Gott und Mensch seien voneinander getrennt. Gott wirkt in jedem Teil des Universums, in jedem Lebewesen und am meisten im Menschen selbst. Doch dürfen wir hier nicht in eine primitive Form des Pantheismus verfallen und der Illusion unterliegen die Dinge seine selbst göttlich. Das sind sie nicht. Omega ist der letzte Punkt einer Reihe und liegt doch außerhalb dieser Reihe. Gott ist im Universum selbst und ist doch außerhalb davon. Vom Verstehen dieses Paradox wird auch abhängen, inwiefern die Menschen unserer Zeit Gott in ihre Geistesleben einzubauen vermögen. Je komplexer ein Lebewesen wird, desto mehr bekommt sie auch eine höhere Ordnung. Wir spüren alle den großen Druck, der auf der Welt und insbesondere auf der Menschheit lastet und der uns dazu treibt und mehr zu „verinnerlichen“, komplexere Geistesstrukturen zu schaffen, aber nicht, wie manche fälschlicherweise meinen, durch eine Isolation des Individuums und eigener Nabelschau, sondern durch Konzentration auf die tangentiale Energie, das heißt die Nächstenliebe und damit das Bemühen eine „bessere Welt“ zu schaffen. Ich verwende diesen Begriff hier absichtlich, ganz egal wie abgegriffen er auch sein mag. Ohne eine solche Hoffnung hätten das Leben und die Menschheit letztlich keinen Sinn, wir müssten alle im Sumpf der Untätigkeit ertrinken, die einen schneller, die anderen langsamer.

Sonntag, 2. Mai 2010

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Den meisten Menschen ist es nicht genug, zumindest nicht, wenn sie ihre Leben über einen längeren Zeitraum hinweg betrachten, einfach nur zu leben, ohne zu wissen, wohin es geht. Dabei geht es nicht nur um das Leben selbst von der Geburt bis zum Tod, also die Frage „Was mache ich in meinem Leben?“, sondern wohin führt das ganze. Es drängen sich Fragen auf wie „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“ oder „Was ist meine Berufung / Mission?“. Diese Fragen haben die Menschen seit jeher beschäftigt und es wurden auch viele Versuche gemacht sie zu beantworten. Aber unabhängig davon, wie die Antwort nun ausfiel, blieb doch immer die Tatsache der Frage selbst! Daran kam und kommt keiner vorbei.

Es hat auch immer Menschen gegeben, die sich ernsthaft diese Frage gestellt haben, aber dann zum Ergebnis kamen, dass die Frage selbst unsinnig sei. Anstatt dies Frage nun zu beantworten, haben sie einfach diese selbst für obsolet oder unvernünftig oder gar nicht beantwortbar erklärt. Manche scheinen mit diesem Ergebnis leben zu können. Doch für den größten Teil der Menschheit, ist dies völlig inakzeptabel und nicht erfüllend. Alles sträubt sich im inneren dagegen. Ginge es nur um den Verstand alleine, könnte damit durchaus ein Auslangen gefunden werden. „Stell keine derartigen Fragen, sondern lebe einfach dein Leben!“, könnte dann die Antwort lauten und ein weiteres Problem ergäbe sich somit nicht. Doch in Wahrheit erfüllt eine solche Antwort den Menschen ganz und gar nicht. Die Leere im Inneren bleibt und lässt sich nicht beseitigen. Wie kommt das? Der Mensch ist ein Lebewesen und damit etwas, das Entscheidungen trifft. Der Mensch ist durch Bedürfnisse gekennzeichnet und wir sehen, dass diese Bedürfnisse sinnvoll sind und dem Leben dienen. Wir haben Hunger damit wir essen. Dieser dient dazu unser Leben zu erhalten. Dann haben wir Bedürfnisse nach Liebe, Achtung, Wissen, Schönheit und einer ganzen Reihe anderer Dinge. Und wir sehen, dass einem Bedürfnis immer eine Erfüllung gegenüber steht. Das Bedürfnis ist sinnvoll. Das will natürlich nicht heißen, dass die Art und Weise wie der Mensch seine Bedürfnisse befriedigt, immer vernünftig ist. Wir wissen alle, dass dem oft nicht so ist. Doch die Tatsache des vernünftigen Bedürfnisses selbst bleibt. Wir erkennen das im Allgemeinen an. Doch gerade beim wichtigsten Bedürfnis, dem Bedürfnis nach dem Sinn des Lebens selbst, nach dem was über das irdische Dasein hinausgeht, behaupten manche, dieses sei nicht vernünftig, man solle sich darum nicht kümmern.

Diese Ansicht kann aus Faulheit entstehen. Vielleicht hat man sich nicht intensiv mit der Frage beschäftigt, sie ist einem lästig und man fühlt sich durch andere Menschen belästigt, die ständig diese Frage stellen. Oder aber, man hat lange gesucht, vieles ausprobiert und ist trotz all des eifrigen Bemühens, nicht zu einem Ergebnis gekommen. Die Frustration soll ein Ende haben und so entschließt man sich dafür die Frage selbst für unsinnig zu erklären. Und ist man arrogant genug, dann mag man sich überlegen fühlen und diejenigen, die noch suchen bedauern oder für unter einem selbst stehend betrachten.

Es gibt drei Möglichkeiten wie man die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten kann, wobei nur zwei davon echte Antworten sind. Die erste Möglichkeit ist das Aufschieben der Frage. Dies ist die einfachste und angenehmste Antwort, wir sind kurzfristig erleichtert und können unser Leben so wie gewohnt weiter leben, die Ruhe ist nicht mehr gestört und der Seelenfrieden wieder (scheinbar) hergestellt. Natürlich ist das nur eine Scheinlösung und es ist nicht zu erwarten, dass die Frage nicht später wieder auftaucht. Im Ergebnis ist diese Antwort sehr menschlich und deshalb kann man solche Leute auch gut verstehen, die sich für diesen einfachen Weg entscheiden.

Dann gibt es diejenige Antwort, die den Sinn des Lebens verneint. Gerade in philosophischen Kreisen, hat sich bei vielen die Ansicht breit gemacht, welche aus Trotz gegenüber den Enttäuschungen des Lebens erwachsen ist. Der unbefriedigende Zustand wird kämpferisch bejaht. Das Leben sei zwar sinnlos, aber der Mensch müsse dieses Schicksal heroisch tragen. Der Mensch sei eben in die Welt hineingeworfen worden und Ungeborgenheit sei dem Menschen unausweichlich bestimmt. Der einzige Sinn im Leben sei jener, dass es keinen Sinn gäbe. Aufgabe sei es diesen Zustand zu akzeptieren und heldenhaft auf sich zu nehmen. Der Mensch bewundert sich dabei selbst und macht sich zum Zentrum seines Daseins. Viele halten diese Ansicht über das Leben sehr konsequent durch. Aber zu dieser Betrachtung gelangt man nur, wenn man die Erkenntnisse über den Sinn des Lebens aus der Umwelt ableitete, aus seiner eigenen Erfahrung, oder möglicherweise noch aus der Erfahrung der Menschheit als solche. So gibt es auch nichts über den Tod hinaus und wenn einer stirbt, dann bleibt alles so zurück, wie er es verlassen hat, es gibt keine Vollendung, alles bleibt offen und brüchig.

Dann gibt es die dritte Ansicht über den Sinn des Lebens und das ist jener Bereich mit dem sich all jene beschäftigen, die sich der Welt des Glaubens zugewandt haben. Das umfasst den Bereich der Religionen aber noch vieles mehr, das nicht unbedingt im Rahmen der organisierten Religionen ihren Platz findet. Der Glauben ist die einzige befriedigende Antwort auf die Sinnfragen des Menschen. Niemand, der im Rahmen der Sinnleugner bleibt, das heiß jene Menschen, die sich nur auf die Welt, wie sie sie sinnlich und verstandesgemäß erkennen, verlassen, kann zu wahrem Glauben kommen. Alles, was solchen Menschen bleibt, ist eine Illusion, die sie sich selbst bilden können, um ihre Leere zu füllen. Das ist ja ein Vorwurf, der der Religion immer wieder gemacht wurde. Doch wahrer Glaube ist keine Illusion, sondern gründet sich auf echte Erfahrungen, nicht auf Illusionen, Halluzinationen oder dergleichen. Niemals wird man einen Sinn des Lebens im mathematisch-naturwissenschaftlichen Sinne finden, denn der Sinn übersteigt den Verstand und hat mit Wahrheit, nicht so sehr mit Wissen zu tun! Doch zu aller Zeit hat es Menschen gegeben, die geglaubt haben, die reale Erfahrungen gemacht haben, die sie an einen persönlichen Gott glauben ließen. Freilich bleibt einem dies verschlossen, wenn man einen solchen Menschen nach seinen Erfahrung fragt und selbst kein solches Erlebnis je selbst hatte. Erfahrungen können nicht übertragen werden, darum wird ein Mensch nicht durch die Glaubenserfahrung eines anderen gläubig. Nein, denn ein solcher Mensch muss einem rätselhaft bleiben. Wer nicht glaubt, kann nicht verstehen, wie der Glaube sich für einen Gläubigen anfühlt, welche Erfahrungen er machte. Das ist die „Schwäche“, wenn es darum geht andere die nicht glauben seinen Glauben mitzuteilen. Entweder werden sie nicht verstehen, was da vor sich geht oder sie glauben möglicherweise sogar, dass mit einem etwas nicht in Ordnung sei. Das Beispiel von Glaubenden aller Zeiten kann einem aber sehr leicht vor Augen führen, dass es sich dabei nicht um „Verrücktheiten“, „Weltflucht“, „Aberglauben“, „Naivität“ oder dergleichen handelt. Wenn einer, der nicht glaubt, ehrlich zu sich selbst ist, muss er einfach vor einem Rätsel stehen, erklären kann er es sich nicht.

Thomas von Aquin hat geschrieben, dass der Mensch „fähig zum Unendlichen“ sei. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dies stimmt. Der Glaube ist kein Aberglaube, sondern Realität, eine Realität erfahr-, aber nicht beweisbar (im herkömmlichen Sinne) ist. Wer der Wahrheit selbst Grenzen gesetzt hat, indem er enge Regeln der Wahrheitserkenntnis gesetzt hat, wird sie so nicht erkennen. Eine Sache muss hier aber noch ganz deutlich gesagt werden. Der Glaube ist ein Geschenk, nicht jedem wird er gegeben und der Mensch kann den wahren Glauben auch nicht durch einen eigenen Willensentschluss herbeiführen. Der Glaube kann durch keinerlei Handlungen, Gedanken oder Worte des Menschen selbst bewirkt werden. Gerade deshalb scheint es auch so schwer für viele Menschen zu sein, zu glauben.

Aber welche der drei Antwortmöglichkeiten einer auf die Frage des Sinnes des Lebens geben mag, immer ist es eine Entscheidung, die der Mensch selbst trifft. Der freie Wille des Menschen gibt ihm die Möglichkeit „ja“ oder „nein“ zum Glauben zu sagen. Welche Entscheidung haben Sie getroffen?!

Donnerstag, 22. April 2010

Über die Schönheit

Jetzt, wo der Frühling in unser Land Einzug gehalten hat, ist es recht nahe liegend die Empfindung der Schönheit zu erleben. Alles blüht wieder von neuem auf, lebendige Farben erheben sich gegen einen sattblauen Himmel im strahlenden, warmen Sonnenschein. Die unterschiedlichsten Düfte erfüllen die Luft in den Gärten und die Tierwelt findet wieder reichlich Futter und viele Wald- und Wiesenbewohner freuen sich über Nachwuchs (zum Beispiel die Frischlinge im Wildpark ganz in meiner Nähe). Kurzum, es ist die rechte Zeit, um sich der Schönheit, nicht nur in der Natur, wieder einmal bewusst zu werden.

Schönheit ist eine Erfahrung, die alle Menschen in ihrem Leben machen. Sie ist in der Lage den Menschen über das bloß Materielle hinaus zu führen, darin liegt ihr größtes Potenzial, denn als äußeres Zeichen, kann sie uns ein inneres Wesen offenbaren. Doch auch die Schönheit hat eine dunkle, eine negative, Seite. Genauso, wie sie über den bloßen Schein hinausführen kann, kann die Schönheit uns auch in der materiellen Welt gefangen halten. Es kann zu einer Fixierung auf den schönen Schein kommen und dadurch wird der Mensch unfrei. Sehen, ohne Verstehen, kann nur zu so einem Ergebnis führen. Gerade das ist die große Gefahr, die sich in unserer Zeit derart breit gemacht hat. Anstatt das Göttliche in und hinter der Schönheit zu erkennen, wurde sie zu einem Kult um reine Äußerlichkeiten, der groteske Züge annimmt. Wie sehr die Menschen von ihrer eigenen Schönheit, ihrem eigenen Wesen, getrennt sind, sieht man gerade darin, dass allzu oft Idealen des Zeitgeistes nachgejagt wird. Die Unfreiheit, die darin liegt, ist ohne weiteres zu erkennen, sind es doch andere die darüber bestimmen, wie diese Ideal auszusehen haben und es ist der Großteil der Menschen, zumindest in der westlichen Welt, der sich diesen Idealen unterwirft.

Die Schönheit ist ein Mittel, das uns helfen kann das Wesen der Dinge zu erkennen, durch rechtes Erkennen, kann sie in unserem Leben aktiviert werden. Wenn wir nicht beim Schein stehen bleiben, dann können wir Befreiung erlangen, Befreiung von der Anhaftung an die Dinge. Schönheit ist eine Empfindung, die das Heilige im Menschen anspricht, es ist eine Erfahrung, die Menschen überall auf der Welt, unabhängig von Kultur und Zeitepoche, machen, im Kern trägt sie etwas Ewiges mit sich. Schönheit ist in jedem Fall ein positiv besetzter Wertbegriff. Es ist nicht verwunderlich, dass gerade der Kunst die Aufgabe zukam die Schönheit abzubilden, in all ihren Formen. Dass die Natur und natürlich der Mensch selbst, als Übungsobjekt dazu dienten, versteht sich von selbst. Doch gibt es keinen Bereich des menschlichen Lebens, indem nicht zumindest ein Quäntchen Schönheit auszumachen wäre. Freilich muss man dazu zuweilen sehr tief graben, wenn die Oberfläche uns ein völlig konträres Bild liefert.

Es wäre aber zu kurz gegriffen, wenn man davon ausginge, dass Schönheit alleine eine subjektive Empfindung wäre. Es lässt sich leicht feststellen, dass es Dinge gibt, die von den allermeisten Menschen als schön empfunden werden und zwar ohne, dass dies einer gesellschaftlichen Konvention oder dem Zeitgeist entspräche. In der Philosophie beschäftigt sich ein eigener Zweig, die Ästhetik, mit dem Begriff der Schönheit. Schönheit wurde immer schon als eine Eigenschaft von Menschen und Gegenständen aufgefasst. Darüber hinaus ist sie aber auch das Ergebnis des Urteils des Verstandes. Schönheit kann in diesem Sinne auch als „Schönheit des Denkens“ verstanden werden. Rechtes Denken, im Sinne von konstruktiver geistiger Beschäftigung, die auf Wohlsein ausgerichtet ist, Leid beendet und Glück herbeiführt, ist immer schönes Denken. Schön und Recht sind untrennbar miteinander verbunden. Kein Wunder, das Platon schon, das Gute, das Schöne und das Wahre in einem Zuge nannte und sie zu seinen Idealen erhob.

Schönheit ist also mehr als ein bloßes Geschmacksurteil. Es ist zynisch, wie viele Menschen behaupten, Schönheit läge nur im Auge des Betrachters. Es scheint, dass es Leute gibt, die sich einer wahren Beurteilung nach Maßstäben der Schönheit dadurch entziehen wollen, dass sie ein solches Urteil auf die reine Subjektivität verlegen und damit ein objektives Urteil verunmöglichen. Es ist eine Krankheit der Zeit, Schönheit nicht mehr als Schönheit erkennbar machen zu wollen. Am Ende ist alles schön oder hässlich zugleich. Es ist keine Frage, dass so der Dilettantentum und der Scharlatanerie Tür und Tor geöffnet sind – das kann niemals im Interessen einer Kultur sein, die für sich in Anspruch nimmt von Bedeutung zu sein.

Was den Streit um Geschmacksurteile betriff, so ist ein solcher nicht zielführend, ein Streit ist im Grunde ein Scheingefecht. Wenn als schön bezeichnet wird, was als angenehm empfunden wird, dann ist schön bei jedem etwas anderes. Und jeder hat Recht, denn was ich als angenehm empfinde, kann niemand in Abrede stellen. Mehr noch, es wäre eine persönliche Beleidigung, hieße es doch, dass ich entweder gar nicht wirklich empfände, was ich fühle oder dass ich nicht in der Lage wäre, zu wissen, was ich fühlte. Nach Kant hat ein ästhetisches Urteil sehr wohl Anspruch auf allgemeine Gültigkeit beanspruchen, da es zwar subjektiven Ursprungs sei, aber trotzdem auch über das Empfinden der anderen miturteilt. Über Schönheit als Empfindung könne man streiten, was naturgemäß über das Angenehme nicht möglich ist.

Das Wesentliche an der Schönheit ist, dass sie in ihrem Kern ein Mysterium trägt, das sich jeder rationalen Betrachtung entzieht, das nur direkt erfasst werden kann und selbst die schönsten Dichterworte können sie nicht beschreiben, sondern nur darauf hinweisen. Darin liegt die Stärke der Poesie. An der Art, wie eine Kultur zur Dichtkunst steht, kann auch darauf geschlossen werden, wie es um die Verbindung zur Schönheit als solche bestellt ist. Viel haben wir in der Vergangenheit über Schönheit gehört und vieles davon hat nicht gerade zur Klarheit beigetragen. Was aber letztendlich für den einzelnen von Bedeutung ist, ist das Empfinden der Schönheit im eigenen Leben, worin dies auch immer seinen Ursprung haben mag. In diesem Sinne kann ich nur sagen: „Wanderer öffnet deine Augen und Ohren, sieh und höre, was die Welt dir zu sagen hat, vereine deinen Geist mit dem der Welt und dir wird so manche verborgene Wahrheit kundgetan!“