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Sonntag, 12. Juni 2011

Der Bruch im Menschen

Wie sich ein Mensch auch immer im äußeren verhalten mag, wie sehr er sich auch bemühen mag ein erfolgreiches und glückliches Aussehen der Welt präsentieren möchte, so kann er doch nicht darüber hinweg in sich selbst eine tiefe Gespaltenheit zu empfinden, eine gravierende Entfremdung zwischen sich und dem anderen, zwischen sich und der Schöpfung als Ganzes. All der materielle Wohlstand, all die Segnungen der modernen Welt tragen dazu bei. Untersuchungen zeigen seit Jahrzehnten, dass das Glücksniveau des Menschen nicht zugenommen hat, auch wenn sich der Reichtum um ein Vierfaches erhöht hat. Die seelische und geistige Not des Menschen ist geblieben und ist eine Konstante durch das ganze Leben hindurch. Fast könnte man sagen, dass die Gebrochenheit des Menschen die Größe ist, die über sein ganzes Leben hinweg am stabilsten bleibt.

Woran liegt das nun? Nun, es gibt sehr viele Erklärungen dafür, angefangen über die Philosophie, die Psychologie und die Soziologie bis hin zu den Geschichtswissenschaften, die alle ihre eigenen Erklärungen für dieses Phänomen haben. Einige sehen in der Arbeitsweise des modernen Menschen die Ursache, andere glauben es seine die sozialen Umständen, wieder andere meinen der Mensch wissen nicht wer er sei und seit ständig auf der Suche nach etwas, das er gar nicht definieren könne, eine Unzufriedenheit, die sich schwer erklären, aber nicht wegleugnen ließe. Der Mensch seit tot und es lebe die Sache, meinte der Humanist Erich Fromm und die humanistische Psychologie, etwa vertreten durch Abraham Maslow, zeigte ein Menschenbild auf, das bestechend schien: der Selbstverwirklichende Mensch, der psychisch gesunde Mensch. Das war in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als der Glaube an Fortschritt und die Errungenschaften der modernen Technik unbegrenzt schien. Man glaubte, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis der Mensch zur totalen Herrschaft über alle Dinge in der Lage sei, bis alles Übel beseitigt sein und für jedes Problem eine Lösung durch Wissenschaft und Forschung gefunden worden sei.

Nachdem der Relativismus die alten Vorstellungen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zerstört hatte, einerseits die Relativitätstheorie von Einstein, die Unschärferelation von Heisenberg und die Psychoanalyse von Freude, schien der neu aufkommende Humanismus nach dem Zweiten Weltkrieg den Menschen noch einmal Hoffnung zu machen auf eine bessere Zukunft.

Das alles ist nun erst ein paar Jahrzehnte her. Und was ist seither geschehen? Wir glauben nicht mehr so sehr an den Fortschritt, zu viele „Unfälle“ zu viele Fehlentwicklungen und fatale Irrtümer haben uns gezeigt, dass Wissenschaft und Forschung nicht vermögen dem Menschen sein Heil zu bringen. Wir sind immer skeptischer geworden und manche verfallen in stupiden stumpfen Aberglauben zurück, weil sie in einer skurrilen Rückbesinnung als Altes ihre Rettung suchen. Damit meine ich vor allem die Esoterik und alles, was man im angloamerikanischen Raum unter dem Begriff „New Age“ kenn. Wir haben die Moderne hinter uns gelassen und sind in der Postmoderne angekommen, manche meinen sogar schon in der Post-Post-Moderne. Aber ganz egal, wie man unsere Zeit auch einmal nennen wird, welche Bezeichnung zukünftige Historiker für unsere Ära einmal finden werden, das alte Problem des Menschen, seine Getrenntheit von der Welt bleibt bestehen.

Auch der Humanismus hat versagt und hätte man ihn eindringlicher, das heißt radikaler, bis an die Wurzel, verfolgt, so wäre man schon lange drauf gekommen, dass der Mensch kein Heil im Humanismus finden kann. Der Mensch selbst ist nicht Gott, auch trägt er nicht Gott in sich, er ermangelt völlig des Heils und ist nicht in der Lage sich selbst je heil zu machen. Das gilt sowohl für das Individuum, als auch für das Kollektiv. Es gibt weder ein Heil durch die Gesellschaft, wie die säkularen Heilsreligionen des 19. und 20. Jahrhunderts glaubten, als auch kein Heil durch das Individuum. Doch was bleibt uns dann noch offen?

Der Mensch hat offensichtlich ein Bedürfnis, das durch nichts in der Welt befriedigt werden kann, es ist dieses Bedürfnis nach etwas Höherem, etwas, das über das Rationale und Naturalistische hinausgeht. Aber macht ein solches Bedürfnis Sinn? Ist es nicht eine Illusion an ein solches Bedürfnis oder an die Möglichkeit seiner Befriedigung zu glauben? Ganz und gar nicht! Wir unterstellen keinem sonstigen Bedürfnis, dass es sinnlos ist. Wenn wir Hunger haben, steht dem Nahrung bereit, bei sozialen Bedürfnissen gibt es unsere Mitmenschen und beim Bedürfnis die Welt zu verstehen haben wir unsere Sinn und unseren Verstand zu verfügen. Jedem Bedürfnis entspricht auch ein taugliches Mittel zur Befriedigung. Dem Bedürfnis nach dem Transzendenten steht die Welt als „Sprungbrett“ zur Verfügung. In der Welt selbst, aber auch im Inneren des Menschen gibt es jedoch nichts, was dieses Bedürfnis erfüllen kann. Wie wäre es, wenn wir einsähen, dass dieses Bedürfnis auf das tatsächliche Vorhandensein einer persönlichen Schöpfergestalt, wie wir sie in Gott erkennen, hinweist? Denn wie der Gläubige bezeugen kann ist Gott die ideale Erfüllung dieses Bedürfnisses und zwar nicht als Illusion oder Gestalt, die der Mensch sich selbst schafft, sondern auf eine reale, persönliche Entität, so wie sie die Bibel beschreibt.

Wie auch immer, was bleibt ist, dass der Mensch aus sich selbst nicht zum Heil gelangen kann und dass alle Versuche in diese Richtung zum Scheitern verurteilt sind. Die Gebrochenheit des Menschen ist kein Unfall, ist keine Anomalie, sondern ist seine Natur. Aus dieser kann er nicht heraus. Der Mensch spürt diese Trennung, doch er verwendet meist untaugliche Mittel, um damit fertig zu werden: Psychotherapie, Meditation, Lustbefriedigung, soziale Anerkennung etc. Der Mensch ist von seinem Schöpfer getrennt. Diese Trennung nennt die Bibel Sünde. Der Mensch kann aus sich heraus keine Befreiung erlangen, er ist sündhaft und ermangelt des Guten. Keiner verdient das Gute, nicht einer, durch kein Werk kann einer erlöst werden, nur durch die Gnade alleine.

Jeder Mensch ist ein Zeugnis dafür, dass die Erbsünde real ist und existiert seit es Menschen auf der Welt gibt. Sie ist eine Realität und keine theologische Erfindung. Alle Menschen sind Sünder und keiner kann sich retten, keiner kann sich davon befreien. Es ist ein reine Gnade, wenn dies durch Gott, durch Jesus Christus, geschieht. Erkennen wir unsere wahre Natur! Erkennen wird, dass der Mensch ein Sünder ist, von Anfang an, nur so kann die Rettung erfolgen! Metanoia tot Not!

Donnerstag, 10. Februar 2011

Gott, die Sonne des Menschen

Viktor Frankl, der große österreichische Psychiater und Kenner der menschlichen Seele, meinte es gäbe drei Dinge, mit denen jeder Mensch in seinem Leben umzugehen habe, ob es ihm nun gefalle oder nicht. Das erste diese Dinge ist die Schuld. Was sie für uns bedeutet, welchen Stellenwert wir ihr einräumten und wie wir versuchen sie zu bewältigen. Das zweite ist das Leid und die Erklärung, die wir dafür haben, insbesondere, wenn es uns selbst im Leben oder im Leben einen nahen Menschen widerfährt. Die dritte Sache ist der Tod, das sichere Ende unseres irdischen Daseins. Alle drei leiten sich aus einer anderen Frage ab, nämlich derjenigen nach Gott. Ob man will oder nicht, jedem stellt sich diese Frage, sie ist nicht kultur- und zeitabhängig und entsteht im Menschen ganz von selbst aus seiner eigenen inhärenten Natur heraus. Das liegt daran, weil Gott keine menschliche Erfindung ist, sondern eine objektiv existierende Entität, eine Persönlichkeit, die im Herzen eines jeden Menschen sich selbst eingepflanzt hat, auf dass jeder, der ihn aufrichtig und mit reinem Herzen sucht, auch finden kann.

Ich will hier aber ein ganz anderes Thema aufgreifen, das mit dem Schöpfer in untrennbarer Verbindung steht und das ist das Wachstum des Menschen. Dass das Wachstum des Menschen weit über den körperlichen Bereich hinausgeht, wird kein denkender Menschen bestreiten können, ja gerade nachdem die körperliche Entwicklung zu einem Höhepunkt gelangt ist, beginnt erst das emotionale, mentale und als letztes und höchstes das spirituelle Wachstum richtig einzusetzen. Es ist dieses spirituelle Wachstum, das den Menschen erst zur höchsten Blüte kommen lässt, dass den einzelnen mit der Allheit der Schöpfung verbindet und ihn seinen Platz darin erkennen lässt. Sicherlich gibt es Menschen, die sich mehr der reinen Materie zuwenden oder auch dem mentalen oder emotionalen Bereich unserer Persönlichkeit. Doch je reifer einer wird, desto mehr wird die Sehnsucht des Herzens aufflammen, die sich nicht durch die Dinge der Welt befriedigen lässt. „Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als sich eure Schulweisheit träumen lässt!“, meinte Shakespeare und er wies damit auf etwas hin, das mit Worten nur schwer bis gar nicht, aber vom Geist des Menschen trotzdem erfahrbar ist.

Welchen Vergleich könnte man wohl ziehen, der dem spirituellen Wachstum des Menschen entspräche? Mir ist dazu in den letzten Tagen das Bild von den Blumen und der Leben spendenden Sonne gekommen. Ohne die Sonne ist es für eine Pflanze unmöglich zu überleben. Nach der Sonne richten sie ihre Triebe aus und an manchen Stängeln und zuweilen auch an Stämmen kann man die Standortveränderungen einer Pflanze deutlich erkennen. Gerade bei Zimmerpflanzen, die ihre Jugend an einem anderen Ort verbracht haben (wie etwa eine Palme) kann man teils skurrile Windungen des Stammes erkennen. Jedes Mal hat sich die Pflanze jedoch nach der Sonne ausgerichtet, wie ein Magnet wird sie davon angezogen und hätte sie diesen Mechanismus nicht, hätte sie ihr Leben schon lange beendet.

Manche Pflanzen sehen die Sonne nie direkt, sie wissen nichts von ihrer Existenz, ahnen aber durch indirekte Erfahrungen davon. Schließlich gibt es in der Erfahrung immer einen Kontrast zum Schatten, sonst gäbe es diesen selbst nicht. Die einfältige Pflanze mag durchaus meinen, es gäbe gar keine Sonne und schaut neidisch oder herablassen auf jene, die ihr von dieser erzählen, ja vielleicht sogar ins Schwärmen ob ihrer Wärme und Energie geraten. In ihrer Vermessenheit mag sich eine „asolare“ Pflanze sogar als überlegen betrachten, wenn auch diese Sicht ihr im Herzen große Schmerzen bereitet, so wähnt sie sich doch als Heldin, weil sie sich keinen Illusionen hingebe, wie die anderen. Wie verwirrt kann doch der Geist sein! Wie sehr kann doch der Mensch Ohren haben und nicht hören, Augen habe und nicht sehen?

So ist denn auch der Schöpfer die Sonne des Menschen. Zwar ist er mit den Augen nicht sichtbar und manch einer mag sogar daran zweifeln, dass es ihn gibt, oder er ist gar so vermessen die Überzeugung zu entwickeln er wäre überhaupt nur eine Erfindung von Träumern, doch wenn einer wirklich sein höchstes Potential entfalten will, dann muss er über den Bereich des Gewohnten, dessen, was „von dieser Welt“ ist, hinaus gehen und sich in den unbekannten Bereich des Göttlichen begeben. Obwohl es ein Sprung ins Unbekannte ist, so hat der einsichtige Mensch doch keine Angst, obwohl er nicht weiß, wohin die Reise geht, ist er doch zutiefst davon überzeugt, dass alles sich zum Guten für ihn findet, wenn er nur Vertrauen in Gott fassen kann. Der Glaube an Gott befreit den Menschen davon sich von den Umständen und den Meinungen der anderen abhängig zu machen. Sein Streben richtet sich nicht nach Anerkennung bei den Mitmenschen, sondern danach dem Schöpfer zu gefallen, das zu verwirklichen, was in seinem Innersten angelegt ist und wozu er geboren wurde. Früher hatte man dazu gesagt, dass jemand seiner Berufung folge. Künstler und sensible Menschen wissen noch heute, was damit gemeint ist. Anstatt sich mit anderen zu vergleichen und deren Erwartungen zu erfüllen, erfüllt ein solcher Mensch nur die Erwartungen Gottes. Im Ergebnis führt dieses Verhalten dazu, dass der Mensch das maximale Potenzial entfaltet und seinem Schöpfer gefällt, weil er dessen Gebote befolgt und „das Richtige“ anstatt das Wohlgefällige, das Angenehme oder das Profitable zu tun.

Im Leben geht es nicht darum zu tun, was sich gut anfühlt, wonach man sich fühlt, es geht auch nicht darum seinen Gedanken zu folgen, nicht einmal darum seine Wünsche zu erfüllen. Nein, was einzig und alleine zählt ist „das Richtige“ zu tun, auch wenn es sich schlecht anfühlt, auch wenn man partout nichts damit zu tun haben will. Das heißt Disziplin haben, rechtschaffen zu sein, dem Zeitgeist nicht zu folgen und „in der Welt, aber nicht von der Welt“ zu sein. Wer auf Gott vertraut, wer ihn in seinem Inneren sucht, der findet nicht nur ihn, sondern alles andere wird ihm dazu gegeben.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Leben ohne Sex

Wie gesegnet sind doch die Menschen, die es zu vollbringen vermögen ein Leben ohne die übergroße Last der Sexualität zu leben? Ist es nicht so, dass der gewöhnliche Mensch, kaum, dass er in die Pubertät gelangt ein Bedürfnis verspürt sich eben auch im sexuellen Bereich aktiv zu bewegen? Wie schändlich dies auch vom gesund empfindenden Erdenbürger gesehen werden mag, so beschämend ist es doch zu beobachten, was der Mensch in der Praxis daraus macht und welchen schändlichen Praktiken er sich dann am Ende, trotz aller Gewissensbisse hingibt. So sinkt das Alter der ersten sexuellen Aktivität ständig und wenn man bösen Zungen glauben darf, dann sind es bereits Personen unter vierzehn Jahren die des Geschlechtsverkehrs teilhabend wurden. Doch die eigentlichen Probleme beginnen noch viel früher und die Übersexualisierung der Gesellschaft hat ein Maß erreicht, dass jede Moral mit Füßen tritt und den Zeiten von Sodom und Gomorra gleicht. Wäre es da nicht Recht und billig, wenn die Menschheit das gleiche gerechte Schicksal erlitte, wie die perversen Einwohner jener beiden Städte, die in gutem gerechtem Zorn mit Feuer und Schwefel für immer vom Erdboden vertilgt wurden? Denn alle Menschen sind Sünder und keiner verdient das Himmelreich, alle Menschen verdienen, dass Übel sie vom Tag der Geburt bis zu Grade unaufhörlich quält und dass ihnen Angenehmes nicht widerfährt.
So stellt sich in Anbetracht der üblen Umstände in der sich die Welt heute befindet die Frage, was denn das richtige Verhalten des Menschen wäre. Und da ergibt sich nur der weise Rat des Apostel Paulus, der uns zur ewigen Keuschheit aufruft. Denn der heilige, gute Mensch enthält sich aller sexuellen Handlungen und Gedanken, doch wer sich nicht beherrschen kann und der Sexualität bedarf, für den ist es besser er nimmt sich ein Weib, heiratet und praktiziert dann seine Gelüste in dieser von Gott nicht für unwert befundenen Gemeinschaft, als dass er ohne verheiratet ist sexuellen Handlungen nachgeht. Freilich ist dies nur die zweitbeste Wahl, denn zum Zölibat sind nicht nur die Priester berufen, sondern grundsätzlich alle Nachfolger Christi, alle Erretteten und gerechten Menschen. Doch nicht eine äußere Pflicht, sondern die innere Einstellung soll dies bewirken, denn was wäre ein gerechter Dienst am Herrn, wenn er nicht aus dem Herzen käme, sondern durch äußere Umstände und äußeren Druck auferlegt?
Was sind nun die Vorteile, die damit verbunden sind keinerlei Sexualität zu praktizieren? Es sind deren mannigfaltige und bei genauerem Studium erkennt jeder, der Verstand hat, dass ein solches Leben zu den wertvollsten zählt, die es geben kann. Das zölibatäre Leben stärkt die Willenskraft, die Energie und die Kontrolle, die jemand über sein Leben hat in sehr beträchtlichem Maße. Es wird keine unnütze Zeit an das andere Geschlecht verschwendet und der Mensch ist in seiner Ganzheit offen für Gott und dessen Offenbarungen und Wunder im eigenen Leben. Anstatt um die Aufmerksamkeit des Mannes oder der Frau, die man begehrt zu buhlen, ist alles auf das Ewige und wahrhaft Wertvolle ausgerichtet. Man stelle sich vor ein Priester wäre verheiratet und hätte Kinder, dann ginge eine nicht unbeträchtliche Zeit für diese drauf, die dann im Dienste am Allmächtigen fehlt, eine Schande, die nicht zu rechtfertigen wäre. Zudem macht ein zölibatäres Leben einen viel glücklicher und die Selbstachtung erreicht Höhen von denen die sexuell aktiven Menschen nur zu träumen wagen – glücklich wer von Gott mit einer kaum vorhandenen Libido ausgestattet wurde!
Auch ist die Gesundheit zölibatärer Menschen viel besser als jene von Sexualpraktikanten, es gibt keine Gefahr von Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten – Seuchen, die in der Menschheit um sich greifen und immer schon eine Strafe für sexuelle Aktivität waren. Nicht zu vergessen ist auch die erhöhte Würde des sexuell nicht aktiven Menschen. Katholische Priester werden heute oft auch deshalb angegriffen, weil Menschen sich ihnen unterlegen fühlen – hier haben wir echte Heilige, die sich auf einen schweren Weg begeben haben und die den Unzüchtigen ein Ärgernis sind. Aber gerade die Kritik beweist die Rechtschaffenheit der Heiligen. Wer keine Sexualität praktiziert, begeht auch keine sexuelle Sünde – keinen außerehelichen Geschlechtsverkehr, keine Masturbation, keine Pornographie und ähnliches, die Reinheit des Herzens bleibt erhalten, die bei allen Menschen, die sexuell aktive sind nicht aufrecht erhalten bleiben kann. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass es keineswegs leicht ist seine sexuellen Aktivitäten völlig einzustellen. Es beginnt damit, dass man alle seine Handlungen diesbezüglich einstellt, doch auch wenn jeder Geschlechtsverkehr, jede Selbstbefriedigung und Pornographie aus dem Leben verschwunden ist, so dauert es doch meist eine ganze Weile, bis auch die Phantasien und Bilder im Kopf verschwunden sind. Hier heißt es auf Posten stehen und standhaft bleiben. Doch auch dieses Übel findet ein Ende und nach vielleicht ein bis zwei Jahren völliger Abstinenz verschwinden auch die geistigen Bilder, die sexuellen Gelüste verschwinden vollkommen und man erfährt eine Freiheit wie nie zuvor im Leben. Dank sei Gott dem Herr, der einen von der Sexualität völlig zu befreien vermag und einem Glückseligkeit zu schenken vermag, wie sie gewöhnliche Menschen leider in ihrem Leben niemals erfahren!
Die spirituelle Reife kann nicht zunehmen solange ein Mensch sexuell noch aktiv ist. Selbst Osho, der fragwürdige hinduistische Guru und Menschenverführer, hat erkannt, dass ab dem Alter von 42 Jahren kein Mensch mehr sexuelle aktiv sein sollte. Es liegt auf der Hand, dass Sexualität ab einem bestimmten Alter nicht nur nicht mehr angemessen, sondern geradezu abscheulich ist (niemand will sich 50jährige im Bett vorstellen!). Zucht und Ordnung, Disziplin und Erhabenheit nehmen zweifellos zu, wenn man der Sexualität entsagt. Die Lebensqualität erreicht neue Höhen und die Lebensfreude kennt keine Grenzen mehr.
Sex schädigt auch die Intelligenz, denn das Gehirn wird ständig mit chemischen Botenstoffen überschwemmt, die die Aktivitäten auf die Reproduktion lenken, anstatt auf wirklich wertvolle menschliche Tätigkeiten. Das Fleisch ist zwar nicht schlecht, doch steht es weit unter dem Geist, der das eigentlich Entscheidende ist.
Im Ergebnis spricht so vieles gegen und so gut wie gar nicht für die ausgelebte Sexualität. Aber wir leben in verruchten Zeiten und so nähern wir uns zweifelsohne der Endzeit. Doch wer standhaft bleibt, der wir seinen Lohn erhalten und für alles entschädigt werden, was er entbehren musste, wobei die Sexualität nicht dazu gehört. Diese nicht zu praktizieren ist eine grandiose Erleichterung und keine Last. Am gesegnetsten sind zweifellos die asexuellen Menschen, denen Gott in seiner Güte die Begierde ganz genommen hat, auf dass sie seine Heiligen werden, an denen er sein Gefallen hat. Schande über alle, die der Sexualität noch bedürfen und Ehre all jene, die die Kraft gefunden haben, sie nicht mehr zu praktizieren! Mögen die Menschen aufwachen, erkennen in was für extrem schlechten Zeiten wir leben und sich für Glück und Enthaltsamkeit entscheiden, auf dass unser Planet ein besserer werde.

Sonntag, 16. Mai 2010

Reifer Glaube

Die spirituelle Reife des Menschen entwickelt sich in der Regel viel langsamer, als die biologische Reife. Letztere stellt sich meist von selbst ein, während die geistige, nicht nur intellektuelle und seelische Reife, sich nur durch aktives Tun des Menschen selbst einstellt. Auch ist der Prozess nie abgeschlossen, sondern die Entwicklung läuft über das ganze Leben hindurch ab. Jedoch kommt es sehr oft vor, dass ein Mensch auf einem bestimmten Niveau über lange Zeit, wenn nicht sogar sein ganzes Leben lang, verbleibt. So kann es geschehen, dass ein Mensch im mittleren Alter immer noch ein kindliches Glaubensbild in sich trägt. Kein Wunder, dass es Menschen gibt, die daraus ableiten, dass Glauben überhaupt etwas Kindisches sei. In Wahrheit könnte jedoch nichts ferner liegen, denn der reife Glaube unterscheidet sich vom noch nicht gereiften Glauben, wie eine Eichel von einer ausgewachsenen Eiche. Der Glaube eines kleinen Kindes unterscheidet sich von dem der Jugend, des mittleren Alters und des Alters ganz erheblich. Ich möchte dies am Vergleich von zwei Gedichten zeigen, die Johann Wolfgang von Goethe geschrieben hat: „Prometheus“ und „Grenzen der Menschheit“

Prometheus
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Musst mir meine Erde
Doch lassen stehn
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Glut
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Ärmeres
Unter der Sonn als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Toren.
Da ich ein Kind war,
Nicht wusste, wo aus noch ein,
Kehrt ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär’
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz wie meins,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Übermut?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverei?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Tränen gestillet
Je des Geängstigten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blütenträume reiften?
Hier sitz ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

Grenzen der Menschheit
Wenn der uralte,
Heilige Vater
Mit gelassener Hand
Aus rollenden Wolken
Segnende Blitze
Über die Erde sät
Küss ich den letzten
Saum seines Kleides,
Kindliche Schauer
Treu in der Brust.
Denn mit Göttern
Soll sich nicht messen
Irgendein Mensch.
Hebt er sich aufwärts
Und berührt
Mit dem Scheitel die Sterne,
Nirgends haften dann
Die unsichern Sohlen,
Und mit ihm spielen
Wolken und Winde.
Steht er mit festen,
Markigen Knochen
Auf der wohl gegründeten
Dauernden Erde,
Reicht er nicht auf,
Nur mit der Eiche
Oder der Rebe
Sich zu vergleichen.
Was unterscheidet
Götter von Menschen?
Dass viele Wellen
Vor jenen wandeln,
Ein ewiger Strom:
Uns hebt die Welle,
Verschlingt die Welle,
Und wir versinken.
Ein kleiner Ring
Begrenzt unser Leben,
Und viele Geschlechter
Reihen sie dauernd,
An ihres Daseins
Unendliche Kette.

Es ist klar erkennbar, dass beide nicht denselben Geist, dieselbe Glaubenseinstellung ausdrücken. „Prometheus“ deutet auf einen „Stürmer und Dränger“ hin, eine jugendhafte Person, der es eine Zumutung zu sein schein, einen Gott über sich zu haben, die glaubt im Grunde mit wachem Verstand alles selbst in die Hand nehmen zu können. Wozu dann Gott? Von dieser Ablehnung gegen Gott, ist es nur ein kleiner Schritt zum Atheismus. Mag sein, dass Frust zu dieser Auffassung führt, mag sein, dass Gott nicht als gut, sondern als Tyrann aufgefasst wird. Ablehnung oder Leugnung Gottes, beides ist einem jedenfalls Recht. Prometheus zeigt sehr gut die Rebellion des (vor allem jungen) Menschen gegen einen Gott, gegen jemanden, dem man gegenüber verantwortlich ist, auch wenn man allen Menschen entkommen ist. Dass am Ende Rechenschaft über alles abzulegen ist, das erscheint untragbar. Das zweite Gedicht hingegen zeigt den reifen Glauben eines Menschen mit Lebenserfahrung, der wahrscheinlich viel durchgestanden hat und der endlich zur wahren Einsicht gelangt ist. Meist sind Menschen, die die Einstellungen von „Grenzen der Menschheit“ gewonnen haben auch die „Prometheuseinstellung“ gegangen und haben sie irgendwann hinter sich gelassen. Großer Zweifel ist nichts Schlechtes, im Gegenteil, gerade daraus kann der reife Glauben entspringen. Es zeigt, dass ein Mensch sehr in die Sache des Glaubens involviert ist. Vom durchdachten Atheismus zum echten Glauben ist es oft nur ein kleiner Sprung. Was es dazu braucht? Die Fairness und die Demut des Atheisten nun auch seine Zweifel anzuzweifeln. Der Atheist, der auch seinen Atheismus anzuzweifeln vermag, der kann diesen Entwicklungsschritt machen. Wenn es um Glauben geht, herrschen oft falsche Vorstellungen vor, die sich aus einem schlampigen Gebrauch des Wortes „glauben“ ergeben. So sagt einer zum Beispiel: „Ich glaube die Hauptstadt von Nicaragua ist Managua.“ Sagt er aber hingegen: „Ich weiß die Hauptstadt von Nicaragua ist Managua“, so ist das nicht dasselbe. Im zweiten Fall sprechen wir von wissen, im ersteren von „nur“ glauben. Glauben wird damit zu einer Restgröße für das Nichtwissen, die wir aber trotzdem für wahr halten. So gesehen, ist es leicht verständlich, den Glauben geringer zu schätzen. Wahrer Glaube hat aber damit nichts zu tun. Er entspringt sehr wohl auch dem Verstand, aber er geht darüber hinaus, da er das Gefühl, das Wollen und überhaupt das ganze Wesen des Menschen miteinschließt. Glauben ist das Ganzheitlichste, was es überhaupt gibt, er ist. Wahrer Glaube ist nicht nur eine Gewissheit, sondern sogar eine Übergewissheit. Zu glauben ist nicht nur vernünftig, es ist übervernünftig. Jeder weiß, dass die Wurzel aus 25 5 ist. Für den Gläubigen ist die Gewissheit, dass es Gott gibt, mindestens so stark wie die eben genannte Gewissheit. Sicher, der Nicht-Gläubige kann sich nicht wirklich vorstellen, wie einer zum Glauben kommt (mag er sich auch noch so viele Erklärungen zurecht legen). Doch er kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man ihm ein Beispiel nennt, so wie ich es oben mit der Wurzel aus 25 gemacht habe. Ich wünsche allen noch einen schönen Sonntag und gutes Gelingen in der nächsten Arbeitswoche.

Donnerstag, 6. Mai 2010

Das Phänomen des Glaubens

Wie ich bereits in meinem letzten Eintrag (Sonntag 2. Mai) geschrieben habe, gibt es drei Möglichkeiten, wie der Mensch auf die Frage nach dem Sinn des Lebens antworten kann. Ich möchte mich heute besonders mit der Antwort des Glaubens beschäftigen und zwar nicht in dem Sinne, dass es um einen bestimmten Inhalt des Glaubens, ein bestimmtes Bekenntnis, gehen soll, sondern um das Phänomen des Glaubens selbst. Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass es sich beim Glauben um ein Phänomen handelt, denn alle Zeiten und alle Orte haben es gekannt und treffend sagte bereits der antike Orator Cicero, dass es ein nicht glaubendes Volk noch nie gegeben habe. Wo immer es Menschen gab, da hat man auch geglaubt. Doch, was ist glauben eigentlich? Wie entsteht er?

Kritiker des Glaubens führen verschiedene Punkte auf, die ihrer Meinung zutreffen. Da gibt es einerseits die Ansicht Glauben sei kindisch, unwürdig des Erwachsenen und vor allem modernen Menschen des 21. Jahrhunderts. Die Unfähigkeit zu glauben führt dann oft zur Gleichgültigkeit oder entschiedener Ablehnung des Glaubens. Auch ist es möglich, dass die eigene Überheblichkeit Glauben nicht zulässt, denn man denke nur an die Regeln der Religionen. Wenn nämlich die Bücher des Glaubens, Gottes Wort sind und vollkommen zutreffen, dann hat dies enorme Konsequenzen für den Menschen und seine Art zu leben und gar viele würden wohl nicht bestehen können. Viele Menschen haben ein persönliches Interesse daran, dass diese Schriften nicht wahr sind. Atheismus kann auch aus dem Wunsch entstehen, dass es Gott nicht geben möge (Sartre sagte etwa: „Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Nichts:“).

Am Beginn steht der Begriff „Glauben“ selbst. In der heutigen Zeit wird das Wort „glauben“ viel zu häufig für Dinge verwendet, die dem eigentlichen Sinn dieses Wortes nicht entsprechen. Meist wird damit „vermuten“ oder „annehmen“ gemeint, auf diese Weise ist glauben aber weniger als wissen. Denn „glauben“ ist dann eine Sammelbezeichnung für die Dinge, die man nicht weiß, die man aber, aus welchen Gründen auch immer, für richtig hält. Wahrer Glaube jedoch übersteigt das Wissen bei weitem, denn niemals wird beim Glauben der Verstand ausgeschaltete, niemals heißt Glauben Nicht-Denken! Im Gegenteil, gerade beim Glauben wird gedacht. Allerdings ist es damit nicht getan. Glauben ist eine ganzheitliche Erfahrung, die Denken, Fühlen und Wollen miteinschließt. Im Ergebnis ist der Glaube ein Geschenk, das der Mensch nur erhält, wenn er eine gewisse Demut walten lässt. Niemals kann Glauben erzwungen werden. Auch kann kein Mensch den anderen glaubend machen. Deshalb sprechen verschiedene Religionen auch davon, dass Gott im Menschen den Glauben erwecke. Tut er dies nicht, so kann der Mensch nicht glauben.

In gewisser Weise leben Menschen die glauben und solche, die nicht glauben, nicht in derselben Welt. Zwischen Glauben und Nichtglauben gibt es einen Graben, der nicht einfach überbrückt werden kann. Für den Nichtglaubenden ist der Gläubige ein Rätsel. Es ist so, als ob ein „Schalter“ in ihm umgelegt wurde und sich eine Gewissheit eingestellt hätte, die nicht zu erklären ist. Sämtliche Erklärungsversuche laufen ins Leere, es sei denn man begnügt sich mit ein paar vorgefassten Ansichten, wie dass solche Leute wohl verrückt sein müssten. Doch kennt jemand eine Person aus persönlicher Erfahrung, die lange Zeit ihres Lebens nicht glaubend war und plötzlich glaubt, so kann man nicht einfach auf so eine „leichte Lösung“ zurückgreifen. Der Mensch hat sich nicht zurückentwickelt oder ist aus der Welt geflohen, sondern er hat einen Quantensprung gemacht, der dem anderen unbegreiflich bleibt.

Problematisch ist natürlich der unvollständige Glaube und auf ihm beziehen sich auch allerhand Kritiken. Ein nicht entwickelter Glaube ist leicht Aberglaube oder Irrglaube. Oft finden sich hier hartherzige Menschen, die mit aller Gewalt anderen ihr Weltbild aufdrücken wollen. Solche Irrgläubigen dienen dann als abschreckendes Beispiel für die Nichtgläubigen und der Glaube selbst kommt in Verruf. Wer aber nach dem Glauben fragt, der befindet sich bereits auf dem Weg zum Glauben, alles beginnt mit der Frage. Selbst der entschieden Nicht-Gläubige ist meist einer, der sich zutiefst nach dem Glauben sehnt aber kein Vertrauen fassen kann.

Der Anfang des Glaubens ist immer ein Öffnen für das Unbegreifliche, dies umfasst einerseits den Willensentschluss sich darauf einzulassen, andererseits die intellektuelle und emotionale Bereitschaft zu empfangen. Auch im Alltag kennt der Mensch den Glauben, zum Beispiel den Glauben an einen anderen Menschen. Wir brauchen das Vertrauen in andere Menschen, ansonsten könnte keiner von uns leben, ja wir wären nicht einmal auf die Welt gekommen. Der Glaube aber, von dem hier die Rede ist (religiöser Glaube) entsteht aus der Begegnung mit der Gottheit. Der Mensch weiß um die Gottheit, doch kann er sie „nicht schauen“, wie es die Bibel ausdrückt. Trotzdem hat der Mensch eine höhere Gewissheit, die weit über das hinausgeht, was er sonst an Gewissheiten kennt. Der Glaube ist nicht unvernünftig! Im Gegenteil: Der Glaube ist eine höhere Qualifikation von Vernunft, die das ganze Wesen des Menschen einschießt. Deshalb handelt es sich dabei auch um eine „leibhaftige“ Erfahrung und nicht um einen abstrakten Gedanken. Durch den Glauben wird Gott von einem metaphysischen Begriff zu einer real erfahrbaren Person. Man ist nicht mehr alleine, es steht einem ein „Du“ gegenüber, ein „Vater“, wenn wir im christlichen Sinne sprechen wollen. Weil der Mensch den Glauben nicht selbst herbeiführen kann, weil er nicht glauben kann, wenn er es sich auch noch so sehr wünschen mag, spricht man auch von der „Gnade“ glauben zu können.

Am Anfang des Glaubens steht das Denken, das vernunftmäßige Durchdenken. Darauf folgt die Entscheidung sich einzulassen und dann kommt der entscheidende Schritt, des sich Fallenlassens. Der Mensch besitzt einen freien Willen und dieser umfasst auch, dass er die Entscheidung gegen den Glauben treffen kann. Es steht im frei, sich nicht auf den Glauben einzulassen. Drum gibt es auch keinen Glauben ohne Willen.

In der Geschichte gibt es die unterschiedlichsten Schilderungen von Menschen, die plötzlich zum Glauben gebracht wurden. Einerseits gibt es die übernatürlichen Erscheinungen, wie sie die Bibel schildert (Saulus auf dem Weg nach Damaskus), Bekehrungen wie wir sie von Augustinus kennen, dramatische Ereignisse wie Krieg, Verwundungen, Verlust, Leid, die zum plötzlichen Glauben geführt haben. Bei den meisten Menschen geht dem Glauben jedoch eine längere Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens voraus. Es wird viel nachgedacht, gelesen, Vorträge und Seminare besucht. Die Suche wird sehr ernsthaft und intensiv betrieben. Mitunter kann das Verlangen nach Sinn derart groß sein, dass ein gewöhnliches Leben gar nicht mehr möglich ist, bis der Hunger danach gestillt wurde. Die inneren Kämpfe, die einer hier auszufechten hat, sind nicht zu unterschätzen, derjenige, der zum Glauben gelangt wird wiedergeboren und ist danach ein völlig anderer Menschen. Am Alten kann nicht mehr festgehalten werden. Der Mensch verändert sich in seiner Gesamtheit, denn der Glaube ist nicht ein zusätzlicher Aspekt des Lebens, sondern das Leben selbst in allen Bereichen. Deshalb kann Glaube auch niemals Privatsache sein, er wird das Wesen des Menschen in allen Bereichen durchdringen und keine Entscheidung, keine Wahl, wird davon nicht tangiert werden. Irgendwann trifft der Mensch dann oft die Entscheidung sich einzulassen und von der bloßen Annahme einer Gottheit zur realen Erfahrbarkeit zu gelangen, indem der eigene Wille zurücktritt und sich die Bereitschaft für „dein Wille geschehe“ einstellt. Dann aber braucht es des Mutes, denn dieser nächste Schritt ist ein Sprung in die Leere, in den Abgrund ohne Boden, ein tiefes Vertrauen ist dafür nötig.

Eines muss hier noch erwähnt werden, nämlich dass der Glaube sich auch mit dem Lebensalter verändert. Der Glaube des Alters ist nicht derselbe, wie der Glaube des Kindes oder des Heranwachsenden. Entwickelt sich der Glaube nicht mit dem Lebensalter mit, dann kann er wirklich kindisch erscheinen. So kann es durchaus vorkommen, dass ein Erwachsener spirituell noch den Glauben des Kindes hat und somit auch seiner Umgebung als unreif erscheint. Der Glaube spielt in die Lebensfragen hinein und ein nicht entwickelter oder stehen gebliebener Glaube, ist deshalb auch den Lebensaufgaben des Erwachsenen nicht gewachsen. Daraus aber den Schluss zu ziehen der Glaube selbst sei untauglich, wäre vermessen. Glauben entwickelt sich in jedem selbst und ist immer auch eine individuelle Angelegenheit, insofern, als zwischen der Gottheit und dem Menschen ein persönliches Verhältnis besteht und sich insbesondere die individuelle Mission des Menschen in der Welt aus dieser Beziehung ableitet. Der Glaube wächst aus den eigenen Erfahrungen und dem intensiven Nachdenken über den Glauben und die Glaubensregeln. Deshalb auch das Gebet. Gebet ist ein Gespräch mit der Gottheit, aber es ist mehr als ein Loben, Bitten oder Danken. Niemals ist es naives Anrufen einer Ungewissheit, derjenige, der solches tut, der ist im Glauben noch nicht angekommen und unterscheidet sich kaum von den primitiven heidnischen Gläubigen, die der Natur selbst Heilkraft zuschreiben und für die die Gottheit in irdischen Hüllen wohnt (Götzen).

Möglicherweise ist der Glaube Teil eine höheren Ganzwerdung der Menschen, auf dem Weg der Vervollkommnung durch Gott, ein Schritt weiter über das hinaus, was die Menschen waren, bevor zum ersten Mal der Funke des Glaubens in einem Menschen sich entfachte. Der Glauben ist nicht nur nicht unvernünftig, sondern überhaupt das Vernünftigste, was der moderne Mensch tun kann (Chesterton), bedenkt man den Hunger nach Sinn, der ja kein Fehler, sondern ordentlicher Bestandteil der Natur des Menschen ist. Deshalb konnte der Heilige Augustinus auch sagen: „Herr, du hast uns zu dir hin erschaffen und unser Herz ist unruhig, bis es weilt in dir.“

Sonntag, 2. Mai 2010

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Den meisten Menschen ist es nicht genug, zumindest nicht, wenn sie ihre Leben über einen längeren Zeitraum hinweg betrachten, einfach nur zu leben, ohne zu wissen, wohin es geht. Dabei geht es nicht nur um das Leben selbst von der Geburt bis zum Tod, also die Frage „Was mache ich in meinem Leben?“, sondern wohin führt das ganze. Es drängen sich Fragen auf wie „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“ oder „Was ist meine Berufung / Mission?“. Diese Fragen haben die Menschen seit jeher beschäftigt und es wurden auch viele Versuche gemacht sie zu beantworten. Aber unabhängig davon, wie die Antwort nun ausfiel, blieb doch immer die Tatsache der Frage selbst! Daran kam und kommt keiner vorbei.

Es hat auch immer Menschen gegeben, die sich ernsthaft diese Frage gestellt haben, aber dann zum Ergebnis kamen, dass die Frage selbst unsinnig sei. Anstatt dies Frage nun zu beantworten, haben sie einfach diese selbst für obsolet oder unvernünftig oder gar nicht beantwortbar erklärt. Manche scheinen mit diesem Ergebnis leben zu können. Doch für den größten Teil der Menschheit, ist dies völlig inakzeptabel und nicht erfüllend. Alles sträubt sich im inneren dagegen. Ginge es nur um den Verstand alleine, könnte damit durchaus ein Auslangen gefunden werden. „Stell keine derartigen Fragen, sondern lebe einfach dein Leben!“, könnte dann die Antwort lauten und ein weiteres Problem ergäbe sich somit nicht. Doch in Wahrheit erfüllt eine solche Antwort den Menschen ganz und gar nicht. Die Leere im Inneren bleibt und lässt sich nicht beseitigen. Wie kommt das? Der Mensch ist ein Lebewesen und damit etwas, das Entscheidungen trifft. Der Mensch ist durch Bedürfnisse gekennzeichnet und wir sehen, dass diese Bedürfnisse sinnvoll sind und dem Leben dienen. Wir haben Hunger damit wir essen. Dieser dient dazu unser Leben zu erhalten. Dann haben wir Bedürfnisse nach Liebe, Achtung, Wissen, Schönheit und einer ganzen Reihe anderer Dinge. Und wir sehen, dass einem Bedürfnis immer eine Erfüllung gegenüber steht. Das Bedürfnis ist sinnvoll. Das will natürlich nicht heißen, dass die Art und Weise wie der Mensch seine Bedürfnisse befriedigt, immer vernünftig ist. Wir wissen alle, dass dem oft nicht so ist. Doch die Tatsache des vernünftigen Bedürfnisses selbst bleibt. Wir erkennen das im Allgemeinen an. Doch gerade beim wichtigsten Bedürfnis, dem Bedürfnis nach dem Sinn des Lebens selbst, nach dem was über das irdische Dasein hinausgeht, behaupten manche, dieses sei nicht vernünftig, man solle sich darum nicht kümmern.

Diese Ansicht kann aus Faulheit entstehen. Vielleicht hat man sich nicht intensiv mit der Frage beschäftigt, sie ist einem lästig und man fühlt sich durch andere Menschen belästigt, die ständig diese Frage stellen. Oder aber, man hat lange gesucht, vieles ausprobiert und ist trotz all des eifrigen Bemühens, nicht zu einem Ergebnis gekommen. Die Frustration soll ein Ende haben und so entschließt man sich dafür die Frage selbst für unsinnig zu erklären. Und ist man arrogant genug, dann mag man sich überlegen fühlen und diejenigen, die noch suchen bedauern oder für unter einem selbst stehend betrachten.

Es gibt drei Möglichkeiten wie man die Frage nach dem Sinn des Lebens beantworten kann, wobei nur zwei davon echte Antworten sind. Die erste Möglichkeit ist das Aufschieben der Frage. Dies ist die einfachste und angenehmste Antwort, wir sind kurzfristig erleichtert und können unser Leben so wie gewohnt weiter leben, die Ruhe ist nicht mehr gestört und der Seelenfrieden wieder (scheinbar) hergestellt. Natürlich ist das nur eine Scheinlösung und es ist nicht zu erwarten, dass die Frage nicht später wieder auftaucht. Im Ergebnis ist diese Antwort sehr menschlich und deshalb kann man solche Leute auch gut verstehen, die sich für diesen einfachen Weg entscheiden.

Dann gibt es diejenige Antwort, die den Sinn des Lebens verneint. Gerade in philosophischen Kreisen, hat sich bei vielen die Ansicht breit gemacht, welche aus Trotz gegenüber den Enttäuschungen des Lebens erwachsen ist. Der unbefriedigende Zustand wird kämpferisch bejaht. Das Leben sei zwar sinnlos, aber der Mensch müsse dieses Schicksal heroisch tragen. Der Mensch sei eben in die Welt hineingeworfen worden und Ungeborgenheit sei dem Menschen unausweichlich bestimmt. Der einzige Sinn im Leben sei jener, dass es keinen Sinn gäbe. Aufgabe sei es diesen Zustand zu akzeptieren und heldenhaft auf sich zu nehmen. Der Mensch bewundert sich dabei selbst und macht sich zum Zentrum seines Daseins. Viele halten diese Ansicht über das Leben sehr konsequent durch. Aber zu dieser Betrachtung gelangt man nur, wenn man die Erkenntnisse über den Sinn des Lebens aus der Umwelt ableitete, aus seiner eigenen Erfahrung, oder möglicherweise noch aus der Erfahrung der Menschheit als solche. So gibt es auch nichts über den Tod hinaus und wenn einer stirbt, dann bleibt alles so zurück, wie er es verlassen hat, es gibt keine Vollendung, alles bleibt offen und brüchig.

Dann gibt es die dritte Ansicht über den Sinn des Lebens und das ist jener Bereich mit dem sich all jene beschäftigen, die sich der Welt des Glaubens zugewandt haben. Das umfasst den Bereich der Religionen aber noch vieles mehr, das nicht unbedingt im Rahmen der organisierten Religionen ihren Platz findet. Der Glauben ist die einzige befriedigende Antwort auf die Sinnfragen des Menschen. Niemand, der im Rahmen der Sinnleugner bleibt, das heiß jene Menschen, die sich nur auf die Welt, wie sie sie sinnlich und verstandesgemäß erkennen, verlassen, kann zu wahrem Glauben kommen. Alles, was solchen Menschen bleibt, ist eine Illusion, die sie sich selbst bilden können, um ihre Leere zu füllen. Das ist ja ein Vorwurf, der der Religion immer wieder gemacht wurde. Doch wahrer Glaube ist keine Illusion, sondern gründet sich auf echte Erfahrungen, nicht auf Illusionen, Halluzinationen oder dergleichen. Niemals wird man einen Sinn des Lebens im mathematisch-naturwissenschaftlichen Sinne finden, denn der Sinn übersteigt den Verstand und hat mit Wahrheit, nicht so sehr mit Wissen zu tun! Doch zu aller Zeit hat es Menschen gegeben, die geglaubt haben, die reale Erfahrungen gemacht haben, die sie an einen persönlichen Gott glauben ließen. Freilich bleibt einem dies verschlossen, wenn man einen solchen Menschen nach seinen Erfahrung fragt und selbst kein solches Erlebnis je selbst hatte. Erfahrungen können nicht übertragen werden, darum wird ein Mensch nicht durch die Glaubenserfahrung eines anderen gläubig. Nein, denn ein solcher Mensch muss einem rätselhaft bleiben. Wer nicht glaubt, kann nicht verstehen, wie der Glaube sich für einen Gläubigen anfühlt, welche Erfahrungen er machte. Das ist die „Schwäche“, wenn es darum geht andere die nicht glauben seinen Glauben mitzuteilen. Entweder werden sie nicht verstehen, was da vor sich geht oder sie glauben möglicherweise sogar, dass mit einem etwas nicht in Ordnung sei. Das Beispiel von Glaubenden aller Zeiten kann einem aber sehr leicht vor Augen führen, dass es sich dabei nicht um „Verrücktheiten“, „Weltflucht“, „Aberglauben“, „Naivität“ oder dergleichen handelt. Wenn einer, der nicht glaubt, ehrlich zu sich selbst ist, muss er einfach vor einem Rätsel stehen, erklären kann er es sich nicht.

Thomas von Aquin hat geschrieben, dass der Mensch „fähig zum Unendlichen“ sei. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass dies stimmt. Der Glaube ist kein Aberglaube, sondern Realität, eine Realität erfahr-, aber nicht beweisbar (im herkömmlichen Sinne) ist. Wer der Wahrheit selbst Grenzen gesetzt hat, indem er enge Regeln der Wahrheitserkenntnis gesetzt hat, wird sie so nicht erkennen. Eine Sache muss hier aber noch ganz deutlich gesagt werden. Der Glaube ist ein Geschenk, nicht jedem wird er gegeben und der Mensch kann den wahren Glauben auch nicht durch einen eigenen Willensentschluss herbeiführen. Der Glaube kann durch keinerlei Handlungen, Gedanken oder Worte des Menschen selbst bewirkt werden. Gerade deshalb scheint es auch so schwer für viele Menschen zu sein, zu glauben.

Aber welche der drei Antwortmöglichkeiten einer auf die Frage des Sinnes des Lebens geben mag, immer ist es eine Entscheidung, die der Mensch selbst trifft. Der freie Wille des Menschen gibt ihm die Möglichkeit „ja“ oder „nein“ zum Glauben zu sagen. Welche Entscheidung haben Sie getroffen?!

Dienstag, 27. April 2010

Buddhismus - ein Irrweg?

Ich gestehe! Viele Jahre lang habe ich mich intensiv mit dem Buddhismus beschäftigt, habe ohne Unterlass meditiert, Regeln befolgt, Lehrmeister aufgesucht, immer auf der Suche nach Erleuchtung. Ich selbst habe auf diesem Blog einige Texte, die sich mit Buddhismus beschäftigten veröffentlicht. Nun bedauere ich zutiefst dies getan zu haben und habe auch alle Texte gelöscht, um weiteren Schaden zu verhindern. Heutzutage ist es sehr leicht auf den Buddhismus als „alternativen Weg“ zu den, bei uns traditionellen, Religionen zu gelangen oder, wie in meinem Fall, eine Kombination von Buddhismus und Christentum anzustreben. Oft wurde mir versichert, von scheinbar kompetenter Seite, dass etwa buddhistische Meditation ohne weiteres mit der Ausübung des Christentums vereinbar sei. Doch jetzt weiß ich, dass dies der größte Unsinn ist, den man verbreiten kann. Der Buddhismus ist mit dem Christentum in keiner Weise zu vereinbaren! Dies ist nicht nur ein Irrtum, mehr noch es ist eine infame Lüge! Der Buddhismus verdient nicht einmal die Bezeichnung „Religion“. In Wahrheit gehört der Buddhismus in den Bereich der Esoterik. Nicht das letztgültige, der Schöpfer selbst ist das Ziel, sondern der Kosmos mit seiner sichtbaren und seiner unsichtbaren Welt. Als ich früher Fragen über Gott im Buddhismus gestellt hatte, wurden mir die unterschiedlichsten Antworten gegeben. Einerseits wurde gemeint, die Frage nach Gott sei nicht relevant, andere glaubten Gott (wobei im Buddhismus meist in der Mehrzahl gesprochen wird) sei eine Erscheinung des Geistes selbst, die man aufgeben müsse. Und dann gab es da noch die Meinung, Gott und Schöpfung seinen identisch, Gott sei so etwas wie die „Matrix“ hinter der Welt. Damit wird dem Pantheismus Tür und Tor geöffnet. Die Schöpfung selbst als Schöpfer? Welch ein Unsinn!

In Wahrheit ist der Buddhismus kein Weg der Befreiung und kein Weg zum Glück, sondern zum Verlöschen und dieser statuengleiche, gefühllose, gedankenlose Zustand wird dann als glückselig beschrieben. Der Buddhismus beschäftigt sich zwar mit der materiellen und der psychisch-spirituellen Welt, doch überschreitet er diesen Rahmen niemals, ja er leugnet sogar ein Vorhandensein von mehr. Der Buddhismus besagt ja, dass alle Dinge ihrem Wesen nach leer seien und dass alles Dasein aus den fünf Daseinsaggregaten, den so genannten „Skandhas“ (Körperlichkeit, Gefühle, Gedankenformationen, Wahrnehmungen, Bewusstsein), zusammengesetzt sei. Die Wahrheit ist nach Ansicht des Buddhismus das, was übrig bleibt, wenn diese Skandhas weggefallen seien.

Das Ziel des Buddhismus ist, wie schon gesagt die Erleuchtung, das völlige Verlöschen und damit Ablehnung des Lebens. Natürlich wird das nicht so gesagt, das Leben, wie wir es kennen, soll als illusionär erkannt werden, wir hätten alle Buddha-Natur und deshalb sei uns das Erkennen der Leerheit möglich. Erleuchtung heißt das Nichtvorhandensein von Leid. Hört sich unglaublich toll an und dazu das liebe, freundliche Lächeln der kahlköpfigen Mönche. Wer kann da schon an Böses glauben? Doch die Wölfe kommen immer im Schafspelz. Das Böse steht uns oft lächelnd gegenüber und lockt uns mit Angeboten, wie etwa das Verschwinden des Leides. Besonders Menschen, die nach Glückseligkeit suchen, die eine friedvolle Welt sich ersehnen, werden leicht vom Buddhismus eingefangen. Ich selbst stellte mir unter Erleuchtung das absolute Glück vor, das Höchste vom Höchsten, das Beste vom Besten. Wer kann schon gegen eine solche Verheißung sein?!

Doch erkannte ich, wenn auch sehr spät und nach langem Kampf, dass der Buddhismus in dieser Zwischenwelt stecken bleibt, in der sich auch die ganze Esoterik abspielt. Die Welt von allen möglichen Geistern, Dämonen, Engeln, Lichtgestalten, Naturgeistern und dergleichen (die mich nie interessierten). Diese Welt existiert wirklich, das wissen auch die Religionen, deshalb leugnen sie nicht wie die Materialisten oder die Wissenschaften diese Welten und ihre Bewohner. Es ist auch kein Problem für den Menschen mit diesen Wesen Kontakt aufzunehmen. Jeder der ernsthaft über einen längeren Zeitraum meditiert, hat Erfahrungen mit dieser Welt gemacht (wobei das Erkennen notwendigerweise wie mit allem nur im Geiste des Menschen geschieht und eine tatsächlich vorhandene "geistige" Welt selbst ein Erklärungsversuch bleibt). Die Verblendung geht manchmal so weit, dass manche glauben, sie würden jetzt ihr „wahres Wesen“ oder gar „Gott“ erkennen.

Was aber die Wahrheit betrifft, so ist diese nur in Gott zu finden und dieser ist nicht der Kosmos, nicht die Matrix, nicht die geistige Welt, sondern der Schöpfer. Der Buddhismus konnte niemals in diese Welt eindringen. Wie auch? denn die Verbindung mit Gott ist eine Gnade Gottes und nichts was der Mensch einfach so selbst in die Hand nehmen könnte. Der Buddhismus aber glaubt das Höchste im Verlöschen, in der Verneinung der Welt (sie sei ja illusorisch), zu finden, die Gegensätze sie soll „transzendiert“ werden, der Gegensatz, der Kampf soll beendet werden um einen nichtexistenten ewigen Ruhezustand zu erreichen. Der Sinn des Christentums ist die Versöhnung mit Gott! Das ist der Grund, warum jemand Christ ist. Dabei geht es um viel mehr, als um ein Zurruhekommen „in der Welt“. Als Christ ist man in der Welt aber nicht von der Welt. Etwas, das der Buddhismus niemals sagen kann!

Noch einmal: Christentum und Buddhismus widersprechen sich, die Gegensätze sind unüberbrückbar und es muss eindringlich davor gewarnt werden eine „Einheitsreligion“ zu schaffen, in der sich jede Religion wieder finden kann. Was nicht warm und nicht kalt, sondern lau ist, das muss verworfen werden! Der Buddhismus sieht Gott nicht als das Höchste, nicht als den Schöpfer, sondern als etwas, das ebenfalls abgelegt werden müsste. Damit wird der Mensch höher als Gott, damit sieht es so aus, als ob der Mensch selbst Schöpfer seiner selbst wäre. Völlig unvereinbar mit dem Christentum ist die Idee der Reinkarnation. Jemand, der an Wiedergeburt glaubt, kann nicht Christ genannt werden. Wiedergeburt ist ebenfalls eine Irrlehre, gewonnen durch den Umgang mit der „Geisteswelt“, doch sehr verlockend, weil dadurch scheinbar Dinge erklärbar werden, die sich einer Erklärung entziehen. Im Ergebnis ist der Buddhismus einfach zu niedrig, um zur Absolutheit vorzudringen! Alles, was er zu bieten hat ist die Auflösung dessen, von dem er glaubt es sein eine Illusion (sichtbare und unsichtbare Welt). Der Buddhismus ist eine große Gefahr, unter anderem auch für unsere freie Gesellschaft und im Kern völlig gefühllos: keine Liebe, keine Güte, keine Vergebung – alles Dinge, die einem im Christentum zugute kommen.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Erfüllung und die Anatomie der Persönlichkeit

In der letzen Woche stieß ich auf der Internet-Plattform Youtube.com im Zuge einiger Recherchen über „großartige Charaktere“, „reife Persönlichkeiten“ und „vollendeter Charaktere“, auf einen zweistündigen Videomitschnitt eines Seminars, das den Tetel „The Inner Game“ trug. In diesem Teil des mehrtätigen Seminars ging es darum, was sich im Inneren einer Persönlichkeit abspielt und was einen edlen und vollendeten Charakter ausmacht. Der Beitrag handelte zwar speziell von Dating-Situationen, doch sind die Lehren, die sich daraus ziehen lassen allgemein anwendbar, ungeachtet dessen, um welchen Bereich des Lebens es sich handelt. Die zentrale Person von der die Ideen und Konzepte stammten war ein amerikanischer Psychologe mit dem Namen „Dr. Paul Dobransky“. Seine Website hier aufgerufen werden.
Ich selbst beschäftige mich schon seit geraumer Zeit intensiv mit der menschlichen Persönlichkeit und habe mir im Laufe der Jahre unzählige Aufzeichnungen gemacht, über eigene Erfahrungen, theoretische Modelle, Spekulationen und vielem anderen mehr. Dabei ist mir stets aufgefallen, wie uneinheitlich die verschiedenen Anschauungen zu dem, was der Mensch eigentlich ist, sind. Tatsächlich kann die Wissenschaft uns keine Wahrheiten über irgendeine Sache liefern, ja sie ist nicht einmal in der Lage uns vernünftige Wahrscheinlichkeiten anzugeben. Die Wahrheit über das wahre Wesen des Menschen kann niemals Gegenstand der Wissenschaften, zumindest nicht nach den herkömmlichen Regeln, denen sie sich bisher noch unterworfen hat, sein. Um eben dieses wahre Wesen ausfindig machen zu können, muss man tiefer in die Dinge eindringen und durch direkte Schau in den Urgrund wahre Erkenntnis erlangen. Der weite Bereich, der sich damit beschäftig ist die Metaphysik, die jedoch anders als jener der Philosophie angeschlossene Teil über die Spekulation hinaus zu gehen weiß. Dies ist aber nicht das Thema dieses Artikels.
Um es kurz zu sagen: Das Konzept von Dr. Paul war der fehlende Puzzlestein, dessen ich noch bedurfte, um ein vollständiges Bild der Persönlichkeit, wie auch der gesamten Psychologie, zu bekommen. Damit habe ich ein Modell zur Hand aus dem heraus sich jedes Problem lösen lässt, denn die Anatomie der Persönlichkeit und eines Problems ist genau das gleiche. Wie sieht dieses Modell nun aus? Jede menschliche Persönlichkeit, wie auch jedes Problem das auch nur im Entferntesten denkbar wäre, besteht aus vier und zwar nur aus vier Teilen! Diese sind: 1.) Persönliche Grenzen, 2.) die Kraft Entscheidungen zu fällen, was auch unter freiem Willen bekannt ist, 3.) dem Intellekt und den Ideen und 4.) dem Management der emotionalen Energien. Damit sind alle Bereiche vollständig abgedeckt.
Ad. 1.: Die persönlichen Grenzen eines Menschen geben ihm eine Identität und grenzen ihn gegen die Außenwelt und insbesondere gegen andere Menschen ab. Sie haben eine ähnliche Funktion wie die Grenzen eines Staates. Sie bilden die erste Verteidigungslinie und Eindringlinge oder auch Besucher werden an dieser Grenze kontrolliert. Dass der Mensch jedoch vollständige Grenzen hat, ist ein Ideal, das in der Praxis nur sehr selten anzutreffen ist. Seine Grenzen zu kennen gibt einem Konturen und zeigt der Außenwelt wer man ist. Um die Grenzen klar errichten zu können, ist es wichtig, dass der Mensch seine Werte kennt, dass er weiß was ihm wichtig ist, welche Vorlieben und Abneigungen er hat. Grenzen ermöglichen es einem „Nein“ zu sagen. Menschen mit klaren Grenzen, die diese verteidigen gelten als „starke“ Charaktere, ungeachtet ob wir ihnen zustimmen oder nicht, denn andere Menschen können nicht in sie eindringen, es sei denn mit Erlaubnis und sie können dieses Recht auch jederzeit wieder verlieren. In einem Menschen mit klaren Grenzen kann ein anderer sich nicht festsetzen. Die meisten jedoch haben Löcher in ihren Grenzen und das sind die Angriffspunkte anderer. Hat jemand zum Beispiel keine Meinung zu einem bestimmten Thema, dann können andere sich seiner bemächtigen und ihn dazu zwingen oder sie dahingehend manipulieren sich ihrer Meinung anzuschließen, sich willfährig zu erweisen Ein gutes Beispiel hierzu ergibt sich etwa in Beziehungen. Wenn einer auf seine Traumfrau oder ihren Traummann stößt und ist die persönliche Grenze nach außen nicht klar gezogen oder wird als solche verteidigt, so hat der Traummann oder die Traumfrau die Macht über den anderen ihn dazu zu bringen, was dieser vielleicht gar nicht wollte. Aus Angst den anderen zu verlieren, sagt jemand dann eher „Ja“, obwohl es ihn im Grunde seines Herzens schmerzt und es nicht gut für ihn ist, da er seine Werte verletzt. Ideale, an denen man anhaftet sind Löcher in den eigenen Grenzen, über die andere oder eine Sache (z.B. politische Meinung, Weltanschauung etc.) Gewalt über einen gewinnen können.
Ad. 2.: Die Kraft Entscheidungen fällen zu können, ist der zweite Aspekt eines starken Charakters, auch bekannt unter dem freien Willen. Das wahre Wesen des Menschen ist ewig und besteht weiter, auch wenn der Körper längst gestorben, das heißt sich in der Welt aufgelöst hat, ist. Im menschlichen Speicherbewusstsein sind alle Samen vorhanden, welche davon kultiviert werden, obliegt der Entscheidung eines jeden einzelnen. Der freie Wille des Menschen entspringt seinem wahren Wesen und überdauert als solcher alle Zeiten. Es ist wichtig dies festzuhalten, nämlich, dass der Mensch wahrhaftig über einen freien Willen verfügt und dieser sich nicht aus seinen eigenen Genen oder gar einer körperlichen Tätigkeit ableitet. Es ist deshalb auch Unsinn davon auszugehen, dass der Wille ein Ergebnis der Hirntätigkeit sei (Materie sei Ursache des Geistes), wäre dem so, könnte nie von einem freien Willen, zumindest im absoluten Sinne gesprochen werden, da dieser dann von den Genen und den Prägungen in diesem Leben (vor allem Erziehung, Milieu etc.) abhängig wäre. In Wahrheit ist der Geist immer Ursache der Materie und niemals dessen Wirkung. Materie jedoch ist niemals eine Ursache für irgendeine Sache, nicht einmal für Materie selbst. Auch dazu ist der Geist als Schöpfer notwenig (etwas, das den Darwinisten inzwischen auch schon bekannt sein sollte, zugeben wollen sie es allerdings bislang noch nicht). Wer nicht das Gefühl hat einen freien Willen zu haben, fühlt sich gefangen, eingeengt, von anderen oder irgendwelchen Mächten beherrscht, sei es Gott, das Schicksal oder von der Vorsehung, wie immer man die Sache auch nennen möchte. Um zu erkennen, dass man über einen freien Willen verfügt, ist es vor allem wichtig achtsam zu sein, seine Bewusstheit zu trainieren. Dies geschieht dadurch, dass man versucht so oft als möglich im Hier und Jetzt zu leben, nur dann ist der Mensch wirklich lebendig. Denken wir an die Vergangenheit oder an die Zukunft, dann befinden wir uns größtenteils auf Autopilot umgestellt. Das einfachste Mittel, um zu erkennen, dass in unserem Leben etwas falsch läuft, muss man nur auf seine Gefühle achten. Ist der Geist nicht durch bewusstseinsbeeinträchtigende Mittel (Alkohol, Drogen, Schokolade, Fernsehen etc.) betäubt, dann sagen einem die Gefühle ganz genau, dass etwas nicht stimmt. Das ist unter anderem der Sinn unserer Gefühle, als Warnblinklampen auf dem Armaturenbrett des Lebens zu dienen. Fühlen wir uns gut, ist das, wie wenn alle Lampen auf grün stehen, fühlen wir uns schlecht, so leuchtet eine oder mehrere Lampen rot auf: Achtung! Wenn wir uns in einer Entscheidungssituation befinden haben wir zuerst die Wahl ob wir eine Entscheidung treffen wollen oder nicht. Entscheiden wir uns nicht, so nimmt unsere Lebensqualität in jedem Fall ab. Treffen wir eine Entscheidung, nimmt diese in jedem Fall zu. Eine Entscheidung kann entweder konstruktiv oder destruktiv sein, aber mit Sicherheit steigt die Qualität des Lebens dadurch. Es gibt also niemals einen vernünftigen Grund keine Entscheidung zu treffen!
Ad. 3.: Der dritte Aspekt ist der Intellekt und die Ideen. Hierher gehört auch die Kreativität, die Fähigkeit spontan Neues hervorzubringen, schöpferisch tätig zu sein. Wenn wir über ausreichend Kenntnisse und/oder Erfahrung verfügen eine Sache im Leben zu bewältigen, dann fühlen wir uns stark und gut. Lernen ist deshalb ein wesentlicher Aspekt einer reifen Persönlichkeit, vor allem die Fähigkeit effektiv lernen zu können ist dabei essentiell. Heutzutage wird in diesem Bereich zu viel Wert auf das Wissen alleine gelegt und zu wenig auf Erfahrung und wahre Erkenntnis der Dinge. Nur, wenn man eine Sache persönlich erfahren hat, beherrscht man sie wirklich, was nur aus Büchern gelernt wurde, ist totes Wissen im Kopf, reine Theorie, die einem nicht die Sicherheit vermittelt, die nur persönliche Erfahrung einem geben kann.
Ad. 4.: Der vierte Punkt hier ist endlich das Management der emotionalen Energie. Eine reife Persönlichkeit erkennt die starke Energie, die hinter Gefühlen steckt und weiß sie zu kanalisieren, um produktiv tätig sein zu können. Dies ist zweifelsohne leichter bei positiven Energien, die ohnehin auf das Leben und das Konstruktive ausgerichtet sind. Probleme bereiten hier die negativen Gefühle, die einen sabotieren und, wenn sie nicht umgeleitet werden, einem selbst und anderen großen Schaden zufügen können. Zur wahren Meisterschaft gehört es sein beobachtendes Selbst zu kultivieren, um im entscheidenden Moment eingreifen zu können (meist hat man dazu nur etwas zwei oder drei Sekunden Zeit), um die negative Energie umzugestalten. Stehe zu alle, gibt aber keiner Sache nach. Jesus spricht im Neuen Testament davon, dass man dem Bösen nicht widerstehen solle. Das hat nichts mit Nachgiebigkeit zu tun, sondern bedeutet, dass das Negative als solches erkannt und akzeptiert werden muss. Weiters „umarmt“ man diese Energie, so wie ein Vater oder eine Mutter ein weinendes Kind umarmen würde, um zu erkennen, was ihm fehlt und um es zu trösten. Durch die Umarmung wird man befähigt tief in den Schmerz oder Verlust hinein zu schauen, man spricht hier auch davon „das Leid zu berühren und zu transformieren“. Hat man die Botschaft verstanden, kann man sie gehen lassen und die Energie, die freigesetzt wurde gehört nun einem und man kann sie für seine Projekte zu seinem Vorteil nutzen. Ansonsten hätte uns die Energie möglicherweise großen Schaden zugefügt. Das wichtigste Werkzeug bei der Schaffung eines edlen Charakter ist die Achtsamkeit, sie ermöglicht uns immer weniger unbewusst zu handeln (wer böse handelt, handelt immer unbewusst, keine böse Tat im Leben wird je mit vollem Bewusstsein ausgeführt, immer fehlt das beobachtende Selbst), unser Leben tiefer zu verstehen und zu ergründen, was unsere Mission im Leben ist. Daraus erwächst auch die genaue Kenntnis der eigenen Werte und Ziele, was wiederum den Charakter stärkt und der Umwelt deutlich entgegen tritt.
Wie oben bereits erwähnt treffen wir diese vier Aspekte auch bei der Anatomie jedes Problems wieder an. Ein Problem ist etwas, das an uns herantritt und unser Gleichgewicht zu stören vermag, wenn wir nicht damit umgehen können. Problemlösung kann also auch als Wiederherstellung unseres natürlichen Gleichgewichtes verstanden werden. Eine Möglichkeit, die einem Problem zugrunde liegen kann ist Stress. Stress entsteht oft durch Löcher in den persönlichen Grenzen, insbesondere dann, wenn ein Mensch getrieben ist, weil er nicht „Nein“ sagen kann und es jedem Recht machen möchte. Stress wiederum ist immer entweder auf einen Schmerz oder einen Verlust zurückzuführen, das gilt für jeden Stress, den wir je erlebt haben oder je erleben könnten. Und hier sind wir wieder beim Management von emotionaler Energie. Die Ursache eines Problems kann aber auch in Fehlschlägen und Zurückweisungen liegen. Dies wiederum ist entweder auf einen Mangel an Kenntnissen (Bildung, Ausbildung, Wissen) oder einen Mangel an Erfahrung zurückzuführen. Hier sehen wir den dritten Aspekt des Charakters einer Person wieder: Intellekt und Ideen. Dann gibt es noch die Möglichkeit, dass ein Problem darauf zurückzuführen ist, dass wir uns gefangen oder eingeengt fühlen. Die Ursachen dafür sind entweder ein Mangel an Bewusstheit oder einen Mangel an Intuition, womit wir beim Aspekt der Entscheidungskraft/Freier Wille wären. Alle vier Bereiche erkennen wir also auch hier wieder bei den Problemen.
Nun abschließend noch zu einem ganz wichtigen Thema: Der Erfüllung. Lange Zeit hielt ich Glück für das ultimative Ziel im Leben. Niemand trifft eine Entscheidung oder vollführt eine Handlung ohne dabei davon auszugehen, dass es ihn glücklich oder zumindest glücklicher machen würde. Dass der Mensch sich dabei oft kräftig irrt, sieht man ja an den vielen Fehlschlägen, die genau das Gegenteil, nämlich Leid, herbeiführen. Immer aber gilt, dass die Person subjektiv im Zeitpunkt des Handelns das Beste gegeben hat, das Beste wozu sie aufgrund ihres gegenwärtigen Bewusstseinsstandes in der Lage war. Aus bitteren Samen entstehen niemals süße Früchte und doch verhalten sich beinahe alle Menschen so. Es ist eine Geistestrübung, an der die ganze Menschheit leidet, auch Staaten und Regierungen sind davon betroffen. Als Ganzes hat die Menschheit seit Jahrhunderten einen starken Niedergang durchgemacht, was insbesondere an der starken Anhaftung an der Materie zu sehen ist und der Verneinung oder zumindest Geringschätzung des Geistigen. Nichtsdestotrotz gab und gibt es stets einzelne, die dem negativen Massenbewusstsein entkommen und eine Klarheit des Geistes erwerben, die dem durchschnittlichen Menschen völlig unbekannt ist.
Niemals kann aus dem Leid, das jemandem zugefügt wird etwas Gutes für irgendjemanden entstehen, und doch baut unsere Gesellschaft in vielen Bereichen darauf auf, dass Menschen Leid zugefügt werden darf und man nennt dies dann selbstherrlich Gerechtigkeit. Ein vollendeter Charakter ist auch immer ein Charakter, der nicht dem Gewöhnlichen, dem Massenbewusstsein entspricht. Ein solch edler Charakter ist frei von der Welt und den Menschen, ohne den Menschen feindlich gesinnt zu sein. So kann einer „in“ der Welt sein, ohne „von“ der Welt zu sein.
Nun zurück zum Glück. Ich habe das Glück zwar als Urmotivation nicht verworfen, doch habe ich es mit zwei weiteren Faktoren zu einem noch umfangreicheren Begriff vereint. Diese sind: Freiheit und Erfolg. Erfüllung tritt ein, wenn alle drei Faktoren, also Glück, Freiheit und Erfolg zusammentreffen. Glück bedeutete einfach ein hohes Selbstwertgefühl zu haben. Wer sich selbst hoch schätzt und wahre Selbstliebe empfindet, der ist glücklich. Freiheit, bedeutet die Wahl zu haben, Entscheidungen treffen zu können. Erfolg bedeutet ein Ziel erreicht zu haben. Alle drei können für sich auch alleine stehen. So mag jemand ein Ziel erreichen aber keine Glück dabei empfinden, ebenso, wie jemand frei sein kann, aber erfolglos bleibt. Auch kann ein erfolgloser und unfreier Mensch trotzdem glücklich sein. Aber nur, wenn alle drei zusammen treffen ergibt sich das, was man als „Spitzenerlebnisse“ („peak moments“) kennt. Jeder hat in seinem Leben derartige Momente erlebt, in der Regel sind sie jedoch recht selten. Auf das ganze Leben umgemünzt, sind solche einzelnen Momente relativ unbedeutend. Die Qualität des Lebens wird durch ein Grundlevel bestimmt, dass bei den meisten Menschen erstaunlich konstant bleibt, über das ganze Leben hinweg. Die negativen Erlebnisse, wie etwa der Tod eines lieben Menschen, mögen zwar kurzfristig das Empfinden nach unten drücken, doch langfristig sind sie nicht von Bedeutung. Das gleiche gilt auch für Glückserlebnisse, wie sie Menschen etwa empfinden, wenn sie im Lotto gewonnen haben. Aber auch solche Menschen kehren bald wieder zu ihrem seelischen Grundniveau zurück, wie einige Untersuchung solcher Leute zeigen. Psychologen wissen, dass Optimismus bzw. Pessimismus ebenso wie Introvertiertheit oder Extrovertiertheit zu den stabilsten Faktoren der Persönlichkeit gehören. In dem meisten Fällen werden sie für gegeben erachtet und kaum einer denkt ernsthaft daran an ihnen zu arbeiten. Und doch ist auch dies möglich! Wie ich weiter oben bereits erwähnt habe, liegen im menschlichen Speicherbewusstsein alle Samen (Charaktereigenschaften) bereit. Durch den freien Willen entscheiden wir, welchen davon wir Nahrung zukommen lassen. Um es ganz deutlich zu sagen: Jeder Mensch hat das Potenzial alle Charaktereigenschaften aufzuweisen, jeder kann ein Teufel wie Hitler, Stalin oder Mao sein aber jeder ist auch dazu befähigt wie die Heiligen zu sein. Die Änderung kann jeder in jede Richtung vornehmen und zwar in jedem Alter. Das ist zwar nicht die Ansicht der Welt, aber es ist die Wahrheit. Wer sich selbst tief erforscht, weiß, dass ich die Wahrheit sage. Mögen alle Menschen einen edlen Charakter entwickeln!

Montag, 30. November 2009

Wir und die anderen

Der japanische Prinz Shôtoku schrieb zu Beginn des 7. Jahrhunderts:

„Was du für richtig hältst, halte ich für falsch. Was ich für richtig halte, hältst du für falsch. Sind wir nicht beide sehr gewöhnliche Menschen?“
Der indische Premierminister Jawaharlal Nehru nannte ihn den weisesten Herrscher, nebst dem altindischen Philosophenkaiser Ashoka, der je gelebt habe. Ich stimme dem zu, füge jedoch als westlicher Mensch noch hinzu, dass sich wohl auch der römische Kaiser Marc Aurel in dieser Reihe finden darf und nicht nur er.
Wir leben in einer Welt des Dualismus. Es gibt kein Weiß und kein Schwarz ohne das andere und doch hat sich die Menschheit darauf verengt einen Kampf Weiß gegen Schwarz anzunehmen und natürlich möchte jeder, dass Weiß gewinnt, vor allem deshalb, weil man sich selbst dieser Gruppe zugehörig fühlt. Doch verstehen die Menschen nicht, dass die Gegensätze nur scheinbar existieren und ihrem Ursprung nach eins sind. Die Dinge an sich sind völlig neutral, nur das Denken, das heißt in diesem Falle die geistige Position, die man in Bezug auf eine bestimmte Sache oder Person einnimmt, macht sie zu etwas Gutem oder Schlechtem. Nur vergessen wird einmal das eben gesagte und nehmen an dass Gut und Böse in diesem Universum an sich existierten.
Wer hat nun Recht? Ich sage eine Sache ist so und ein andere sage die Sache sein anders? Oft jedoch stell sich heraus, dass wir beide Recht haben, es kommt eben nur auf den Standpunkt an. Doch sind wir so erzogen worden, dass Recht und Unrecht, Richtig und Falsch an sich existierten. So kommt es dass die Menschen sich berechtigt fühlen den anderen umzuerziehen oder wenn nötig zu bekämpfen, auch mit Waffengewalt, wenn gar nichts mehr nützt. So setzt sich in der Welt derjenige durch, der am unsensibelsten, am gröbsten vorgeht, als ob damit die Wahrheit ihren endgültigen Ausdruck fände.
Die Einheit, von der ich oben sprach ist dieses Allsein, dieses Einsseins aller Dinge. Ich werde noch im Monate Dezember ausführlich darüber schreiben. Hier sei nur soviel gesagt: Unsere Gesellschaft kennt kaum mehr Tabus, vor allem die Sexualität, das große Tabu der Vergangenheit, ist aus seiner Dunkelheit ans Licht gezogen worden und wird nun zu einer schalen Oberflächlichkeit, aber Tabu kann man sie nicht mehr nennen, außer für verstockte konservative Menschen, die in unserer Welt ohnehin nichts mehr zu sagen haben und sich bald die Radieschen von unten ansehen werden. Nein, das große Tabu ist auch nicht der Tod und das Sterben, wenn auch zugegeben werden muss, dass wir damit den grundlegenden Dingen bereits weitaus näher gerückt sind. Nein, das große Tabu unserer Gesellschaft ist die Erkenntnis dessen, was wir wirklich sind. Dann erübrigt sich auch die Frage „Woher komme ich?“, „Wohin gehe ich?“, die allesamt Ableitungen von der eigentlichen Frage sind, wer wird wirklich sind. Wir sind eins mit allen Dingen, derjenigen, den wir als Gott kennen, ist auch in uns selbst vorhanden. Zwischen Mensch und Gott besteht eine Einheit, doch darf nicht vergessen werden, dass der Mensch sündhaft geworden ist und diese Einheit aus sich selbst heraus nicht wieder herstellen kann. Dazu bedarf es die Gnade dessen, der uns geschaffen hat.
Doch darüber mehr in einem anderen, viel ausführlicheren Beitrag, den ich noch vor Weihnachten hier auf dieser Seite veröffentlichen werde.

Sonntag, 6. September 2009

Die Illusion der Autonomie

Der Mensch ist seinem Potenzial gemäß das freieste aller Wesen (zumindest, der uns bekannten). Doch besteht eine seiner frühesten Entscheidungen gerade darin sich diese Freiheit zu versagen und sich allerlei Beschränkungen aufzuerlegen. Es hat schon etwas Komisches an sich, dass ein großartiges Wesen mit unglaublichem Potenzial, sich vormacht klein und unbedeutend zu sein, bis am Ende ein lächerlicher Abklatsch dessen herauskommt, was es sein könnte. Das Ergebnis ist der angepasste, gemeine Mensch von heute zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die inner Freiheit ist viel geringen, als in früheren Jahrhunderten. Aber gerade in dieser Einschätzung liegt das Paradoxon. Denn gerade die Fähigkeit sich klar zu machen und sich die Bedeutung abzusprechen, zeigt die wahre Macht des Menschen. Wir können uns sogar keiner machen, als wir sind! Ist das nicht gerade ein Zeichen unglaublicher Macht?
Worin liegt nun der Ursprung all dessen? Die Antwort ist einfach: In der Kindheit, in den ersten sechs bis sieben Lebensjahren. „Gebt mir ein Kind bis zum siebenten Lebensjahr, dann ich gebe euch den Mann/die Frau zurück!“, hieß es bei den Jesuiten. Diese Aussage ist nun wahrhaft mehr als wahr. In dieser frühen Kindeszeit legt der Mensch sein ganzes Leben fest. Alle wichtigen Entscheidungen werden wie in einem Drehbuch geplant: Ob man ein Gewinner oder Verlierer sein wird, oder wie die meisten Menschen, weder das eine noch das andere, also ein Nichtgewinner. Wen man heiraten wird. Ob man krank oder gesund sein wird. Welchen Beruf man haben wird und wie und wann man sterben wird. All diese Dinge hat ein siebenjähriges Kind bereits festgelegt. Der Rest des Lebens dient größtenteils nur noch dazu das Drehbuch auszuführen, sprich die Rolle zu spielen, die man sich selbst zurechtgemacht hat und sein Leben mit Menschen zu verbringen, die die anderen Rollen im Drehbuch spielen. Hat jemand zum Beispiel die Rolle des Opfers inne, so wird er im Leben immer wieder auf Leute stoßen, die die Rolle des Täters spielen. Beide sind sich nicht bewusst, dass sei ein Spiel spielen. Und so kann das Opfer dann auch sagen: „Warum muss das immer mir geschehen?!“, genau so, wie es seiner Rolle entspricht. Die wenigsten Menschen wissen über diese Zusammenhänge und deshalb erscheint das Leben auf dieser Welt auch so real. Tatsächlich gibt es aber nur wenige Menschen, die wirklich real in ihrem Verhalten sind. Das sind diejenigen, die sich aus ihrem Drehbuch befreien konnten, oder in den allerwenigsten Fällen, niemals ein solches erschufen.
Das Tragische bei dieser Sache ist es, dass diese Entscheidung über das Drehbuch von einem Wesen getroffen wird, das noch nicht die Einsichtsfähigkeit besitzt, um die Tragweite dieser Entscheidung absehen zu können. Aber, und das muss immer festgehalten werden, die Entscheidung wird frei getroffen, von einem kleine Kind allerdings. Wahrlich, das ist eine Ironie der Schöpfung, dass wir unsere Freiheit gleich einmal an die ersten Sklavenhalter verlieren: unsere Eltern. Dann folgen andere, wie Lehrer, Politiker, abstrakte Gebilde wie Staat oder Gesellschaft, Arbeitgeber und so weiter. Das ist die Art, wie die meisten Menschen ihr Dasein zubringen, bis sie über den Jordan gehen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie die Befreiung aus dem Drehbuch geschehen kann. Einerseits kann es sich dabei um äußere Umstände handeln, wie Krieg, Katastrophen, Unfälle und dergleichen. Zum zweiten gibt es die selten angewandte Möglichkeit der Introspektion. Darunter fallen auch diverse Techniken der Selbstheilung. Viele moderne Strömungen der Esoterik und das, was unter dem Begriff „Selbsthilfe“ angeboten wird, gehören ebenso zu diesen. Leider sind die wenigsten davon erfolgreich. Dazu ist ein hohes Maß an Dissoziation nötig, welches nur die wenigsten aufbringen können. Sich selbst objektiv zu sehen ist unglaublich schwer. Meist sieht man nämlich das, was mit einem nicht stimmt, also eine Geistestrübung, genau durch diese Trübung selbst. Trotzdem ist es auf diese Art nicht unmöglich frei zu werden. Vor allem Meditation über die wahre Natur des Geistes, die Leerheit aller Dinge, ist in diesem Bereich zu, Ziel führend. Der Mensch erkennt nämlich, dass er und die Gedanken nicht eins sind, ebenso wie die Gefühle. In der westlichen Welt gehen immer noch viele Menschen von Descartes Grundsatz „Cogito ergot sum“ aus, aber gerade darin liegt ein großer Fehler. Unsere ganze Kultur hat diese falsche Abzweigung vor paar Jahrhunderte genommen und ging sie bisher weiter entlang. Der Mensch ist nicht seine Gedanken. Sei genauso kritisch gegenüber deinem eigenen Geist, wie gegenüber den Aussagen anderer. Wir glauben ja auch nicht einfach was andere Menschen sagen, aber was unser Gehirn uns sagt, glauben wir meist ohne uns dessen bewusst zu sein. Als ob das Gehirn die Wahrheit spräche. Das tut es eben oft nicht, es plappert genauso daher, wie die Menschen in der Welt. Aber, wenn einem klar ist, dass das Gehirn nicht der Mensch ist, ebenso wenig, wie seine Produkte, dann wird es leichter objektiv zu sein.
Die dritte Möglichkeit der Befreiung geschieht über das was, unter Psychotherapie bekannt ist. Dazu möchte ich noch etwas anmerken, was doch deutlich auffällt. Psychiater sind die einzigen Fachmediziner, die sich das Organ, das sie behandeln nie ansehen. Psychiater behandeln die Patienten und ein Großteil ihrer Arbeit besteht danach aus bloßem Raten. Und oft raten sie einfach falsch. Die Fehlerquote ließe sich enorm einschränken, wenn von jedem Patienten vor der Therapie ein Scan seiner Hirntätigkeit durchgeführt würde. Möglicherweise handelt es sich bei psychischen Schwierigkeiten gar nicht um ein Softwareproblem, also etwas, das in der Bereich der Psychotherapie fällt, sondern um ein Hardwareproblem (das Gehirn selbst). Manche Bereiche des Gehirns arbeiten auf zu hohen Touren, andere auf zu niedrigen. Oft muss man den einen Bereich dämpfen und den anderen in seiner Aktivität anheben. Erst dann kann entschieden werden, ob noch an der Software gearbeitet werden muss oder nicht.